Nahverkehr Augsburg-Donauwörth 1870-1934

Von Markus Egger

1870 war die Bahnstrecke Augsburg-Donauwörth durch die Eröffnung der Altmühltalbahn Ingolstadt-Treuchtlingen ins verkehrliche Abseits geraten, da nun der durchgehende Verkehr ab München nach Norden über Ingolstadt geleitet wurde. Prägten vor 1870 langlaufende Personenzüge auf den Strecken München-Frankfurt und München-Hof das Bild, war ab 1870 nordwärts in Gunzenhausen (Ri. Würzburg – Frankfurt) bzw. Pleinfeld (Ri. Nürnberg – Bamberg – Hof) umsteigen angesagt. Es verkehrten nun ein Eilzugpaar und 4 sogenannte „Postzüge“ (mit Personenbeförderung) Lindau – Kempten – Augsburg – Donauwörth – Nördlingen – Gunzenhausen – Pleinfeld.

Streckenverlauf der Personenzüge Lindau-Pleinfeld ab 1870. In Gunzenhausen stieg man Richtung Würzburg-Frankfurt um, in Pleinfeld Richtung Nürnberg – Bamberg – Hof. Kartengrundlage aus dem Eisenbahn-Kursbuch 1905.

Leider liegt mir für diese Zeit keine Fahrplantabelle vor, das grobe Fahrplanangebot lässt sich jedoch aus Zeitungsartikeln rekonstruieren, die auch belegen, dass es während des Deutsch-Französischen Krieges 1870 zu umfangreichen Fahrtausfällen kam, um die noch weitgehend eingleisigen Strecken für Militärtransporte frei zu halten (zudem dürfte das Wagenmaterial hierfür gebraucht worden sein).

Bekanntmachung zu Kriegseinschränkungen im Fahrplanangebot von 1970. Quelle: Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik, vom 27. Juli 1870. Digitalized by Google.

Doch als in den folgenden Jahren die Bahnstrecken Kaufering-Buchloe (1872) und München-Kaufering (1873) eröffnet wurden, wurde der meiste Verkehr aus dem Allgäu direkt nach München geleitet und unser Abschnitt der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn geriet noch mehr in Verkehrsabseits. Die Personenzüge verkehrten nun nur noch auf der Strecke Buchloe – Augsburg – Donauwörth – Nördlingen – Gunzenhausen – Pleinfeld. Leider liegt mir erst wieder für den Sommerfahrplan 1905 ein Fahrplan vor, der jedoch immer noch eine unveränderte Linienführung aufweist.

5 Zugpaare stellen das Grundangebot auf der Linie dar, dazu kommen noch zwei Vorortzugpaare für den langsam aufkommenden Berufsverkehr nach Augsburg. Zwischenzeitlich waren auch die bis heute bekannten Zwischenstationen eröffnet worden. Quelle: Reichs-Kursbuch Juli 1905.

Gegenüber 1870 gibt es mit 5 statt 4 Personenzugpaaren wieder ein leicht gesteigertes Angebot, das aber dennoch nur den bereits 1869 einmal erreichten Status Quo wiederspiegelt. Zusätzlich sind die zwei Vorortzugpaare bis Meitingen, die separat veröffentlicht sind, und nur bei denen der Halt am Haltepunkt Täfertingen verbürgt ist. Der Haltepunkt lag weit außerhalb des namensgebenden Ortes und taucht auf der Fahrplantabelle der Hauptstrecke nicht auf. Werktags gibt es abends einen Pendelzug Donauwörth – Bäumenheim.

Als 1906 die direkte Bahnlinie von Donauwörth nach Treuchtlingen eröffnet wird, ändert sich interessanterweise nichts an der Durchbindung der Personenzüge. Während der Fernverkehr nun die direkte Strecke nutzt, sind die Personenzüge immer noch von Augsburg aus ab Donauwörth Richtung Nördlingen – Pleinfeld durchgebunden, während Donauwörth-Treuchtlingen separate Personenzüge pendeln. Durch diese Führung kann die Verkehrsverbindung aus Nördlingen und dem Ries nach Augsburg weiterhin umsteigefrei angeboten werden.

1917 gibt es den Halt Täfertingen nicht mehr, dafür halten mindestens die Vorortzüge nun in Herbertshofen. Eigene Zusammenstellung nach dem Reichs-Kursbuch Juni 1917.

1917 wurden (kriegsbedingt?) wieder nur noch 4 Zugpaare der „Hauptlinie“ Pleinfeld – Buchloe, die nun aber teilweise sogar bis Memmingen durchgebunden sind. Dazu kommen noch Vorortleistungen und ein GmP.

Der morgendliche Vorortzug verkehrt nun etwas früher und wurde bis Mertingen Bf verlängert, auf der Rückrichtung tauchen zwei Rückfahrten für diesen Zug auf, beide mit der gleichen Zugnummer 713b: Ein Fehler im Kursbuch oder wurde da tatsächlich mit Zug 713a zwei Zuggarnituren vereinigt nach Mertingen gefahren?. Zug 714 ist nun nicht mehr aus Buchloe durchgebunden. Interessant ist auch Zug 2146 von Augsburg-Oberhausen nach Donauwörth: Vermutlich ein GmP der aus Augsburg Rbf kommt und die Personenzuggleise erst in Augsburg-Oberhausen erreicht und deshalb erst ab dort im Kursbuch veröffentlicht ist. Eine Gegenleistung gibt es im fahrplan nicht, vermutlich kehrt der Zug als reiner Güterzug zurück. Zug 718 beginnt nicht mehr in Augsburg, sondern ist nun aus Memmingen durchgebunden. Sonn- und Feiertags gibt es mit den Vorortzügen 4112/4113 nun ein Angebot am frühen Nachmittag für Ausflügler. Der Nachmittagsvorortzug verkehrt etwa 45 Minuten früher, da ihm nun Zug 726 in einer neuen Fahrlage und durchgebunden aus Memmingen bis Meitingen ohne Halt folgt. Statt spätabends ist nun Zug 724 mit der Abfahrt um 20:05 Uhr die letzte abendliche Reisemöglichkeit ab Augsburg. Zug 713, 717 und 721 wurden über Buchloe hinaus bis Memmingen durchgebunden. Zug 723 verkehrt nun erst später ab Donauwörth (Garnitur kommt nun wohl aus dem Zug 724 der Gegenrichtung).

1927 sind dann wieder 5 Zugpaare auf dem Hauptast im Angebot, ergänzend dazu nun ein GmP-Paar sowie der etwas neu geordnete, aber weiterhin bescheidene Vorortverkehr.

Die Vorortzüge bieten 1927 nur noch die 4. Wagenklasse an. Das Zugpaar 6051/6052 dürfte ein GmP sein. Eigene Zusammenstellung nach dem Reichs-Kursbuch vom 1.Juli 1927

Das morgendliche Vorortzugpaar verkehrt nun wiederum nur noch im Abschnitt Augsburg-Meitingen. Zug 714 verkehrt früher ab Augsburg und hat eine deutlich längere Fahrzeit – ein Überholung lässt sich aus dem Kursbuch jedoch nicht ableiten. Sonn- und Feiertags gibt es nun einen frühmorgendlichen Ausflüglerzug nach Meitingen um 6:25 Uhr, (ohne Rückleistung). Zug 716 kommt nun aus Buchloe statt Memmingen und verkehrt etwa eine Stunde früher. Über Mittag verkehrt nun das GmP-Paar, das in Langweid(Lech) den Gegenzug kreuzt. Um 13:37 gibt es nun einen Vorortzug (Aufkommen von Fahrschülern?), der um 14:56 (Sonn- und Feiertags) bzw. 16:16 Uhr (Werktags) ab Meitingen zurückkehrt. Statt dem Vorortzug im Berufsverkehr verkehrt nun um 16:23 Uhr Zug 724 Augsburg – Pleinfeld. Um 17:30 ab Augsburg und 18:20 ab Meitingen gibt es nun ein Sonntags-Ausflugszugpaar. Zug 726 verkehrt nun um 18:26 und in der Relation Memmingen – Donauwörth. Um 21:16 verkehrt ein fünfter Zug als Abendzug 734. In der Fahrlage des späteren Vorortzuges 713b aus dem Jahr 1917 verkehrt nun Zug 733 Donauwörth – Augsburg, der wegen unterschiedlicher Überholung (vom Saisonzug D 92 Berlin – Lindau) eine gesplittete Fahrlage hat. Zug 713 endet in Augsburg (statt Memmingen). Zug 717 nach Memmingen verkehrt etwa 2 Stunden später und kommt bereits aus Pleinfeld, Zug 721 dagegen verkehrt etwa 1 Stunde früher und kommt aus Pleinfeld statt Nördlingen. Abendzug 723 verlor seine Postbeförderung und liegt etwas später.

Im letzten Fahrplanjahr vor Inbetriebnahme der Elektrifizierung im Abschnitt Augsburg-Donauwörth wird letztmals die „Linie“ Pleinfeld – Memmingen angeboten.

Fast 60 Jahre lang prägte die Personenzuglinie Memmingen/Buchloe – Pleinfeld das Angebot auf der Strecke Augsburg-Donauwörth, dabei gab es Angebotsverbesserungen nur durch die Einführung einzelner Vorortzüge über einen Teilabschnitt. Eigene Zusammenstellung nach dem Amtlichen Kursbuch Bayern rechts des Rheins, Sommer 1934.

P 733 und Vorortzug 3881 wechseln morgens die Fahrlage, somit gibt es ab Donauwörth eine frühere Verbindung nach Augsburg (Abfahrt 5:02 Uhr). Die Zuführung des Vorortzuges nach Meitingen entfällt im Kursbuch (Führung vermutlich jetzt als Leerzug), der Gegenzug verkehrt nur noch Werktags (6:36 Uhr ab Meitingen). Sonn- und Feiertags gibt es ein Vorortzugpaar Augsburg – Meitingen und zurück. Zug 716 kommt wieder von Memmingen statt Buchloe. Beim GmP-Paar ändern sich die Zugnummern, sonst aber wenig. Die Rückfahrt des mittäglichen Vorortzuges aus Meitingen ist nun an allen Wochentagen zur gleichen Uhrzeit um 15:57 Uhr. Das abendliche Vorortzugpaar an Sonn- und Feiertagen verkehrt etwa 2 Stunden später. Zug 734 ist nun zumindest an Werktagen als Spätverbindung nach Nördlingen durchgebunden. Zug 713 ist nun über Augsburg hinaus nach Buchloe durchgebunden, Zug 717 kommt nur noch aus Nördlingen statt Pleinfeld, Zug 721 endet in Augsburg (statt Durchbindung nach Memmingen).

Als 1935 die Elektrifizierung in Betrieb geht wird das Angebot neu geordnet, es gibt nun keine über Augsburg bzw. Donauwörth hinausgehenden Personenzüge mehr – und das über mehrere Jahrzehnte. Doch dazu mehr ein ander mal.

Stand: 19.6.2012

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