Der Kärnten-Express – Teil 5: Die Jahre 1988-1994 als D 1299/1298

Von Markus Egger

Über die Jahre war der D 299/298 „Kärnten-Express“ für Urlauber immer unattraktiver geworden, da er nur eine sehr späte Ankunft im Zielgebiet um kurz nach 15:00 Uhr am Folgetag bot und zwischenzeitlich zumindest zum Bettenwechsel am Samstag mit einer Umsteigeverbindung von D 1381 (Hamburg-Altona ab 20:00) nach Salzburg (an 7:30) und dortigem Anschluss an Ex 191 „Bundesländer-Express“ Salzburg Hbf ab 7:50, Klagenfurt Hbf an 11:38 eine deutlich schnellere Verbindung bestand, bei der man zumindest zum Mittagessen am Wörthersee sein konnte.

Zum Sommerfahrplan 1988 reagierte die Bundesbahn: D 299/298 wurde auf die Relation Hamburg – Salzburg eingekürzt und verkehrte nun als namenloser D 2187/2186, dafür verkehrte ein neuer D 1299/1298 „Kärnten-Express“ Hamburg – Klagenfurt, der letztendlich ein verlängerter D 1381/1380 war und die Wagengruppe nach Klagenfurt und Graz aus dem D 299/298 übernahm. Allerdings wurde erstmals nicht mehr täglich in der Sommersaison die Verbindung Hamburg – Klagenfurt angeboten. D 1299/1298 verkehrte nur Freitag auf Samstag Nacht Südwärts und Samstag auf Sonntag Nacht Nordwärts. Mit dieser „Operation“ änderten sich auch die im „Kärnten-Express“ angebotenen Wagengruppen. Hamburg – Passau/Regensburg blieb im D 299-Nachfolger D 2187, die Tageskurswagen München – Lienz entfielen ersatzlos, die Kurswgaen nach Graz verkehrten nur noch bis Selzthal.

Ganz neu setzte sich D 1299/1298 zusammen. Es gab nun mal wieder Wagen aus Oostende und ganz neu Wagen nach Oberstdorf. Quelle: Zugverzeichnis zum Kursbuch 1988

Neu erbte der „Kärnten-Express“ aus dem D 1381/1380 Liege- und Schlafwagen Hamburg – Oberstdorf. Aus dem D 1213/1212 erbte der Zug die Sitz- und Liegewagen Oostende – Klagenfurt. D 1213/1212 war bisher Oostende – Villach verkehrt, machte aber in Österreich den landschaftlich interessanten, aber ziemlich zeitraubenden Schlenker über die Strecke Rosenheim – Wörgl – Schwarzach-St. Veit. Neu gab D 1213 in Augsburg bereits die Wagen nach Kärnten ab und konnte somit selber in Zell am See enden. Insgesamt stellte dies trotz der Einschränkung der Verkehrstage zumindest in den Fahrzeiten und Fahrlagen eine deutlich attraktivere Verbindung nach Kärnten dar, die zudem insofern optimiert war, als für die Verbindung Hamburg-Klagenfurt nur noch 2 statt 3 Garnituren umlaufbedingt benötigt wurden.

Das „Kärnten-Express“-System 1988: Rot die Strecke des Kärnten-Express, Grün die Kurswagen nach Oberstdorf, Blau der D 1213/1212 Oostende – Zell am See und Violett die Kurswagen nach Selzthal. Kartengrundlage: PKP-Kursbuch 95/96

Der Zugbildungsplan des D 1299 im Sommer 1990 zeigt, dass die Kurswagen Oostende – Klagenfurt die SNCB-NMBS stellte und für die Relationen Hamburg – Sonthofen und Hannover-Sonthofen sogar Autotransportwagen vorgesehen waren. Quelle: Entwurf zum ZpAR 1990/91

Durch diese Änderungen änderten sich auch die Verkehrshalte: In Uelzen und Celle wurde nun auch Südwärts gehalten, dafür entfielen in beiden Richtungen die tiefnächtlichen Halte in Fulda und Gemünden (Main). Der Zug wurde ab Würzburg wieder direkt über Ansbach statt Nürnberg geführt, weshalb Kitzingen, Neustadt (Aisch), Fürth (Bay) Hbf und Nürnberg wieder zu Gunsten von Ansbach entfielen. Der Halt Gunzenhausen kam jedoch nicht mehr zurück. Zumindest südwärts kam München Ost hinzu, in beide Richtungen wurde nun in den Urlaubsorten Prien, Traunstein und Freilassing gehalten, da D 1299/1298 nun hierher für Norddeutsche eine attraktive Lage hatte. In Österreich änderte sich nichts an der Haltepolitik.

Diese Neukonzeption bestand so jedoch nur 3 Sommer lang, zum Jahresfahrplan 1991/92 wurde das Zugsystem um den Kärnten-Express wiederum komplett überarbeitet. Der „Kärnten-Express“ verkehrte nun in der Sommersaison wieder täglich. Neu war jetzt die Überkreuzverknüpfung mit dem neuen D 1123/1122 „Dolomiten-Express“. Die beiden Züge trafen sich nun zum „Rendezvouz“ in Rosenheim. Durch die Verknüpfung konnten die Relationen Dortmund – Klagenfurt sowie Hamburg – Merano/Meran neu umsteigefrei angeboten werden. Außerdem wurde der „Kärnten-Express“ nochmals deutlich beschleunigt: Die Halte in Kreiensen, Bebra, Ansbach, Augsburg Hbf, München Hbf, Prien, Traunstein, Freilassing und Hallein entfielen, neu hinzu kam nordwärts München Ost sowie in beide Richtungen Dorfgastein. Der Zug war auf der Gesamtstrecke hierdurch nochmals 90 Minuten schneller, trotz späterer Abfahrt in Hamburg war man nun schon um 9:48 in Klagenfurt Hbf. Die Wagengruppe Hamburg – Oberstdorf verkehrte nun als eigener Zug D 1389/1388 Hamburg – Oberstdorf (via Ulm), die Kurswagen Oostende – Klagenfurt kamen mit einem neuen D 1215/1214 Amsterdam – Klagenfurt nach Kärnten. Neu bzw. wieder im Angebot waren die Kurswagen Dortmund – Graz und Hamburg – Graz.

Diese Konzeption währte wiederum einige Jahre bis 1994. In dieser Zeit änderte sich nur wenig, hauptsächlich zwischen Hamburg und Hannover gab es einige Fahrzeitverschiebungen wegen Überholungen durch ICE und IR. Ab  1995 wurde wieder ein neues Konzept gefahren, D 1299/1298 und D 1123/1122 trafen sich dann bereits zum Rendezvouz in Würzburg und verkehrten im Abschnitt Würzburg – Rosenheim vereinigt – doch dazu mehr in einem weiteren Artikel.

Die beiden Fahrplankonzepte des D 1299 im Vergleich.

Bespannung:

Zumindest in der Zeit ab 1991 waren der „Kärnten-Express“ und „Dolomiten-Express“ eine Domäne der Münchner 111er. Beide Züge tauschten in Rosenheim mit den Wagengruppen auch die Loks woraus sich ein langer Lokdurchlauf Brennero/Brenner – Rosenheim – Hamburg-Altona mit den D 1122/D 1298 ergab. Die andere 111 lief immerhin Klagenfurt – Rosenheim – Frankfurt mit D 1298/D 1122 durch. In der Südrichtung ging die 111 schon in Innsbruck vom D 1123 (wohl aus Lastgründen am Brenner).

In den Laufplantagen 27 bis 32 sind die Münchner 111er schwerpunktmäßig mit dem Kärnten-Express und Dolomiten-Express beschäftigt. In Tag 27 kommt eine 111 mit dem D 285 auf den Brenner und übernimmt dort D 1122, wechselt in Rosenheim auf D 1298 nach Hamburg. Nach einer ausgedehnten Siesta in Hamburg geht es am nächsten Abend mit D 1299 nach Rosenheim und ab dort mit D 1123 bis Innsbruck. Mittels einer Lz-Fahrt nach Mittenwald und dem E 3616 gelangt die Lok nach München wo zunächst etwas Nahverkehr auf dem Programm steht. In Tag 30 steht u.a. ein Abstecher nach Jesenice in Jugoslawien auf dem Programm, abends wird dann mit D 250 schon Frankfurt erreicht, wo gegen Mitternacht D 1123 übernommen wird. Über Rosenheim und den dortigen Wwechsel auf D 1299 gelangt die Lok nach Klagenfurt, wo tagsüber österreichischer Binnenverkehr über den Tauern auf dem Programm steht. Über Nacht geht es mit D 1298 und D 1122 wieder zurück nach Frankfurt, wo die Lok wieder in deutsche Binnenleistungen wechselt. Scan: OZL-Lokd.

Offene Fragen:

  • Bespannungen vor 1991 die Zugbildung ab 1991
  • Fotos und Geschichten

Vielen Dank an OZL-Lokd und Der Hönnetaler für die UNterstützung. Link zur Diskussion auf DSO: http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,5792361

Stand: 7.3.2012

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