Aus der Mitte Deutschlands nach München: E170/169 1927-1945

Von Markus Egger

Der Tagesfernverkehr über die Frankenwaldbahn war in den 1920er Jahren noch sehr gering. Neben einem FD-Paar als schnelle Tagesverbindung verkehrten 1927 nur noch eine zweite etwas langsamere Tagesverbindung Berlin-München (als D 40/39) sowie der E 170/169 Leipzig-München der zusammen mit seinen Kurswagen eine Tagesverbindung aus weiten teilen Mitteldeutschlands nach München bot. Der Zug muss in dieser Form im Laufe der 1920er-Jahre entstanden sein, 1917 gibt es zumindest für den Teilabschnitt Nürnberg-München einen Vorgänger unter gleicher Nummer: Zug 170/169 Nürnberg – München in ähnlicher Fahrlage brachte Kurswagen Frankfurt – Nürnberg – München in die bayerische Landeshauptstadt.

Eine klassische Tagesverbindung bietet der E 170 aus dem mitteldeutschen Raum nach München. Datengrundlage: Reichskursbuch Ausgabe Nr. 2 1. Juli 1927.

E 170 startete morgens um 6:40 Uhr in Leipzig Hbf und nahm im folgenden den „ursprünglichen“ Weg für den Fernverkehr von Leipzig Richtung Nürnberg über Gera – Pößneck. In Saalfeld kamen Kurswagen aus Halle (über Naumburg – Jena) mit dazu bevor es über die Franken-waldrampe ging. In Lichtenfels stießen weitere Kurswagen aus Eisenach (über Meiningen – Co- burg) hinzu, in Bamberg dann schließlich in der Sommersaison Kurswagen aus Bad Kissingen (über Schweinfurt). Dann geht es weiter über die Hauptbahn und Nürnberg – Augs- burg nach München (Ankunft 17:35 Uhr). In der Gegenrichtung geht es am späten Vormittag um 11:40 Uhr in München los und Leipzig Hbf wird um 22:47 Uhr erreicht. In der Rückrichtung gibt es zusätzliche Halte in Rothenkirchen (Oberfr)

1934 bot der Zug auch eine „Verabreichung von Speisen und Getränken im Zuge“ wie in bestem beamtendeutsch im Kursbuch hieß. Zudem war der Zug fast eine Stunde beschleunigt worden. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Bayern rechts des Rheins Sommer 1934.

(heute: Pressig-Rothenkirchen, vermutlich zum ansetzen der Schiebelok) sowie in Oppurg. DerZug führte nur die 2. und 3. Wagenklasse, werktags war ein Postwagen Leipzig-München mit dabei.

Bis 1934 war der Zug deutlich beschleunigt worden (Beschleunigung im Abschnitt Leipzig Saalfeld und Nürnberg-München sowie Kürzung Unter- wegsaufenthal- te. Es gab nun auch zusätzlich Kurswagen aus Erfurt (über Arnstadt – Bad Blankenburg) und Frankfurt (über Würzburg – Treuchtlingen, in der gegenrichtung bis Wiesbaden). Die Kurswagen aus Halle führten nur noch die 3. Klasse. In nördlicher Fahrtrichtung wurde nun abends zusätzlich in Gera Süd gehalten.

Diese Karte zeigt den Lauf des Hauptzuges E 170/169 (rot) und seiner Kurswagen. Hier wird deutlich wie gut dieses Zugsystem den ganzen mitteldeutschen Raum erschließt. Praktisch alle größeren Städte haben eine Direktverbindung nach Nürnberg und München. Kartengrundlage: Reichs-Kursbuch 1905. Eigene Bearbeitung.

Im Abschnitt Nürnberg-München konnte E 170/169 ab dem Sommerfahrplan 1935 elektrisch befördert werden. Zug und Gegenzug kreuzten sich planmäßig an der nördlichen Bahnhofsausfahrt von Treuchtlingen. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch für das Reich Sommer 1935.

Bis 1935 konnte die Fahrzeit nochmals deutlich reduziert werden, u.a. durch die in diesem Jahr in Betrieb genomme- ne Elektrifizierung Nürnberg – Mün- chen. Die Kurs- wagen aus Frankfurt beginn- en nun bereits morgens in Bingerbrück, in der Gegenrichtung enden sie abends weiterhin in Wiesbaden. Nordwärts war nun ab Saalfeld auch ein Kurswagen aus Bad Blankenburg nach Leipzig dabei.

Für das Jahr 1936 ist ein Belling- rodt-Foto des E 170 bei Steinbach am Wald überliefert und auf der Homepage der Eisenbahnstiftung veröffentlicht. Wenn der Zug an diesem Tag planmäßig gebildet war bespannte ihn über den

Ab dem Sommerfahrplan 1939 konnte der E 170/169 zwischen Saalfeld und München elektrisch bespannt werden, dennoch kam es zu keiner weiteren Fahrzeitverkürzung. Datengrundlage: http://www.deutsches-kursbuch.de

Frankenwald die Baureihe 39 planmäßig, Schubhilfe gab eine 95er. Am 28.5.36 waren 39 074 und 95 044 eingeteilt. Hinter der Zuglok läuft der Postwagen Leipzig-München, danach zwei Packwagen gefolgt von 4 Eilzugwagen (Kann jemand die Typen identifizieren?). Da in diesem Abschnitt die Kurswagen aus Halle und Erfurt schon im Zugverband sind dürfte der Stammzug aus Leipzig nur aus zwei Sitzwagen bestanden haben. Denkbar wäre auch dass einer der Packwagen auch mit einem Kurswagen in den Zug gelangt war. Auch ein Foto aus 1933 ist dort überliefert. Hier läuft hinter der 39 001 ein Post und ein Packwagen, dann sind am angeschnittenenen Zug noch vier Sitzwagen zu erkennen.

Zwar wurde der E 170/169 auf einigen Teilstrecken bis 1941/42 langsamer, durch die verkürtzen Aufenthalte nach Wegfall der meisten Kurswagen konnte dies fast wieder kompensiert werden. Datengrundlage: http://www.deutsches-kursbuch.de

Spätestens ab 1939 wurde dann in Gera Süd in beide Richtungen gehalten, trotz Elektrifizierung blieb der Halt in Pressig-Rothenkirchen nordwärts bestehen (weiterhin Schublok erforderlich?, wenn ja, ab 1939 waren E94 in Pressig-Rothenkirchen stationiert). Ein Foto aus 1939 zeigt E18 045 vor dem E170 bei Breternitz. Die Kurswagenläufe blieben im wesentlichen bestehen, die Kurswagen aus Bingerbrück begannen jetzt jedoch da, wo sie abends in der Gegenrichtung endeten: in Wiesbaden. Die Kurswagen aus Eisenach führten nun auch nur noch die 3. Klasse, die Kurswagen aus Bad Blankenburg waren nicht mehr im Zug. Nach dem Kriegsbeginn verlor dann E 170/169 recht schnell seine vielen Kurswagenläufe, blieb aber im Hauptlauf unangetastet. Im Winterfahrplan 1941/42 beispielsweise bestanden nur noch die Kurswagen Wiesbaden – München. Südwärts kam kurzzeitig ein Halt in Hockeroda hinzu, sonst gab es am Fahrplan nur Verschiebungen im Minutenbereich.

Auch als 1942 der elektrische Betrieb Saalfeld – Leipzig über Naumburg aufgenommen wurde

Im letzten Kriegsfahrplan ab 1944 hatte E 170/169 keine Kurswagen mehr und die Fahrzeit war wieder auf das Niveau von 1927 zurückgefallen. Datengrundlage: http://www.pkjs.de

verkehrte E 170/169 weiter über Gera. Bis spätestens 1944 waren dann auch die Kurswagen aus Wiesbaden entfallen, es verkehrte nur noch der Stammzug Leipzig-München, der auch deutlich verlangsamte Fahrzeiten erhielt. Der Halt in Hockeroda war wieder entfallen, dafür wurde nun in Pressig-Rothenkirchen in beide Richtungen gehalten.

Mit den vorrückenden Fronten und dem folgenden Kriegsende wurde der E 170/169 eingestellt. Seine Geschichte endete noch nicht ganz, in den nächsten Folgen werde ich Euch zum Einen seine Kurswagenzubringerzüge teilweise vorstellen, zum anderen dann beleuchten was aus dem Zugpaar nach 1945 wurde.

Entwicklung der Reisegeschwindigkeit des E 170/169 auf der Strecke Leipzig – München.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Fahrplanangaben aus den 1920ern, die helfen zu ergründen, wann der Zug eingeführt wurde
  • Weitere Indizien zu den eingesetzten Loks und Wagen
  • Sonstige Informationen und Kommentare rund um den Zug.

Stand: 22.7.2012

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