1953-57: Mit dem Schienenbus von Augsburg nach Nördlingen

Von Markus Egger

Zum Sommerfahrplan 1951 beginnt im Bw Nördlingen die Geschichte der Schienenomnibusse. Zu diesem Termin bekommt das Bw Nördlingen die beiden Vorserien-VT95 903 und VT95 912, beide noch nicht mal ein Jahr alt, gebraucht vom Bw Kempten zugewiesen (ersterer noch mit 4,5m Achsstand, zweiterer der Protoyp für den längeren Achsstand von 6,0m). Erste Planleistung dieser beiden Fahrzeuge war dann der „Reichsstädte-Express“ Rothenburg ob der Tauber – München (in absehbarer Zeit ist dieser Zug hier ein eigenes Thema), außerdem standen Personenzugleistungen rund um Nördlingen auf dem Programm.

Zum Sommerfahrplan 1952 traf im Bw Nördlingen Ablösung in Form der ersten Serienfahrzeuge der Baureihe VT95 ein, die Vorserienfahrzeuge wurden daraufhin wieder nach Kempten abgegeben, in den nächsten Jahren folgen noch weitere Trieb- und Beiwagen. Neben dem Reichsstädte-Express führte die VT95 ab dem Sommerfahrplan 1953 ein weiteres Zugpaar auf eine untypische weite Reise – und um dieses Zugpaar soll es heute gehen.

Sonn- und Feiertags startete 1953 um 4:18 Uhr morgens in Nördlingen der Pto 1141. Bis Donauwörth wurden die meisten Zwischenhalte bedient (außer Großelfingen und Ebermergen), ab Donauwörth ging es fast Eilzugmäßig nach Augsburg Hbf (Zwischenhalte nur in Bäumenheim und Mertingen Bahnhof). Zwischen Mertingen Bahnhof und Augsburg Hbf durften die kleinen Schom fast 35km lang auf nahezu schnurgerader Strecke ihre Vmax von 90 km/h ausfahren – sicherlich ein akustisches Erlebnis… In Augsburg Hbf bestand beispielsweise Anschluss an D88 „Alpen-Express“ nach München.

Werktags verkehrte Pto 1141 gut 20 Minuten später, hielt überall und endete bereits in Donauwörth, vor 1953 war Pto 1141 ein täglicher Zug Nördlingen-Donauwörth gewesen. Etwas früher als Pto 1141 verkehrte werktags ab Donauwörth der lokbespannte P 1100 mit Halt an allen Unterwegsstationen. Zug 1100 verkehrte 1951 ebenfalls nur werktags, Sonn- und Feiertags bestand hier eine Fahrplanlücke, die vermutlich mit der Durchbindung des 1141 nach Augsburg gecshlossen werden sollte.

Nach gut einer Stunde Pause in Augsburg Hbf trat der VT95 die Rückfahrt als Pto 1144 nach Nördlingen an. Bis Donauwörth war Augsburg-Oberhausen der einzige Zwischenhalt, hier waren es also sogar fast 40km mit Vmax auf der Hauptbahn! Ab Donauwörth wurde dann an allen Unterwegsstationen bis Nördlingen gehalten. Ab Augsburg war der VT95 sonn- und feiertags bereits der zweite Nahverkehrszug des Tages, um 6:16 Uhr ab Augsburg war der P 1107 mit Halt an allen Unterwegstationen vorausgefahren. Ab  Donauwörth war Pto 1144 ein täglicher Zug.

1951 hatte es es auf dem Abschnitt Augsburg-Donauwörth keinen entsprechenden Zug gegeben, im Abschnitt Donauwörth-Nördlingen verkehrte Pto 1144 damals bereits als täglicher Zug (dementsprchend 1951 mit den Vorserien-VT95). Die Motivation für die Einführung dieses Zugpaares bleibt etwas unklar: Sollte nur die sonntägliche frühmorgendliche Fahrplanlücke zwischen Donauwörth und Augsburg geschlossen werden und die Rückführung als Pto 1144 war zwischen Augsburg und Donauwörth nur eine veröffentlichte Leerfahrt? Oder sollte Pto 1144 ein frühes umsteigefreies Angebot für Ausflügler am Sonntag Morgen nach Nördlingen bieten und Pto 1141 war nur die Zuführung hierzu?

Am frühen Sonntagmorgen durften sich die VT95 des Bw Nördlingen auf der elektrifizierten Hauptbahn austoben. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1953.

Bereits bis spätestens 1955 waren bei Pto 1141 im Abschnitt Donauwörth-Augsburg weitere Bedarfshalte hionzugekommen und es gab kleinere zeitliche Verschiebungen.

Das Zugpaar scheint einige Fahrplanperioden lang verkehrt zu sein, auch im Sommer 1957 findet es sich noch im Kursbuch. Pto 1141 verkehrt nun bereits um 3:50 Uhr ab Nördlingen, hält bis Donauwörth überall (zumindest bei Bedarf), ab Donauwörth bestehen Zwischenhalte in Nordendorf, Meitingen, Langweid (Lech) und Gablingen, bei Pto 1144 ändert sich die Haltepolitik nicht. Allerdings hatte Pto 1144 in Nördlingen 1957 günstigen Anschluss an Et 4038 Nördlingen – Gunzenhausen – Pleinfeld – Nürnberg; Hier konnte also die alte Streckenführung der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn mit nur einem Umstieg in Nördlingen befahren werden.

Selbst in Meitingen – wichtigste Zwischenstation auf der Strecke Donauwörth-Augsburg – hatte Pto 1141 nur einen Bedarfshalt, weder vorher noch nachher ist mir ein anderer Zug bekannt, der dort nur bei Bedarf gehalten hätte. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1957.

In den nächsten Jahren ist das Zugpaar wieder aus dem Fahrplan gefallen, spätestens 1959 verkehrt es definitv nicht mehr – aus dem Schienenbus war ein Bahnbus geworden. In der Fahrlage des Pto 1141 verkehrt nun sonn- und feiertags ein Bahnbus mit fast 30 Minuten längerer Fahrzeit von Nördlingen nach Augsburg (3:53 Uhr bis 5:45 Uhr). Pto 1144 wird zwischen Augsburg und Donauwörth gar nicht ersetzt, da ihm ja der tägliche P 1107 vorausfährt.

Offene Fragen:

  • Wurde das Zugpaar 1958 oder 1959 eingestellt?
  • Zugbildung (mit Beiwagen?)
  • sonstige Diskussionen, Informationen, etc.

Link zur Diskussion auf DSO

Vielen Dank an Hubert G. Königer, Klaus Ratzinger und VB995 für die ergänzenden Informationen.

Stand: 24.11.12

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