Mit dem ET am Tagesrand von Nürnberg nach München und zurück (ca. 1946-1955)

Von Markus Egger

Als in der unmittelbaren Nachkriegszeit ganz zaghaft der überörtliche Verkehr wieder anlief scheint als einer der ersten Züge auf der Strecke Nürnberg-München das Zugpaar Dt 560/563 eingeführt worden zu sein. Erstes Indiz für das Zugpaar ist für mich bisher ein Zeitungsartikel in der Passauer Neuen Presse, der das Ausfallen des Zuges ab dem 13. Januar 1947 ankündigt. Vermutlich hatte der Zug den Vermerk „Verkehrt nur auf besondere Anordnung“ und verkehrte nur über die Weihnachtszeit.

Der Zug verkehrte Werktags morgens ab Nürnberg Hbf nach München Hbf (an gegen 10 Uhr) und am Abend wieder zurück (München ab 18:40 Uhr, Nürnberg an gegen 22 Uhr) und war damit eine klassische Tagesrandverbindung in die Landeshauptstadt. Gebildet wurde das Zugpaar von elektrischen Triebwagen. Da der Zug auch noch später nach dem Krieg nur die 3. Klasse führte kommt beispielswiese ein ET85 in Frage. Diese Baureihe war damals sowohl in Nürnberg als auch in München stationiert. Die hochwertigeren Triebwagen der Baureihe ET25 oder gar ET31 führten auch die 2. Wagenklasse.

Der oben stehende Fahrplan wurde aus den Angaben der Passauer Neuen Presse rekonstruiert. Die Führung über Augsburg ist bei der Zugbildung mit einem ET gesichert, da die Strecke über Ingolstadt noch nicht elektrifiziert war.

Im Winterfahrplan 1948/49 war der Fernverkehr zwischen Nürnberg und München immer noch recht überschaubar. Morgens hatte man beispielsweise die Auswahl zwischen dem D 48 (4:25 ab Nürnberg), dem Dt 560 (6:05) und dem E 554 (7:05 Uhr ab Nürnberg). Danach war „Fernverkehrspause“ bis 14:40 Uhr. Wie bereits bei dieser Übersicht erwähnt, verkehrte Dt 560 nun ab Nürnberg eine knappe Stunde früher, somit war München bis 9 Uhr erreichbar. Weiterhin war nur die 3. Wagenklasse im Angebot. Zwischenhalte gab es südwärts in Donauwörth und Augsburg, nordwärts in Augsburg, Donauwörth und Treuchtlingen.

Das Zugpaar Dt 560/563 bot auch 1948/49 die einzige gute Tagesverbindung von Nürnberg nach München. Datengrundlage: Amtlicher Taschenfahrplan Südbayern Winter 1948/49.

Spätestens im Winterfahrplan 1949/50 konnte der Komfort des Zugpaares gesteigert werden, es war nun auch die 2.Klasse im Angebot. Zum Einsatz könnte nun ein ET25 oder ET31 gekommen sein, beide Triebwagenbauarten waren damals in Nürnberg und München stationiert. Auch eine leichte Fahrzeitverkürzung war möglich.

Fast unverändert verkehrte das Zugpaar 1949/50 gegenüber 1948/49. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Westliches Deutschland Winter 1949/50.

Zum Sommer 1950 oder 1951 wurde das Zugpaar dann in eine lokbespannte Leistung umgewandelt – vermutlich war die Nachfrage so stark angestiegen, dass der Triebwageneinsatz nicht mehr vertretbar war. Die Zugnummer änderte sich auf D 70/71, weiterhin war die 2. und 3. Wagenklasse im Angebot, außerdem gab es nun „Verabreichung von Speisen und Getränken im Zug“. Die Fahrzeit konnte nochmals leicht gestrafft werden, südwärts gab es einen zusätzlichen Halt in Schwabach.

Auch 1951 war D 70 eine von drei morgendlichen Abfahrten nach München: Vorher verkehrte D 150 Berlin-München, später E 554 Coburg-München. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1951.

Bis 1953 hatte der D 70 dann Kurswagen aus Coburg erhalten, die bis Nürnberg im E 550 Coburg-Nürnberg liefen. Auf dem Rückweg aus München verkehrte in der Fahrlage des D 71 zwischen Nürnberg und Treuchtlingen über Augsburg nun der D 89 München-Hamburg. D 71 wurde deshalb auf die Altmühltalbahn umgelegt und in Treuchtlingen zum gegenseitigen Umstieg mit dem D 89 verknüpft. Südwärts fiel bei D 70 der Halt in Schwabach zu Gunsten eines Haltes in Mering weg, in der Gegenrichtung wurde nun in Ingolstadt Hbf, Eichstätt Bahnhof, Treuchtlingen und Schwabach gehalten. Ein weiterer Komfortsprung wurde durch das Mitführen eines Speisewagens erreicht.

Sehr unsymmetrisch ist das Zugpaar D 70/71 im Sommer 1953. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1953.

Im Winter 1954/55 verkehrte das Zugpaar als E 70/71 und wieder einheitlich über die Augsburger Strecke. Aus diesem Jahr liegt dank DSO-User OZL_Lokd. ein Zugbildungsplan für das Zugpaar vor. Die Coburger Kurswagengruppe  bestand neben einem Packwagen aus zwei bis drei Drittklasswagen und einem Zwietklasswagen. Der Zugstamm Nürnberg-München bestand aus einem Drittklasswagen mit Speiseraum und einem Drittklasswagen, die an bestimmten Tagen um einen C oder BC ergänzt werden. E 71 in der Gegenrichtung hatte die gleiche Zugbildung(inklusive der Coburger Wagen, obowhl es in diese Richtung keine Kurswagen dorthin gab, jedoch ihne die tageweisen Verstärkungswagen. Dafür war werktags von München bis Augsburg ein Postwagen mit dabei. Der Wagensatz war mit D 257/258 München-Wiesbaden verknüpft.

Samstags war E 70 mit bis zu 8 Sitzwagen ein durchaus stattlicher Zug. Scan aus dem ZpAR: DSO-User OZL-Lokd.

Zwischen 1955 und 1957 ist dieses Zugpaar dann in die Züge E 550 Coburg-München und E 557 München-Lichtenfels umgewandelt worden, doch diese Geschichte soll ein ander Mal erzählt werden.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Wann entstand das Zugpaar, 1946?
  • Wann wurde es zum E 550/557, 1955, 1956 oder 1957)
  • Fahrpläne aus den fehlenden Jahren, z.B. 1954 oder 1955
  • Welche ET kamen als Dt 560/563 zum Einsatz
  • Welche Loks beförderten D 70/71 bzw E 70/71

Stand: 15.12.2012

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