Hamlar und seine Anbindung an den öffentlichen Verkehr; Teil 1 bis 1945

Von Markus Egger

In der ehemaligen Bahnhofsgaststätte residiert seit Jahrzehnten eine Rockdisco. Der Fotograf befindet sich auf der Zufahrt zum ehemaligen Bahnhof, der sich im Rücken des Fotografen befindet. Links die Hauptstraße Richtung Asbnach-Bäumenheim und Eggelstetten. Links im Hintergrund sind Gebäude der Fa. Grenzebach zu sehen. Durch Klicken öffnet sich eine größere Version. Foto: Markus Egger am 8. August 2012.

Der kleiner Weiler Hamlar in der Nähe von Donauwörth wurde um 1200 erstmals urkundlich erwähnt und während schwedischer Besatzung im Dreißigjährigen Krieg fast ausgelöscht, auch um 1750 gab es in Hamlar erst 12 Höfe. Noch 1987 hatte der Ort nur 158 Einwohner. Überregional bekannt ist Hamlar durch seine traditionsreiche Disco „Rockmusik Hamlar“, die sich in der ehemaligen Bahnhofsgaststätte befindet und die Fa. Grenzebach, eine Maschinenbaufirma, die heute fast die Hälfte der Ortsfläche einnimmt! Diese Firma war 1920 als kleine Werkstätte im Ortskern von Hamlar gegründet worden. Hamlar ist bis heute Firmsensitz der weltweit 1.500 Mitarbeiter beschäftigenden Unternehmensgruppe. (Link zur Unternehmensgeschichte).

Auf folgenden Karten kann die Lage des Weilers eingeordnet werden.

Der Raum Hamlar auf einer historischen Karte um 1870 im Überblick

Hier der Weiler selbst im Detail auf einer historischen Karte

Die Umgebung von Hamlar heute

Entlang der Eisenbahn wurde die B16neu gebaut, in Nord-Süd-Richtung verläuft nun westlich des Ortes die neue B2.

Hamlar im Detail 2012

Auf den als Gewerbegebiet gekennzeichneten Flächen produziert die Fa. Grenzebach.

Verkehrsgeschichtlich hatte Hamlar zunächst eine ähnliche Aufgabe wie sein Nachbarort Nordheim. Da sich der Bau des neuen Centralbahnhofes Donauwörth und der damit verbundenen neuen Donaubrücke verzögert hatte wurde die Donaubahn zunächst am 15. August 1874 nur im Abschnitt Ingolstadt-Hamlar eröffnet, ab dort mussten die Fahrgäste zu Fuß nach Donauwörth gelangen. Erst 1877 wurde der neue Centralbahnhof eröffnet und damit die Donaubahn Ingolstadt-Donauwörth vollendet – in Hamlar blieb aber im Gegensatz zu Nordheim ein Bahnhof bestehen, auf dem die Züge der Donaubahn hielten. Das Einzugsgebiet des Bahnhofes war aber gering, die umliegenden Orte hatten entweder selbst einen Bahnhof oder zumindest fußläufig näher zu einem anderen Bahnhof. Einzig für die Bewohner von Eggelstetten war der Bahnhof Hamlar zumindest bei Fahrten Richtung Osten (Rain, Neuburg, Ingolstadt) interessant. Richtung Donauwörth oder Augsburg dürften die Eggelstettener eher auf Bäumenheim ausgewichen sein.

Das Bahnhofsgebäude Hamlar im Sommer 2012. Züge halten schon lange nicht mehr, wäre nicht die Namensbeschriftung „Hamlar“ wäre das Gebäude fast nicht mehr als Bahnhof zu erkennen. Dennoch ist Hamlar heute noch Bahnhof, wenn auch Bf (u), also unbesetzt. Ferngesteuert wird der Bahnhof vom Fahrdienstleiter Donauwörth. So sind hier immer noch Zugkreuzungen auf der eingleisigen Donaubahn möglich. Foto: Markus Egger, 8.8.2012

Der älteste mir vorliegende Fahrplan stammt aus dem Jahre 1905. Grundangebot auf der Donaubahn bildeten 5 Zugpaare, davon ein Zugpaar als Güterzug mit Personenbeförderung. Zusätzlich verkehrte an jedem 2. Dienstag im Monat ein weiterer Güterzug mit Personenbeförderung nachmittags von Donauwörth nach Ingolstadt Hbf – hier würde ich auf einen Viehzug mit Personenbeförderung tippen, der nach dem Donauwörther Viehmarkt die Tiere und Besucher abbeförderte. Zugbetrieb herrschte von 3:46 Uhr (erster GmP des Tages nach Ingolstadt) bis 23:31 Uhr (letzter P nach Donauwörth).

Die Züge des Personenverkehrs auf der Donaubahn pendelten 1905 in der Regel zwischen den Endpunkten Neuoffingen und Ingolstadt Hbf. In Tagesrandlage endeten einige bereits in Donauwörth. Züge mit 2600er-Zugnummern dürften GmP sein. Datengrundlage: Reichs-Kursbuch Sommer 1905.

Auch im Sommer 1907 war der Fahrplan noch fast unverändert, wenn auch alle Züge um einige Minuten verschoben sind. Statt dem GmP 2643 verkehrt nun ein Personenzug. Interessant ist, dass auch der frühmorgendliche GmP 2642 2. und 3. Wagenklasse führt. Nur beim „Viehzug mit Personenbeförderung“ müssen die Fahrgäste auf die 2. Wagenklasse verzichten.

Ein Blick in die Fahrplantabelle aus dem Jahr 1907. Besteigt man in Hamlar um 7:39 Uhr morgens den Zug, kann man mit Umsteigen in Donauwörth und Augsburg mit dem Orient-Express bereits um 10:21 Uhr in München sein, das dürfte sich damals aber keiner der Bewohner von Hamlar geleistet haben… Quelle: Eisenbahn-Kursbuch für Bayern, Sommer 1907

Auch während des 1.Weltkrieges blieb das Fahrplanangebot auf verhältnismäßig hohem Niveau bestehen, es verkehrten noch 4 Zugpaare in Hamlar. Einzig die spätabendlichen Personenzüge nach 22 Uhr und der Viehzug verkehrten nicht mehr, die GmP waren neu geordnet worden, morgens verkehrte nun der GmP nach Donauwörth, abends kurz vor 22 Uhr nach Ingolstadt, bisher war die Anbindung umgekehrt gewesen (Morgens nach Ingolstadt, Abends zurück). Die GmP verkehrten außerdem nur noch an Werktagen, an Sonn- und Feiertagen verkehrte als Ersatz für diese ein zusätzliches Personenzugpaar.

Während des Krieges bestand Personenzugverkehr in Hamlar nur noch von 7 Uhr bis 22 Uhr. Datengrundlage: Reichs-Kursbuch Sommer 1917.

Die nächsten Angaben zum Fahrplan auf der Donaubahn liegen mir erst wieder für 1927 vor. Damals verkehrten nur noch 3 Zugpaare, die GmP gab es nicht mehr (bzw. wohl nur noch als reine Güterzüge). Damit entsprach das Angebot nur noch dem auf den meisten Nebenbahnen wo es den Frühzug, den Mittagszug und den Abendzug gab.

Um 17:26 Uhr konnte in Hamlar 1927 bereits die „Bahnsteigkante hochgeklappt werden“. Datengrundlage: Reichs-Kursbuch 1927.

Jedoch wurde dieser Tiefpunkt im Verkehrsangebot relativ schnell wieder überwunden. 1934 verkehrten auf dem Streckenabschnitt sogar bereits wieder 5 Personenzugpaare, wobei aber erstmals der letzte Zug abends Richtung Ingolstadt um kurz nach 22 Uhr in Hamlar nicht mehr hielt. Somit ergibt sich für 1934 die ungerade Zahl von 9 haltenden Zügen.

Etwa alle 2-4 Stunden konnte man in Hamlar 1934 einen Zug in jede Fahrtrichtung besteigen. Die Züge pendelten immer noch auf der Strecke Neuoffingen-Ingolstadt, einzelne waren in Donauwörth gebrochen. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Bayern rechts des Rheins Sommer 1934.

1935 erhöhte sich die Anzahl der Abfahrten auf 11, der Spätzug nach Ingolstadt fuhr weiterhin in Hamlar durch. Bis zum Winter 1937/38 erhöhte sich die Anzahl der Abfahrten sogar auf 13. Der größte Abstand zwischen zwei Zügen in eine Richtung waren nun gut 3 Stunden – das ist schon ein sehr gutes Angebot für die damaligen Verkehrsverhältnisse. Mit Zug 1248 kann nun erstmals umsteigefrei Ulm erreicht werden.

13 Abfahrten in fast 14 Stunden, nur zwei Zugpausen betrugen mehr als 2 Stunden. 1937/38 hatte der Fahrdienstleiter in Hamlar einen reltiv abwechslungsreichen Dienst – planmäßige Personenzugkreuzungen gab es aber keine. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Winter 1937/38.

Im Sommer 1939 hielt dann auch wieder der spätabendliche Zug nach Ingolstadt, damit war auch eine späte Rückkehr aus Richtung Donauwörth noch möglich (Ankunft in Hamlar 22:36 Uhr). Dies ergibt dann 14 Abfahrten täglich. Mit Zug 1252 ist nun ein weiterer Zug nach Ulm Hbf durchgebunden. Auch in den ersten Kriegsjahren war das Angebot noch verhältnismäßig umfangreich. Im Winter 1941/42 verkehrten noch 5 Zugpaare, ein weiteres Zugpaar trug den Vermerk „Verkehrt nur auf besondere Anordnung“. Statt den bisherigen beiden Zügen ist nun Zug 1246 nach Ulm durchgebunden.

Im letzten Kriegsfahrplan 1944/45 verkehrten dann noch 4 Zugpaare auf dem Streckenabschnitt. In jede Fahrtrichtung gab es tagsüber nun wieder Zugpausen von 6 bis 7 Stunden.

Datengrundlage: http://www.pkjs.de

Link zu Teil 2 mit den Jahren 1945 bis heute

Stand: 9.12.2012

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