Der erste Pendlereilzug von Donauwörth nach München: Von E 4030 bis RE 37053 (1966-2008)

Von Markus Egger

Mitte der 1960er-Jahre entstand zum ersten Mal ein morgendlicher Eilzug, der als Hauptaufgabe Pendler nach München bringen sollte – und dies nicht nur für die Augsburger sondern auch umsteigefreu für die Bewohner entlang der Strecke nach Donauwörth.

Noch 1962 gab es keinen solchen Zug, auch auf der Ulmer Strecke gab es so etwas noch nicht wirklich, einzig P 1703 Neuoffingen-München Hbf, der ab Augsburg einige Zwischenhalte ausließ, hatte eine ähnliche Aufgabe. Von der Donauwörther Strecke kommend mussten Pendler nach München immer in Augsburg umsteigen (einzig ab Donauwörth und Mertingen bestand mit dem E 550 Coburg-München eine durchgehende Fahrtmöglichkeit; E 550 hatte sonst aber eher Fernverkehrsaufgaben, außerdem war die Ankunft in München um 8:33 Uhr für damalige Verhältnisse im Pendlerverkehr zu spät.

Die DB kam dem wachsenden Bedürfnisse für diese Pendlerstrecke entgegen und richtete Mitte der 1960er Jahre (nach 1962, spätestens 1966, wer weiß es genau?) deshalb den E 4030 ein, der im Abschnitt Donauwörth-Augsburg den bisherigen P 1104 ersetzte, der auch bisher schon nicht alle Zwischenhalte bedient hatte, im Abschnitt Augsburg-München erhielt P 1703 Neuoffingen-München weitere Zwischenhalte, so konnte der P 3245 Mering-München bei der Einführung des E 4030 entfallen (Zusätzlich zu erbringen waren also nur die Zugkilometer von Augsburg nach Mering). Die Pendler konnten somit umsteigefrei und vor allem auch zuschlagfrei nach München gelangen, denn bisher war entwerder eine Reisezeit von 2 Stunden hinzunehmen, oder ab Augsburg der Schnellzugzuschlagpflichtige D 252 „Austria-Express“ Hoek van Holland – Athen zu benutzen.

So sah 1966 das Fahrplanangebot für Pendler Donauwörth-München morgens aus. Die ersten Pendler in der Früh nutzten die Umsteigeverbindung mit P 1100, danach war die nächste sinnvolle Verbindung der E 4030, danach kam erst wieder E 550 für Reisende nach München in Frage. Quelle: Amtliches Kursbuch Sommer 1966.

So sah 1966 das Fahrplanangebot für Pendler Donauwörth-München morgens aus. Die ersten Pendler in der Früh nutzten die Umsteigeverbindung mit P 1100, danach war die nächste sinnvolle Verbindung der E 4030, danach kam erst wieder E 550 für Reisende nach München in Frage. Quelle: Amtliches Kursbuch Sommer 1966.

E 4030 verkehrte ohne Gepäckbeförderung und nur an den Hauptpendlertagen Montag-Freitag (ohne Feiertage). Im Abschnitt Donauwörth-Augsburg übernahm er die Zwischenhalte des P 1104 (also ohne Halt in Westendorf, Herbertshofen, Langweid und Gersthofen, im Abschnitt Augsburg-München wurde in Augsburg-Hochzoll, Mering, Nannhofen, Maisach und München-Pasing gehalten.

Übersicht der Fahrplanlage unseres Eilzuges von 1966 bis zum Winter 1973/74. Ganz links die beiden Fahrtmöglichkeiten 1962. Qualle. Amtliche Kursbücher und Taschenfahrpläne der verschiedenen Jahre.

Übersicht der Fahrplanlage unseres Eilzuges von 1966 bis zum Winter 1973/74. Ganz links die beiden Fahrtmöglichkeiten 1962. Qualle. Amtliche Kursbücher und Taschenfahrpläne der verschiedenen Jahre.

Die Fahrlage scheint von Anfang an bei den Kunden gut angekommen zu sein und betrieblich gut gepasst zu haben, es gab in den ersten Jahren kaum Veränderungen. Spätestens 1969/70 nannte sich unser Zug E 2000. Auffällig ist ab Sommer 1970 die um 9 Minuten verlängerte Fahrzeit, die nicht aus einem längeren Unterwegsaufenthalt herrührt sondern entlang der ganzen Strecke entsteht. Was mag der Grund gewesen sein? Als Zuglok ist nämlich von 1968 bis 1972 durchgehend die Baureihe 117 des Bw Augsburg eingeplant. Erst ab dem Sommerfahrplan wird wieder die kürzere Fahrzeit gefahren und München in 91 Minuten erreicht. Ansonsten fährt der Zug im unveränderten Fahrplan, ab 1971 heißt er nach dem allgemeinen „Drehen“ der Zugnummern E 2001.

Äußerst stabile Fahrzeiten hatte E 3101 von 1974 bis 1980 - an den meisten Orten schwankten sie in dieser Zeit nur um 1 bis 2 Minuten. Quelle: Amtliche Kursbücher und Taschenfahrpläne der betroffenen Jahre.

Äußerst stabile Fahrzeiten hatte E 3101 von 1974 bis 1980 – an den meisten Orten schwankten sie in dieser Zeit nur um 1 bis 2 Minuten. Quelle: Amtliche Kursbücher und Taschenfahrpläne der betroffenen Jahre.

Ab 1974 hieß der Zug E 3101, außerdem kam in diesem Jahr der Zwischenhalt in Langweid (Lech) hinzu. In diesem Jahr ist auch bisher erstmals die Baureihe 110 (Bw München) als Zuglok nachweisbar, in den späteren 1970er Jahren dürfte die Leistung dann auf die neuen 111er des Bw München übergegangen sein. Ab 1976 wurde dann auch noch in Herbertshofen gehalten, dafür entfiel ab diesem Fahrplanabschnitt der zwischenhalt in Nannhofen., der jedoch ab dem Winterfahrplan 1978/79 wieder angeboten wurde. Trotz der beiden neuen Zwischenhalte und zeitweilig leicht verlängerter Standzeit in Augsburg Hbf konnte die Fahrzeit von 1974 bis 1980 auf 88 Minuten gesenkt werden – wohl hauptsächlich durch Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit von Lok und Wagenpark.

Zum Sommerfahrplan 1983 entfielen beim E 3101 drei Zwischenhalte - mit dieser Änderung hatte der Zug in diesem Abschnitt seine endgültige Haltepolitik bis zu seiner Einstellung 2008 erhalten. Das ist umso ungewöhnlicher, da dieses Halteregime kein gängiges Eilzughalteregime war. Quelle: Amtliche Kursbücher und Taschenfahrpläne der betroffenen Jahre.

Zum Sommerfahrplan 1983 entfielen beim E 3101 drei Zwischenhalte – mit dieser Änderung hatte der Zug in diesem Abschnitt seine endgültige Haltepolitik bis zu seiner Einstellung 2008 erhalten. Das ist umso ungewöhnlicher, da dieses Halteregime kein gängiges Eilzughalteregime war, auch in Nannhofen und Maisach war ein Halt damals die absolute Ausnahme. Quelle: Amtliche Kursbücher und Taschenfahrpläne der betroffenen Jahre.

Zum Sommerfahrplan 1980 entfiel der Halt in Maisach, ab Sommer 1983 dann auch die Halte Herbertshofen, Langweid (Lech) und Gablingen. Damit war der Zug wieder etwas „eilzugmäßiger“. Die Bewohner der betroffenen Orte mussten nun mit N 5003 dem E 3101 bis Augsburg vorausfahren. Die gewonnen Fahrzeit wurde jedoch nicht vollständig im Fahrplan verwendet, so dass sich die Fahrzeit nur um 4 Minuten verkürzte, dennoch wurde nun mit 87 Minuten die kürzeste Fahrzeit aller Zeiten angeboten.

In Donauwörth, Bäumenheim und Mertingen blieb die Abfahrt von E 3101 von 1986 bis 1992 gleich. Quelle: Kursbücher und Taschenfahrpläne der betreffenden Jahre.

In Donauwörth, Bäumenheim und Mertingen blieb die Abfahrt von E 3101 von 1986 bis 1992 gleich. Quelle: Kursbücher und Taschenfahrpläne der betreffenden Jahre.

Von 1986 bis 1992 änderte sich eigentlich gar nichts, einzig 4 Minuten Fahrzeitgewinn wurden in dieser Zeit erzielt. Außerdem erhielt unser Zug zum Jahresfahrplan 1991/92 erstmals seit 17 Jahren mit E 3125 wieder eine neue Zugnummer.

Die größte Veränderung in den 1990er-Jahren war die Zugnummer. Weiterhin unverändert war die Haltepolitik, die Fahrlage schwankte nur um 1 bis 2 Minuten. Quelle: Kursbücher der betreffenden Jahre.

Die größte Veränderung in den 1990er-Jahren war die Zugnummer. Weiterhin unverändert war die Haltepolitik, die Fahrlage schwankte nur um 1 bis 2 Minuten. Quelle: Kursbücher der betreffenden Jahre.

Im Jahresfahrplan 1992/93 und 1997/98 führt der Zug im Kursbuch das Fahrradsymbol, hierbei könnte es sich jedoch u.U. nur um einen Druckfehler handeln, sonst ist der Zug nämlich immer ohne Fahrradbeförderung unterwegs. Haltepolitik und Fahrlage bleiben praktisch identisch, ab 1999 wird jedoch mit 78 Minuten die kürzeste Fahrzeit aller Zeiten erreicht. Größere Änderungen gobt es jedoch bei Zuggattung und Zugnummer. Aus E 3125 wird 1993 E 3955, 1995 dann RE 3955, 1996 dann SE 3931, 1999 wiederum SE 21131 und 2001 nach Abschaffung der Zuggattung SE der RE 21131.

Trotz einem Zwischenhalt weniger wird unser Zug in seinen letzten Jahren wieder etwas langsamer und schafft es nur noch in 82 Minuten nach München. Quelle: Kursbücher der betreffenden Jahre.

Trotz einem Zwischenhalt weniger wird unser Zug in seinen letzten Jahren wieder etwas langsamer und schafft es nur noch in 82 Minuten nach München. Quelle: Kursbücher der betreffenden Jahre.

Ab 2003 führt unser Zug regelmäßig ein Fahrradabteil mit sich, von dem die Hauptklientel Pendler aber wenig hat (außer Klappsitzen statt richtigen Sitzen…). 2005 heißt unser Zug dann RE 11303. Ab Dezember 2005 entfiel dann der Halt in Nannhofen, dennoch verlängerte sich die Fahrzeit des nun bis zu seinem „Ende“ 2008 RE 37053 genannten Zuges. Im Jahresfahrplan 2008 verkehrte er zuletzt. Mit der Einführung des „Fugger-Express“ gab es keinen direkten Nachfolger mehr mit ähnlicher Haltepolitik oder ähnlicher Fahrlage. Wer ab Donauwörth um etwa diese Uhrzeit nach München will muss heutzutage entweder die zwar durchgehende, aber überall haltende und deshalb mit 94 Minuten Fahrzeit langsame RB 57007 Donauwörth-München wählen oder in eine ICE-Fahrkarte für den ICE 1581 Donauwörth-München investieren.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Zugbildungen
  • Bespannungen
  • Fotos
  • Berichte und Diskussionen

Stand: 3.12.2012

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