Nahverkehrszüge Donauwörth-Treuchtlingen: Teil 2 – „Blütezeit“ 1935-bis Mitte der 1960er

Von Markus Egger

Nachdem 1934 der Fahrdraht von Augsburg her Donauwörth erreicht hatte wurde am 10. Mai 1935 der durchgehende elektrische Betrieb auf der Strecke Augsburg – Nürnberg eröffnet. Damit konnten auch die Nahverkehrszüge Donauwörth – Treuchtlingen elektrisch gezogen werden. Gleichzeitig mit dieser Maßnahme wurde auch zwischen Möhren und Otting-Weilheim der neue Haltepuntk Gundelsheim eröffnet.

Der Sommerfahrplan 1935, der 5 Tage nach der Aufnahme des elektrischen Betriebs in Kraft trat, sah nun immerhin wieder 4 tägliche Zugpaare in unserer Relation vor, der Abendzug  verkehrte nun nicht mehr nur am Wochenende. Durch den elektrischen Betrieb reduzierte sich die Fahrzeit der Züge erheblich auf knapp 40 Minuten. Alle Züge führten nur die 3. Klasse und hatten nur beschränkte Gepäckbeförderung. Der neuen Haltepunkt Gundelsheim wurde jedoch nur sehr rudimentär bedient – nur zwei Zugpaare hielten dort: Richtung Donauwörth um 6:30 Uhr und 16:58 Uhr, Richtung Treuchtlingen um 14:01 Uhr und 18:36 Uhr.

Theoretisch reicht eine Garnitur aus um den gesamten Nahverkehr des Streckenabschnittes abzuwickeln. Der Verkehr diente weiterhin rein lokalen Aufgaben. Schlanke Anschlüsse nach Augsburg oder Nürnberg in Treuchtlingen waren selten. Wer z.B. morgens Richtung Augsburg wollte stand über eine Stunde in Donauwörth. Eigene Zusammenstellung aus dem Amtlichen Kursbuch für das Reich Sommer 1935.

Das Bw Treuchtlingen hatte (nach http://www.br-101.de/start.php?n=2&s=foto_gal&thema=mtlmdt) 1935 drei E-Loks der Baureihen E32 und E44 im Bestand. Naheliegend wäre, dass die Persopnenzühe nach Donauwörth von einer Treuchtlinger E32 gezogen wurden.

Bereits im zweiten Jahr nach der Eröffnung des Haltepunktes Gundelsheim 1936 hielten dann auch die Züge 533 und 534 in Gundelsheim, nur das Spätabendzugpaar fuhr noch ohne Halt durch.

Bis zum Sommer 1939 hatte sich nichts grundlegendes am Fahrplan geändert. Allerdings hielten nun alle Züge in Gundelsheim und nur noch beim Abendzugpaar gab es becshränkte Gepäckbeförderung. P 538 verkehrte etwa 20 Minuten später (wohl um eine Überholung durch FD 80 Berlin – München zu vermeiden), P 535 etwa 30 Minuten später (um dem D 479 Augsburg – Berlin aus dem Weg zu gehen), P 541 auch etwa 30 Minuten später (um E 1217 München – Nürnberg aus dem Weg zu gehen).

Im letzten Kriegsfahrplan 1944 (abrufbar auf Seite pkjs.de: Hin Rück) fehlt dann wiederum das Abendzugpaar, das wohl im Laufe des Krieges entfallen sein dürfte. Die anderen drei Zugpaar verkehrten zwar alle zeitlich etwas verschoben aber noch fast unverändert.

So ging es auch nach dem Krieg weiter. 1946, im ersten Nachkriegsfahrplan verkehrten immer noch die drei bekannten Zugpaare, alle jedoch um bis zu 30 Minuten verschoben. Spätestens im Winterfahrplan 1948/49 gab es dann aber das bis dahin dichteste Angebot aller Zeiten – es verkehrten 5 tägliche und ein Sonn- und Feiertägliches Zugpaar! Damit waren erstmals auch zwei Nahverkehrszüge gleichzeitig auf der Strecke unterwegs, die sich Nachmittags zwischen Mündling und Fünfstetten begegneten.

Auch im Winterfahrplan 1949/50 gab es noch eines der dichtesten Zugangebote aller Zeiten. Eigene Zusammenstellung aus dem Amtlichen Kursbuch Westliches Deutschland Winter 1949/50.

Im Winterfahrplan 1949/50 jedoch verkehrte das 5. Zugpaar bereits wieder nur noch an W(Sa).

Im Sommerfahrplan 1953 wurde noch ein bis auf Minutenschiebereien unverändertes Angebot gefahren. Für den Juni 1955 ist in der Literatur ein Turmwald-Foto der E17 115 mit einem Personenzug in Fünfstetten überliefert – das Wagenmaterial sind neben einem Zweiachspackwagen fünf preußische Abteilwagen! Bis zum Sommer 1957 waren dann zwar einzelne Züge um bis zu 30 Minuten verschoben worden, das Konstrukt des Fahrplan bestand aber unverändert weiter. Alle Züge führten nur nur die 2. Wagenklasse (Nach Abschaffung der 3. Klasse).

Auch bis 1962 änderte sich nicht viel. In Gundelsheim hielten nun allerdings einzelne Züge der Fahrtrichtung Treuchtlingen nur noch bei Bedarf (1195) oder gar nicht mehr (1199). Wiederum verschoben sich die Zeitlagen von einzelnen Zügen. Für den Winterfahrplan 1962/63 ist die Bespannung der Züge mit Augsburger E17 und E94 überliefert. In Dienstplan 01 Tag 4 kommt eine E17 mit dem 1107 aus Augsburg nach Donauwörth und bringt anschließend den 1183 von Donauwörth nach Treuchtlingen, von dort geht es Lz wieder zurück nach Donauwörth. Ansonsten hat Plan 01 auch noch einige relativ hochwertige Leistungen mit Eil- und Schnellzügen, z.B. dem „Postzug“ Augsburg-Nürnberg im Angebot. Plan 02 beschäftigt die E17 dagegen hautsächlich mit Personenzügen. In Tag 2 kämpft sich eine E17 mit den Personenzügen 1210 Nürnberg – Treuchtlingen, 1186 Treuchtlingen – Donauwörth und 1110 Donauwörth – Augsburg mühsam von Nürnberg nach Augsburg durch, von Augsburg geht es wieder mit 1113 nach Donauwörth und 1189 nach Treuchtlingen, mit 1192 wieder nach Donauwörth und mit 1118 zurück nach Augsburg. In Tag 4 pendelt eine E17 mit den Zügen 1152, 1109, 1187, 1188, 1114 tagsüber eine Tour Donauwörth – Augsburg – Donauwörth – Treuchtlingen – Donauwörth – Augsburg. Die Züge 1182, 1193, 1194, 1195 wurden dagegen mit Augsburger E94 bespannt. Die Lok für P 1182 kam nachts leer aus Nürnberg nach Treuchtlingen und fuhr anschließend mit P 1108 von Donauwörth nach Augsburg weiter. Die Lok von P 1193 kämpfte sich mit den drei Personenzügen 1115, 1193 und 1251 von Augsburg über Donauwörth und Treuchtlingen nach Nürnberg durch. Die Lok für den nachmittäglichen P 1194 von Treuchtlingen nach Donauwörth kam aus einem längeren Stillager in Treuchtlingen und fuhr mit P 1120 anschließend weiter nach Augsburg. Die Lok für P 1195 kam mit P 1117 aus Augsburg nach Donauwörth und bespannte anschließend ab Treuchtlingen einen Güterzug nach München.

Die Umlaufpläne 01 und 02 für Augsburger E17 im Winter 1962/63. Plan 1 führt die Loks relativ weit herum bis Stuttgart und Würzburg. Plan 2 hat hauptsächlich kurze Personenzüge im Angebot. Rot unterlegt die Personenzüge Donauwörth – Treuchtlingen. Scan: OZL-Lokd.

Ab 1966 gab es dann erste Einschränkungen im Angebot, doch darüber mehr in der nächsten und letzten Folge zu dieser Serie.

Offene Fragen:

Fahrpläne aus noch nicht behandelten Zwischenjahren

Bespannungen / Zugbildungen / ggf. gar Fotos?

Danksagung:

Danke an OZL-Lokd für den E17-Laufplan, sowie an Eurocity341 und StaNi für Fahrplaninformationen.

Quellen:

http://www.elektrolok.de

http://www.br-101.de/start.php?n=2&s=foto_gal&thema=mtlmdt

Bufe, Siegfried: Eisenbahn in Schwaben, Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1990.

Stand: 25.3.2012

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2 Antworten zu Nahverkehrszüge Donauwörth-Treuchtlingen: Teil 2 – „Blütezeit“ 1935-bis Mitte der 1960er

  1. StaNi schreibt:

    Hallo Markus,

    Aus: Ritzau KG, Reproduktion DKB Sommer 1936; 15. Mai bis 3. Oktober.
    Unterschied Sommer 1936 Sommer 1935 (Minutenschieberei außen-vorn gestellt).
    – Fünfstetten nur noch „ab“-Zeile.
    – Schon Sommer 1936 halten die 3 Tagesüber-Zugpaare in Gundelsheim.
    – Zug Nr 538 Treuchtlingen ab 16.26, Donauwörth an 17.06.
    – Zug Nr 535 „Bis 4.VII. und ab 3.IX.“ wie Sommer 1935 + 0.01.
    – Zug Nr 535 „5.VII.—2.IX.“ Sommer 1935 + 0.06.

    LG aus NL, StaNi

    • histoliga schreibt:

      Hallo Stan!

      Danke mal wieder für die Informationen.

      Man wurde also vom Erfolg in Gundelsheim „überrannt“ und bot schon im zweiten Jahr mehr Halte an.

      Die Ankunftzeile in Fünfstetten hatte eh nur wenig Sinn, da die Züge nie mehr als 1-2 Minuten Aufenthalt in Fünfstetten hatten.

      Markus

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