Mit dem Eilzug von Bad Kissingen nach München 1979 bis zum Ende 1991

von Markus Egger

1979 überarbeitete die Bundesbahn den Eilzug von Bad Kissingen nach München nochmals. Grund dafür dürfte vermutlich gewesen sein, dass mit der Veränderung der Eilzug im Abschnitt Nürnberg-Augsburg nun in beide Richtungen vereinigt mit dem Zug Nürnberg-Lindau gefahren werden konnte, somit eine effektivere Betriebsabwicklung möglich war.

Der südwärts fahrende Zug blieb in der Fahrlage praktisch unverändert, erhielt jedoch eine reihe früherer Zwischenhalte wieder zurück: Schwabach, Roth, Pleinfeld und Weißenburg (Bay). Der Zug nannte sich nun E 3005. In der Gegenrichtung musste – um die Vereinigung mit E 767 zu erreichen eine deutlich spätere Abfahrt in München gewählt werden. Die Bayerische Landeshauptstadt wurde nun um 16:58 Uhr statt um 15:35 Uhr verlassen. Unser nun E 3010 genannte Eilzug erbte hier die Fahrlage des bisherigen E 3008 München-Nürnberg sowie von diesem die im Berufsverkehr stark nachgefragten zusätzlichen Halte in Mering und Augsburg-Hochzoll. In der bisherigen fahrlage unseres Eilzuges nach Bad Kissingen verkehrte nun unter seiner bisherigen Zugnummer ein E 2564 München – Coburg – das dürfte die bisherige Kurswagengruppe nach Coburg sein, denn diese gab es beim neuen E 3005/3010 nicht mehr. Durch diese Änderungen wurde Bad Kissingen erst wieder um 21:55 Uhr erreicht. Übrigens hat E 3010 nun in Treuchtlingen von 18:54 Uhr bis 19:02 Uhr nun einen Korrespondenzaufenthalt mit dem hier schon behandelten „Dolomiten-Expreß“ D 1284 Verona – Coburg.

E 3005 hat durchaus noch den Charakter eines „Ferneilzuges“ der er bereits Jahrzehnte lang war, E 3010 dagegen ist schon eher ein Berufsverkehrszug mit vielen Zwischenhalten. Datengrundlage: Kursbuch Sommer 1979.

Aus dieser Zeit gibt es ein schönes Foto unseres Zuges bei der Einfahrt in München: hinter einer 118 und einem BDms folgen fünf Silberlinge: http://imageshack.us/photo/my-images/689/021118014.jpg/ (Bildautor: M. Hafenrichter)

Doch die gemeinsame Führung von E 767 war nur von kurzer Dauer, spätestens zum Sommerfahrplan 1981 verkehrten die beiden Züge wieder getrennt ab Augsburg, verließen allerdings Augsburg Hbf innerhalb weniger Minuten nacheinander.. Denkbar ist, dass durch das starke Verkehrsuafkommen im Berufsverkehr eine gemeinsame Führung wegen der Zuglänge nicht mehr möglich war. Südwärts wurden E 3005 und E 766 noch gemeinsam geführt. Bei E 3010 verstärkte sich der Charakter des Berufsverkehrszuges noch mehr, es kamen nun noch Zwischenhalte in Meitingen, Otting-Weilheim und Hirschaid hinzu. Der Zwischenhalt in Otting-Weilheim war durch die 1981 erfolgte Aufgabe der Nahverkehrszüge Donauwörth – Treuchtlingen bedingt. Durch die wegfallende nachmittägliche Kurswagenumstellung in Augsburg verkürtze sich die Reisezeit für alle Reisenden von München zu den Bahnhöfen nördlich von Augsburg um gut 15 Minuten. Gepäckbeförderung war nun nordwärts nur noch bis Bamberg möglich, ab dort gab es immerhin noch Fahrradbeförderung im Gepäckwagen.

Durch E 3010 erhalten viele kleinere Orte wie Otting-Weilheim oder Ebelsbach-Eltmann fast so etwas wie Fernverkehrsflair. Datengrundlage: Kursbuch Winter 1981/82.

Ab 1982 änderte der südwärts fahrende Zug wieder seine Zugnummer auf E 2563. Die Fahrlage war nun durchgehend etwa 30 Minuten später, was durch den vollständigen Entfall des E 766/767 Nürnberg-Lindau bedingt sein könnte. Neu ist nun auch südwärts der Halt in Hirschaid sowie München-Pasing. Nördwärts kommt der Zwischenhalt in Georgensgmünd neu dazu. Viel einschneidender dagegen: Der Zug endet nun abends bereits in Schweinfurt Hbf. Dies ist durch eine nun eingeführte Betriebsruhe auf der Strecke Ebenhausen – Bad Kissingen ab etwa 19:30 Uhr bedingt. Mit einem Bahnbusanschluss lässt sich Bad Kissingen nun gegen 22:30 Uhr noch erreichen. Für dieses Fahrplanjahr liegt mir auch ein Postkursbuch vor. E 2563 führt ab Nürnberg Sonntags eine „Transportbahnpost“, Post wurde nur in Nürnberg Hbf und München Hbf umgeladen. E 3010 hatte keine Postaufgaben.

Abends ist nun bereits in Schweinfurt Schluss für den E 3010. Datengrundlage: Postkursbuch I, Winter 1982/83.

Zum Sommer 1983 gab es nochmals eine kleiner Änderung: Sonntags verkehrte der Zug nun als E 3003 in der bisherigen Fahrlage, Montag-Samstag verkehrte er ab Nürnberg etwas später und hielt zusätzlich in Mering – Grund dafür ist die Zugfolge ab Nürnberg hinter dem Mo-Sa verkehrenden neuen IC 563 „Hans Sachs“ Nürnberg – München. Für den Sommer 1983 liegt auch ein Zugbildungsplan der beiden Züge vor. Der Stammzug wird nun komplett aus Abteilwagen gebildet (ein BDm, ein ABm, vier Bm). Hinzu kommt W(Sa) an Nürnberg ein Bnrz, Samstags ein weiterer Bm. Dem ZpAR ist auch zu entnehmen dass der Zug morgens leer nach Bad Kissingen überführt wird. Gegenzug E 3010 hat neben den 6-Stammwagen München-Schweinfurt W(Sa) noch drei Silberlinge München-Nürnberg als Verstärkungswagen im Berufsverkehr dabei – einer davon ist der Bnrz der morgens aus Nürnberg mit dem E 3005 gekommen war. Zuglok war zu dieser Zeit beim E 3005 im Abschnitt Bad Kissingen – Nürnberg übrigens eine Regensburger 218, die immerhin 119 km unter Fahrdraht dahindieselte! Die Leistung diente wohl zur Anbindung Richtung Heimat der in der Rhön eingesetzten Regensburger 218. Die Lok für die Leistung kam am Vormittag des Vortages Lz aus Bamberg (wohin sie mit einem E aus Hof gelangt war) nach Schweinfurt und pendelte dann mit Personen und Güterzügen Bad Kissingen-Schweinfurt. Nach einer Übernachtung in Schweinfurt ging es morgens um 6:06 Uhr mit der Übergabe nach Bad Kissingen, die auch die Garnitur für den E 3005 mitführte. Nach dem Durchlauf Bad Kissingen-Nürnberg ging die Lok in Nürnberg auf einen Nahverkehrszug nach Neukirchen (b Sulzbach-Rosenberg) über.

Ausriss aus dem Laufplan für die Dieselloks der Baureihe 218 des Bw Regenbsurg 1 im Sommer 1983. Die Loks kommen damals weit herum, sind sie doch die Dieselallzweckwaffe in Nordbayern und bespannen so ziemlich alles vom Nahverkehrszug über den Schnellzug bis zum Übergabezug oder Durchgangsgüterzug. Eckpunkte des Einsatzgebietes sind Bad Kissingen, Hof, Regensburg und Stuttgart Hbf. Scan: DSO-User OZL-Lokd.

Ein beachtlich langer Zug war der E 3005/3003 für die Strecke Bad Kissingen – Ebenhausen mit seinen 6 Wagen allemal. Scan aus dem ZpAR 1983: DSO-User Plumps.

Aus dieser Zeit stammt ein Foto von Gerd Hutschenreuther in diesem DSO-Thread, Zuglok des E 3010 ist hier die Baureihe 111. (Vorletztes Bild)

1984 gab es fast keine Änderungen am Fahrplan, allerdings war nun die Gepäckbeförderung abends wieder bis Schweinfurt Hbf möglich. Dafür ist aus diesem Jahr ein Foto von Klaus Ratzinger unseres E 3010 überliefert: Zuglok ist eine Kölner 110: http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,4640599,4640599 (4. Bild). Mitte der 80er Jahre war aber die Blütezeit dieser Verbindung schon deutlich überschritten, die nächsten Änderungen waren hatten alle keine Attraktivierung des Zuges mehr zur Folge sondern dienten eher der Rationalisierung. Zwischen 1985 und 1988 (wer kann das genau zeitlich einordnen?) gab es nochmals eine größere Rationalisierung. Mo-Sa startete  unser Zug nun als E 3003 in Würzburg statt in Bad Kissingen, aus Bad Kissingen bestand immerhin noch Zuganschluss. Sonntags gab es noch eine Durchbindung Bad Kissingen-München, jedoch bereits mit Zugnummernwechsel in Schweinfurt (E 3652 auf E 3003). Südwärts wurde nun auch in Georgensgmünd gehalten, in Mering kam der Halt Sonntags hinzu. Nordwärts verkehrte E 3010 nur noch in der Relation München-Nürnberg, hatte jedoch dort nach 43 Minuten (!) Aufenthalt einen Wagendurchlauf auf E 3750 Nürnberg-Würzburg bzw. Schweinfurt (Samstags nur bis Schweinfurt, sonst bis Würzburg). Reisende Richtung Fürth, Erlangen, Forchheim, Hirschaid und Bamberg waren an ihrem Ziel jedoch schneller wenn sie nach Ankunft in Nürnberg in den N 5776 umsteigen. Die Durchbindung war somit eher nur noch betrieblicher Natur. In diese Fahrtrichtung war der Zwischenhalt in Meitingen und Schweinfurt Stadt entfallen, dafür hielt der Zug jetzt in Baiersdorf.

Samstag auf Sonntag übernachtete die Zuggarnitur in Schweinfurt, ansonsten stand sie über Nacht in Würzburg abgestellt. Sonntag morgens dürfte sie mit N 5062 nach Bad Kissingen gelangt sein. Datengrundlage: Kursbuch Sommer 1988.

So verkehrte diese Überreste der langjährigen Verbindung Bad Kissingen – München noch bis einschließlich Winterfahrplan 1990/91. Zum Jahresfahrplan 1991/92 wurde der Eilzugverkehr Nürnberg-Augsburg  komplett neugeordnet und weitgehend bereits vertaktet. Das Erbe dieser Zugverbindung traten auf den verschiedenen Teilstrecken folgende Züge an:

  • Abschnitt Bad Kissingen-Schweinfurt: N 5065 Bad Kissingen-Schweinfurt
  • Abschnitt Würzburg/Schweinfurt-Bamberg: D 2651 Würzburg-Hof
  • Abschnitt Bamberg-Nürnberg: E 3037 Coburg-München (über Regensburg)
  • Abschnitt Nürnberg-München: E 3007 Nürnberg-Augsburg-München
  • Abschnitt München-Nürnberg: E 3020 München-Augsburg-Nürnberg
  • Abschnitt Nürnberg-Bamberg: IR 2565 Karlsruhe-Coburg
  • Abschnitt Bamberg – Schweinfurt/Würzburg: E 3648 Bamberg-Würzburg

Südwärts bestand dabei aber ein Bruch in der Reisekette in Bamberg.

Link zur Diskussion auf DSO, die einen interessanten Beitrag mit Erinnerungen eines Nutzers des Zuges enthält: http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,6053063,6053063#msg-6053063

Vielen Dank an die DSO-User Plumps, OZL-Lokd und Integral für die Ergänzungen.

Offene Fragen und Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Wann traten die Änderungen (Führung ab Würzburg, 40-minütiger Aufenthaklt in Nürnberg) Mitte der 80er genau in Kraft
  • weitere Angaben zu Zugbildung und Bespannung
  • Bilder, Geschichten, sonstige Ergänzungen

Stand: 16.9.2012

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