Nahverkehrszüge Donauwörth-Treuchtlingen: Teil 1 – Die Dampfära 1906-1935

Von Markus Egger

Die Eisenbahnkarte aus dem Kursbuch Sommer 1905 zeigt eindringlich die "fehlende" Direktverbindung Donauwörth-Treuchtlingen, die kurz vor der Vollendung stand. Quelle: Reichs-Kursbuch Juli 1905.

Am 1.10.1906 eröffnete die Königlich Bayerische Staats-Eisenbahn die zweigleisige „Neubaustrecke“ Donau- wörth – Treuchtlingen, die vorrangig den Zweck erfüllen sollte, die umwegige Streckenführung der Königs-Ludwigs-Süd-Nord-Bahn in diesem Abschnitt wesentlich abzukürzen. Der Abschnitt Donauwörth – Nürnberg der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn war bereits innerhalb des Jahres 1849 in 4 Etappen eröffnet worden, dabei aber aus verschiedenen Gründen (Anschluss an Württemberg, Bedeutung der ehemaligen Reichsstadt Nördlingen, Topographie) über Nördlingen – Gunzenhausen trassiert worden. Die neue Strecke verlief von Donauwörth aus nördlich bis Treuchtlingen. Dort traf sie auf die bereits 1869/1870 erreichteten Strecken Ingolstadt – Treuchtlingen, Treuchtlingen – Gunzenhausen und Treuchtlingen – Pleinfeld. Über letztere konnte in Pleinfeld auch wieder die Ludwigs-Süd-Nord-Bahn erreicht werden. In dem lange relativ unbedeutenden Marktflecken Treuchtlingen entstand ein zentraler Eisenbahnknoten, der im Süden von Augsburg und Ingolstadt und im Norden von Nürnberg und Würzburg angebunden war und den Ort schnell zu einer klassischen „Eisenbahnstadt“ wachsen ließ.

1905 lief wegen der umwegigen Streckenführung fast der gesamte Fernverkehr von München nach Nürnberg und Würzburg über die Ingolstädter-Strecke und durchs Altmühltal. Auf der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn verblieb ein Eilzugpaar Pleinfeld – München (das im Abschnitt Pleinfeld – Nördlingen an allen Stationen hielt, aber auch Kurswagen Dresden – Augsburg – Lindau führte) und zwei Schnellzugpaare Pleinfeld – Augsburg – Buchloe, die teilweise Kurswagen aus Dresden bzw. in die Schweiz oder Nürnberg – Stuttgart über Nördlingen führten. Nach Eröffnung der Neubaustrecke am 1.10.1906 verkehrten wieder mehrere D- und Eilzüge von München nach Nürnberg bzw. Würzburg über Augsburg.

Die Strecke war möglichst direkt und großzügig durch das recht hügelige Gelände trassiert worden, so dass keine weiteren größeren Orte entlang der Strecke miterschlossen wurden. Zwischenstationen entstanden in Möhren, Otting-Weilheim, Fünfstetten und Mündling. Zusammen mit der Hauptbahn wurde deshalb auch vom Zwischenbahnhof Fünfstetten aus die Lokalbahn ins Städtchen Monheim eröffnet, das damals immerhin ein Königlich Bayerisches Amtsgericht hatte und Distrikthauptstadt war. Da die Strecke keine größeren Orte erschloß wurde von Anfang an nur ein bescheidener Nahverkehr angeboten. So verkehrten 1907 beispielsweise 4 Zugpaare Donauwörth – Treuchtlingen.

4 Zugpaare, die im Neubauabschnitt Donauwörth – Treuchtlingen pendeln zeigt die Fahrplantabelle von 1907. Quelle: Eisenbahn-Kursbuch für Bayern und die Nachbarländer, Sommerdienst 1907.

Ab Donauwörth verkehrten um 7:41, 12:20, 18:02 und 22:00 Züge, ab Treuchtlingen um 6:10, 9:50, 15:20 und 20:25. Die Fahrzeit betrug zwischen 60 und 70 Minuten.

Hieran änderte sich in den nächsten Jahren wenig. Selbst im Kriegsjahr 1917 wurde noch das bis auf Minutenabweichungen gleiche Angebot gefahren. Zusätzlich verkehrte nun nur an „Viehmarkttagen in Donauwörth“ ein Zug 2181 (wohl Viehzug mit Personenbeförderung, nur 3. Klasse) frühmorgens um 3:40 ab Treuchtlingen, der mit längeren Verladeaufenthalten Donauwörth um 5:13 erreichte.

Die Tabelle 301 des Sommerfahrplanes 1917. Links oben ist der im Text genannte Zug zum Viehmarkt Donauwörth zu erkennen. Quelle: Reichs-Kursbuch Sommer 1917.

Bis Mitte der Zwanziger Jahre war dann das Angebot auf der Strecke Donauwörth – Treuchtlingen sogar wieder geschrumpft. Das abendliche Personenzugpaar verkehrte nicht mehr, ebenso verkehrte der Zug zum Viehmarkt in Donauwörth nicht mehr. Die Abfahrten verschoben sich außerdem teilweise erheblich. 1927 beispielsweise ging es ab Donauwörth nun um 7:40, 12:12 und 18:10, ab Treuchtlingen um 5:14 (nur vom 2.7. bis 1.9.), 5:40 (nicht vom 2.7. bis 1.9.), 10:00 und 16:25. Die Fahrzeit schwankte nun zwischen 50 und 70 Minuten, es hatte also noch keine nennenswerte Beschleunigung stattgefunden.

1934 – im letzten Fahrplanjahr vor der Elektrifizierung – verkehrte dann neben den drei Zugpaaren auch zumindest an und vor Sonn-und Feiertags eine Abendzugpaar 20:46 ab Treuchtlingen und 22:15 ab Donauwörth. Darüber hinaus gab es größere Fahrzeitverschiebungen: Der Morgenzug ab Treuchtlingen verkehrte nun erst gegen 6 Uhr, der Mittagszug ab Donauwörth erst gegen 13:30 Uhr.

1935 wurde der elektrische Betrieb auf der Bahnstrecke Augsburg – Nürnberg aufgenommen, wie sich der Nahverkehr auf dem Abschnitt Donauwörth – Treuchtlingen unter der E-Traktion weiterentwickelte wird der demnächst erscheindende Teil 2 dieser Serie erzählen.

Einen guten Artikel zu dieser Bahnstrecke bietet auch Andreas Dollinger auf seiner Homepage.

Offene Fragen

  • Welche Dampflokomotiven mögen wohl in den Jahren 1907 – 1935 für den Nahverkehr auf der Strecke eingesetzt worden sein?
  • Hat jemand Fahrpläne für Jahre zwischen den mir vorliegenden (1907, 1917, 1927) und kann berichten wie der Zugverkehr in diesen Jahren ausgesehen hat?

Stand: 25.3.2012

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7 Antworten zu Nahverkehrszüge Donauwörth-Treuchtlingen: Teil 1 – Die Dampfära 1906-1935

  1. Stan Holla schreibt:

    Betreff: Nahverkehrszüge Donauwörth-Treuchtlingen: Teil 1 – Die Dampfära 1906-1935

    Guten Tag Herr Egger, Markus,

    Liebe Grüßen aus die Niederlanden und Vielen Dank für Ihren Mühen (DSO).

    Aus: Ritzau KG, Reprint RKB Nr.3 • Juli 1925, Tabelle 301 »(Vom 5 Juni 1925)«
    Wie auch 1927 je Richtung 1 Buchseite; Herbertshofen kein Halt „»“.

    {Links der Zeiten steht eine ¦ -linie: Züge führen 1.—4., 2.—4. oder 3. und 4. Klasse.}
    Z 703 Z 705 Z 707
    Treuchlingen ab 6||31 10• 0 4•25
    Donauwörth an 7||23 11• 5 5•35
    Z 713 Z 717 Z 721
    Donauwörth ab 7||45 1•20 6|| ̳ ̳ ̳5̳
    Augsburg an 9||25 2•29 7|| ̳3̳5̳

    zurück
    Z 714 Z 716 Z 724
    Augsburg ab 5|| ̳3̳5̳ 10•12 4||23
    Donauwörth an 7|| 6 11•15 5||40
    Z 704 Z 706 Z 708
    Donauwörth ab 7•50 12•15 6|| ̳2̳0̳
    Treuchtlingen an 9• 0 1•25 7|| ̳3̳0̳

  2. Stan Holla schreibt:

    Ach je: das „Leerzeichen – Fresserchen“ hat jetzt ein voller Magen 😉

    LG aus NL,
    ? ? kann man auch einen Eintrag anonym machen ? ?
    Oder mit einen „Nick“ abschicken?
    Mein 1zu160.net Forums-nick = StaNi

    • histoliga schreibt:

      Hallo Stan!

      Vielen Dank für deine Informationen und Dein Lob und Grüße in die Niederlande!

      Um hier zu kommentieren ist Eingabe einer Mailadresse erorderlich – die jedoch nicht veröffentlicht wird, dazu muss ein Name eingegeben werden, der aber gerne ein Nickname sein darf. Der erste Kommentar muss von mir freigegeben werden (Spam-schutz), danach kannst du direkt kommentieren.

      Markus

      • StaNi schreibt:

        Hallo Markus,

        Gern geschehen.
        – Ritzau Sommer 1934 wird auch benötigt? (Es wird ja nicht danach gefragt 😉 .)
        – Ritzau Sommer 1935 hast Du selber schon (und gehört eh in Teil 2)? 1936 gleichfalls?
        – Entwicklung in die Bahnpost hebst Du nicht hervor?
        . . 1907: Do-Tr 3 von 4 (nur P 722 (2.3.) nicht); Tr-Do 4 von 4;
        . . 1917: Do-Tr 2 von 4; Tr-Do von 4 Züge 2 mit, 1 ohne, ABER Z 707 Tr. ab 3||30 ??

        LG aus NL, StaNi

  3. histoliga schreibt:

    Hallo StaNi!

    Sommer 1934 wäre natürlich auch interessant, klar;) ist ja der letzte Dampffahrplan. 1935 habe ich selber 1936 nicht, 1939 gibts ja im Netz.

    Bahnpost: Da hab ich jetzt gar nicht drauf geachtet;) Diese alten Fahrpläne bieten einfach wahnsinnig viel Information auf wenig Platz;) Tatsächlich nehmen die Züge mit Bahnpostbeförderung immer weiter ab. 1907 sind es noch fast alle, 1917 etwa die Hälte, 1925 und 1927 dann jeweils nur noch ein Zugpaar.

    Markus

  4. StaNi schreibt:

    Hallo Markus,

    Aus: Ritzau KG, Reproduktion AKR Sommer 1934; 15.Mai bis 6.Oct.
    Gundelsheim steht nicht in der Tabelle.
    Treuchtlingen = km 0,0 (115,3);
    Mündling = km 23,2; Donauwörth = km 34,6 – das sind 0,1 km mehr wie bisher(1927).

    }-{} Folgender Auszug nur Nahverkehr / ohne ICs 😉 {}-{
    411 (Berlin u. Frankfurt [Main]-)Treuchtlingen-Augsburg(-München)-Buchloe(-Lindau-Schweiz)
    RBD Augsburg; Klasse 3.
    Zug Nr . . . . . . . . . . 703 . . . 705 . . 707 . . *709
    Treuchtlingen . ab . 6.21 . 10.04 . 16.29 . 20.46
    Fünfstätten . . . an . 6.51 . 10.31 . 17.05 . 21.12
    . . . . . . . . . . . . .ab . 6.52 . 10.33 . 17.08 . 21.13
    Donauwörth . . an . 7.12 . 10.53 . 17.30 . 21.33

    Zug Nr . . . . . . . . . . 704 . . . 706 . . 708 . . *710
    Donauwörth . . ab . 8.00 . 13.26 . 18.09 . 22.15
    Fünfstätten . . . an . 8.24 . 13.47 . 18.37 . 22.36
    . . . . . . . . . . . . .ab . 8.25 . 13.48 . 18.38 . 22.37
    Treuchtlingen . an . 8.48 . 14.14 . 19.01 . 22.59
    * = vS und S, auch 30., 31. V.

    Hoffe, es ist nützlich / gefällt,
    StaNi

    • histoliga schreibt:

      Hallo nochmal!

      Ah Danke – 1934 gab es also den Abendzug zumindest schon wieder an vS und S, mit der Elektrifizierung verkehrte er dann ja täglich, nach dem Krieg dann nur noch an S. Offensichtlich war bei diesem Zug die Nachfrage nicht sehr stark.

      Markus

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