Der Kärnten-Express – Teil 4: Die Jahre 1971-1987 als D 299/298

Von Markus Egger

In den 1960er-Jahren hatte sich der „Kärnten-Express“ als Sommerverbindung D 90/89 Hamburg-Klagenfurt etabliert. Ab 1971 kehrten lange konstante Jahre ein, die Verbindung lief als D 299/298 „Kärnten-Express“ im Sommerhalbjahr auf der Strecke Hamburg – Klagenfurt, im Winterhalbjahr gab es jeweils einen namenlosen D 299/298 Hamburg – München, der dort Kurswagen Hamburg-Klagenfurt an den Tauern-Express übergab. Davon wurde nur einmal im Winterfahrplan 1971/72 abgewichen, als der D 299/298 in der Winterhochsaison und Sommernachsaison über München hinaus bis Salzburg verlängert wurde.

1974 hatte sich nur verhältnismäßig wenig bei den mitgeführten Kurswagen geändert. Quelle: Zugverzeichnis zum Kursbuch 1974.

Änderungen gab es jedoch immer wieder bei den mitgeführten Wagengruppen und Kurswagen. So wurde z.B. 1971 Klagenfurt – Hamburg auch als Liegewagen angeboten, was 1966 noch nicht der Fall war, die Kurswagen aus Jugoslawien kamen nun aus Zadar statt Split. Wieder dabei war der Tageskurswagen München – Lienz, den es 1962 schon mal gegeben hatte. Weggefallen waren spätestens 1974 die Kurswagen aus Feldkirchen in Kärnten und Budapest, der Schlafwagen aus Nürnberg startete nun bereits in Regensburg. Statt des Speisewagens München – Spittal-Millstättersee gibt es nun nur noch einen Minibarservice auf dieser Relation. In Süd-Nord-Richtung kamen bis 1974 gegenüber 1966 die Halte Fulda, Celle und Uelzen dazu, Celle hatte es früher schon einmal gegeben.

Auch bis 1978 änderte sich die Zugbildung nicht wesentlich. Nach Zadar ging es nun nur noch unter einer komplizierten Verkehrstageregelung. Quelle: Zugverzeichnis zum Kursbuch Sommer 1978

Bis 1978 hatte sich nichts grundlegendes an der Zugbildung geändert. Die Relation Graz – Dortmund wurde nun als Liegewagen statt als Sitzwagen 2.Klasse angeboten, Die Verbindung nach Zadar gab es nur noch übers Wochenende, in Süd-Nord-Richtung gab es einmal die Woche jedoch einen echten Exoten im Zugverband: Auf dem kurzen Abschnitt Hannover – Hamburg gesellte sich Dienstags Morgens noch ein Schlafwagen der SZD Moskwa – Hamburg dazu!

Der D 299/298 von 1983 konzentriert sich im wesentlichen auf die Aufgabe eine Nachtverbindung aus Hamburg in den Alpenraum herzustellen. Quelle: Zugverzeichnis zum Kursbuch Sommer 1983.

Doch in der Zeit zwischen 1979 und 1983 gab es eine deutliche „Verschlankung“ des Zuges – zumindest was die unterschiedlichen Ziele angeht. D 299/298 „Kärnten-Express“ führte nun neben dem Hauptast Hamburg – Klagenfurt nur noch die Wagengruppen Hamburg – Passau, Hamburg – Graz, München – Lienz sowie den Schlafwagen Hamburg – Regensburg. Kurswagen aus Dortmund gab es nun nicht mehr, Klagenfurt war von Dortmund aus über Nacht somit nicht mehr umsteigefrei erreichbar – vom Rheinland aus gewährte diese Verbindung noch der D 217/216 „Austria-Express“ Amsterdam – Klagenfurt. Ebenso entfielen die Kurswagen nach Jugoslawien (vor 1981) und Hof (1982) sowie die Mitführung des SZD-Schlafwagens aus Moskwa zwischen Hannover und Hamburg nordwärts. Zwischen Hamburg Hbf und Würzburg wurde D 299/298 „Kärnten-Express“ mit dem D 1483/1482 „Tirol-Express“ Kobenhavn – Innsbruck vereinigt gefahren. Der Grund für die Trennung dieser Züge bereits in Würzburg ist jedoch nicht offensichtlich, bis Treuchtlingen folgen sich die beiden Züge fast im Blockabstand, dann trennt sich kurz der Weg, D 1483/1482 fährt über Ingolstadt direkt nach München Ost, D 299/298 fährt über Augsburg und München Hbf. Interessanterweise macht D 299 bei seiner Fahrt südwärts spätestens ab 1983 in Hannover Hbf Kopf, da er laut Kursbuch diesen Bahnhof über die Lehrter Kurve erreicht. Darüber hinaus wurden die Zwischenhalte vereinheitlicht und werden nun fast alle symmetrisch in beide Fahrtrichtungen angeboten: Südwärts kommt Hamburg-Harburg und Lüneburg hinzu, Nordwärts Gemünden (Main) und Fulda. Nur in Celle und Uelzen wird weiterhin nur nordwärts angehalten.

1984 gab es für den Kärnten-Express erstmals eine nennenswerte Änderung in der Streckenführung. Der Zug wurde nun über Nürnberg statt Ansbach geführt. Dadurch erhoffte sich die DB eine attraktive Tagesverbindung aus Nürnberg nach Klagenfurt. Quelle: Was ist neu? zum Kursbuch Sommer 1984.

Zum Sommerfahrplan 1984 gab es eine Änderung in der Streckenführung. Der Zug wurde nun ab Würzburg und Nürnberg statt über Ansbach nach Treuchtlingen geführt. Dadurch gab es zusätzliche Halte in Kitzingen,  Neustadt (Aisch) und Nürnberg, die Halte ins Ansbach und Gunzenhausen entfiel dafür. Als Ersatz hielt nun der „Tirol-Express“ auch in Gunzenhausen und hielt die Tagesrandverbindung Gunzenhausen – München aufrecht. Bei den Wagengruppen änderte sich nicht viel, nur die Sitzwagen München – Lienz verkehrten nun bereits ab Würzburg.

Vergleich des Fahrplanes von D 299/298 für einige typische Jahre in seiner Blütezeit von 1971 bis 1987.

Doch währte diese „Reform“ nur noch relativ kurz – und letztendlich hatte unser „Kärnten-Express“ in der bisherigen Form seinen Zenit überschritten.

Auszug aus dem Faltblatt „Ihr Zug-Begleiter“ vom Sommer 1984. Ob wohl jemals jemand nachts um 3:25 in Bebra ausgestiegen ist und gut 80 Minuten auf den Nahverkehrszug nach Melsungen gewartet hat oder in Augsburg in den Bus nach Aystetten wechseln wollte? Scan: DerStefan.

Zum Sommer 1988 setzt die DB noch grundlegendere Änderungen durch, doch dazu in einer späteren Folge der Serie. Zwar war D 299/298 „Kärnten-Express“ eine täglich in der Sommersaison verkehrende Direktverbindung (im Winter täglich als Kurswagen) von Hamburg nach Klagenfurt, doch hatte er für die Zielgruppe auch einige „Mängel“. Aus der späten Abfahrtszeit in Hamburg, die noch aus der Zeit kam, da sein Vorgänger eine von mehreren Nachtverbindungen Hamburg – München war, resultierte die späte Ankunft im Zielgebiet, so war für die Urlauber eine Nacht und fast ein ganzer Urlaubstag schon verbraucht, bis man in Kärnten ankam. Durch die zahlreichen mit dem Zug erschlagenen Tagesrandrelationen wie z.B. Lüneburg – Hamburg oder Kitzingen – München sowie die nächtlichen Halte in „Metropolen“ wie Kreiensen ergaben sich zwar viele Direktverbindungen, jedoch litt die Reisezeit. So illustre Relationen wie Lüneburg – Neustadt (Aisch),  Gemünden (Main) – Golling-Abtenau oder Krumpendorf – Celle waren mit D 299/298 umsteigefrei täglich möglich, über die Kurswagen waren z.B. auch Schladming, Stadt Rottenmann oder zahlreiche Orte im oberen Drautal direkt ab Deutschland erreichbar.

Die Zugbildung des D 299/298 bot zwar optisch in den 70ern und 80ern meist nur DB-Wagen, war aber sehr komplex, so dass man sich stundenlang in den Zugbildungsplan vertiefen könnte. 1971 war als einziger Altbauwagen noch ein 1.-Klasse-Schlafwagen WLAs der DSG von Hamburg bis München im Zug. Ein BRbum 1971 bildete den Speisewagenservive 1971. 1981 und 1982 war sogar ein großer Exot im Zugverband: Einer von vier Bm 234, der zur Erprobung mit einer von mehreren verschiedenen getesteten Vakuumtoiletten ausgestattet war, lief dabei morgens im Kärnten-Express von Würzburg nach München (und kehrte abends mit E 3242 wieder zurück).

32 Wagen listet der Zugbildungsplan des D 299 1971 auf, die aber natürlich nie gleichzeitig im Zug waren. Viele verkehrten nur auf Teilstrecken oder nur an bestimmten Tagen. Scan aus dem ZpAR: Oliver Ertl.

Mit stattlichen 15 Wagen kam D 299 im Sommer 1981 in Würzburg Hbf an, ab dort war als Wagen 15 der Bm mit der Probe-Vakuumtoilette im Zugverband. Scan: DerStefan.

Die Zugbildung des D 299 im ZpAR von 1984. Scan: Mani940.

DSO-User Martin Welzel präsentiert in zwei schönen Fotoserien auch interessante Bilder des Kärnten-Express im Abschnitt München – Salzburg:

http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,4867662,page=all

http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,4795496

Nördlich München war der D 299/298 planmäßig traditionell in Langläufen von Loks des Bw Hamburg-Eidelstedt verplant. 1971 beispielsweise war er in einem kleinen Plan mit 3 Plantagen für 110 zu finden, der neben D 299/298 im Abschnitt Hamburg – München und dem Tageszug D 583/582 Hamburg – München nur noch zwei Zugpaare Hamburg – Bremen, ein Zugpaar München – Holzkirchen und ein kleines Güterzugpaar innerhalb Hamburgs enthielt.

Kern eines kleinen dreitägigen Laufplans für Hamburg-Eidelstedter E10 war der Kärnten-Express D 299/298 auf dem Abschnitt Hamburg – München. Scan: OZL-Lokd.

1972 war dieser Laufplan fast unverändert von der Baureihe 103 übernommen worden, nur das Zugpaar nach Holzkirchen und das Güterzugpaar fehlten. Der Umlauf trägt auch die Bemerkung „Gelegentlich Vorauslok“, so dass wohl auch ab und zu eine 103.0 zum Einsatz kam.

Praktisch identisch ist dieser Laufplan kurz darauf (Winter 72/73) von der Baureihe 103 übernommen worden. Scan: OZL-Lokd.

1975 findet sich unser D 299 in einem speziellen 3-tägigen Laufplan für die Vorausloks 103.0 wieder – obwohl der lange und schwere D 299 eigentlich nicht dem für die E03.0 vorgesehenen Betriebsprogramm mit leichten, schnellen Zügen entsprach. Häufig jedoch weilten die 103.0 bei Versuchseinsätzen und eine 110 musste einspringen. Gegenzug D 298 wurde von einer 110 des Bw München Hbf nach Hamburg gebracht.

Als Bespannung südlich München sind mehrere Fotos mit 1042 der ÖBB überliefert.

Offene Fragen:

  • Bespannungen der 80er Jahre
  • Wann zwischen 1971 und 1974 entfielen die Kurswagen nach Feldkirchen in Kärnten und Budapest
  • Fotos und Geschichten zum Zug

Vielen Dank an die DSO-User Eurocity341, Bastian Bode, OZL-Lokd, Mani940, Olaf Ott, Oliver Ertl und DerStefan sowie allen anderen Helfern und „Informationsspendern“. Link zur Diskussion auf DSO: http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,5786090,5786090#msg-5786090

Stand: 5.10.2012

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