Hamlar und seine Anbindung an den öffentlichen Verkehr; Teil 2 1946-Heute

Von Markus Egger

Link zu Teil 1, der auch einen Link zu topographischen Übersichtskarten enthält.

Die Donaubahn auf der Kursbuchkarte 1970. Hamlar ist der erste Bahnhof, nachdem der Zug Donauwörth Richtung Ingolstadt Hbf verlassen hat.

Die Donaubahn auf der Kursbuchkarte 1970. Hamlar ist der erste Bahnhof, nachdem der Zug Donauwörth Richtung Ingolstadt Hbf verlassen hat. Quelle: Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1970.

Mit einem absoluten Rumpfangebot an Zügen ging es nach dem 2.Weltkrieg weiter. 1946 gab es in Hamlar je nach Wochentag 4 bis 5 Abfahrten von Zügen. Nach Donauwörth gelangte man beispielsweise unter der Woche und am Sonntag nur um 7:05 Uhr und 17:29 Uhr, Samstags war die letzte Fahrtmöglichkeit nach Donauwörth schon um 11:54 Uhr Mittags. Richtung Westen war der Zugverkehr von Gundelfingen bis Neuoffingen kriegsfolgebedingt noch unterbrochen.

Mo-Fr herrschte in Hamlar 1946 tagsüber eine zehnstündige Zugpause. Datengrundlage: DSO-User Eurocity341.

Bis zum Winter 1948/49 war dann immerhin wieder fast der Zustand wie in der ersten Hälfte des Krieges erreicht worden. Werktags verkehrten 5 Zugpaare, Sonn- und Feiertags waren es immerhin 4. Auch bis Neuoffingen konnte wieder gefahren werden, der abendliche P 1256 verkehrte sogar wieder bis Ulm Hbf.

Richtung Ingolstadt gab es 1948/49noch eine 7-stündige Zugpause, Richtun Donauwörth waren die Züge gleichmäßiger über den Tag verteilt, so dass die größte Zuglücke gut 4 Stunden betrug. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Südbayern Winter 1948/49.

Auf diesem Stand etablierte sich zunächst das Fahrplanangebot. Spätestens zum Sommerfahrplan 1951 (evtl. auch bereits 1950) wurde die Fahrplanlücke Richtung Ingolstadt tagsüber zumindest werktags mit einer zusätzlichen Abfahrt um 11:04 Uhr (P 1247) geschlossen. Nach Ulm ging es nicht mehr durchgehend, Sonn- und Feiertags konnte immerhin noch Günzburg umsteigefrei erreicht werden. Spätestens ab 1953 war Günzburg täglich mit P 1256 umsteigefrei erreichbar. Außerdem lässt sich mindestens ab Winter 1951/52 ein Bahnbusverkehr Donauwörth-Neuburg(Donau) nachweisen, ein Halt in Hamlar ist bei den 2 werktäglichen Bahnbusfahrtenpaaren jedoch nicht im Kursbuch verzeichnet.

Als in den nächsten Jahren Schienenbusse (VT95) zum Bw Nördlingen versetzt wurden, konnte das Fahrplanangebot auf der Donaubahn deutlich ausgeweitet – sogar fast verdoppelt! – werden. 1957 gab es in Hamlar 19 Zugabfahrten an W(Sa), 18 Samstags und 17 Sonn- und Feiertags. Auch die bisherigen Bahnbusleistungen waren wieder in Zugleistungen umgewandelt worden. Fast alle Züge verkehrten nun als VT95+VB142 Einheit, drei Zugpaare verkehrten noch Dampflokbespannt, das letzte abendliche Zugpaar wurde wohl aus einem Solo-VT95 gebildet.

1957 bot der Bahnhof Hamlar mit 19 Abfahrten unter der Woche das üppigste Fahrplanangebot aller Zeiten. Bis heute wurde dieser Umfang nie wieder auch nur ansatzweise erreicht. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch 1957.

Nur minimale Abstriche waren bis zum Sommer 1962 zu machen – dafür steigerte sich der Fahrkomfort. Als Abstriche waren zu verzeichnen der Haltentfall des ersten Personenzugs morgens nach Ingolstadt sowie die Verkraftung des Spätabendzugpaares Donauwörth-Neuburg und zurück. Der Komfortgewinn zeigte sich dadurch, dass die Triebwagenfahrten  nun fast alle 1. und 2. Wagenklasse boten (wohl jetzt ETA statt VT95).

Weiterhin verkehrten 1962 3 Zugpaare lokbespannt. Spätabends mussten die Bewohner von Hamlar nun mit dem Bahnbus vorlieb nehmen. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1962 und Amtliches Omnibuskursbuch Sommer 1962.

Bis 1966 änderte sich an der Anzahl der Fahrtmöglichkeiten in Hamlar nichts. Vormittags musste nun aber bei einem Kurspaar Neuburg-Donauwörth und zurück mit dem Bahnbus statt dem Zug vorlieb genommen werden. Für Hamlar ergab sich dadurch eine fast fünfstündige Zugpause von kurz nach 8 Uhr bis kurz vor 13 Uhr. Nach Westen verkehrten die meisten Züge nun über Neuoffingen hinaus bis Günzburg.

Wenn tatsächlich jemand 1966 von Hamlar nach Staudheim gewollt hätte, hätte er nur noch zwei Fahrtmöglichkeiten am Tag gehabt, da bei vielen Personenzügen nun schwach frequentierte Haltepunkte entfielen. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch und Amtliches Omnibuskursbuch Sommer 1966.

Bis 1970 setzte dann die erste große Rationalisierungswelle ein. Bei zahlreichen Personenzügen entfiel der Verkehrshalt in Hamlar, Ersatz in Form von Bahnbussen gab es nicht. W(Sa) hielten noch 10 Personenzüge, Samstags 8, Sonn-und Feiertags 5. Am Vormittag gab es eine fast sechsstündige Zugpause, Sonn- und Feiertags war der erste Verkehrshalt gar erst um 12:50 Uhr. Um 7:07 Uhr konnte dafür erstmals Nördlingen umsteigefrei erreicht werden.

Nach Staudheim kam man nun wieder 4 mal am Tag, schwacher Trost für die Hamlarer bei insgesamt 4 gestrichenen Abfahrtszeiten an Werktagen. Datengrundlage: Amtlicher Tachsenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1970.

Bis 1975 reduzierte sich das Angebot weiter, Maximal 8 mal am Tag hielt noch ein Zug in Hamlar, dafür gab es nun bis zu 5 Busabfahrten. Bei den Zügen war nun der letzte Verkehrshalt des Tages schon um 18:01 Uhr, einzig positiv war, dass nun Ulm Hbf (wieder) und Regensburg Hbf (erstmals) umsteigefrei erreichbar waren. Beim Bahnbus war die spektakulärste Neuheit die Einführung eines Buspaares aus Wallerdorf nach Donauwörth und zurück (morgens hin, abends zurück). Die morgendliche Abfahrt nach Donauwörth war aber ebenso wie die nachmittägliche Rückkehr fast zeitgleich zu einem Zug der Donaubahn. Neu umsteigefrei zu erreichen war damit aber das Lechgebiet südlich von Rain am Lech.

Große Lücken wies inzwischen der Zugabfahrtplan in Hamlar auf. Datengrundlage: Amtlicher Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1975.

Weitere 5 Jahre später war davon fast nichts übrig geblieben. Morgens gab es noch 2 Zugabfahrten Richtung Westen, Nachmittags zwei Richtung Osten, dazwischen gab es fast 10 Stunden lang keine Zugabfahrt. Doch auch beim Bahnbus wurde inzwischen etwas gespart, die abendliche Fahrt nach Neuburg verkehrte nur noch Sonn- und Feiertags (Hauptklientel dieser Fahrt: Rekruten der Bundeswehrkaserne Neuburg), die Rückfahrt nach Donauwörth war ganz entfallen. 8 Abfahrten gab es nur noch an Schultagen, 7 an Ferientagen und je eine an Sams- und Sonntagen. Seit Sommerfahrplan 1980 war die neu errichtete Oberleitung an der Strecke in Betrieb und die Züge verkehrten elektrisch.

Von Samstag 6:25 Uhr morgens bis Sonntags 21:50 Uhr abends konnte man 1980 Hamlar nicht mehr mit dem Öffentlichen Verkehr erreichen oder verlassen. Datengrundlage: Amtlicher Tacshenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1980.

Zum Sommerfahrplan 1981 wurde dann der Verkehrshalt für Züge in Hamlar vollständig aufgegeben. Im nächsten betrachteten Jahr 1985 verkehrten somit nur noch Bahnbusse in Hamlar. Es hatte sich zwischenzeitlich eine leichte Verkehrserweiterung durch die Einführung neuer Schülerkurse und die neu eingerichtete Linie 9113 ergeben, die Schüler aus den Orten südlich der Donaubahn nach Donauwörth brachte. An Schultagen ergaben sich nun 6 Abfahrten, an Ferientagen 4. Samstags ruhte der Verkehr in Hamlar vollständig, Sonn- und Feiertags gab es die „Bundeswehrfahrt“ abends nach Neuburg.

Während die Fahrten der Linie 9113 überwiegend dem Schülerverkehr dienten, waren die Fahrten der Linie 9114 immer noch die 1962 verkrafteten Schienenleistungen.Datengrundlage: Amtlicher Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu 1985.

Bis 1990 war daraus ein Angebot geworden, das aus Hamlar eigentlich nur noch Schüler sinnvoll nutzen konnten. Da die Linie 9113 nur noch an Schultagen verkehrte gab es kein Angebot zu den Hauptverkehrszeiten mehr außerhalb von Schultagen. Auch zu Einkaufszwecken oder für einen Behördengang in Donauwörth war der Busverkehr nicht wirklich nutzbar. Das Fahrtenpaar der Linie 9114 bot nur etwa 30 Minuten Aufenthalt in der Kreisstadt. An Ferientagen war dieses vormittägliche Fahrtenpaar sogar das einzige Angebot!

Die Linie 9113 bot ein Rumpfangebot für den Schulverkehr, alles andere war ein Zufallsprodukt. Außerhalb der Schulzeiten gab es in Hamlar 1990 faktisch keinen nutzbaren ÖPNV. Datengrundlage: Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu 1990.

Daran änderte sich in den nächsten Jahren auch so gut wie nichts. 1995 gab es immerhin den Versuch wieder ein Ferienfahrplanangebot zu generieren. Morgens um 7:50 Uhr konnte man mit einem Kleinbus nach Donauwörth fahren um um 12:12 Uhr wieder zurückzukehren. Zusammen mit den weiter bestehenden Fahrten der Linie 9114 waren damit wieder Einkaufsfahrten nach Donauwörth halbwegs sinnvoll möglich.  Das Restangebot blieb unverändert.

Für Hamlar entstanden an Ferientagen durch die Kombination der Kleinbusfahrten und der Fahrten der Linie 9114 immerhin zwei halbwegs sinnvolle Möglichkeiten für einen Vormittagsaufenthalt in Donauwörth. Datengrundlage: Kursbuch Südbayern Sommer 1995.

Für das Jahr 2000 liegt mir leider kein vollständiger Fahrplanüberblick vor, da die Betriebsführung der Linie 9113 inzwischen von der RBA auf die Firma Egenberger gewechselt war und dieser Fahrplan deshalb nicht mehr im Omnibuskursbuch der DB veröffentlicht wurde. Ein Kreisfahrplan Donau-Ries aus dieser Zeit liegt mir leider nicht vor. Die für Hamlar kaum nutzbaren Kurse der Linie 9114 verkehrten weiterhin.

2006 ergibt sich dann wieder ein gewandeltes Bild. Auf der Linie 9114 verkehrt nun nur noch die sonntagabendliche Fahrt nach Neuburg, das Vormittagspaar gibt es nicht mehr. Die ehemalige Linie 9113 firmierte nun als 311 und bot nun gemeinsam mit der Linie 315 an Schultagen 5 (bzw. sogar 7 an Mo-Do) Abfahrten zu bzw. von den Schulen in Donauwörth und Rain am Lech.

Im aktuellen Jahresfahrplan 2013 gibt es sogar wieder ein Angebot an Ferien und Samstagen, an Schultagen blieb es beim bisherigen Umfang. An Ferientagen gibt es morgens eine Rufbusfahrt nach Donauwörth sowie am frühen Nachmittag wieder eine zurück. Vormittags fährt sogar eine feste Fahrt wieder zurück. Das Samstagsangebot kann jedoch nur zum Brötchen-Kaufen benutzt werden. Um 8:15 Uhr fährt ein Rufbus nach Donauwörth, um 9:10 Uhr muss man jedoch schon wieder spätestens zurück in Hamlar sein, diesmal wiederum nicht als Rufbus. Die Linie 9114 wurde zwischenzeitlich im Landkreis Donau-Ries eingestellt, so dass es kein Fahrplanangebot mehr an Sonn- und Feiertagen gibt.

Letzte Abfahrtsmöglichkeit in Hamlar ist an Schultagen schon um 13:52 Uhr – danach treffen nur noch einige Kurse ein, die nur noch zum Aussteigen halten. Datengrundlage: http://www.vdr-bus.de

Fazit

Der Weiler Hamlar profitierte lange von seiner strategisch günstigen Lage an der Bahn und der B16 und bot so ein deutlich überdurchschnittliches Verkehrsangebot. Die geringe Nachfrage führte jedoch dazu, dass heute der Schienenverkehr an Hamlar ohne Halt vorbeifährt. Der Busverkehr wiederum ist in dieser Gegend schwach ausgeprägt, da alle größeren Orte durch Schienenstrecken erschlossen sind. Fahrgastaufkommen in den kleineren Orten wie Eggelstetten, Oberndorf oder Hamlar gibt es fast nur im Schülerverkehr. Außerhalb dessen gibt es nur noch ein äußerstes Rumpfangebot. Die Fa. Grenzebach als großer Arbeitgeber am Ort hat somit kaum eine Erschließung im ÖPNV. Und wie überall im ÖPNV wäre selbst bei einer besseren Erschließung von Hamlar kaum mit Pendlern zur Fa. Grenzebach im ÖPNV zu rechnen, da im ländlichen Raum die Reisezeiten im ÖPNV bei den heute üblichen großen Einzugsgebieten von Firmen nicht konkurrenzfähig zum PKW-Verkehr auf der vierspurig ausgebauten B2 und der zumindest weitgehend von Ortsdurchfahrten befreiten B16 sein können.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Fotos vom Bahnbetrieb in Hamlar – ich habe noch nie ein Foto eines Zuges in Hamlar zu Personenverkehrszeiten gesehen!
  • Busfahrpläne Donau-Ries ca. 2000-2005
  • Berichte, Diskussionen etc.

Stand: 12.12.20.12

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