Der Kärnten-Express – Teil 3: Die 1960er-Jahre

Von Markus Egger

Aus den beiden Vorgängern D 454/453 „Kärnten-Express“ Oostende – Klagenfurt und D 90/89 Hamburg – München mit Kurswagen nach Klagenfurt kreierte die Bundesbahn ab dem Sommer 1960 den neuen D 90/89 „Kärnten-Express“ Hamburg – Klagenfurt, der jeweils im Sommerfahrplanabschnitt so verkehrte, im Winter verkehrte D 90/89 jeweils nur auf der Strecke Hamburg – München.

So war D 89 im Sommer 1960 gebildet. Neben seiner Funktion als Direktverbindung von Hamburg in die Kärtner Urlauberorte diente er auch als Kurswagenträger zu so illustren Zielen wie Zagreb, Athen, Belgrad, Triest oder Venedig. Scan: DSO-User HOman.

Die vor 1960 angebotene Direktverbindung aus Oostende nach Kärnten war immer noch durch F 154/153 „Tauern-Express“ aus Oostende gegeben, der bereits ab 1962 nur noch nach Klagenfurt statt nach Belgrad verkehrte.

Nördlich Treuchtlingen wurde D 90/89 immer noch mangels Elektrifzierung weitgehend von Dampfloks befördert. 1961 waren folgende Bespannungen vorgesehen:

  • Hamburg – Würzburg und zurück: 01.10 Bw Bebra
  • Würzburg – Treuchtlingen 01 Bw Treuchtlingen, Rück V200 Bw Frankfurt
  • Treuchtlingen – München: E17 Bw Augsburg, Rück: E18 Bw München
  • München – Salzburg und zurück: E16 Bw Freilassing

So sah der Buchfahrplan von 1961 für den Abschnitt Hamburg – Hannover aus, eine 01 Öl diente der Fahrzeitberechnung:

In flotter Fahrt bringt eine 01 Öl den D 90 von Hamburg nach Hannover durch die Nacht. Scan: Olaf Ott.

Durch die Elektrifizierung der Nord-Süd-Strecke in der ersten Hälfte der 60er-Jahre konnte der Zug nach Schließung der letzten Lücke im Frühjahr 1965 zwischen Hannover und Hamburg deutlich beschleunigt werden. D 90 war im Sommer 1966 sage und schreibe 2:53 h schneller von Hamburg nach Klagenfurt unterwegs als 1962. Trotz späterer Abfahrt in Hamburg waren die Fahrgäste schon um 15:50 Uhr statt erst um 18 Uhr in Klagenfurt. Ungewöhnlich ist 1962 der Zielbahnhof des Zuges in Nordrichtung: Er endet in Hamburg-Dammtor! Er dürfte anschließend auf der Verbindungskurve unter Umgehung von Hamburg-Altona direkt abgestellt worden sein. An den Zwischenhalten änderte sich wenig. Wie bereits bei seinem Vorgänger fällt der frühmorgendliche und spätabendliche Halt in Gunzenhausen auf, wo auch damals keineswegs viele D-Züge hielten. Durch den Halt entstanden aber für Gunzenhausen eine attraktive Tagesrandverbindung nach München. In Süd-Nord-Richtung wurde 1962 in Celle, Lüneburg und Hamburg-Harburg gehalten, bis 1966 war zumindest der Halt in Celle entfallen. Diese Halte dienten dem morgendlichen Verkehr nach Hamburg.  1962 wurde gegenüber früheren Zeiten und späteren Zeiten auch in Traunstein und Freilassing gehalten, 1966 gibt es dafür Halte im Salzburger Land in Hallein und Golling-Abtenau.

So sieht der Fahrtverlauf des D 90/89 1962 und 1966 aus. In Österreich heißt der Zug Ex 155/154, 1962 wechselt er in Villach nochmals doe Zugnummer auf Ex 157/156.

9 verschiedene umsteigefreie Relationen bot D 90/89 1962. Darunter so verschiedene Ziele wie St. Veit an der Glan, Hof und Triest. Einige Wagen waren in 4 verschiedenen Zügen unterwegs. Quelle: Amtliches Kursbuch 1962.

Der Zug diente weiterhin als Kurswagenträger, dabei nahm aber zunächst die Bedeutung der Kurswagenziele in den südösterreichischen Urlaubsgebieten gegenüber den internationalen Zielen zu. So verkehrten beispielsweise die in Würzburg beigestellten Kurswagen vom D 58/57 Dortmund – Linz 1960 noch nach Zagreb und Athen, 1962 dann nach Klagenfurt und Graz.

Bis 1966 kamen wieder einige Ziele in Südosteuropa hinzu, z.B. Split und Budapest. Statt nach St. Veit an der Glan ging es nur noch nach Feldkirchen in Kärnten. Den größten Teil der Wagen stellte die DB, die JZ stellte die Wagen aus Jugoslawien, die ÖBB den Kurswgaen aus Budapest. Scan des Zugbildungsplans 1966: DSO-User Plumps

Nach der durchgehenden Elektrifizierung der Nord-Süd-Strecke konnten äußerst produktive Lokdurchläufe praktiziert werden. Unser D 90/89 wurde so z.B. bereits im Sommer 1965 durchgehend von München bis Hamburg von einer E10 des Bw Hamburg-Eidelstedt befördert. Dabei kamen aber keine Personale des Heimat-Bw zum Einsatz. Südwärts brachten Hannoveraner Lokführer den Zug von Hamburg bis Bebra und Würzburger Personale den Zug von Bebra nach München. Nordwärts waren Ingolstädter, Bebraer und Hannoveraner Personale beteiligt.

In etwa diesem Rahmen verkehrte der „Kärnten-Express“ bis zum Sommerfahrplan 1970, allerdings hatte sich die Zugnummer zwischenzeitlich auf D 86/85 geändert. Ab 1971 wechselte dann die Zugnummer auf D 299, der er dann wiederum längere Zeit treu blieb, doch diese Zeit soll in einem weiteren Artikel behandelt werden.

Offene Fragen

– Weitere Bespannungen und Zugbildungen

– Wann genau kamen die diversen Kurswagen dazu/weg

– Fotos, Geschichten, usw..

Vielen Dank an HOman, Olaf Ott, Diesel73, Plumps und OZL-Lokd für die zur Verfügung gestellten Scans und Informationen

Link zur Diskussion auf DSO: http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,5777494,5777494#msg-5777494

Stand: 4.3.2012

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