Städteverbindungen München-Genua 1905-2012

Von Markus Egger

Wer von München nach Genua fahren möchte war nie auf einer Hauptreiseroute unterwegs. Dennoch war Jahrzehntelang ein umsteigefreies Reisen zumindest in Kurswagen möglich. Dieser Artikel soll die Entwicklung der Fahrplanverbindungen zwischen München und Genua von 1905 bis 2012 darstellen.

Wenn man einen Blick in das Reichs-Kursbuch vom Juli 1905 wirft ist diese Reise mit zwei verschiedenen Umsteigeverbindungen möglich. Votmittags kann man ab München mit einem Kurswagen in Zug 26 bis Mailand fahren, das am am frühen Morgen des Folgetages erreichtz, von wo aus dann noch eine dreieinhalbstündige Fahrt in einem italienischen Zug bis Genua nötig ist. Fährt man abends ab München muss man zweimal umsteigen: Nach einer Nachtfahrt ist man morgens in Verona, von dort geht es dann über Mailand nach Genua. Die Reisezeit bei beiden Verbindungen schwankt zwischen gut 20 und gut 22 Stunden.

Datengrundlage: Reichs-Kursbuch Juli 1905.

Für 1913 ist dann auf jeden Fall eine erste durchgehende Reisemöglichkeit überliefert. Saisoniert verkehrte der L 28/23 (in Österreich L1/2) bis Ende November 1913 als „Nord-Süd-Express“ bzw. „Süd-Nord-Express“ München-Genua als reiner Schlaf- und Speisewagenzug der CIWL. Abfahrt in München war um 8:10 Uhr, Ankunfrt in Genua um 0:25 Uhr. In der gegenrichtung wurde das Mittelmeer um 5:50 Uhr morgens verlassen und die bayerische Hauptstadt um 21:54 Uhr erreicht. Eine weitere Verbindung bestand mit einem nächtlichen Kurswagen über Zürich, von dem jedoch keine detaillierten Fahrplanangaben vorliegen.

Während des Ersten Weltkrieges kam der grenzüberschreitende Verkehr zwischen Österreich und Italien natürlich zum Erliegen. Leider sind im mir vorliegenden Nachdruck des Reichs-Fahrplans 1927 nicht Auslandstabellen nicht enthalten, so dass ich konkreten Aussagen zum Angebot in den 1920er Jahren treffen kann, die Kursbuchtabelle 304 München-Kufstein nennt aber zumindest keine direkten Kurswagen München-Genua.

1935 jedoch hatten die Fahrgäste bereits 4 Verbindungen zur Auswahl. Kurz vor Mitternacht ab München konnte man in der Nachsaison umsteigefrei nach Genua gelangen, das am folgenden Nachmittag erreicht wurde, in der Hauptsaison war die Verbindung zwar genau so schnell, man musste morgens jedoch in Verona umsteigen, konnte dadurch die Nacht aber wahlweise auch im Schlafwagen des D 65 verbringen. 8:40 Uhr ab München bestand mit einmaligem Umsteigen in Mailand nun eine Tagesverbindung bei der Genua noch am selben Abend um 22:00 Uhr erreicht wurde. Recht unaatraktiv war die Abfahrt in München um 10:19 Uhr Vormittags wegen den beiden Umsteigevorgängen, der tiefnächtlichen Ankunft in Genua und der langen Reisezeit von 17 Stunden. Die anderen Verbindungen benötigten 1935 nur noch zwischen 13 und 15 Stunden. Wenn man München am frühen Abend mit D 61 um 18:50 Uhr im Kurswagen verließ konnte man ganzjährig umsteigefrei am nächsten Morgen in Genua sein.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch für das Reich 1935 mit Auslandsteil.

1939 bestanden die beiden durchgehenden Kurswagenverbindungen über Nacht weiterhin, allerdings gab es als Kurswagen nun auch Schlafwagen, was das Reisen natürlich bei entsprechendem Geldbeutel deutlich bequemer machte. Dazu bestanden nun bis zu 3 Tagesverbindungen mit umsteigen: 7:55 Uhr ab München mit umsteigen in Mailand in einen reinen 1.Klasse-Zug, in der Hochsaison auch 8:15 Uhr ab München mit umsteigen in Bozen-Gries und Mailand. Durch verbesserte Anschlüsse konnte nun bei der Abfahrt um 10:20 Uhr in München mit D 69 Genua noch kurz vor Mitternacht erreicht werden. Dazu war aber dreimailges umsteigen in Bozen-Gries, Verona und Mailand nötig.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch 1939.

Während in den ersten Kriegsjahren noch ein recht beachtliches Angebot vorhanden war (im Winter 1941/42 bestanden noch 5 Verbindungen – teilweise direkt, teilweise mit Umsteige). Wohl 1944 kam der Verkehr endgültig zum Erliegen.

Auch nach dem Krieg dauerte es lange bis die früheren Verhältnisse wieder erreicht werden konnten. 1951 waren erst wieder zwei Verbindungen täglich im Angebot, beide über Nacht, da sich die Reisezeiten aug 16 bis 20 Stunden verlängert hatten. 23:50 Uhr ab München weiterhin umsteigefrei im Kurswagen, 12:58 Uhr ab München mit Umsteigen abends in Verona.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Westliches Deutschland Sommer 1951.

1957 war dann wieder in etwa das Vorkriegsniveau erreicht. Neben 2 Nachtverbindungen mit umsteigen gibt es auch durch Kurswagen im „Alpen-Express“ wieder eine umsteigefreie Tagesverbindung. Dazu kommt noch eine Verbindung mit der etwas ungünstigen Ankunftszeit in Genua um 4:13. In der Hochsaison sind die Verbindungen noch besser: Bei der früheren der beiden Nachtverbindungen ist dann eine umsteigefreie Fahrt im Kurswagen sowie eine fast 4 Stunden kürzere Resiezeit möglich, außerdem gibt es in der Hochsaison zwei weitere Tagesverbindungen mit Umsteigen mit D 65 und D 63 „Dolomiten-Express“. Auch die reisezeit hat mit in der Regel 13 bis 15 Stunden wieder etwa Vorkriegsniveau.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1957.

Fast 10 Jahre später 1966 sieht das Bild noch besser aus: Aus einigen Saisonverbindungen wurden tägliche Züge, weitere Saisonverbindungen kamen dafür dazu. In der Hochsaison stellen nun Kurswagen nach Genua im D 265 „Gondoliere“ die erste Verbindung des Tages dar, womit Genua wieder wie vor dem Krieg am selben Tag gegen 20 Uhr erreicht werden kann. 8:20 Uhr ab München verkehrt eine ganzjährige Umsteigeverbindung mit D 165, 9:53 Uhr ab München gibt es in der Hochsaison dann die letzte Tagesverbindung durch Nutzung des „Dolomiten-Express“ bis Verona.

Abfahrten am Mittag/frühen Nachmittag in München führten zu unschönen Ankunftszeiten, Dennoch gab es nun hier zwei Fahrtmöglichkeiten: 13:20 Uhr ab München mit Kurswagen nach Mailand im D 67. Wer mehr Geld investieren wollte konnte bis 15:18 Uhr warten um im TEE „Mediolanum“ in der 1.Klasse hinterherfahren, in beiden Fällen wurde Genua aber um 5:09 mit einem italienischen Nahverkehrszug erreicht. Abends ab München folgen dann wieder die Nachtverbindungen. Mit der früheren Abfahrt in München um 18:52 kann Genua mit Kurswagen im D 71 „Italicus“ gegen 9 Uhr erreicht werden, wer in München erst um 23:11 Uhr im Kurswagen München-Mailand des  „Brenner-Express“ verlässt ist nach Umsteigen im Mailand erst Mittags in Genua. Dazwischen gibt es zum Wochenende in der Hocsaison noch eine Umsteigeverbindung über Verona. Die Reisezeiten liegen immer noch zwischen 13 und 15 Stunden.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1966.

Wiederum 8 Jahre später ist nun bei mehreren Züge eine Reisezeit von unter 13 oder gar unter 12 Stunden möglich. Bei der Direktverbindung am Morgen mit D 1315 gibt es aber eine Reisezeitverlängerung. Diese kann jedoch mit der Nutzung der folgenden Umsteigeverbindung um 7:40 Uhr ab München mit dem „Alpen-Express“ umgangen werden. Ankunft in Genua ist in beiden Fällen um 20:10 Uhr. Fast eine Stunde Reisezeitgewinn gibt es bei der Abfahrt um 8:20 Uhr (Umsteigen in Verona). Schnellste Verbindung ist nun die saisonierte und nur Samstags verkehrende Umsteigeverbindung mit D 1285 „Dolomiten-Express“, womit Genua nach 11:50 um 22:50 Uhr erreicht wird. Weiterhin gibt es Mittags/Nachmittags die beiden Verbindungen mit D 285 bzw. dem „Mediolanum“. Weiterhin gibt es die zwei Nachtverbindungen mit dem „Italicus“ und dem „Brenner-Express“, wobei die direkte Kurswagenverbindung mit dem „Italicus“ nun täglich verkehrt.

Bitte beachten: Zeitumstellung auf dem Brenner! Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1974.

Bis 1983 hatte sich die tägliche Anzahl an Verbindungen wieder etwas reduziert. Frühaufsteher konnten nun den D 1323 um 4:05 ab München Ost nehmen und nach einmaligem Umsteigen in Verona schon um 16:00 in Genua sein. Deutlich beschleunigt ist die Umsteigeverbindung mit dem „Alpen-Express“. Hier kann man nach 10:09h Reisezeit nun um 18:48 Uhr in Genua sein, bei der Folgeverbindung mit D 1481 ist man nun mit 13:47h am längsten unterwegs. Die Vormittagsverbindung mit dem „Dolomiten-Express“ existiert durch dessen Einkürzung auf Südtirol nicht mehr. Bei den beiden Mittags/Nachmittagsabfahrten erreicht man Genua durch die Reisezeitverkürzungen nun mitten in der Nacht um 1:45 Uhr statt am sehr frühen Morgen. Beide Abendabfahrten haben nun durchgehende Kurswagen nach Genua, beim Brenner-Express kann man nun sogar umsteigefrei im Schlafwagen bis Genua reisen.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1983.

Bis 1993 war das Angebot wieder etwas umfangreicher geworden, außerdem war nun erstmals eine Reisezeit von unter 10 Stunden möglich.

Praktisch unverändert besteht die Frühverbindung um 4:00 Uhr ab München Ost mit dem „neuen“ Dolomiten-Express“. Die Reisezeit dieser Verbindung kann Samstag Morgens in der Hochsaison durch eine Fahrt um 5:20 Uhr ab München Ost mit D 1217 um gut eine Stunde gekrüzt werden. Mit Abstand schnellste Verbindung – trotz einstündigem Umsteigeaufenthalt in Mailand – ist nun die Abfahrt mit EC 81 „Garda“ um 7:00 Uhr in München Hbf – Genua kann damit schon um 16:47 Uhr erreicht werden. Mit D 489 um 8:20 Uhr, EC 85 „Michelangelo“ um 9:30 Uhr und EC 13 „Paganini“ um 13:30 Uhr folgen nun drei weitere Tagesverbindungen, die jewiles zweimaliges Umsteigen in Verona und Mailand erfordern. EC 87 „Leonardo da Vinci“ vermittelt als Quasi-Nachfolger des Mediolanum die tiefnächtliche Ankunft in Genua. Nachts gibt es weiterhin die beiden umsteigefreien Kurswagenverbindungen.

Datengrundlage: Kursbuch 1993/94.

Damit war quasi der Bestzustand aller Zeiten erreicht worden, in den folgenden Jahren verschlechterte sich das Angebot wieder – zunächst aber nur in der Menge, bei der Reisezeit waren nochmals Verkürzungen möglich. Erste Verbindung des Tages war nun der einmal wöchentlich verkehrende Dolomiten-Express mit dem man um 5:05 Uhr in München Ost abfahren und nach umsteigen in Verona und Mailand bereits um 14:43 Uhr in Genua sein konnte. Dann folgen im 2-Stunden-Takt vier Verbindungen mit Eurocityzügen mit ein bis zwei Umstiegen und jeweils einer Reisezeit von etwa 9:15 Uhr.

Danach war 10 Stunden lang keine Abfahrt mehr im Angebot bis um 23:40 Uhr mit dem Brenner-Express die einzige Nachtverbindung folgte. Doch auch diese war nun nicht mehr umsteigefrei, morgens musste in Mailand in einen italienischen IR geweschelt werden. Ohne Umsteigen kommt man nun also gar nicht mehr nach Genua.

Datengrundlage: Kursbuch 2002.

2012 wird die famose Reisezeit von etwa 9:15 Uhr nur noch einmal täglich erreicht, eine attraktive Nachtverbindung gibt es gar nicht mehr. Auch die erste Verbindung am Morgen ist durch die Einstellung des „Dolomiten-Express“ recht umständlich geworden. Mo-Fr kann man mit 6 mal umsteigen und dem zwar sehenswerten aber nicht gerade schnellsten Reiseweg über Ulm – Friedrichshafen – Bodenseefähre – Voralpenexpress und Gotthard um 5:39 Uhr ab München fahren, am Wochenende muss man in München schon um 5:27 Uhr los und einen zusätzlichen Umweg über Stuttgart fahren. Genua kann so frühestens um 16:42 erreicht werden, das ist zwei Stunden später als 2002. Die vier Eurocity-Verbindungen im Zweistundentakt bestehen weiterhin, allerdings sind nun immer zwei Umstiege erforderlich und die Reisezeit ist bei 3 der 4 Verbindungen eine Stunde länger als vor 10 Jahren. Freitags gibt es eine Nachtverbindung, zu der man sich aber nach Innsbruck mit zwei Umstiegen in Rosenheim und Kufstein mit Regionalzügen und S-Bahnen durchschlagen muss. Mit den Nachtzügen ab München ist nun entweder ein unangenehmer nächtlicher Umstieg in Bologna um 4:20 Uhr oder ein Riesenumweg über Venedig nötig (über 100km Strecke müssen hin und zurück durchfahren werden).

Datengrundlage: http://www.bahn.de

Was wird die Zukunft bringen? Sind wir gespannt….

Link zur Diskussion auf DSO

Vielen Dank an Jörg Schwabel, Ulf Kutzner, Hubert G. Königer und Eurocity341 für die ergänzenden Informationen.

Stand: 24.11.2012

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Städteverbindungen abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s