Der Holland-Wien-Express: Teil 3 – 1983-1991 (Schluss)

Von Markus Egger

1983 wurde der „Holland-Wien-Express“ neu aufgestellt. Durch eine veränderte Fahrlage war so eine effektivere Betriebsabwicklung möglich. Die Abfahrt in Amsterdam rutschte zweieinhalb Stunden nach hinten, die Ankunft etwa eine Stunde nach vorne, somit war in Amsterdam nun eine Wende von D 222 auf D 223 am selben Tag möglich. Die Ankunft in Wien wurde kundenfreundlicher und rutschte von 6:40 Uhr auf 8:00 Uhr, die Abfahrt von 23:00 Uhr auf 22:45 Uhr – es gab also eine deutliche Reisezeitverlängerung. Mit dieser neuen Lage konnte der bisherige D 1423/1422 – ein Kurswagenzubringerzug aus Amsterdam für den D 1323/1322 an die Adria – eingespart werden, da die Kurswagen nun im D 223/222 bis Duisburg mitlaufen konnten. Da der D 223/222 in der neuen Lage die Kurswagen für den Riviera-Express nicht mehr zuliefern konnte, gab es für diesen nun einen Kurswagenzubringer Amsterdam-Oberhausen, der sich ebenfalls „Riviera-Express“ nannte. Der Halt in Remagen (südwärts) entfiel wieder ebenso wie der Halt in Plattling auf dem Weg nach Wien.

Auszug aus dem ÖBB-Zugbegleiter nach der Reform vom Sommer 1983. Durch Klicken öffnet sich eine größere Version. Zur Verfügung gestellt von: Ulrich Brandl.

Der „Holland-Wien-Express“ bestand damit ab 1983 aus folgenden Wagengruppen: Stammzug Amsterdam – Wien mit Sitz- und Liegewagen sowie Minibar Amsterdam-Frankfurt und zurück; Sitz-, Liege- und Schlafwagen Dortmund-Wien (somit erstmals durchgehende Schlafwagennutzung ab der Rhein/Ruhr-Region möglich, bisher lief der Schlafwagen immer erst ab Frankfurt); Sitz- und Liegewagen Amsterdam-Ancona. Kurswagenaustausch war in Duisburg – hier traf sich der D 223/222 mit dem D 1323/1322. Die Kurswagen nach Ancona wurden abgegeben, dafür kamen die Kurswagen aus Dortmund hinzu.

Durch die veränderte Fahrlage wurde der Holland-Wien-Express für einige Orte unattraktiver: Bisher waren die Halte in Nürnberg und Würzburg noch in äußerster Tagesrandlage – jetzt sind sie mehr oder weniger mitten in der Nacht. Auch die Frühverbindung von Neumarkt (Oberpf) nach Nürnberg war nun mit 4:09 sehr früh geraten. Dagegen konnte der Zug nun morgens Richtung Wien besser Tagesrandaufgaben mit erfüllen. Datengrundlage: Kursbuch Sommer 1983.

Foto (vom November 1983) der Kurswagengruppe Wien-Dortmund, die ab Duisburg als D 422 verkehrte. im Sommerfahrplan verkehrte D 422 vereinigt mit D 1322 Ancona-Dortmund. Foto: DSO-User rolwie.

Zwischen 1985 und 1988 veränderte sich die Fahrlage Richtung Amsterdam nochmals, Abfahrt in Wien und Ankunft in Amsterdam waren nun gut eine Stunde früher. Richtung Wien gab es ab Passau nun nochmals eine zusätzliche Kurswagengruppe: Hier kamen ab 1988 Sitz-, Liege- und Schlafwagen Hamburg-Wien hinzu, die bis Passau im D 499/498 liefen. In der Gegenrichtung verkehrten diese im Wien-Oostende-Express. Die Minibar war nun nur noch von Emmerich bis Frankfurt mit dabei. Der morgendliche Halt in Neumarkt (Oberpf) war nun entfallen, dafür gab es Richtung Wien nun morgens zusätzliche Halte in Neumarkt-Kallham und St. Valentin, in Plattling wurde nun sogar wieder in beide Richtungen tief in der Nacht gehalten.

Östzerreichischer Zugbildungsplan des dort Ex 223 genannten Zuges vom Sommer 1987. Einfache Regel für den Ex 223 1987: Wagen aus Amsterdam stellt die ÖBB, Wagen aus Dortmund die DB (Hinweis: Da es Pläne der ÖBB sind zeigen sie natürlich keine Wagen, die die ÖBB nicht berühren, also nicht wundern…) Scan aus dem Zugbildungsplan der ÖBB: Hans Kern

1988 ist es nicht mehr so einfach – es gibt zum Einen wieder ÖBB-Verstärkerwagen Passau-Wien, die Hamburger und Dortmunder Wagen stellen nun DB und ÖBB gemeinsam, nur aus Amsterdam kommen ausschließlich ÖBB-Wagen. Scans aus dem Zugbildungsplan der ÖBB: Hans Kern.

In Deutschland ist die Zugbildung 1988 gegenüber früheren Jahren deutlich übersichtlicher geworden. Verstärkungswagen auf deutschen Abschnitten gibt es nicht mehr, im wesentlichen besteht der Zug aus den vier Wagengruppen Amsterdam-Ancona, Dortmund-Wien, Amsterdam-Wien und Hamburg-Wien, einzig ein Bm fährt nur Amsterdam-Frankfurt. Quelle: ZpAR der DB Sommer 1988. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

 

Die Kurswagenaufgaben des D 223/222 waren bis 1988 wieder deutlich vielfältiger geworden. Die Anpassungen bei den Zwischenhalten resultierten wohl aus der geänderten Fahrlage und den dadurch verschobenen Kundenwünschen. Datengrundlage: Kursbuch Sommer 1988.

Ab 1989 entfielen die Kurswagen Amsterdam-Ancona für den D 1323/1322, dafür wurde der D 223/222 nun von Amsterdam bis Duisburg vereinigt mit dem D 201/200 „Holland-Italien-Express“ gefahren, somit ergaben sich weiterhin direkte Fahrtmöglichkeiten von Amsterdam an die Adria – allerdings über den Gotthard statt den Brenner.

Dirk Maraschek hat ein Foto mit 110 227 vom 14.5.1989 mit D 223 bei der Einfahrt in Duisburg veröffentlicht.

Beispielhaft für diese Zeit soll hier der Zugbildungsplan aus dem Sommer 1990 vorgestellt werden. An der Spitze ab Emmerich verkehren die Kurswagen Amsterdam-Rimini für den D 201, die Sitzwagen nach Rimini stellt die DB, den Schlafwagen die NS bzw. CIWLT. Ab Duisburg läuft an Stelle dieser Wagen die Gruppe Dortmund-Wien, Schlaf- und Liegewagen sowie einen ABm stellt die DB, einen Bvmz die ÖBB. Dahinter folgt der Stammzug Amsterdam-Wien (Sitz-, Liege- und Gepäckwagen), den weiterhin die ÖBB stellt.  Am Schluss laufen tageweise ein Verstärkungswagen der DB Amsterdam-Koblenz bzw. Verstärkungssitz- und Liegewagen Amsterdam-Rimini der FS bzw. DB. Nach dem Kopfmachen in Frankfurt wird in Passau an die Spitze des Zuges die Gruppe Hamburg-Wien gesetzt, die aus Sitz- und Liegewagen der DB sowie einem WLABm der ÖBB – bewirtschaftet von der CIWLT – besteht. Von Frankfurt bis Nürnberg läuft tageweise an der Spitze ein Postwagen.

Der sommerliche D 223 „Holland-Wien-Express“ im Sommer 1990 erreicht Deutschland je nach Tag mit 7 bis 11 Wagen und verlässt Deutschland mit 14 Wagen. Quelle: Entwurf zum ZpAR 1990/91.

In der jeweiligen Winterfahrplanperiode verkehrte der Zug ohne Kurswagen an die Adria und war demenstprechend etwas kürzer.

Blick auf den am 21.9.1990 in Duisburg eintreffenden D 222 aus Wien. Foto: DSO-User rolwie.

Der Fahrplan des D 223/222 blieb in den letzten Jahren fast unverändert. Datengrundlage: Kursbuch Winter 1990/91.

Im Winterfahrplan 1990/91 verkehrte der „Holland-Wien-Express“/“Wien-Holland-Express“ letztmals. Zum Jahresfahrplan 1991/92 gab es eine größere Umstrukturierung der hier verknüpften Nachtzüge: Aus dem D 1323/1322 wurde der D 1123/1122 „Dolomiten-Express“ der mit dem „Kärnten-Express“ verknüpft wurde. Aus dem D 223/222 wurde der D 423/422 „Donau-Kurier“ Dortmund-Wien (diesen Namen hatte bisher ein Tageszug Dortmund-Wien gehabt). Hier wurde also aus der bisherigen Kurswagengruppe der Stammzug, eine Wagengruppe aus den Niederlanden gab es nun aber weder beim „Dolomiten-Express“ noch beim „Donau-Kurier“. Doch die Geschichte des „Donau-Kurier“ soll ein ander mal erzählt werden.

Vielen Dank an Hans Kern, rolwie, epericolososporgersi sowie Ulrich Brandl für die ergänzenden Informationen, Scans und Fotos!

Offene Fragen und Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • ergänzende Zugbildungen
  • Bespannungen
  • Fotos, Berichte, Erlbnisse etc.

Stand: 19.5.2013

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