Nahverkehrszüge Donauwörth-Treuchtlingen: Teil 3 – “Der Niedergang” Mitte der 1960er-1981

Von Markus Egger

Während in der Nachkriegszeit der Nahverkehr im Abschnitt Donauwörth-Treuchtlingen ein immerhin etwas verbessertes Angebot erhalten hatte begann ab Mitte der 1960er Jahre der schleichende Niedergang dieser Verbindung. Dies war insofern nicht sehr erstaunlich, als die Zwischenorte nur sehr dünn besiedelt sind: Möhren 600 Einwohner, Gundelsheim 500 Ew., Otting 800 Ew., Fünfstetten 1.300 Ew. und Mündling 600 Ew. Insgesamt besteht das Einzugsgebiet dieser Züge also aus nicht einmal 4.000 Einwohnern. Zudem kommt erschwerden hinzu, dass einige Bahnhöfe ziemlich abseits der Bahnstrecke liegen (Link zu OpenStreetMap-Karte der Region). Bereits 1960 war zudem der Personenverkehr auf der Nebenbahn Monheim-Fünfstetten eingestellt worden, so dass auch diese Bahn als Fahrgastlieferant ausfiel (Es gab auch keine Bahnbuslinie Fünfstetten-Monheim als Ersatz, die Monheimer wurden auf die private betriebene Buslinie Monheim-Donauwörth verwiesen, dazu mehr in einem späteren Artikel).

Bis 1966 gab es erste Rationalisierungen, die zunächst aber nur den Sonn- und Feiertgasverkehr betrafen. Eigene Zusammenstellung aus dem Amtlichen Kursbuch Sommer 1966.

1966 kann ich die ersten Rationalisiserungsbemühungen nachweisen. Das Zugpaar 1186/1187 verkehrt nur noch Werktags statt täglich, das sonntagabendliche Zugpaar entfällt zu Gunsten eines Bahnbusses Treuchtlingen – Donauwörth am Abend. Eine Rückfahrt ab Donauwörth wird jedoch nicht mehr angeboten. Interessanterweise wird dieser Bus direkt über Monheim geführt und lässt dafür Otting-Weilheim und Mündling aus, was sicher mehr Fahrgäste versprach und zudem schnellere Fahrzeiten durch die weitgehende Streckenführung über die B2 versprach.

1970 kam im Berufsverkehr sogar nochmals ein Verdichterzug Donauwörth-Treuchtlingen hinzu, so dass dort nun drei Rückfahrtmöglichkeiten am Nachmittag bestanden. Eigene Zusammenstellung aus dem Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1970

Diese Struktur blieb auch noch bis 1970 in etwa so bestehen. Die Rückfahrt am Morgen nach Donauwörth erfolgte nun jedoch Sonn- und Feiertags etwa 30 Minuten später – somit ergab sich an diesen Tagen ein Anschluss vom Bahnbus Augsburg-Donauwörth, der dort 7:35 Uhr eintraf. Neu war dafür ein Verdichterzug Donauwörth – Treuchtlingen im abendlichen Berufsverkehr. Der sonn- und feiertagtagliche Bahnbus am Abend verkehrt nun jedoch nicht mehr über Monheim sondern wie die Züge über Otting-Weilheim. Für das Jahr 1970 kann ich auch erstmals unter der Nummer 2411/6 eine separate Bustabelle Donauwörth-Treuchtlingen nachweisen, die vermutlich aber wohl schon seit Mitte der 1960er-Jahre bestand. Neben dem auch auf der Schienentabelle veröffentlichten Kurs ist darin nur eine veröffentlichte Leerfahrt als Zuführung hierzu zu finden, die Monheim an 19:35 nach Treuchtlingen verkehrt. Somit lässt sich vermuten, dass hier ein Auftragsunternehmen aus Monheim zum Einsatz kam.

Recht übersichtlich ist die Bustabelle 2411/6. Der Weiler Rehau dürfte nur Sonn- und Feiertags eine Verbindung im öffentlichen Nahverkehr gehabt haben. Quelle: Amtlicher Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1970

Ab 1970 kann ich die Entwicklung der Fahrpläne für alle Fahrplanperioden nachvollziehen – auch hier zeigt sich der schleichende Niedergang. Bereits im Winterfahrplan entfallen die sonntäglichen Bahnbusse wieder ersatzlos, die Bustabelle 2411/6 ist zwar noch veröffentlicht – enthält jedoch statt Fahrten nur den Vermerk „derzeit kein Verkehr“. Der Busverkehr auf der Relation Donauwörth – Treuchtlingen hat durch die großen Haltestellenabstände auf der Bahn und den guten Ausbauzustand der Bahnstrecke im Vergleich zu den nicht parallel zur Bahn verlaufenden Straßen immer den Nachteil eine erheblich längere Fahrzeit zu haben und dadurch recht unaatraktiv zu sein. Zudem verkehrt der Morgenzug 3178 ab Treuchtlingen nur noch Werktags, dafür Zug 3180 nun täglich. Im Sommer 1971 ändern sich die Zugnummern auf der Strecke dahingehend, dass ungerade und gerade Nummern getauscht werden: ungerade Züge verkehren nun südwärts, gerade nordwärts. Zudem verkehrt nun Sonntag morgens ein Zug sowie täglich ein Gegenzug als Triebwagen 2.Klasse – in Frage kommt dafür hauptsächlich ein Schienenbus. Im Winterfahrplan wird der Fahrplan dadurch unattraktiver, dass zwei Züge in Möhren bzw. Otting-Weilheim Überholungsaufenthalte für neu eingeführte Intercity-Züge erhalten. Im Sommer 1972 erhalten alle Züge neue fünfstellige Zugnummern, zudem entfallen die Überholungen wieder, da die Intercity-Züge leicht veränderte Fahrzeiten erhalten haben. Neben Änderungen im Minutenbereich entfällt bei Zug 36248 nun der Halt in Mündling (wohl wegen Zugfolge E 1634). Neu im Angebot ist Nachmittags ein Bahnbus als Ersatz hierfür um 16:40 Uhr von Donauwörth nach Mündling. Bereits im Winterfahrplan 1973/74 kann Zug 36248 wieder in Mündling halten, der neu eingeführte Bahnbus nach Mündling verkehrt jedoch interessanterweise – zumindest laut Kursbuch – weiter. Beide Triebwagenzüge verkehren nun täglich als Triebwagen. Im Sommer 1974 gibt es erneut neue Zugnummern, nun aus der Nummernreihe 506x. Der Triebwagen verkehrt nun nur noch unpaarig nordwärts und führt nun 1. und 2. Klasse – vermutlich nun ein ETA. Zum Winter 1974/75 entfällt sonntag morgens das erste Zugpaar – und damit auch die letzte Triebwagenleistung.

Interessant am 1975er Fahrplan ist, dass Mündling samstags prinzipiell nur noch südwärts bedient wird – vermutlich kann so zumindest Samstags die Besetzung des Bahnhofs wegen Reisendensicherung zum Mittelbahnsteig aufgegeben werden. Eigene Zusammenstellung nach dem Taschsnfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1975.

Ab Sommer 1975 ist der Busfahrplan der inzwischen 9103 genannten Linie deutlich verdichtet. Neben neuen Zusatzkursen sind im Abschnitt Donauwörth – Fünfstetten auch einige Kurse ohne Anerkennung von Schienenfahrausweisen veröffentlicht. Eventuell Fahrten einer Privatlinie? Quelle: Amtliches Kursbuch Schwaben/Allgäu Sommer 1975.

Zum Sommerfahrplan 1975 gibt es wieder größere Veränderungen: Sonn- und Feiertags verkehren nun gar keine Nahverkehrszüge Donauwörth – Treuchtlingen mehr, aber auch Werktags gibt es „Verkraftungen“ auf den Bahnbus. Der Busfahrplan wird jedoch deutlich aufgewertet, z.T. durch veröffentlichte Leerfahrten, teilweise durch verkraftete Bahnleistungen, aber auch durch Neuleistungen.

Zum Winterfahrplan 1975/76 ändert sich wenig. Freitags erhält Zug 5072 – der nun Fr als 5074 verkehrt – einen Überholungsaufenthalt in Otting-Weilheim. Der Freitags spätabendlich verkehrende Buskurs ab Treuchtlingen entfällt bereits wieder. Zum Sommer 1976 werden die meisten Züge etwas beschleunigt (anderer Fahrzeugeinsatz?), Zug 5074 verkehrt nun Freitags wieder als 5072 und ohne Überholung. Beim Bus gibt es neben größeren zeitlichen Verschiebungen einen neuen Schülerkurs um 13:12 Uhr von Donauwörth nach Fünfstetten. Zum Sommer 1977 verkehrt Zug 5061 nur noch an W(Sa), das Zugpaar 5061/5060 wird nach Mertingen Bahnhof verlängert. Der Zug übernimmt hier die Aufgaben eines bisher aus Nördlingen nach Mertingen durchgebundenen Zugpaares, dies dient insbesondere dem Schülerverkehr Mertingen-Donauwörth morgens. Erstmals seit Eröffnung der Strecke 1906 verkehrt somit ein Nahverkehrszug durchgehend über Donauwörth hinaus! Zudem gibt es bei Zug und Bus einige zeitliche Verschiebungen. Bis zum Sommer 1979 gibt es nun keine größeren Änderungen. 1979 gab es dann wieder größere Änderungen. Zug 5067 hält nicht mehr in Mündling und einige Züge erhalten ziemlich verschobene Fahrzeiten. Drei Busfahrten entfallen ersatzlos, Samstags wird der Busverkehr bereits Mittags eingestellt (Entfall von 4 Kursen), Sonntags kommt ein zusätzlicher Kurs hinzu.

Ab 1979 ist Samstags bereits am frühen Nachmittag Betriebsschluss. Eigene Zusammenstellung nach dem Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1979.

Der Busfahrplan 1979 ist schon wieder deutlich geschrumpft. Von Samstag Mittag bis  Sonntag Nachmittag herrscht Betriebsruhe bei Bus und Bahn.  Quelle: Amtlicher Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1979.

Doch schon zum Winterfahrplan 1979/80 wird weiter rationalisiert. Zu diesem Termin entfällt der gesamte Busverkehr an Sonn- und Feiertagen. Von Samstag Nachmittag bis Montag morgen besteht somit kein ÖPNV-Angebot mehr in den Orten entlang der Strecke.

Zum Sommerfahrplan 1980 ergeben sich Änderungen bei den nach Mertingen durchgebundenen Zügen. Zug 5061 verkehrt nicht mehr über Donauwörth hinaus und endet nun dort. Dafür beginnt Zug 5060 bereits in Meitingen statt Mertingen, vermutlich um für Schüler aus Meitingen, Westendorf und Nordendorf die Anbindung an die Schule in Donauwörth zu verbessern. Einige Buskurse beginnen und enden in Donauwörth nun an der Haltestelle Donauwörth Abzw Neud. Sdl/Krone-Center (es lebe der Aküfi!). Ab dem Winterfahrplan 1980/81 hält Zug 5067 wieder in Mündling.

Damit endet dann aber die Geschichte der Nahverkehrszüge Donauwörth-Treuchtlingen. Zum Sommerfahrplan 1981 wird das Bedienungskonzept in diesem Abschnitt vollständig umgestellt. Die Bahnhöfe/Haltepunkte Möhren, Gundelsheim, Fünfstetten und Mündling werden für den Personenverkehr geschlossen (Mündling besteht bis heute als Betriebsbahnhof, Möhren und Fünfstetten waren  noch lange Betriebsbahnhöfe). Einzig Otting-Weilheim bleibt als Regionalbahnhof bestehen. Für die Wahl von Otting-Weilheim scheinen mehrere Gründe den Ausschlag gegeben zu haben. Einerseits war hier die Busanbindung für Wemding an die Eisenbahnwelt am besten zu lösen (die Nebenbahn Nördlingen-Wemding wurde ebenfalls zum Sommerfahrplan 1981 im Personenverkehr stillgelegt), betriebliche Gründe (Fernsteuertechnik) erforderten wohl zumindest die weitere Besetzung eines Bahnhofes etwa in der Mitte der Linie. Gegen Fünfstetten (immerhin der mit Abstand größte Ort) als Personenbahnhof sprach wohl die durch die Buslinie Monheim-Fünfstetten-Donauwörth dort besser als in Otting-Weilheim zu realisiserende Busanbindung. Dennoch blieb das Rumpfangebot im Zugverkehr für Otting-Weilheim überschaubar. Südwärts hielten dort nun :

  • A 6:24 E 3103 Donauwörth (weiter als  Kurswagen in E 3107 nach Augsburg Hbf)
  • tägl. 13:10 E 3113 Donauwörth
  • tägl. 19:05 E 3009 München Hbf

Nordwärts:

  • tägl. 8:07 E 2080 Kassel Hbf
  • tägl. 10:23 E 3106 Treuchtlingen
  • tägl. 13:48 E 2562 Nürnberg Hbf
  • tägl. 16:44 E 2564 Coburg
  • tägl. 18:45 E 3010 Bad Kissingen

Das sind durchaus illustre Ziele im Vergleich zum bisher gebotenen und immerhin besteht nun wieder ein halbwegs nutzbares Angebot an allen Wochentagen (am Wochenende kommt man schlecht aus Otting-Weilheim weg) – allerdings bewegt sich das Angebot dennoch immernoch nur kaum über dem Niveau der Streckeneröffnung 1906. Die weiteren Orte werden nun nur noch durch die Buslinie 9103 bedient. Immerhin werden 10 neue Busfahrten angeboten und es werden nun einheitlich auf allen Fahrten Schienenfahrausweise anerkannt.

Zumindest werktags besteht auf der Buslinie 9103 ein durchaus nutzbares Angebot. Quelle: Amtlicher Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1981.

In weiteren Artikel wird später noch beleuchtet was aus der Buslinie 9103 geworden ist und wie sich die Bedienung des Bahnhofs Otting-Weilheim bis heute entwickelt hat.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

– Fahrzeugeinsätze, Zugbildungen, Fotos, ….

Stand: 27.3.2012

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