Reisebericht: Mit dem Bus (fast) von München nach Augsburg

Von Markus Egger

Wer normalerweise von München nach Augsburg fahren will nimmt den direkten Zug und ist nach etwa 30-45 Minuten am Ziel angekommen. Vielleicht nimmt man auch irgendwann den Fernbus, wobei das genehmigungstechnisch erst abzuwarten ist, da eigentlich die Reisezeit im parallelen Zug zu kurz ist, als dass da eine Beförderung München-Augsburg im Fernbus genehmigungsfähig sein könnte.

Wer was von der Landschaft sehen will, nichts gegen längere Busfahrten und Umstiege an peripheren Haltestellen hat sowie etwas Zeit mitbringt kann auch mit dem Regionalbus von München nach Augsburg fahren. Das Busnetz von MVV und AVV stoßen aber nur in wenigen Orten direkt aneinander: Hohenzell (ein Ortsteil von Altomünster), Odelzhausen und einige Dörfer im Bereich Baindlkirch/Mittelstetten an der Kreisgrenze Aichach-Friedberg/fürstenfeldbruck. Gute Anschlüsse bestehen nirgendwo, Fahrtmöglichkeuiten ohne Übernachtung bestehen teils nur einmal am Tag oder nur in eine Fahrtrichtung. Es gab zwar in der Vergangenheit schon mehrfach Versuche mit neuen Linien hier Verbesserungen zu erzielen, diese Versuche mussten jedoch jeweils nach kurzer Zeit mangels Nachfrage wieder eingestellt werden, zuletzt gab es eine AVV-Zubringerlinie Sielenbach-Odelzhausen zur MVV-Linie über die A8 nach München, aber auch dieser verkehr scheiterte.

Ich hatte mir schon länger vorgenommen eine dieser raren Möglichkeiten zu nutzen. Nun war es endlich soweit. Geplant war eine nachmittägliche Rückfahrt von München bis (fast) nach Augsburg mit dem Regionalbus, die Anreise nach München erfolgte mit dem Zug, in München habe ich den Tag für ein paar interessante ÖPNV-Fahrten und den empfehlenswerten Besuch der Eisenbahn-Fachbuchhandlung/Antiquariats Stiletto genutzt.

Die Anreise sollte wegen Reisekomfort über Kaufering nach München erfolgen, ab Inningen ist das fast zeitgleich wie die Fahrt mit dem Nahverkehr über Augsburg. Bis Kaufering ging es mit einem 642er der Kneipp-Lechfeld-Bahn, dort stand dann der Umstieg in einen RE Füssen-München an, wo ich im bequemen BDuu Platz nehmen konnte.

RE 57505 Füssen-München bei der Einfahrt in Kaufering. Vor der Lok läuft ein BDuu, indem ich bequem und stilvoll Platz fand.

In München-Pasing wurde der Zug bereits wieder verlassen, geplant war eine Straßenbahnfahrt von Pasing nach München, davor musste jedoch erst der Tram-SEV bis zum Willibaldplatz genutzt werden.

Derzeit herrscht in Pasing Tram-SEV, den der Solaris Gelenkzug 5362 der MVG bestritt.

Danach war mal wieder etwas „Lage sichten“ am Hauptbahnhof angesagt.

Im der Haupthalle des Hbf begegneten sich diese beiden Charakterköpfe. Die 218 kam mit dem EC aus Zürich, der ICE3 kam aus Dortmund.

Anschließend ging es mit der U-Bahn zum Max-Weber-Platz, von wo aus für mich erstmals die Bereisung der Tram-Linie 25 nach Grünwald anstand – sehr sehenswert!

Hier kommt sie am Max-Weber-Platz um die Ecke. Wagen 2215 als Linie 25 in den noblen Vorort Grünwald.

Um nicht wieder die selbe Strecke zurückfahren zu müssen fuhr ich ab Grünwald mit der MVV-Regionalbuslinie 224 nach Höllriegelskreuth zur S-Bahn „rüber“ – auch eine sehr interessante Strecke. Die nur 5 Minuten Fahrzeit sind recht spektakulär – es geht steil in Isartal hiunuter, dort über eine Brücke und am anderen Ufer ebenso steil wieder hoch. Diese Linie 224 wird vom Friedberger Unternehmen Demmelmair bedient, es kam ein noch recht neuer Citaro 2.

Hier bereits in Höllriegelskreuth angekommen ist Wagen 730 von Demmelmair. Die Besetzung auf dieser etwa im Stundentakt und nur Werktags bedienten Querspange war leider sehr überschaubar und bestand aus drei Fahrgästen inklusive mir.

Ein Erlebnis der etwas anderen Art war dann der S-Bahnhof Höllriegelskreuth. Da scheint seit der Eröffnung um 1980 kein Euro mehr investiert worden zu sein. Selten habe ich ein ähnlich uneinladendes Ensemble im Münchner-S-Bahn-Netz gesehen.

Das „Empfangsgebäude“ des S-Bahnhofs Höllriegelskreuth. Einladend und Zweckmäßig ist etwas anderes.

Am ebenfalls wenig einladenden Fahrdienstleiterstellwerk hat sogar noch ein Bundesbahn-Keks überlebt…

Mit der S7 ging es dann zur Donnersberger Brücke, wo ich in den Metrobus 53 zur Stöhrstraße umstieg, denn in der Stöhrstraße ist die erwähnte Fachbuchhandlung.

Ein Lob muss ich dann auch loswerden, das Metrobusnetz ist schon eine feine Sache. Ich war ja anfangs sehr skeptiosch was es soll Buslinien „Metrobus“ zu nennen und darin eine Aufwertung zu sehen. In der Praxis habe ich jetzt zum zweiten Mal nach Berlin im Herbst nun auch in München gemerkt, dass das in großen Städten schon Sinn gibt.

Der MVV gibt auch einen guten Plan mit Schnellbahnnetz, Tram und Metrobusnetz heraus, das ist m.E. der ideale Plan um sich flexibel im Innenraum zu bewegen, hier sieht man erst wie viele praktische Querspangen das Metrobusnetz bietet. Und beim Metrobus weiss man halt auch, dass da dirchter Takt an 7 Tagen die Woche herrscht, man sich also drauf verlassen kann, dass da auch ein Bus kommt, wenn da ein Strich auf dem Plan ist.

Von der Buchhandlung ging es zu Fuß zum Rotkreuzplatz, wo es noch etwas zum verspäteten Mittagessen gab, von dort mit der U1 zum Olympia-Einkaufszentrum und der U3 nach Moosach. Fährt man mit den älteren Münchner U-Bahn-Fahrzeugen ist es schon immer wieder spannend informationstechnisch in die 80er zurückzukehren. Da gibt es keine Haltestellenmonitore, nicht mal eine einzeilige Anzeige der nächsten Haltestelle, keine Ansage vom Band, keine „Your next conection services“ sondern einfach nur eine vom Fahrer ins Mikro genuscheltes Ansage der nächsten Haltestelle. Und am Bahnsteig dann ein „U3 Moosach Zurückbleim bittä!“

MVG-U-Bahn Wagen 7242 am Olympia-Einkaufszentrum auf der U3. Die Stationen der 90er und 2000er sind in München attraktiv und abwechslungsreich gestaltet sowie gepflegt.

Diese U-Bahn-Fahrt diente schon der Anreise zu meiner geplanten Regionalbusfahrt nach Augsburg. Um zum Ausgangspunkt des Regionalbusses 705 nach Hohenzell zu gelangen musste ich jedoch ab Moosach noch den Stadtbus der Linie 176 bis zur Haltestelle „Karlsfelder Straße“ nutzen.

Auftragnehmer Busverkehr Südbayern stellte für die MVG den Wagen für die Linie 176, die zwischen Moosach und der Stadtgrenze bei der Karlsfelder Straße pendelt – hier ein MAN A21.

An der Karlsfelder Straße konnte man sich dann die kurze Wartezeit auf die Linie 705 mit einem Blick in die „Auslage“ von MAN verkürzen. Hier residiert eine MAN-Niederlassung u.a. mit Bus und LKW-Vertrieb. Das dürfte auch der Grund für den Start der Linie 705 hier sein, die wohl aus einem früheren Werksverkehr zu MAN entstanden sein dürfte. Ebenso komtm hier die RVO-Linie 706 München-Schrobenhausen vorbei, die ähnliche Wurzeln hat. Unsere Linie 705 bietet Nachmittags zwei Abfahrten ab München, wobei man nur mit der ersteren in Hohenzell noch weiterkommt.

MAN stellt zur Straßenseite hin seine Neusten Fahrzeuge ab, hier ein 5-türiger überlanger Gelenkbus-Prototyp.

Pünktlich um 15:37 Uhr geht es los, Fahrgäste sind drei MAN-Mitarbeiter und ein versprengter ÖPNV-Irrer auf  Rundreise;). Die armen MAN-Mitarbeiter müssen aber auf dem Heimweg mit einem Produkt der Konkurrenz vorlieb nehmen, Konzessionär Huber aus Altomünster schickt einen Citaro LE Ü.

In Dachau steigen u.a. am Bahnhof noch weitere Fahrgäste zu und ab Dachau geht es dann idyllisch durch die Altbayerische Landschaft nach Hohenzell, gerade die letzten Kilometer über Metropolen wie Plixenried und Irchenbrunn auf schmalen Gemeindestraßen sind sehenswert.

Es dämmerte schon fast so dass nur noch eine etwas verwackelte Aufnahme des abrückenden Citaro von Huber in Hohenzell möglich war.

In Hohenzell musste ich dann einen kurzen Fußweg von der Haltestelle „Abzw Irchenbrunn“ zur AVV-Haltestelle „Schule“ in der Ortsmitte machen, wo es dann nach einer guten Viertelstunde mit der letzten Abfahrt des Tages der Linie 203 weitergehen sollte.

Stilleben in Hohenzell, das erklärt, warum man mit HAFAS keine Verbindung vom MVV in den AVV und umgekehrt erhält. Die Haltestelle Maibaum des MVV nennt sich beim AVV Schule. Fußwege sind nicht eingepflegt, also ist HAFAS (und auch die anderen Fahrplanauskunftssysteme) überfordert einen Anschluss zu finden.

Um 16:43 Uhr ist dann Abfahrt der Linie 203. Konzessionär Schleipfer, der ebenso wie Huber in Hohenzell seinen Sitz hat, kommt mit einem Citaro. Auf antspannter Fahrt in den vom diesigen Wetter versteckten Sonnenuntergang wird schließlich Friedberg erreicht, von wo aus die restlichen etwa 7 Kilometer nach Augsburg mit der BRB zurückzulegen sind.

Nur ein Beweisfoto. Nach Ankunft in Friedberg steht der Citaro von Schleipfer schon wieder für die letzte Rückfahrt des Tages bereit.

Fazit: Eine spannende Tour!

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2 Antworten zu Reisebericht: Mit dem Bus (fast) von München nach Augsburg

  1. bjdo77 schreibt:

    Hallo Markus,

    wie lautet denn das Kennzeichen dem Citaro von Schleipfer?

    Gruß,
    Björn

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