Mit dem „Gondoliere“ über den Brenner. Teil 1: Dt 73/72 1959-1965

Von Markus Egger

Bei den Vorläufern des D 1323/1322 fiel ja schon der Name des „Gondoliere“. Dieser Artikel stellt diesen Zug, der so nur eine kurze Zeit verkehrte,  vor.

„Gondoliere“ war der wohlklingende Name einer gar nicht mal so lange bestehenden Schnellzugverbindung von München über den Brenner nach Italien.
Erstmals nachweisen lässt  sich das Zugpaar Dt 73/72 „Gondoliere“ 1959. Der Dt 73/72 „Gondoliere“ war eine Direktverbindung von München nach Venedig, die nur in der Hochsaison verkehrte, 1962 war dies z.B. der Zeitraum vom 30.VI. bis 17.IX. In Österreich verkehrte der Zug als TS 73/72 „Gondoliere“ (TS=Triebwagenschnellzug), in Italien als R 348/347 „Gondoliere“ (R=Rapido; mit besonderem Zuschlag).

Recht übersichtlich war der Fahrplan des "Gondoliere". Mit nur 7 Zwischenhalten geht es in schneller Fahrt nach Venedig. Mit dem durchgehenden EC geht das heute auch nur 50 Minuten schneller.

Hierbei wurde die ganzjährig verkehrende Kurswagengruppe des D 65, der eine Dreiviertelstunde später München verließ, entlastet. Dt 73 hatte jedoch wesentlich weniger Halte und eine beschleunigte Fahr- zeit, so dass man mit diesem 4 Stunden früher als mit den Kurswagen aus D 65 in Venedig war.

Für das Zugpaar war eine Garnitur erforderlich – verwendet wurden hierzu zwei FS-Triebwagen der Baureihe ALn 773

So in etwa - wenn auch in anderer Farbgebung - darf man sich Dt 73/72 Gondoliere von 1959-1965 vorstellen. Das Foto entstand 1993 in den letzten Tagen der Triebzüge.Foto: Stefano Paolini. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic Lizenz.

Hierbei handelt es sich um eine Serie von 70 vierachsigen Dieseltriebwagen mit gut 300kW der Baujahre 1956-1962, die damals also „brandneu“ waren. (Nähere Angaben – leider nur in italienisch – auf Wikipedia: http://it.wikipedia.org/wiki/Automotrice_FS_ALn_773) Die Fahrzeuge sollen sich aber nicht allzu sehr bewährt haben.

Der Zugbildungsplan des Dt 73. Bei Bedarf sollte wohl noch ein Beiwagen beigestellt werden, der die Fahreigenschaften sicher nicht verbesserte. Ob er jemals gefahren ist? Scan: Hubert G. Königer

Gerade in heutigen Zeiten kann man sich nicht wirklich vorstellen den Brenner in einem Fernverkehrszug nur bestehend aus zwei vierachsigen Triebwagen in der Leistungsklasse des VT627 zu überqueren. Zwischen Innsbruck und dem Brenner wurde auch nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gut 50 km/h erreicht, die lokbespannten Züge waren dort wesentlich schneller!

Auf der Internetseite http://www.finescalemuc.de/tee-storia.htm (ziemlich weit nach unten scrollen) findet sich auch ein mit Sicherheit sehr seltenes Bild vom Dt 73/72 „Gondoliere“, aufgenommen 1962 in Kirchbichl (Tirol) sowie etwas Text zum Zug.

Die anhaltenden Probleme mit den zu schwachen Dieseltriebwagen führten dazu, dass dieser Zug zum Sommer 1966 als Kurswagengruppe in den schon bestehenden D 265/260 integriert wurde.

Vielen Dank an Jörg Schwabel für ergänzende Recherchen in ÖBB-Kursbüchern!

Stand: 7.2.2012

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