Mit dem Bus auf der „Romantischen Straße“ – Teil 1: 1950-1970

Von Markus Egger

Am 10. Januar 1950 gründete eine Gruppe von Städten auf einer Gründungsversammlung im Augsburger Hotel „Augusta“ die Arbeitsgemeinschaft „Romantische Straße“. Ziel dieser Gruppe war die (Wieder-)Ankurbelung des Tourismus nach dem 2. Weltkrieg. Mit dieser gemeinsamen Plattform sollte gerade ausländischen Touristen wieder eine Reise nach Deutschland schmackhaft gemacht werden, Hauptzielgruppe waren dabei anfangs die mit ihren Familien in Deutschland urlaubenden US-Soldaten. Die „Romantische Straße“ war damit nach der „Deutschen Alpenstraße“, „Deutschen Weinstraße“, „Schwarzwaldhochstraße“ und „Grünen Küstenstraße“ die fünfte deutsche Ferienstraße. Von Anfang an war eine Buslinie Teil dieses Konzepts, die dann auch bereits im Sommer 1950 den Betrieb aufnahm. Zum genauen Eröffnungsdatum gibt es unterschiedliche Aussagen: https://www.romantischestrasse.de/ nennt den 19. Juni 1950, in einem zeitgenössischen Artikel der Passauer Neuen Presse (mit einigen Bösen Schreibfehlern bei den Ortsnamen!) vom 29.6.1950 wird der 1. Juli angekündigt. Konzessioniert war die 377 km lange Linie zunächst auf die Bundesbahndirektion Augsburg.

Mit dieser Anzeige im Amtlichen Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Winter 1970/71 bewarb die Bundesbahn die Linie. Quelle: Amtlicher Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Winter 1970/71.

Karte des Verlaufs der Romantischen Straße (inklusive kleinerer späterer Streckenänderungen und -ergänzungen) Quelle: Wikimedia Commons, Urheber: „mario“

Die Route der romantischen Straße führt von Würzburg über Bad Mergentheim, Weikersheim, Creglingen, Rothenburg ob der Tauber, Feuchtwangen, Dinkelsbühl, Nördlingen, Harburg, Doanuwörth, Augsburg, Landsberg, Schongau, Rottenbuch nach Füssen. Bereits 1950 wurde diese Route in der Sommersaison täglich in beide Fahrtrichtungen befahren. Ein Fahrplan des Jahres 1950 liegt mir leider nicht vor. In der Winterfahrplanperiode hatte die neue Linie jeweils Betriebsruhe.

Der älteste mir bisher vorliegende Fahrplan datiert aus dem Sommer 1956, als Betriebsführer werden zu dieser Zeit gemeinsam die Bundesbahn und das Reisebüro Lesch aus Würzburg genannt. Bis zu diesem Jahr hatten bereits Angebotsausweitungen stattgefunden. Über das täglich verkehrende Kurspaar Würzburg-Füssen hinaus verkehrte nun zusätzlich in der Hochsaison ein zweites Kurspaar auf der Teilstrecke Augsburg-Würzburg.

Morgens um 7:45 Uhr startete in Würzburg und Füssen jeweils ein Bus des Stammkurspaares. Während die meisten Haltestellen in beide Richtungen bedient wurden, hielt man an der Wieskirche und am Augsburger Rathaus nur jeweils nordwärts. Auch die Aufenthaltszeiten an den Zwischenhaltestellen waren recht unterschiedlich. Nordwärts war in Augsburg eine gute Stunde Zeit für einen kleinen Spaziergang durch die Stadt oder ein Mittagsmahl, südwärts waren in Augsburg nur 10 Minuten Aufenthalt, hier gab es einen längeren mittäglichen Aufenthalt in Dinkelsbühl. An der Echelsbacher Brücke – bis heute ein Busumstiegsknoten ohne Ort! – bestand Anschluss an einen Bus der Kraftpost nach bzw. von Garmisch-Partenkirchen. Das zweite Kurspaar verließ morgens Augsburg nach Würzburg und Mittags Würzburg nach Augsburg.

In den meisten Orten hatte der Bus seine Haltestelle am zentralen Platz nahe bei den Sehenswürdigkeiten. Nur wenige Haltestellen offenbaren nicht direkt einen touristischen Zweck . Das „Cafe-Lechblick“ bei km 320,0 zwischen Landsberg und Schongau bietet zwar durchaus einen schönen Blick auf den dort tief eingegrabenen Lech, aber ob dort wirklich Touristen ein- und ausstiegen? Quelle: Bahnbuskursbuch Sommer 1956.

Neben dieser eigentlichen Buslinie zur „Romantischen Straße“ wurde noch eine weitere mit diesem Untertitel beworben: Eine Europabus-Linie der Deutschen Touring von Würzburg nach Innsbruck, die von Würzburg bis Schongau ebenfalls die Route der Romantischen Straße (aber mit wesentlich weniger Zwischenhalten) nutzte und ab Schongau über Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald nach Innsbruck führte. Diese Linie 1100Q verkehrte aber nur zweimal wöchentlich in der Hochsaison und verließ Würzburg erst um 9:15Uhr.

Selbstverständlichen wurden auch auf dieser Europabuslinie Schienenfahrausweise anerkannt. Quelle: Bahnbuskursbuch Sommer 1956.

Bis 1962 war der Fahrplan nochmals etwas umfangreicher geworden. Die morgendlichen Abfahrten des Hauptkurspaares waren nun etwas später (8:20 Uhr ab Würzburg, 8:40 Uhr ab Füssen), außerdem hatte dieses zusätzliche Halte in Lauda Dreieck, Bad Mergentheim Rathaus, Creglingen Herrgottskirche, Schillingsfürst, Peiting Hauptplatz, Wildsteig, Trauchgau und Buching erhalten. Aus dem Kurspaar Augsburg-Würzburg in der Hochsaison war nun ein Kurspaar München-Würzburg geworden, das jedoch so zeitlich verlegt wurde, dass es mit einem Fahrzeug am Tag gefahren werden konnte. Zu dem Hauptkurspaar gab es nun auch ein Anschlusskurspaar Augsburg-München sowie in der Hochsaison ein Zubringerkurspaar Frankfurt-Würzburg-Rothenburg odT, das ab Würzburg über Ochsenfurt und Uffenheim den direkteren und fast zwei Stunden schnelleren Weg nach Rothenburg nahm. In Rothenburg bestand außerdem fast ein kleiner „Fernbus-Hub“: Hier waren teilweise Umstiege in die Fernbuslinien Nürnberg-Rothenburg-Mannheim und Stuttgart-Rothenburg möglich. Die Linie Würzburg-Innsbruck bestand nicht mehr.

Der 1962er-Fahrplan nennt nun wieder die Bahnbusverkehrsstelle Augsburg als alleinigen Betriebsführer der Linie. Quelle: Amtliches Omnibuskursbuch Sommer 1962

Bis 1966 war das Angebot dann wieder etwas optimiert worden. Neben dem klassischen Kurspaar Würzburg-Füssen gab es nun nur noch ein zweites Kurspaar Frankfurt-München, das sozusagen eine Zusammenfügung der Kurse Frankfurt-Rothenburg und Würzburg-München war. Weiterhin hatte das Kurspaar Frankfurt-München in Rothenburg Anschluss an das Kurspaar Würzburg-Füssen und gewährte einen längeren Zwischenaufenthalt in Rothenburg. So waren vielfältige Reisekombinationen ab den Ausgangsorten Frankfurt, Würzburg, Füssen und München sowie teilweise verschieden lange Zwischenaufenthalte z.B. in Rothenburg kombinierbar. Zum Kurspaar Würzburg-Füssen verkehrte außerdem noch ein kurzer Zubringer Augsburg-München und zurück.

Mit den Fahrplanänderungen bis 1966 wurde die grundlegende Struktur für die folgenden Jahrezehnte gelegt. Quelle: Amtliches Omnibuskursbuch Sommer 1966

In den Folgejahren gab es in erster Linie Verschiebungen bei den morgendlichen Abfahrtszeiten, die tendenziell wieder etwas später wurden. 1968 fuhr jedoch bereits der Busanschluss nach München beim Stammkurs Würzburg-Füssen nicht mehr, stattdessen war ein Zug als Anschluss ausgewiesen.

Zwar ist auf diesem Scan nur die Hinrichtung gut zu erkennen, dennoch ist aber zu sehen, dass es nur wenig Änderungegn an dem Fahrplan der „Romantischen Straße“ gab. Quelle: Amtliches Omnibuskursbuch Sommer 1968.

Über all die Jahre wurden die Fahrten der „Romantischen Straße“ nicht nur als separate Fernbustabelle im Amtlichen Kursbuch und im Amtlichen Omnibuskursbuch veröffentlicht, sondern auch in die Fahrplantabellen der teilweise parallelen Eisenbahnstrecken und Bahnbuslinien eingearbeitet. Bei den damals noch nicht so dichten Fahrplänen bot diese Linie durchaus ein ergänzendes Fahrplanangebot sogar auch auf der Magistrale Augsburg-Donauwörth.

Die beiden Kurse der „Romantischen Straße“ schlossen durchaus sinnvoll Lücken im Fahrplan Augsburg-Donauwörth. So bot der erste Kurs die einzige Fahrtmöglichkeit von Augsburg nach Donauwörth zwischen 9:11 und 11:02 ab Augsburg. Quelle: Amtlicher Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1970.

Auch auf der Bahnbuslinie 2411/5 Augsburg-Donauwörth wurden die Kurse selbstverständlich eingearbeitet.

Zum Fahrzeugeinsatz lassen sich nur vage Aussagen machen. Im Standardwerk zu den Bahnbussen von Volkhard Stern und Werner Hartung („Die Straßenfahrzeuge der Deutschen Bundesbahn, Teil 1: Bahnbusse“) gibt es einige Fotos von MAN-Fahrzeugen mit hochwertiger Ausstattung im Bahnbusdienst, u.a. in Augsburg und Rothenburg dokumentiert. Da diese Fahrzeuge bei der BD Augsburg im Einsatz standen und die „Romantische Straße“ von der BD Augsburg betreut wurde ist ein Einsatz dieser Fahrzeuge auf der Linie wahrscheinlich.

In Teil 2 dieser Serie geht es dann um die Zeit ab 1970.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Fahrpläne, insbesondere der Anfangsjahre
  • Fotos und Geschichten

Stand: 9.11.2012

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Fahrplan abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s