Der Tauern-Expreß – Teil 2: die Jahre 1956-1962

Von Markus Egger

Link zu Teil 1

Ab dem Sommer 1956 gab es in Europa nur noch die (neue) 1. und 2. Wagenklasse, auch unser Tauern-Expreß „verlor“ damit die alte 3. Wagenklasse, sonst änderte sich zunächst wenig. Am Fahrplan änderte sich wenig, wie die folgende dem ÖBB-Kursbuch 1956 entnommene Tabelle zeigt.

Auch wenn die Tabelle etwas weniger Verkehrshalte aufweist hat sich vermutlich an der Haltepolitik nichts grundlegendes geändert, die ÖBB verzichtete wohl nur auf die Darstellung einiger Zwischenhalte im Ausland (z.B. Gent oder Zidani Most). Quelle: ÖBB-Kursbuch 1956. Zur Verfügung gestellt von Hans-Jörg Schwabel.

Bevor wir einen Blick auf den Zugbildungsplan 1956 werfen lohnt sich noch ein Blick auf die von der ÖBB erstellte Kurswagenübersicht.

Nach Athen kann man 1956 zumindest im Sitzwagen täglich umsteigefrei fahren, der Schlafwagen fährt abwechselnd nach Belgrad oder Athen. Außerdem gibt es Sitzwagen aus Oostende, Dortmund, Paris und Hamburg nach Belgrad. Das Ziel Österreich haben die Sitzwagen Hamburg-Klagenfurt, Oostende-Graz und Aachen-Salzburg sowie die Liegewagen Oostende-Klagenfurt. Der Speisewagen ist im Sommer von Stuttgart bis Villach, also während der Tagestrecke im Zug. Innerösterreichisch gibt es noch Kurswagen Salzburg-Graz. Kurswagen die über die Südbahn nach Belgrad verkehren gibt es offensichtlich nicht mehr. Quelle: ÖBB-Kursbuch 1956. Zur Verfügung gestellt von Hans-Jörg Schwabel

Ab Oostende hat der Tauern-Express weiterhin bis zu 11 Wagen. Dem Postwagen Oostende-Köln folgt die Wagengruppe, die in Köln Richtung Norden und Osten abgeht. An erster Stelle an Di auf Mi ein A der DB für den Reiseveranstalter Globaltours nach Hamburg. Nach Kopenhagen laufen ein AB der SNCB, ein B der DSB und ein WLAB der CIWL. Den AB nach Berlin stellt nun die SNCB und nicht mehr die DR. Es folgt der rein erstklassige Schlafwagen der CIWL, der je nach Wochentag nach Athen oder Belgrad verkehrt, der Sitzwagen nach Athen der SNCB, Sitz- und Packwagen der SNCB nach Belgrad und der AB der ÖBB nach Graz. In Aachen kommt am Schluss des Zuges noch ein AB der DB für den deutschen Binnenverkehr bis Salzburg hinzu. In Stuttgart wird an der Zugspitze mit der neuen Lok auch ein WR beigestellt, den nun die CIWL und nicht mehr die DSG stellt. In München wiederum werden an der Zugspitze ein B der DB für den Verkehr München-Belgrad, ein AB der JZ Dortmund-Belgrad und ein AB der DB Hamburg-Belgrad beigestellt. Quelle: ZpAR 1956. Zur Verfügung gestellt von DSO-User Mw.

Für 1957 sind wiederum die Bespannungen im Gebiet der DB überliefert:

F 153:

  • Salzburg-München: E16 Bw Rosenheim
  • München-Stuttgart: E18 Bw Stuttgart
  • Stuttgart-Bruchsal: E10 Bw Heidelberg
  • Bruchsal-Mannheim: 39 Bw Heidelberg
  • Mannheim-Köln: 03.10 Bw Ludwigshafen
  • Köln-Aachen: 03 Bw Köln-Deutz

F 154:

  • Aachen-Köln: 01/01.10 Bw Hagen-Eckesey
  • Köln-Mannheim: 01 Bw Köln Bbf
  • Mannheim-Bruchsal: 39 Bw Heidelberg
  • Bruchsal-Stuttgart: E18 Bw Stuttgart
  • Stuttgart-München: E18 Bw Stuttgart
  • München-Salzburg: E18 Bw München Hbf

(Zur Verfügung gestellt von DSO-User OZL-Lokd.)

Erstmals darf sich also auch eine Neubaulok am Tauern-Express versuchen, Heidelberger E10 bespannen ihn von Stuttgart bis zum Betriebshalt in Bruchsal, wo noch die Elektrifizierung endet. Zwischen Bruchsal und Mannheim kommt nun in beiden Richtungen eine P10 zum Einsatz, die P8 ist nicht mehr dabei. Ebenso ist die E17 aus dem „Programm“.

Das DB-Kursbuch Sommer 1957 zeigt alle Zwischenhalte des Tauern-Express auf, darunter auch einige kleinere und eher unbekannte jugoslawische Städte wie Stara Pazova oder Novska. In Jugoslawien hatten die D-Züge traditionell Buchstabenkombinationen als „Zugnummer“, unser Tauern-Express südwärts die TB (wohl „Tauern-Beograd“), nordwärts die BT (wohl „Beograd-Tauern“). Dieses System war lange u.a. auch in Frankreich und Italien üblich. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1957.

Neu ist ab 1957 außerdem nun ein zweimal wöchentlich verkehrender Schlafwagen (ebenfalls ein WLA der CIWL) München-Istanbul.

In Jesenice fährt der Tauern-Express mit bis zu 8 Wagen ab, dem Post- und Packwagen folgt der WLA und der AB nach Oostende, dann die AB Belgrad-Hamburg und Zagreb-Dortmund sowie die Wagen Istanbul bzw. Belgrad-München In Villach „stürzt“ der Zug, wie es in Österreich heißt, interessanterwiese wird der hier beigestellte BR der ÖBB zwischen den Pack- und Postwagen am Zugschluss beigestellt! Wer da ab Villach gediegen bei der Fahrt über den Tauern zum Mittagessen gehen will, darf also ganz schön laufen. Der Packwagen ist natürlich selbstverständlich einer mit Seitengang! In der Mitte des Zuges kommen weitere Wagen nach Oostende und Hamburg hinzu. In Bischofshofen werden dann zwischen den BR und den Pws die beiden Wagen aus Graz nach Salzburg und Oostende beigestellt. In Salzburg gehen die letzten drei wagen vom Zug, der Postwagen fährt nämlich nicht mit dem Tauern-Express, sondern mit D 32 nach München, dafür wird am Schluss nun ein WR der DB für die Strecke Salzburg-Stuttgart beigestellt. Interessant auch die „Zugdienstfrau“ Villach-Schwarzach-St. Veit und Bischofshofen-Salzburg, sowie die sicherlich nicht unnötige Zwischenreinigung in Villach und Salzburg. Quelle: ÖBB-Zugbildungsplan Winter 1957/58. Zur Verfügung gestellt von Hans Kern.

Für 1958 ist ein Foto des Tauern-Express aus Worms überliefert, das die V200 010 am 7.9.1958 vor dem Zug zeigt, die ihn von Köln nach Ludwigshafen bespannt. Für eine Laufplanmäßige Bespannung mit V200 konnte aber noch kein Hinweis gefunden werden. Für den Sommer 1958 waren folgende Bespannungen geplant:

F 153:

  • Salzburg-München: E16 Bw Freilassing
  • München-Stuttgart: E10 Bw Stuttgart
  • Stuttgart-Mannheim: E10 Bw Heidelberg
  • Mannheim-Köln: 01 Bw Wiesbaden
  • Köln-Aachen: 01 Bw Köln Bbf

F 154:

  • Aachen-Köln: 01 Bw Hagen-Eckesey
  • Köln-Mannheim: 01 Bw Köln Bbf
  • Mannheim-Stuttgart: E10 Bw Heidelberg
  • Stuttgart-München: E10 Bw Stuttgart
  • München-Salzburg: E18 Bw München Hbf

Auf immer mehr Abschnitten macht sich nun also die E10 breit.

Durch die Inbetriebnahme der Ludwigshafener Umgehungskurve nahm der Tauern-Expreß nun zwischen Mainz und Mannheim wieder den Weg über Worms, dadurch konnte auch das Kopfmachen in Mannheim entfallen, eine weiter Beschleunigung war durch die nun schrittweise in Betrieb genommene Elektrifizierung der Linken Rheinstrecke möglich.

Auf der Europäischen Fahrplankonferenz in Wien für den Jahresfahrplan 1960 wurde dann die Verlängerung des Tauern-Express bis Athen beschlossen, da durch eine Umstrukturierung des Simplon-Orient-Express der Anschluss an diesen in Belgrad nicht mehr möglich war. Die Wagen nach Istanbul wurden in Belgrad auf den „Balt-Orient-Express“ umgestellt und verkehrten ab dort als eigener Zug nach Istanbul. Ab 1962 jedoch gab es erneut große Änderungen am Tauern-Express, die in Teil 3 vorgestellt werden sollen.

Möglichkeiten zur Mithilfe

  • Ergänzende Fahrplan, Zugbildungen, Bespannungen, Fotos
  • Hat jemand einen Fahrplan für den Tauern-Express in der Zeit seiner Führung nach Athen 1960-1962?
  • Wann sind die Kurswagen Wien-Belgrad entfallen?

Literatur:

Scharf, Hans-Wolfgang und Ernst, Friedhelm: “Vom Fernschnellzug zum Intercity”. EK-Verlag: Freiburg 1983.

Vorac, Alfred: “Balkanzüge”. KIRUBA-Classic 3/2012

Stand: 19.1.2013

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