Mit der Post ins Kesseltal – Teil 2: 1961-heute

Von Markus Egger

In Teil 1 wurde die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs im Kesseltal von der Einrichtung einer Kariolpost im 19. Jahrhundert über die erste Kraftpostverbindung in den 1920er-Jahren bis zur Verkehrsausweitung in den Nachkriegsjahren mit zunächst einer Steigerung zu 4 Fahrtenpaaren, 1961 dann aber nur noch 3 Fahrtenpaaren beschrieben.

Link zu einer topographischen Übersichtskarte

Das Angebot von 1961 hatte zunächst praktisch unverändert bis mindestens zum Winter 1962/63 Bestand. Doch zwischen 1963 und 1966 wurde das Angebot nochmals erheblich ausgeweitet – war aber immer noch mit einem Bus fahrbar, der nun aber Werktags bis zu 163 km täglich auf der Linie zurücklegte. Im morgendlichen Verkehr gab es wenige Änderungen, einzig die erforderliche Leerfahrt gegen 6:40 Uhr von Donauwörth nach Bissingen war nun wieder als Linienfahrt veröffentlicht, sonst blieb es bei den beiden Kursen mit Ankunft in Donauwörth vor 7 und vor 8 Uhr. Vormittags gab es weiter eine größere Betriebspause. Sonn- und Feiertags begann der Betrieb Mittags um 12 Uhr mit einer ersten Fahrt Donauwörth-Bissingen. Die bisherige tägliche Fahrt um 14:15 Uhr von Donauwörth nach Bissingen fuhr nun an den einzelnen Verkehrstagen unterschiedlich: Sonntags bereits um 12 Uhr, Samstags  um 14:20 Uhr, Mo-Fr um 13:40 Uhr. Wieder veröffentlicht ist die Rückführung aus Bissingen nach Donauwörth. Im Berufsverkehr gibt es eine neue Fahrt Mo-Do um 16:28 Uhr bzw. Fr um 16:18 Uhr von Donauwörth nach Bissingen, vermutlich waren die Arbeiter bei MBB/WMD die Zielgruppe. Die erneute Rückfahrt aus Bissingen bestand schon bisher, musste dafür aber etwas verschoben werden. Die nächste Abfahrt ab Donauwörth war etwas früher um 17:15 Uhr, auch hier gab es nun eine neue veröffentlichte Rückfahrt aus Bissingen, Um 18:40 Uhr ging es täglich ein letztes Mal nach Bissingen. Vermutlich wurde der Betrieb weiterhin mit einer Übernachtung des Busfahrers in Bissingen organisiert, außer in der Nacht von Sa auf So, wo der Bus abends vermutlich mit Leerfahrt nach Donauwörth heimkehrte.

Der 1966er-Fahrplan der Linie 2411/44 ist gar nicht mal so unattraktiv für die damalige Zeit. Zuständig ist nun das Postamt Dillingen – nicht mehr Donauwörth. In Bissingen gibt es die neue Endhaltestelle „Rieder“, die jedoch nur bei den weiteren Haltestellen aufgeführt ist. Auch Unterbissingen, das etwas abseits der Kesseltalhauptstraße lag wurde nun bedient.. Quelle: Omnibuskursbuch Sommer 1966.

Versuch einer Rekonstruktion des Fahrzeugumlaufs auf der Kraftpostlinie ins Kesseltal. Datengrundlage: Omnibuskursbuch Sommer 1966.

Bis zum nächsten mir vorliegenden Fahrplan 1968 gab es nur kleinere Änderungen. Das Nachmittagskurspaar nach 16 Uhr ab Donauwörth fährt nun ebenso wie seine Rückleistung Mo-Fr zu einheitlichen Fahrzeiten, Am 24. und 31.XII. wird der Betrieb nun bereits am frühen Nachmittag eingestellt und nach der letzten Ankunft gibt es nun täglich eine Rückfahrt von Bissingen nach Donauwörth, vermutlich ist hier die Übernachtung in Bissingen entfallen, evtl. begann bereits der Einsatz des Auftragnehmers Link aus Donauwörth.

Das Jahr 1970 brachte dann eine neue Kursbuchtabellennummer, es war nun die 2411/29 statt der 2411/44. Außerdem war morgens ein dritter Kurs zwischen den beiden bisherigen von Bissingen nach Donauwörth hinzugekommen, der nun doch wieder einen zweiten Bus auf der Linie erforderte. Abfahrt in Bissingen war 6:45 Uhr, somit konnte man nun morgens drei mal im Abstand von genau 30 Minuten das Kesseltal hinunter fahren.

Zum Sommerfahrplan 1971 entfiel die sonntägliche Fahrt um 12.00 Uhr nach Bissingen, was zwar die Betriebsabwicklung am Sonntag wesentlich effektiver gestaltete, ein für die Anwohner sinnvoll nutzbares Angebot gab es dadurch an Sonn- und Feiertagen aber nicht mehr. Ebenso entfiel die Spätfahrt gegen 19 Uhr von Bissingen nach Donauwörth wieder, es gab wohl keine Nachfrage, so dass die Fahrt effektiver als Leerfahrt durchgeführt wurde.

Der Sommerfahrplan 1971 bot Sonntags ein ziemlich „schräges“ Angebot: Man konnte um 17:45 Uhr von Bissingen nach Donauwörth fahren, musste aber nach nur einer halben Stunde Aufenthalt in Donauwörth sofort wieder zurück fahren, wenn man wieder nach Bissingen zurück wollte. Die Ankunft in Donauwörth war leider wenige Minuten nach Abfahrt des D 491 „Sassnitz-Express“ nach München, so blieb als einziger guter Anschluss N 4127 nach Augsburg. Quelle: Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1971.

In den nächsten Jahren gab es nur Minutenveränderungen, außerdem verkehrte ab Winter 1973/74 der um 1970 neu eingeführte Morgenkus 82 nur noch an Schultagen. Auch in den Folgejahren gab es entweder gar keine Änderungen oder nur Verschiebungen im Minutenbereich. Zum Sommer 1977 gab es dann die vollständige Einstellung des Sonntagsverkehrs und der Samstagsverkehrs nach 15 Uhr.

Das Fahrplanangebot 1977 weist Mo-Fr morgens drei (an Ferien nur 2) Fahrtenpaare nach Donauwörth und Nachmittags drei Fahrtenpaare nach Bissingen, Mittags ein Paar hin und zurück sowie einige umlaufbedingte Kurse in Gegenlastrichtung auf. Quelle. Amtlicher Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1977.

Ab dem Winterfahrplan entfiel der nur an Schultagen gefahrene Kurs 82 wieder vollständig aus dem Fahrplan. Außerdem wurde Unterbissingen nun nur noch in Lastrichtung bedient, d.h. wer z.B. morgens mit Kurs 81 nach Unterbissingen wollte, musste bis Bissingen mitfahren, dort auf die Abfahrt des Gegenkurses 84 warten und dann erst in Unterbissingen aussteigen. Ab Winter 1981/82 verkehrt die erste Fahrt morgens nur noch an W(Sa) statt Werktags. 1982 ging die Linie nach wahrscheinlich fast 150 Jahren in Verantwortung der Post im Zuge der Auflösung der Kraftpost auf die Bahn über. Im Winterfahrplan 1982/83 war zwar schon die Bahn verantwortlich, der Fahrplan jedoch noch unverändert, bis auf die „Kleinigkeit“ dass sich die Abfahrtsstelle nun Donauwörth Bahnhof statt Post nannte, faktisch war es aber wohl die selbe Stelle…

Zum Winter 1983/84 gab es dann aber die ersten größeren Änderungen in der Regie der DB. Im morgendlichen Schulverkehr gab es nun einen neuen Kurs 608, der ab Tapfheim verkehrte, das bisher gar nicht auf dieser Linie bedient wurde und ab Erlingshofen (Die DB nannte die Haltestelle Donaumünster nun Erlingshofen, Donaumüster-Erlingshofen ist ein zusammengewachsener Doppelort) den Kurs 84 an Schultagen verstärkte. Ebenso gab es Mittags nun zu Kurs 83 einen Verstärker 83V, der ebenfalls nach Tapfheim verkehrte. Die wichtigsten Schulkurse wurden über den Bahnhof hinaus nun bis in den Ort Donauwörth hinein durchgebunden.

Bei einigen Haltestellen änderte sich in Regie der Bundesbahn der Name, im Stadtgebiet Donauwörth kamen mehrere Haltestellen hinzu. Quelle: Amtlicher Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Winter 1983/84.

Ab Sommer 1987 wurde beim letzten Abendkurs  91 Unterbissingen nur noch zum Ausstieg bedient. Ansonsten gab es in den folgenden Jahren so gut wie gar keine Änderungen, selbst Minutenverschiebungen waren selten.

Das Layout hat sich radikal geändert, der Inhalt kaum. Im Jahresfahrplan 1995/96 verkehren noch die gleichen Kurse wie im Winter 1983/84! Quelle: Kursbuch Südbayern 1995/96.

Zum Sommerfahrplan 1997/98 und 1999 gab es zwar bei zahlreichen Kursen Verschiebungen im Minutenbereich, die Grundstruktur blieb jedoch weiterhin bestehen. Für die Zeit von 2001 bis 2006 liegt mir leider kein Fahrplan vor, jedoch weist der Fahrplan 2006 gegenüber dem von 2001 auch nur wenige Änderungen auf. Morgens findet sich ein neuer Kurs 4079 um 6:12 Uhr von Kesselostheim nach Bissingen, der anschließend auf der Linie nach Dillingen weiter fährt und wohl dem Schulverkehr nach Dillingen dient. Neu ab 2008 ist ein Kurs um 15:32 von Donauwörth Westspange nach Bissingen, dafür entfällt der bisher letzte Abendkurs gegen 18:30 Uhr ab Donauwörth. Der bisher vorletzte Abendkurs verkehrt dafür etwa 20 Minuten später, ab Erlingshofen jedoch nur noch zum Ausstieg. Kurs 90 (Nachmittags) fährt nun schon 60 Minuten früher von Bissingen nach Donauwörth, Kurs 92 40 Minuten früher.

Auch wenn das Design nun zwei Seiten füllt, hat sich am Fahrplanvolumen nichts geändert. Quelle: VDR-Fahrplanbuch Jahresfahrplan 2008.

Im Jahresfahrplan 2011 verkehrt die Kurzfahrt von Kesselostheim nach Bissingen nicht mehr, außerdem wurde der Samstagsfahrplan neu geordnet. Teilweise verkehrt nun Samstags ein Kleinbus, dafür gibt es sogar eine neue Fahrt um 7:37 Uhr von Donauwörth nach Bissingen. 2012 und 2013 gab es keine Änderungen am Fahrplan.

Link zum aktuellen Fahrplan der Linie 9111.

Die Linie 9111 weist somit eine sehr erstaunliche Kontinuität in ihrer Struktur auf, die eben nicht nur Jahrzehnte sondern sogar Jahrhunderte zurückreicht, auch wenn natürlich das Fahrtenangebot damals dünner war!

Anbei noch die Übersicht wie „alt“ die derzeit angebotenen Kurse sind:

  • 4080: lässt sich im Prinzip bis 1907 zurückverfolgen!
  • 4081: seit 1966 ununterbrochen im Angebot
  • 4083: seit 1966 in etwa der heutigen Fahrlage
  • 4084: seit etwa 1961
  • 608: seit Winter 1983/84
  • 4093: seit Winter 1983/84
  • 4086: seit 1966 in etwa der heutigen Fahrlage
  • 4087: seit 2008
  • 4089: seit 1961, wenn auch immer früher gerutscht
  • 4090: seit mindestens 1939, wenn auch Fahrlage verschoben
  • 4091: seit etwa 1953/54, wenn auch Fahrlage verschoben
  • 4092: seit etwa 1939, wenn auch Fahrlage verschoben
  • 4081 (Sa): Seit etwa 1953/54
  • 4079 (Sa): Seit 2011
  • 4085 (Sa): Seit Sommer 1954
  • 4094 (Sa): seit etwa 1953/54
  • 4088 (Sa): seit etwa 1953/54

Stand: 6.1.2013

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