D 188/187: Ein weiterer Nachtzug auf der Nord-Süd-Strecke

Von Markus Egger

Anfang der 1950er Jahre entstand mit dem D 188/189 ein zusätzlicher Nachtzug auf der Nord-Süd-Strecke der Hannover mit München verband. D 188 war mit der Abfahrt um 19:51 Uhr der erste einer Schar abendlicher Nachtzüge nach München, verkehrte jedoch nur in der Sommersaison ab 21./22.VI. und war quasi eine Art Vorzug zum D 88.

Neben seiner Verstärkungsfunktion bot D 188/189 mit den Kurswagen Hannover – Oberstdorf und Braunschweig – München noch zwei interessante umsteigefreie Direktverbindungen an.

Südwärts diente D 188 außerdem noch dem Tagesrandverkehr und hielt in Elze, Northeim und Hersfeld an, während diese Halte in der Gegenrichtung durch die Fahrlage mitten in der Nacht nicht angeboten wurden. In Kreiensen wurden die Kurswagen aus Braunschweig beigegeben, die über Goslar hierher gelangt waren, in Augsburg gingen die Kurswagen nach Oberstdorf ab.

Bis 1957 hatte sich zwar am Stammzug D 188 auf der bisherigen Strecke nichts wesentliches geändert (er fuhr zeitlich fast identisch), der Zug war jedoch bis

Kaum etwas am D 188/187 ist 1957 paarig, es gibt zahlreiche richtungsabhängige Besonderheiten beim Stammzug und bei den Kurswagen zu entdecken. Eigene Zusammenstellung aus dem Kursbuch Sommer 1957.

Salzburg (an 8:30 Uhr) durchgebunden worden, dabei ab München verinigt mit dem „Steiermark-Express“ München – Graz. Außerdem hatten sich zahlreiche Änderungen bei den Kurswagengruppen ergeben. Die Kurswagen Braunschweig – München verkehrten nun ab Kreiensen im D 88 statt im D 188. Neu waren nun aber Kurswagen in den Relationen Hannover – Graz (ab Salzburg im Ex 143), Hannover – Berchtesgaden (ab Freilassing in E 288, Sitz- und Liegewagen), sowie Hamburg (D 88) – Hannover (D188) – Augsburg (D 170) – Mittenwald und Großenbrode (D 512) – Bebra (D 188) – Würzburg (D 288) – Wien. In der Relation Hannover – München gab es nun auch Schlafwagen im Zug, auch waren nun Speisen und Getränke im Zug erhältlich. In der Gegenrichtung hieß der Zug nun D 187 statt D 189 und hatte eine gut zwei Stunden spätere Fahrlage erhalten und verkehrte nun durchgehend Salzburg – Hamburg (Salzburg ab 19:39 Uhr, Hamburg-Altona an 11:29 Uhr. Die Kurswagen aus Graz waren nicht an Bord – überhaupt kann ich die Rückkehr der Kurswagen aus Graz bisher bei keinem Zug im Kursbuch entdecken (Der Steiermark-Express komtm auch erst nach Abfahrt des D 187 in München als eigener Zug an). Die Kurswagen Wien – Großenbrode werden nordwärts im Abschnitt Würzburg – Bebra vom D 487 mitgenommen und sind somit auch nicht im D 187 vertreten. Ein weiteres Rätsel ist, dass die Berchtesgadener Kurswagen abends erst in Hannover beginnen, morgens aber in Hamburg endeten: Wie kommen die zurück nach Hannover? Alles in allem ein ziemlich rätselhafter und für den Bahnreisenden nur schwer zu durchschauender Zug!

Für die späten Fünfziger Jahre konnte bisher die Bespannung mit 01 des Bw Treuchtlingen im Abschnitt Würzburg – Treuchtlingen und zurück und mit 01.10 des Bw Bebra im Abschnitt Hannover – Würzburg ermittelt werden. Im Abschnitt München – Treuchtlingen kamen 1957 E18 zum Einsatz, südlich München E16.

Auch 1962 wird in Bad Hersfeld und Übersee immer noch nur südwärts gehalten. Eigene Zusammenstellung nach dem Kursbuch Sommer 1962.

Bis spätestens 1962 hatte die Bundesbahn die Verkehre wieder so weit geordnet, dass ein übersichtlicheres „Produkt“ heraus kam. D 188/187 verkehrte nun immer auf der Strecke Hamburg – Salzburg. An den früheren Anfangspunkt erinnert nur noch der Schlafwagen, der immer noch erst in Hannover beigestellt wird und endet. Auch bei den Kurswagen hatte sich eine Systematisierung ergeben. Alle unpaarigen Kurswagen und nicht unmittelbar mit Urlaubszielen zusammenhängenden Kurswagen waren entfallen, dafür bot D 188/187 nun ab Norddeutschland attraktive Nachtverbindungen nach Salzburg, Berchtesgaden, ins Karwendelgebiet und ins Allgäu. Neu im Zug waren nun ab/bis Augsburg Kurswagen Dortmund – Berchtesgaden, die auch auf dieser Verbindung eine umsteigefreies Nachtangebot schufen. Anfang der 60er-Jahre sind bisher die Bespannung des D 187 1963/64 durch V200.1 des Bw Kempten im Abschnitt Treuchtlingen – Würzburg und 1962 ein Durchlauf von V200 des Bw Würzburg im Abschnitt Treuchtlingen – Hannover ebenfalls beim D 187 überliefert.

D 188/187 verkehrt 1966 nur noch in der Hochsaison täglich, in der Nebensaison nur am Wochenende. Eigene Zusammenstellung nach dem Kursbuch Sommer 1966.

Bis 1966 trat dann wiederum eine deutliche Beschleunigung durch die nun durchgehend mögliche Traktion mit E-Loks ein – sage und schreibe 3 Stunden schneller war man nun von Hamburg aus in Salzburg. Der Beschleunigung fielen auch einige Zwischenhalte zum Opfer. Südwärts waren dies Elze, Northeim, Ansbach und Treuchtlingen; Nordwärts München Ost, Treuchtlingen und Ansbach. Der Zug verkehrte nun jedoch außerhalb der Hochsaison nur noch am Wochenende. Ab Hamburg gab es nun Wagengruppen nach Berchtesgaden und Oberstdorf (Sitz- und Liegewagen), sowie Innsbruck und Bad Aussee (nur Sitzwagen) sowie den nun ebenfalls ab Hamburg verkehrenden Schlafwagen nach Salzburg. In Augsburg kamen Sitz- und Liegewagen der Relation Dortmund – Berchtesgaden hinzu.

Obwohl nur aus m-Wagen bestehend ist die Zugbildung des D 188 interessant. Der Dms läuft bis Augsburg in der Mitte des Zuges, und zumindest bis Augsburg ist die Nummerierung der Wagen ziemlich abenteuerlich. Scan: DSO-User Plumps.

Im Beförderungsbuch 5a regelte die DB die Expreßgutbeförderung in Fernreisezügen. Unser D 188 befördert südwärts nur Gut zu Zielen südlich von Augsburg. Nordwärts dagegen gibt es viele Zielpunkte und mehrere Be- und Entladevorgänge, weshalb auch ein Fahrladeschaffner im Dms Dienst hat. Quelle: Beförderungsbuch 5a Sommer 1966.

Vielen Dank an die DSO-User Diesel73, OZL-Lokd, Plumps undRailServ für ergänzende Informationen. Link zur Diskussion auf DSO: http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,5898370

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Für 1966 weiß ich dass D 188/187 im Winterfahrplanabschnitt auf der Relation Hamburg München verkehrte, war dies auch in den Vorjahren schon der Fall?
  • Wer kann einige der Rätsel zu den unpaarigen Kurswagen 1957 klären?
  • Zugbildungen früherer Jahre
  • Weitere Angaben zu Bespannungen, gerade auch im E-Abschnitt ab Treuchtlingen und südlich München
  • Fahrpläne aus Zwischenjahren

Wie es mit diesem Zug in den nächsten Jahren weitergehen wird, zeige ich Euch im nächsten Beitrag der „Fahrplangeschichte(n)“.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Zug abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s