E 590/589 Bad Kissingen-München 1949-1969

Von Markus Egger

Die vor dem zweiten Weltkrieg mit dem E 170/169 Leipzig-München und dem E 390/389 Eisenach-München angebotenen Direktverbindungen aus Mitteldeutschland nach München hatten nach 1945 keine Zukunft, da der Zugverkehr über die sowjetisch-amerikanische Zonengrenze mehrere Jahre komplett zum Erliegen kam. Für die Bundesbahn stellte sich damit die Frage, wie am zweckmäßigsten die bisher mit diesen Zügen bedienten innerbayerischen Verkehrsbeziehungen adäquat angeboten werden können.

Genau genommen ist der 1949 wieder entstandene E 390/389 sogar eine recht genaue Wiederauflage des Vorkriegsvorgängers E 390/389, nur eben ab Schweinfurt statt Eisenach. Gleich mit diesem Vorgänger hat er die Zugnummer 390/389 und die vor dem Krieg übliche Führung über das Altmühltal und Ingolstadt nach München. Und auch die Fahrlage war fast identisch, wenn auch die Fahrzeit gegenüber 1939 teilweise kriegsfolgebedingt verlängert war. Auch die während des Krieges hinzugekommenen Zwischenhalte wie beispielsweise Wolnzach Bahnhof oder Paffenhofen (Ilm) gab es weiterhin, zusätzlich hinzu kam nun Dollnstein.  Sogar „Verabreichung von Speisen und Getränken im Zug“ gab es bereits wieder – obwohl der Zug vorerst nur die 3. Wagenklasse führte.

Im Sommer 1949 bespannten Treuchtlinger P10 (39.0) das Zugpaar 389/390 im Abschnitt Treuchtlingen-München und zurück. Für den Sommer 1950 ist die planmäßige Bespannung des E 389 im Abschnitt München-Treuchtlingen mit Treuchtlinger 01 überliefert.

Im Prinzip ist E 390/389 im Winter 1949/50 eine Wiederauflage des Vorkriegszuges, jetzt allerdings mit Kurswagen aus Bad Kissingen, die mit einem Nahverkehrszug bis Schweinfurt kommen. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Winter 1949/50.

Im Sommer 1951 wechselte unser Zug dann wohl die Zugnummer auf 589/590 und lief über Augsburg, ebenso wurde die Rückfahrt ab München deutlich vorverlegt (etwa 14:30 statt 18:00). Die 14:30 Uhr-Lage über Augsburg hatte vor dem Krieg ein E 1213 München-Nürnberg gehabt, die 18 Uhr-Lage über Ingolstadt übernahm nun D 389 München – Hamburg. Durch die frühere Abfahrt in München wurde Bad Kissingen noch zu humaneren Zeiten erreicht, 1949/50 war die Ankunft dort um 1 Uhr nachts…

Der Fahrplan des E 590/589 im Sommer 1951. Kursiv dargestellt der Perosnenzug Bad Kissingen – Schweinfurt Hbf mit den Kurswagen.

Wie vor dem Krieg gab es nun sogar südwärts wieder einen Kurswagen während der Festspielsaison aus Bayreuth, diesmal sogar nach Zürich statt nach München. Dieser Kurswagen verkehrte in sage und schreibe 6 unterschiedlichen Zügen: P 1636 Bayreuth-Schnabelwaid, E 590 Bad Kissingen-München, E 782 Augsburg-Buchloe, D 82 München-Lindau und D 252 Lindau-Bern! Neu war auch der Zwischenhalt in München-Pasing südwärts. Im Winter 1951/52 ist die Bespannung mit Nürnberger E18 auf den Abschnitten Bamberg-Nürnberg und Nürnberg-München überliefert.

Bis zum Sommer 1953 ergab sich eine leichte Beschleunigung um wenige Minuten. Außerhalb der Festspielsaison gab es nun südwärts Kurswagen Nürnberg-Bern, während der Festspielsaison liefen diese Bayreuth-Bern, ansonsten gab es keine größeren Änderungen. In München-Pasing wurde nun allerdings in beide Richtungen gehalten.

Beim 1953er-Fahrplan liegen mir die Abfahrtszeiten an den Zwischenhalten der P 1972/P 1989 leider nicht vor.

Für den Winter 1954/55 liegt erstmals ein Zugbildungsplan vor.

Der Stammzug Schweinfurt-München besteht 1954/55 aus 6 Wagen, davon ein B und ein Packwagen, die je zur Hälfte aus Bad Kissingen und Bad Neustadt (Saale) kommen. Hinzu kommt ein Verstärkungswagen ab Bamberg und drei Samstagsverstärker Nürnberg-München sowie nS ein Postwagen. Scan aus dem ZpAR: OZL-Lokd.

Interessant ist auch, dass es hier 1954/55 auch eine Wagengruppe aus Bad Neustadt (Saale) gab, die mit einem Personenzug nach Schweinfurt kam. Diese Wagengruppe taucht in den Kurswagenverzeichnissen 1953 und 1957 nicht auf, soweit ich das derzeit nachvollziehen kann. Diese Wagengruppe wandelt natürlich auch ganz stark auf den Spuren des Vorkriegs E 390/389. Gab es sie nur ganz kurz oder handelt es sich eher um eine betriebliche Durchbindung, die nicht im Kursbuch veröffentlicht wurde?

Bis spätestens 1957 war der Zug dann nach Bad Kissingen durchgebunden worden und auch sonst ergaben sich einige Änderungen. Die Kurswagen in die Schweiz waren im E 590 entfallen (es gab inzwischen beispielsweise einen D 182 Nürnberg-Zürich), auch aus Bayreuth gab es keine Kurswagen mehr. Erstmals nach dem Krieg gab es zumindest im Abschnitt Nürnberg-München nun wieder eine Minibar an Bord. Kurios aus heutiger Sicht mutet die Fußnote zur Auslastungssteuerung bei E 589 im abendlichen Berufsverkehr ab Nürnberg an: Mo-Fr hatten Reisende ab Nürnberg, Fürth und Erlangen für die Orte an den Nebenbahnen ab Forchheim in die Fränkische Schweiz und nach Höchstadt (Aisch) sowie für Unterfarrnbach, Vach, Großgündlach, Eltersdorf und Erlangen-Bruck „Beförderungsverbot“. Fahrgäste mit diesen Zielbahnhöfen mussten mit dem nachfolgenden P 4139 fahren, der die selben Anschlüsse erreichte. Oerlenbach war abends nun nur noch Bedarfshalt, nordwärts entfiel der Halt in München-Pasing wieder.

Im Sommer 1957 gab es planmäßig folgende Bespannungen, sogar die E94 durfte sich an diesem Zug austoben:

E 590: 78.0 bis Schweinfurt, 38.10 bis Bamberg, E44 bis Nürnberg und E18 bis München

E 589: E18 bis Nürnberg, E94 (!) bis Bamberg, 78.0 im Abschnitt Bamberg-Bad Kissingen.

Zwischen 1953 und 1957 gab es nochmals eine deutliche Bechsleunigung des Zuges. In Schweinfurt Hbf, Bamberg und Nürnberg Hbf war vermutlich Lokwechsel angesagt.

Detailliert untersucht hat das Projekt db58 (Link zu Teil 1 und Teil 2) unseren Eilzug für das Jahr 1958. Für die Bespannung waren damals die Baureihen 78, 38, E44 und E18 zuständig. Gebildet wurde der Zug praktisch vollständig aus Vorkriegseilzugwagen der Bauart 36 (überwiegend) und 30 (1. Klasse und tageweise Verstärkungswagen). Die Zugänge schwankte dabei stark zwischen den einzelnen Abschnitten: Der Zug verließ München je nach Wochentag mit 8-11 Wagen, ab Nürnberg waren es noch 7-9 Wagen, ab Bamberg 6 und ab Schweinfurt 3 (je einmal 1. Klasse, 2. Klasse und Packwagen).

Bis 1962 gab es dann wieder nur kleinere Änderungen: Oerlenbach war wieder fester Halt, nicht mehr nur Bedarfshalt, in München-Pasing wurde zur Abwechslung mal wieder in beide Richtungen gehalten, die Minibar war wieder entfallen und auch die auslastungssteuernde Fußnote gab es nicht mehr.

Ohne viele Schnörkel stellte sich der E 590/589 im Sommer 1962 im Kursbuch dar. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1962.

Eine erhebliche Beschleunigung ergab sich nochmals bis spätestens 1966. Die Zwischenhalte Poppenhausen und Oberwerrn entfielen nun, ebenso der Lokwechsel in Schweinfurt Hbf (Evtl. nun mit Dieseltraktion durchgehend Bad Kissingen-Bamberg?). Mit diesen Maßnahmen wurde nun Bad Kissingen-München erstmals in unter 5 Stunden zurückgelegt und die Abfahrtszeit und Ankunftszeit in Bad Kissingen lag nun doch etwas fahrgastfreundlicher.

In Schweinfurt Hbf erfolgte ab spätestens 1966 kein Lokwechsel mehr.

Für den Sommerfahrplan 1969 liegt ein weiterer Zugbildungsplan vor.

Ein (fast) reiner Silberlingzug war der E 590 1969 – aber immmerhin auch fast vollständig schon scheibengebremst. Einzig der Packwagen tanzt farblich aus der Reihe. In Bamberg kommen mit der E-Lok zahlreiche Verstärkungswagen aus Coburg hinzu. Diesen Zubringer gab es so in den Vorjahren (z.B. 1966) noch nicht. Scan aus dem ZpAR: DSO-User Plumps.

1970 traf dann auch unseren Zug die Zugnummernreform – das bietet Anlaß hier zu unterbrechen und die folgende Geschichte dieses Zuges in der nächsten Folge zu erzählen.

Danke an die folgenden DSO-User für Scans und ergänzende Informationen: Plumps, OZL-Lokd, Diesel73, Eurocity341.

Link zur Diskussion auf DSO: http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,6029307

Offene Fragen und Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Wann zwischen 1953 und 1957 wurde der Zug nach Bad Kissingen durchgebunden und verlor seine Kurswagen in die Schweiz?
  • Wann enstand die Wagengruppe aus Coburg?
  • Was hat es mit der Wagengruppe aus Bad Neustadt (Saale) 1954/55 auf sich?
  • weitere Angaben zu Bespannungen
  • Zugbildungen früherer Jahre
  • Sonstige Erinnerungen und Diskussionen

Stand: 3.9.2012

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Zug abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s