Einmal Grub am Forst – Bologna, ohne umsteigen, bitte!

Von Markus Egger

Bis 1962 hatte sich der D 63/62 „Dolomiten-Express“ zu einem stattlichen Sommersaisontageszug München-Ancona entwickelt.

Vermutlich stellte die FS 1966 die Wagen für den „Dolomiten-Express“, denn die Saison begann mit einer Abfahrt am 22.V. in Ancona und endete am 24.IX. mit einer Ankunft in Ancona. Quelle: Zugverzeichnis zum Kursbuch Sommer 1966

Bis Sommer 1966 hatte sich der Tagesverkehr nach Ancona nochmals deutlich verstärkt, es war auch der die ganze Fahrplanperiode verkehrende D 165/160 München – Ancona entstanden, den es so 1962 noch nicht gegeben hatte. Dennoch gab es den ehemaligen D 63/62 als Saisonverstärker weiterhin. Er verkehrte nun als D 539/540 „Dolomiten-Express“ vom 22.V. bis 24.IX. Die bisherigen Kurswagen nach Lienz verkehrten nun nur noch bis San Candido/Innichen und erschlossen somit nur noch das Pustertal und nicht mehr zusätzlich auch Osttirol. Außerdem wurde der Grundstein für die zukünftig sich wandelnde Bedeutung des „Dolomiten-Express“ gelegt, es gab nun am Wochenede südwärts Kurswagen Nürnberg – Innsbruck, die bis München im E 591 Nürnberg – Ingolstadt – München reisten.Die

Einige Halte des Dolomiten-Express bestanden nur in eine Fahrtrichtung. In Chiusa/Klausen kreuzten sich die beiden Züge. Eigene Zusammenstellung aus dem Kursbuch Sommer 1966.

Wagen kehrten mit D 66 Rom-München und E 590 München – Nürnberg wieder zurück. In der Gegenrichtung waren dafür Kurswagen Genua – München (aber nur in einer noch enger gefassten Saison) im Zug, die südwärts mit dem D 265 „Gondoliere“ gereist waren. Den Stammzug München – Ancona und die Kurswagen nach San Candido/Innichen stellte vermutlich die FS, die anderen Kurswagen wohl die DB. Die Fahrlage hatte sich in beiden Richtung bis zu einer Stunde nach vorne verschoben was wohl durch die in Italien eingeführte Sommerzeit, die eine Uhrenumstellung am Brenner bedingte notwendig war. Südwärts wurde übrigens mal wieder in Brannenburg, Oberaudorf und Kiefersfelden gehalten, wie anno 1953! Auch im österreichischen Inntal kamen mit Brixlegg und Solbad Hall in Tirol weitere Halte hinzu.

Für die Zeit von 1966 bis 1974 habe ich zwar derzeit keinen geeigneten Fahrplan für den „Dolomiten-Expreß“ vorliegen, ein mir von DSO-User Plumps zur Verfügung gestellter ZpAR-Auszug zeigt uns jedoch für den Sommer 1969, dass der Dolomiten-Expreß zu dieser Zeit als D 65/64 verkehrte. Der Stammzug fuhr noch immer nach Ancona, hatte nun aber auch Kurswagen nach Cervia, die bis Rimini im Zug blieben und mit denen auch das legendäre Cesenatico an der Adria umsteigefrei erreichbar war. Außerdem gab es 1969 bereits Kurswagen (2 Silberlinge) aus Coburg nach Innsbruck.

Fast 500km konnte man 1969 umsteigefrei im Silberling reisen: Von Coburg nach Innsbruck! Der Gepäckwagen passte planmäßig in Brannenburg und Oberaudorf nicht mehr an den Bahnsteig, wenn Zusatzwagen verkehrten weitere Wagen.

Die Einlegebroschüre „Neuerungen und Änderungen im Fernverkehr“ zum Kursbuch Sommer 1974 beschriebt die Änderungen beim Dolomiten-Express so.

Bis 1974 jedoch hatte sich die „Nordverlagerung“ des Dolomiten-Express verstärkt. Der Zug verkehrte 1974 als D 1285/1284 „Dolomiten-Express“ Erlangen – Bologna bzw. Verona – Nürnberg, W(Sa) begann der Zug sogar bereits in Erlangen. Im Vorjahr war er unter der Nummer D 1183/1182 bereits ebenso verkehrt, nur der morgendliche Beginn in Erlangen, der wohl hauptsächlich eine Entlastung im Berufsverkehr von Nürnberg bringen sollte, war noch nicht existent.  Der Zug war

Eine komplizierte Verkehrstageregelung hatte der Dolomiten-Express 1974. In der Hochsaison täglich, in der Nebensaison nur Sa konnte man Nürnberg – Bologna reisen, sonst endete der Zug in München. Ab Erlangen nach Bologna verkehrte der Stammzug W(Sa) in der Hochsaison. Sonntags in der Nebensaison verkehrte er nur Nürnberg-München.

zwischenzeitlich auch deutlich becshleunigt worden. Die Zwischenhalte im bayerischen Inntal waren ebenso entfallen wie sehr viele Halte in Südtriol und Italien. Ebenso entfallen waren die Kurswagen nach San Candido/Innichen bzw. aus Genua. Neu dagegen gab es Kurswagen aus Coburg samstags südwärts und sonntags nordwärts. Diese verließen Coburg um 5:24 Uhr und boten den Bewohnern von Ebersdorf (b Coburg), Schney, Lichtenfels, Staffelstein, Bamberg, Hirschaid und Forchheim (Oberfr) nun ebenfalls die Möglichkeit umsteigefrei in den Urlaub nach Südtirol oder ins Trentino zu reisen. Sonntag abends kehrten die Kurswagen mit E 3008 wieder zurück, jedoch ohne Halte in Hirschaid und Schney. Den Namen „Dolomiten-Express“ trug der Zug übrigens nur, wenn er über München hinaus verkehrte.

1977 war der Zug dann schon komplett aus Abteilwagen gebildet und bot so auch den Franken auf der weiten Reise in den Süden Komfort. Ab Coburg gab es eine Gruppe Bologna und eine Gruppe Innsbruck. Scan: 141R.

1978 verkehrt der Dolomiten-Express zumindset Mo-Sa in der Hochsaison auf dem heute nicht mehr vorstellbaren Zuglauf Coburg – Bologna. Eigene Zusammenstellung nach dem Kursbuch Sommer 1978.

Bis spätestens 1978 wurde dann der Stammzug D 1285/1284 zurückverlängert und begann morgens bereits in Coburg, die Kurswagen im E 3411, den es zumindest ab Lichtenfels weiterhin gab konnten nun entfallen. Im Abschnitt Coburg – Bamberg verkehrte der Zug aber „nur“ als Eilzug. Auch die Haltepolitik hatte sich schon wieder stark geändert: Die meisten Halte in Südtirol sind wieder da, mit dem 8.000-Einwohner-Städtchen Nogara in Venetien gibt es sogar ein ganz neu erreichbares Ziel. Nördlich Nürnberg gibt es sogar eine deutliche Erweiterung der Verkehrstage, hier verkehrt der Zug nun südwärts außer Sonntags, nordwärts außer Samstags. Der Winterfahrplan 1978/79 bietet die Gelegenheit einmal zu schauen was denn D 1285/1284 in der Winterfahrplanperiode macht. Der Stammzug verkehrt weiterhin in der Relation Coburg – München, Samstags vom 23.XII. bis 7.IV. und am 13.IV. wird der Zug aber für Wintersportler bis Innsbruck verlängert, in der Gegenrichtung beginnt er Sonntags vom 7.I. bis 8.IV

1979 entfiel der lange morgendliche Aufenthalt in München Hbf und der Zug wurde nochmals attraktiver. Eigene Zusammenstellung aus dem Kursbuch Sommer 1979.

sowie am 26.XII., 1.I. und 16.IV. in Innsbruck.

1979 konnte die Fahrzeit des Zuges optimiert werden. Der bisherige 30-minütige Aufenthalt in München Hbf wurde auf 10 Minuten deutlich gestrafft. Die gewonnen Zwit wurde teilweise in neue Zwischenhalte investiert. Morgens konnte man nun auch in Creidlitz und Grub am Forst umsteigefreie Fahrten nach Italien genießen, außerdem kamen mal wieder die bayerischen Ausflugsziele Branneburg und Oberaudorf zu D-Zug-Ehren. In dem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass die Garnitur des Dolomiten-Express nach der Übernachtung in Lichtenfels wohl morgens als Nahverkehrszug erst eine Tour Lichtenfels – Neustadt (b Coburg) und Neustadt (b Coburg) – Coburg machte bevor sie als Dolomiten-Express auf die Reise ging. Abends kehrte die Garnitur nach der Ankunft in Coburg als N nach Lichtenfels zur Übernachtung zurück – zumindest wenn ich die Verkehrstageregelungen im Kursbuch richtig gedeutet habe. Wenn dies so war ergab sich durch den Übergang von N 7005 in E 1285 in Coburg von 6:16 bis 6:25 auch für die Orte Neustadt (b Coburg), Mönchröden, Rödental und Dörfles-Esbach eine umsteigefreie Verbindung nach Italien, wenn auch mit Zugnummernwechsel in Coburg.

Im Winterfahrplan 1981/82, der D 1285/1284 verkehrte wir immer im Winter namenlos samstags auf der Strecke Coburg – Innsbruck sonst nur bis München, kann ich erstmals  Kurswagen Würzburg – München nachweisen (bis zu zwei Bm). Diese verkehrten nur W(Sa) und sind wohl eher dem Geschäftsverkehr nach München als dem Tourismusverkehr zuzurechnen. Würzburg Hbf wurde um 6:38 mit E 3409 verlassen und nach Zwischenhalten in Kitzingen, Markt Bibart, Neustadt (Aisch) und Fürth (Bay) Hbf stießen die Kurswagen in Nürnberg zum Stammzug. In der Gegenrichtung verließen sie Nürnberg mit E 3408 um 20:08. Da E 3408 bis Neustadt (Aisch) fast überall hielt und als Nahverkehrszug verkehrte hatten abends sogar Siegelsdorf, Puschendorf, Hagenbüchach und Emskirchen eine Direktverbindung aus München! Diese Kurswagen gab es aber offensichtlich nicht lange, ich kann sie zwar noch im Winterfahrplan 1982/83 nachweisen, im Sommer 1983 und Winter 1983/84 jedoch nicht mehr.

Für den Sommer 1982 galt folgende Zugbildungs- und Bespannungsregelung:

D 1285 Dolomiten-Express (nur bei Verkehren bis Bozen) Coburg – Bolzano/Bozen

bis Bamberg = E
Coburg – Nürnberg Mo-Sa, nicht 31.V.
Nürnberg – München täglich
München – Bozen Sa bis 10.VII., auch 17.VI., täglich 17.VII.-24.IX.

ab Coburg und München

Bm – München-Bozen – 29.V., 12., 17.VI., Sa 17.VII.-18.IX.
Bm – München-Bozen – dto.
BDms – Coburg/Nürnberg-München/Bozen
Bm – Coburg/Nürnberg-München/Bozen
Bm – Coburg/Nürnberg-München/Bozen
Bm – Coburg/Nürnberg-München/Bozen
Am – Coburg/Nürnberg-München/Bozen
ABm – Coburg/Nürnberg-München/Innsbruck
Bm – Coburg/Nürnberg-München/Innsbruck
Bm – (Würzburg)-Nürnberg-Innsbruck – 29.V., 12., 17.VI., Sa 17.VII.-18.IX.
Bm – (Würzburg)-Nürnberg-Innsbruck – dto.
Bm – (Würzburg)-Nürnberg-München – Mo, auch 1.VI., nicht 31.V.
Bm – (Würzburg)-Nürnberg-München – a, nicht 18.VI.

ab Nürnberg

Tfz ab Coburg 141, ab Nürnberg 110, ab München 111

Zu dieser Zeit ist der Zug komplett aus m-Wagen gebildet, eine recht hochwertige Leistung für die Nürnberger 141 im Abschnitt Coburg-Nürnberg.

Ende der 80er-Jahre wurde die Nordwärtige Fahrt etwa eine Stunde später gelegt. Außerdem verkehrte der Zug im Abschnitt Coburg – Nürnberg nun täglich.  Eigene Zusammenstellung nach dem Kursbuch Sommer 1988.

Im Sommer 1983 verkehrte er nun auf dem Abschnitt Coburg – Lichtenfels als N 1285 und ab Lichtenfels bereits als D 1285. Südwärts kam nun der bisher nur nordwärts angebotene Verkehrshalt in Forchheim (Oberfr) hinzu. Der Zug hatte seinen südlichen Endpunkt ab 1983 jedoch bereits in Bolzano/Bozen, wo jedoch nicht einmal ein vernünftiger Anschluss weiter Richtung Verona oder nach Merano/Meran bestand. Hierfür musste man jeweils eine Stunde warten. In der Gegenrichtung war die Anschlussituation immerhin besser und der Zug nannte sich auf dem Gesamtlauf bis Coburg nun D 1284. In den nächsten Jahren bis 1985 gab es nur Minutenänderungen, bis spätestens 1988 hatte sich jedoch die Rückfahrt etwa eine Stunde nach hinten verschoben. Hierbei kamen nordwärts auch die Halte Schwaz und Eichstätt Bahnhof hinzu. Außerdem verkehrte der Zug nun im Abschnitt Coburg – Nürnberg täglich. Der Winterfahrplan 1989/90 bestätigt nun endgültig die Durchbindung von N 7053 Neustadt (b Coburg) – Coburg auf N /D 1285 Coburg – Innsbruck auch im Kursbuch mit einer Fußnote. Außerdem verkehrt der Zug nun nördlich München nur noch Mo-Sa südwärts und täglich außer Sa nordwärts. Letztmalig verkehrt der D 1285/1284 im Winterfahrplan 1990/91. Der Zug wird u.a. ein Opfer der Einführung der Interregios.

Auch 1990 bestand der D 1285 stilrein aus deutschen Abteilwagen. Ab Coburg verkehrten 7 Wagen, das war schon die zugelassene Maximallänge für den Abschnitt Coburg – Lichtenfels.

Ersatz im deutschen Abschnitt (jedoch mit etwas verschobenen Fahrlagen und anderen Halten) bieten folgende Züge:

Südwärts:

  • IR 2564 Coburg – Karlsruhe im Abschnitt Coburg – Nürnberg
  • IC 985 „Franken-Kurier“ Würzburg – München im Abschnitt Nürnberg- München (jedoch über Augsburg)
  • IR 2191 Karlsruhe – Salzburg im Abschnitt München – Rosenheim
  • N 6563 Rosenheim – Kufstein

Nordwärts:

  • N 4522 Kufstein – München Ost im Abschnitt Kufstein – Rosenheim
  • IR 2098 Salzburg – Karlsruhe im Abschnitt Rosenheim – München
  • IC 720 „Burggraf“ München – Koblenz im Abschnitt München – Nürnberg
  • IR 2565 Karlsruhe – Coburg im Abschnitt Nürnberg – Coburg

Bespannungen:

Der D 1285/1284 war vor allem dafür bekannt, dass die deutschen Loks meist auf der Brennerstrecke bis Brennero/Brenner durchliefen. Auf der Seite Fotocommunity gibt es zwei schöne Bilder (http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/19993389, http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/19993591) von D 1285 und D 1284 auf der Brenerstrecke 1989 zu sehen, gezogen von 110 231. Bereits 1976 zeigt Ulrich Budde auf seiner Galerie zur E10 die Münchner 110 298 mit D 1285 in Gablingen auf dem Weg nach München. Aber auch die 111 war an diesem Zug zu gange, wie dieser DSO-Beitrag zeigt. Im Abschnitt Coburg-Nürnberg kamen auch Nürnberger 141 zu Schnellzugehren.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Informationen zu Zugbildung / Bespannungen
  • Fahrplaninformationen insbesondere für die Jahre 1966-1974
  • Ab wann begann D 1285 genau in Coburg?
  • Wann kam der Kurswagen Würzburg – München dazu?
  • Fotos, Erzählungen

Link zur Diskussion auf DSO

Vielen Dank an die DSO-User Plumps, 141R, Mw und safadino für ergänzende Informationen

 

Stand: 15.11.2012

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