D 63/62: Der andere Dolomiten-Express

Von Markus Egger

Wie schon im Artikel über den D 1123/1122 „Dolomiten-Express“ erwähnt, gab es auch in der Zeit vor 1991 bereits einen Dolomiten-Express – der aber auf gänzlich anderer Strecke, mit ganz anderen Aufgaben und zu anderen Zeiten verkehrte.

Dieser Zug entstand in dieser Form mal wieder Anfang der 1950er-Jahre, ich kann ihn derzeit erstmals als noch namenlosen D 63/62 München – Innsbruck im Sommerfahrplan 1953 nachweisen. Allerdings gab es in der Vorkriegszeit schon Züge mit ähnlichen Aufgaben.

Im Sommer 1927 gibt es einen Vorläufer zu unserem D 63/62 der ebenfalls Vormittags verkehrte:

D50a München – Meran (nur vom 30.VI. bis 15.X.) verkehrte 8:35 Uhr ab München Hbf und erreichte mit Zwischenhalten in Rosenheim (9:25 bis 9:33) und Kufstein (an 10:08) Innsbruck Hbf um 12:15 Uhr. Zwischenhalte in Österreich und Ankunft am Ziel lassen sich im mir vorliegenden Nachdruck leider nicht nachvollziehen. D 50a war ein Saisonentlastungszug für D 50 München – Rom, der München Hbf 9:15 verließ. Wenn D 50a nicht verkehrte gab es Kurswagen München – Meran im D 50. In der Gegenrichtung gab es das selbe Spiel: D 49a verkehrte als Vorzug zu D 49 etwa 1 Stunde vor diesem und erreichte München Hbf um 19:35. D 50a/49a führten im Abschnitt Kufstein – Meran einen Speisewagen.

1935 nannte sich D 50/49 bereits D 67/66. Einen Vorzug zu diesem gab es jedoch nicht mehr, D 67/66 führte in der ganzen Fahrplanperiode Kurswagen 3.Klasse Berlin – Meran. 1935 gab es nun aber Nachmittags einen D 63/60 München – Meran, der vom 30.VI. bis 5.IX. verkehrte. D 63 verkehrte München Hbf ab 14:00 und erreichte mit Zwischenhalten in Rosenheim, Brannenburg, Kufstein, Wörgl, Jenbach, Innsbruck Hbf, Matrei, Steinach in Tirol, Brenner, Gossensaß, Sterzing, Franzensfeste, Brixen, Klausen, Waidbruck, Bozen-Gries und Lana-Burgstall Meran um 21:48. In der Gegenrichtung wurde zwischen Meran und Bozen sogar an allen Haltepunkten gehalten. München Hbf wurde um 15:33 erreicht. Bis 1939 verkehrte D 63/60 im Abschnitt München – Innsbruck sogar täglich udn wurde in der Hochsaison bis Meran verlängert. Ab Kriegsausbruch 1939 entfiel der Zug.

Übrigens hatte auch der 1953 angebotene Kurswagen Den Haag – Innsbruck einen Vorkriegsvorgänger. 1935 gab es ihn als Kurswagen Rotterdam DP – Cleve (D108) – München Hbf (D69) – Meran. D 69 verkehrte damals aber München – Bologna als Kurswagenträger für Rom.

1953 diente der D63 in der Sommersaison vor allem als Zubringer zu Urlaubszielen in den Alpen und wertete so kleine Stationen wie Oberaudorf zu D-Zug-Stationen auf. In Kufstein waren noch bis zu 40 Minuten Grenzaufenthalt. Eigene Zusammenstellung nach dem Kursbuch 1953.

D 63 verkehrte 1953 in der Hochsaison (ca. Juli-August) quasi als „Vorzug“ zum D 67 München – Rom ca. eine Stunde vor diesem. Abfahrt war in München Hbf um 10:26 Uhr. Über München Ost (10:36), Rosenheim (11:17), Brannenburg (11:28), Oberaudorf (11:38), Kiefersfelden (11:44) wurde um 11:49 Kufstein erreicht. Obwohl dem Zug fast unmittelbar ein Nahverkehrszug Rosenheim – Kufstein folgte hielt er als einziger D-Zug dieser Strecke auch in Oberaudorf und Kiefersfelden – das dürfte touristisch motiviert gewesen sein. Nach einem fast 50-minütigen Grenzaufenthalt (!) in der „Perle Tirols“ ging es weiter durchs Inntal (Zwischenhalte in Wörgl und Jenbach) bis um 13:40 Uhr Innsbruck Hbf erreicht wurde. D 63 führte dabei Kurswagen aus Den Haag nach Innsbruck, die in München beigestellt wurden und die mit D 308 Krefeld – München nach Bayern gelang waren.

In der Gegenrichtung verkehrte D 62 ab Innsbruck Hbf um 18:28 (2 Stunden vor dem Alpen-Express aus Rom) und erreichte nach den gleichen Zwischenhalten München Hbf um 21:35 Uhr. Die Kurswagen aus Den Haag traten die Rückreise nicht mit D 62, sondern bereits Nachmittags mit D 66 Rom – München an.

1957 verkehrte D63 nach Florenz. Im Bayerischen Inntal wurde nur noch in Brannenburg (Zugang zum Wendelstein) gehalten, im österreichischen Inntal kam dafür Brixlegg dazu. Eigene Zusammenstellung nach dem Kursbuch 1957.

In den wenigen Jahren bis zum Sommerfahrplan 1957 hatte sich der Zug schon wieder deutlich gewandelt. Abfahrt in München Hbf war nun morgens bereits um 9:15 Uhr. Der Zug war zwar immer noch auf die Hauptsaison beschränkt, verkehrte nun aber über Innsbruck hinaus bis Firenze. Zugnummer war immer noch D 63, er hatte nun aber bereits den Namen „Dolomiten-Express“ erhalten – obwohl. sein Ziel schon weit jenseits der Dolomiten lag.  Kurswagen aus Den Haag gab es nicht mehr, dafür nun Kurswagen München – Ancona, München – Lienz und München – Schwarzach-St. Veit. Die Zwischenhalte in Oberaudorf und Kiefersfelden entfielen, der Grenzaufenthalt in Kufstein reduzierte sich auf „nur“ noch 30 Minuten, Innsbruck wurde so bereits um 12:18 Uhr erreicht, in Firenze war der Zug um 22:13 Uhr. Der Gegenzug verließ Firenze um 8:25 Uhr und erreichte München Hbf um 21:20 Uhr. In Österreich hieß das Zugpaar übrigens Ex 163/162, in Italien D 547/540.

1962 ging es mit dem Dolomiten-Express kurzzeitig sogar bis nach Ancona. Die Rückfahrt ab Ancona erfolgte wenig Touristenfreundlich sehr früh schon vor 6 Uhr morgens. Eigene Zusammenstellung nach dem Kursbuch Sommer 1962.

Bereits bald darauf, spätestens im Sommerfahrplan 1960 hatte sich der Zug schon wieder ziemlich gewandelt. D 63 verkehrte nun wieder deutlich später ab München. Der Stammzug verkehrte nun in der Relation München-Ancona. Spätestens 1962 gab es dann auch Kurswagen nach Lienz (die bis Fortezza/Franzensfeste im Zug blieben). Der Zug hatte nun zahlreiche Zwischenhalte in Südtirol, im Trentino und in Urlaubsorten entlang der Adria.

Doch das war nicht die letzte Wandlung, in den nächsten Jahre begann der Zug immer nördlicher und endete immer weniger weit im Süden – doch dazu mehr im nächsten Teil.

Link zur Diskussion auf DSO: http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,5850309

Vielen dank an Jörg Schwabel, OZL-Lokd und Eurocity341 für die Mithilfe.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Fahrpläne aus Zwischenjahren
  • Zugbildungen / Bespannungen

Stand: 13.4.2012

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