Mit dem Bus auf der “Romantischen Straße” – Teil 2: 1971-heute

Von Markus Egger

Bis 1968 (Link zu Teil 1 1950-1970) hatte sich auf der Buslinie entlang der „Romantischen Straße“ ein Bedienungskonzept herauskristallisiert, das offensichtlich ein guter Kompromiss zwischen den Interessen der Kunden und den betrieblichen Erfordernissen des Betreibers war, dieses Konzept hatte nun fast 20 Jahre lang Bestand.

Das Angebot der „Romantischen Straße“ bestand 1971 aus einem Kurspaar Würzburg-Füssen, dessen Wurzeln bis 1950 zurückgehen und einem zweiten Kurspaar Wiesbaden-München, das später hinzu kam. Die Südwärts- und Nordwärts fahrenden Kurse treffen sich jeweils in Rothenburg ob der Tauber Mittags bzw. Nachmittags. Dort kann ggf. umgestiegen werden. Quelle: Amtliches Kursbuch Sommer 1971.

An einigen Sehenswürdigkeiten entlang der Route bestanden kleinere Aufenthalte, die für kurze Ein- bzw. Ausblicke genutzt werden konnten (z.B. Wieskirche 15 Minuten, Echelsbacher Brücke 10 Min, jeder Kurs hatte jedoch auch einen längeren Mittagsaufenthalt von 1 bis 2 Stunden Länge (in Rothenburg, Dinkelsbühl bzw. Augsburg). Betreiber sind in dieser Zeit gemeinsam die BD Augsburg und die ebenfalls bahneigene Deutsche Touring aus Frankfurt.

In den nächsten Jahren gibt es zwar immer wieder Verschiebungen bei den Abfahrtszeiten, sonst gleichen sich die Fahrpläne aber sehr stark.

1973 hatte sich die Liniennummer im Zuge einer KBS-Reform von 2100-16 auf 1415 geändert. In Füssen ging es nun beispielsweise erst etwas später los. Südwärts ist der Mittagsaufenthalt nun einheitlich in Rothenburg ob der Tauber. Quelle: Amtliches Kursbuch Sommer 1977.

1982 oder 1983 ging dann die anteilige Zuständigkeit für diese Linie von der BD München (die sie nach der Auflösung der BD Augsburg von dieser übernommen hatte) vollständig auf die Deutsche Touring über. Auf den Fahrplan hatte dies jedoch keine größeren Auswirkungen, allerdings erscheint seit dieser Zeit ein deutlicher Vermerk im Fahrplan, dass es auf dieser Linie keine unenetgeltliche Beförderung Schwerbehinderter im Nahverkehr gibt. Die Mittagspause (laut Fahrplan „Rastpause“) ist in dieser Zeit im Fahrplan mit dem Speisewagensymbol ausgewiesen. Nordwärts war diese „Rastpause“ nun einheitlich in Dinkelsbühl. Außerdem war die Linie gemeinsam mit den anderen Fernlinien in die KBS-Gruppe 10xx eingeordnet worden uns hieß nun 1015.

Der Kurs Wiesbaden-München hatte in der Hochsaison keine Verkehrsbedienung ab Würzburg, hier sollte der frühere Kurs nach Füssen genutzt werden. Es spricht für eine hohe Auslastung der Linie, wenn solche verkehrssteuernde Maßnahmen notwendig waren. Quelle: Amtlicher Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1983.

Die nächste nennenswerte Änderung gab es dann wieder 1988. Ab diesem Sommer begann das Münchener Kurspaar wieder erst in Frankfurt statt in Wiesbaden.

Das Layout des Fahrplan wurde inzwischen im Lichtsatz statt im Blocksatz erstellt. Quelle: Amtlicher Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1988.

Dann gab es wieder einige ruhige Jahre, bevor Mitte der 90er-Jahre eine erste Rationalisierungswelle über die Linie hereinbrach. Ab dem Sommer 1993 verkehrte das Stammkurspaar Würzburg-Füssen nur noch zwischen Rothenburg ob der Tauber und Füssen. Das Kurspaar Frankfurt-München begann etwas früher in Frankfurt und nahm nun die Orte im Taubertal mit, die bisher im Stammkurspaar bedient wurden. Somit verloren Uffenheim und Ochsenfurt ihre Anbindung an die „Romantische Straße“. Im gemeinsam bedienten Abschnitt Rothenburg-Augsburg teilten sich die beiden Kurse nun die Orte auf, um die Fahrzeit etwas reduzieren zu können. Durch diese Maßnahme konnte die täglich benötigte Busanzahl von 4 auf 3 reduziert werden.

Die Ankunft in Füssen war mit 20:00 Uhr jetzt recht spät, die Abfahrt morgens um 7:30 Uhr dagegen recht früh. Quelle: DB-Kursbuch 1993/94.

Im folgenden Fahrplanjahr gab es schon wieder größere Änderungen. Der Frankfurter Kurs verkehrte nun nur noch bis Dinkelsbühl, außerdem gab es Kurspaare Rothenburg-Füssen und Rothenburg-München. Somit waren ab den nördlichen Startpunkten die südlichen Zielpunkte nicht mehr umsteigefrei erreichbar, viele Touristen werden aber sowieso eine Zwischenübernachtung eingelegt haben. Außerdem verkehrten nun zwischen Rothenburg und Dinkelsbühl gleich drei tägliche Kurspaare. Einige Haltestellen werden in eine Richtung nur noch bei Reservierungen bzw. auf Fahrgastwunsch bedient – faktisch sollte damit ein Zustieg von nicht-touristischen Fahrgästen reglementiert werden, somit konnte der Busfahrer bei Nichtvorliegen von Reservierungen  z.B. von Tauberbischofsheim nach Frankfurt den Bahnhof Tauberbischofsheim auslassen.

Weiterhin sind drei Omnibusse nötig um den Betrieb der Linie abdecken zu können. Quelle: DB-Kursbuch 1994/95.

Aber auch diese Fahrplankonstellation war wohl nicht zur Zufirdenheit von Betreiber und Fahrgästen. 1995/96 gab es wieder nur noch zwei Kurspaare – eines pendelte Frankfurt-München, das andere Füssen-Dinkelsbühl, somit verkehrte im Abschnitt Rothenburg-Dinkelsbühl nun statt drei nur noch ein Kurspaar. Die Reservierungsregelung für einige Haltestellen scheint nun nicht mehr im Fahrplan auf. Außerdem ist jetzt ein Fahrradtransport möglich, damit konnte auch die Zielgruppe des inzwischen eröffneten Radweges entlang der Romantischen Straße bedient werden.

Seit 1995 hieß die Linie 1051 statt 1015, da die Linien unter 1050 nun alle Internationale Linien waren. Quelle: DB-Kursbuch 1995/96.

Bis 1999 wurde die Linie weiterhin so im DB-Kursbuch veröffentlicht, ab 2000 gab es keine Veröffentlichung von Fernbuslinien mehr im DB-Kursbuch. Deswegen liegen mir für die 2000er leider keine Fahrpläne der Linie vor. 2005 wurde die Deutsche Touring von der DB verkauft, Mehrheitseigentümer ist nun die Ibero Eurosur SL, ein Konsortium spanischer und portugiesischer Busfirmen. Die „Romantische Straße“ verkehrt dennoch auch noch in 2012. Ein Blick auf den aktuellen Fahrplan- und Tarifflyer zeigt, dass nun nur noch ein Kurspaar verkehrt, das die Gesamtstrecke Frankfurt-Füssen bedient, München wird als Abstecher zwischen Augsburg und Landsberg bedient. Die meisten Zwischenhalte wurden etwas gekürzt, so daß nun auch Füssen wieder zu humanen Zeiten abends erreicht wird. Außerdem fällt auf dass die Wieskirche inzwischen auch abends bedient wird, das war zwischen 1950 und 1999 nie der Fall gewesen. Einieg Zwischenhaltestelle kamen inzwischen hinzu, z.B. das Wertheim-Village, Markelsheim oder Halblech. Obwohl die Touring nicht mehr in DB-Besitz ist, werden diverse Pässe für ausländische Touristen (Eurail-Pass etc.) weiterhin (zumindest als Ermäßigungsgrund) auf der Linie anerkannt. Übrigens gab es an zwei Terminen in 2012 auch eine dreitägige Tour auf der Romantischen Straße im Stil der 50er-Jahre, mit einem Setra S6.

Die „Romantische Straße“ war auch stets eine der wenigen Touring-Linien, die überwiegend von eigenen Fahrzeugen und nicht von Subunternehmern bedient wurde. Auch 2011 ist auf diesem Foto ein Touring-eigener KOM auf dem Weg nach Frankfurt beim Verlassen des Würzburger Hbf.

Foto: Sammlung Markus Egger

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Fahrpläne der 2000er
  • Fotos, Geschichten

Stand: 11.11.2012

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