Mit der Post ins Kesseltal – Teil 1: bis 1961

Von Markus Egger

Nördlichste Gemeinde des Landkreises Dillingen an der Donau ist der alte Marktflecken Bissingen, das schon urkundlkich überliefert seit mindestens 1281 „Markt“ genannt wird und zunächst Hauptort der Herrschaft Hohenburg-Bissingen war, bis diese 1661 dem Fürstentum Oettingen-Wallerstein einverleibt wurde, mit dem es 1806 an Bayern kam. Bis 1862 war Bissingen noch Sitz eines Königlich Bayerischen Landgerichtes und hatte damit überörtliche Bedeutung.

Deshalb verwundert nicht, dass Bissingen schon sehr früh ins Netz der Postverwaltung aufgenommen wurde. Naheliegendste Anbindung war die durch das Tal des Flüssschens Kessel – denn die Kessel entspringt nördlich Bissingen und mündet bei der früheren Reichsstadt Donauwörth in die Donau.  Übrigens ist die Ecke rund um Bissingen im oberen Kesseltal landschaftlich sehr schön und absolut einen Ausflug wert!

Link zu einer historischen Übersichtskarte des Kesseltals:

http://geoportal.bayern.de/bayernatlas/?lon=4402930.5&lat=5396034.5&zoom=9&base=952

Bereits für 1855 kann ich eine tägliche Cariolpostverbindung von Donauwörth nach Bissingen nachweisen, die jedoch schon länger bestanden haben dürfte. Eine Expedition für den Brief- und Fahrpostdienst wurde auf jeden Fall bereits 1852 in Bissingen gegründet.

Fahrplanauszug anläßlich einer Fahrplanänderung im Mai 1855. Quelle: Verordnungs- und Anzeigeblatt der Königlich Bayerischen Verkehrs-Anstalten 1855. Digitalized by Google.

Auch in einem Reisehandbuch von 1868 wird den mit dem Zug in Donauwörth ankommenden Reisenden die Anschlussverbindung nach Bissingen angepriesen, inzwischen verkehrt aber ein Postomnibus (gemeint ist natürlich ein von Pferden gezogener „Omnibus“).

Quelle: Reisehandbuch für das Königreich Bayern (1868). Digitalized by Google.

Für 1869 liegt mir dann wieder ein Fahrplan vor. Der Postomnibus verließ damals Donauwörth um 16 Uhr Nachmittags, Rückkehr aus Bissingen war um 7 Uhr in der Früh.

Quelle: Stahel’s Taschen-Fahrplan für Bayern 1869. Digitalized by Google.

Für das Jahr 1871 ist überliefert, dass 599 Fahrgäste befördert wurden. Der Posthalter in Donauwörth hatte zu dieser Zeit bereits ein kleines Netz aus 4 Linien (nach Bissingen, Dillingen, Monheim und Burgheim) zu bedienen.

Der nächste mir vorliegende Fahrplan stammt aus dem Jahre 1905. Da inzwischen die Donaubahn eröffnet worden war, verkehrten die Postkutschen ab dem Bahnhof Tapfheim; zwischen Tapfheim und Donauwörth musste nun also die Bahn genutzt werden. Vermutlich galt diese Regelung bereits seit den späten 1870er-Jahren. Dafür verkehrten inzwischen zwei Verbindungen täglich. 5:15 ab Bissingen nach Tapfheim, 8:30 Uhr Tapfheim-Bissingen, dann wieder 10:05 Bissingen-Tapfheim und 15:25 Tapfheim-Bissingen.

In dem im Bayerischen Kursbuch 1907 veröffentlichten Fahrplan lässt sich auch erstmals ein Zwischenhalt nachweisen, in der Tabelle ist nämlich auch der Ort Oppertshofen aufgeführt. Die weiteren Orte im Kesseltal wie Brachstadt, Oppertshofen und Kesselostheim dürften jedoch schon immer mitbedient worden sein.

Der leider qualitativ sehr schlechte Scan des Fahrplans 1907 zeigt ein ähnliches Betriebskonzept wie 1905. Quelle: Eisenbahn-Kursbuch für Bayern, Sommer 1907.

In dieser Zeit gab es auch ernsthafte Planungen für eine Eisenbahnlinie durch das Kesseltal, mehrere konkurrierende Projekte gab es hierbei. Interessante Informationen hierzu bietet die hier verlinkte Internetseite .

Auch im Kriegsfahrplan 1917 verkehrten noch zwei Kurspaare, die für 1914 geplante Umwandlung in eine Motorpostlinie war kriegsbedingt gescheitert (die Gemeinde hatte den Kredit für eine Abstellhalle für den Bus schon bewilligt). Das morgendliche Paar war noch fast unverändert. Die zweite Fahrt nach Tapfheim war nun erst um 12:50 Uhr ab Bissingen, die Rückfahrt ab Tapfheim um 16:35 Uhr. Dabei bestand in Tapfheim morgens Zuganschluss aus Donauwörth und Ingolstadt, Nachmittags aus Neuoffingen. In der Gegenrichtung gab es morgens Anschluss nach Donauwörth und Ingolstadt, Nachmittags nach Neuoffingen.

Am 13.12.1926 war es dann endlich soweit, erstmals verkehrte ein Kraftomnibus im Kesseltal, weiterhin zweimal täglich morgens und nachmittags, nun wieder durchgebunden nach Donauwörth. Die hierfür nun endlich errichtete Busabstellhalle soll heute immer noch stehen.

Bis zum Sommer 1939 hat sich dieses Angebot nochmals etwas verbessert. Weiterhin verkehren zwei tägliche Fahrtenpaare, die jetzt jedoch einen längeren Aufenthalt in Donauwörth erlauben, letzte Ankunft in Bissingen ist nun erst um 19:30 Uhr Abends. Sonn- und Feiertags gibt es gar ein drittes Kurspaar in der Standzeit am Vormittag. Zudem führt der Fahrplan nun explizit die Zwischenhalte in den Orten Donaumünster, Brachstadt, Oppertshofen und Kesselostheim auf.

Für 80 Reichspfennig konnte man im Sommer 1939 von Donauwörth nach Bissingen mit der Kraftpost fahren. Durch den Einsatz des Motorwagens hatte sich die Fahrzeit halbiert. Quelle: Kraftpost-Kursbuch Sommer 1939.

Der Krieg verhinderte jedoch die weitere Entwicklung des Verkehrs. Der erste Nachkriegsfahrplan der mir bisher vorliegt datiert aus dem Winter 1953/54 – und weist bereits einen dichteren Verkehr als jemals zuvor auf. Montag-Freitag gibt es nun vier Fahrtenpaare, Samstags dreieinhalb, Sonntags drei. In Bissingen bestehen nun vereinzelte Kraftpostanschlüsse nach Nördlingen und Dillingen. In Donauwörth war die Linie nun aber die letzte verbliebene von einst vier Postlinien. Die Linien nach Dillingen und Burgheim waren bereits in den 1870er-Jahren durch die Züge obsolet geworden, die Linie nach Monheim konnte nach dem 2. Weltkrieg von der Post nicht mehr wieder in eigener Regie aufgenommen werden sondern wurde nun durch einen privaten Busunternehmer bedient.

Einen 13-Stunden-Tag hatte Werktags der Postbusfahrer aus Bissingen auf seiner Linie zu verrichten. Sonntags waren es „nur“ elfeinhalb Stunden. Abends kam erstmals ein zweiter Bus zum Einsatz. Quelle: Kraftpostfahrplan OPD München Winter 1953/54.

Ab Sommer 1954 wurde dann auch die Fahrt um 14:15 Uhr ab Donauwörth täglich angeboten statt bisher Sonn- und Feiertags, sie war aber bisher bereits als Leerfahrt notwendig gewesen. Ab Winter 1954/55 wurden die beiden abendlichen Abfahrten in Donauwörth etwas entzerrt (neu: 17:45 und 18:40 Uhr), doch bereits im Sommer 1955 verkehrten sie wieder in der bisherigen Lage. Dieser Fahrplan hatte dann bis auf Minutenänderungen mindestens bis zum Winter 1956/57 Bestand. Bis 1961 war der Fahrplan dann jedoch wesentlich umgestaltet worden und mehr auf die jeweilige Lastrichtung des Verkehrs ausgerichtet. Die zweite morgendliche Fahrt nach Donauwörth lag etwas früher, so dass für Schüler noch eine Ankunft vor 8 Uhr möglich war. Die Rückfahrt aus Donauwörth (bisher 7:12 Uhr) wurde nun als Leerfahrt durchgeführt. Die werktägliche Mittagsfahrt um 12:15 Uhr ab Donauwörth sowie die zugehörigen Rückführungen ab Bissingen waren ersatzlos entfallen. Die erste Fahrtmöglichkeit von Donauwörth nach Bissingen war nun um 14:15 Uhr. Die beiden nachmittaglichen Fahrten ab Donauwörth waren wieder zeitlich entzerrt, so dass ein Bus für die Linie ausreichte. Sonn- und Feiertags startete der Kraftpostverkehr jetzt erst gegen 13 Uhr.

Zahlreiche Leerfahrten waren nötig um das Angebot der Linie 2411/44 zu erbringen. Quelle: Amtliches Omnibuskursbuch Sommer 1961.

In Teil 2 geht es um die Jahre von 1961 bis heute.

Weiterführende Literatur:

Link zu einer Geschichte des Postdienstes in Bissingen (weit nach unten scrollen).

Stand: 2.1.2013

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