Nahverkehr Donauwörth-Augsburg 1935-2013 – ein Überblick

Von Markus Egger

Auszug aus einer Übersichtskarte der Reichsbahn von 1938 mit farbig hinterlegten Reichsbahndirektionsbezirken. Quelle: Übersichtskarte der Deutschen Reichsbahn.

Zum Sommerfahrplan 1935 konnte auf der Strecke Augsburg – Nürnberg der elektrische Bahnbetrieb aufgenommen werden. Aus diesem Anlaß gab es größere Änderungen in der Abwicklung des Nahverkehrs auf dem Abschnitt Augsburg-Donauwörth. Bisher hatten die dampfgeführten Nahverkehrszüge meistens den langen Lauf entlang der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn von Pleinfeld über Nördlingen, Donauwörth und Augsburg nach Buchloe und ab dort teilweise weiter bis Memmingen genommen (Link zu Artikel über den Nahverkehr Augsburg-Donauwörth in der Zeit vor 1935). Nur einzelne Züge verkehrten auf Teilstrecken, einige wenige Züge bildeten einen Vorortverkehr von Augsburg – meistens im Abschnitt Augsburg-Meitingen. Da die Strecken Augsburg – Buchloe – Memmingen und Donauwörth – Nördlingen – Pleinfeld weiterhin mit Dampfzügen betrieben werden mussten wurde der Nahverkehr in Donauwörth und Augsburg konsequent gebrochen. Es gab auch zunächst keinerlei Durchbindungen von Personenzügen auf die elektrische betriebenen Abschnitte München-Augsburg und Donauwörth-Treuchtlingen-Nürnberg. Während bei der Münchner Strecke der Grund wohl darin lag, dass es kein bedeutendes Aufkommen an Fahrgästen gab, die mit Personenzügen von den kleineren Stationen entlang der Strecke über Augsburg hinaus wollten und gleichzeitig ein gutes Angebot an Fernverkehrszügen und Beschleunigten Personenzügen ohne Zwischenhalte ab Donauwörth nach München bestand dürfte es Richtung Norden daran gelegen haben, dass das Fahrgastaufkommen im Nahverkehr auf dem erst 1907 eröffneten Neubauabschnitt Donauwörth -Treuchtlingen immer sehr gering war. Es verkehrten schließlich nur drei Zugpaare, die ausschließlich dem Lokalverkehr der kleinen Orte entlang der Strecke nach Donauwörth und Treuchtlingen dienten, meist gab es nicht einmal brauchbare Anschlüsse nach Augsburg, München oder Nürnberg. Das Fahrplanvolumen wurde mit der Elektrifizierung im Nahverkehr zunächst nur gering ausgeweitet und auch die Fahrplanlagen wurden weitgehend aus der Dampfära übernommen.

Rechnerisch sind 1935 2 Umläufe zur Abdeckung der Personenzugleistungen Augsburg – Donauwörth notwendig. Das Bw Augsburg besaß 1935 folgende elektrische Triebfahrzeuge: 3 Stück E 04, 9 Stück E 32, 3 Stück E 52, 12 Stück E 77 und 5 Stück E 44 sowie 4 Triebwagen ET 85 mit 4 zugehörigen Steuerwagen und 11 Beiwagen. Naheliegend ist der Einsatz der E 32 bei vielen Personenzügen. Aber auch die ET85 haben auf der Strecke Donauwörth-Augsburg ab 1935 einige Züge gezogen, wohl die, die die Einschränkung bG für begrenzte Gepäckbeförderung im Kursbuch tragen. Leider weist das Kursbuch rund um Augsburg bei keinem einzigen Personenzug Triebwagen separat aus, so dass nicht sicher auf die Umläufe der ET 85 geschlossen werden kann.

Steigerungen bei der Anzahl der Nahverkehrszüge Donauwörth-Augsburg gab es zunächst bis zum Kriegsausbruch 1939 und dann bereits wieder in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Werktags außer Samstags pendelte sich die Anzahl dann auf etwa 13 ein. In den 60er- und 70er-Jahren gab es keine größeren Änderungen an der Menge, dafür steigerte sich das Angebot in der HVZ zu Lasten des Spätverkehrs. Am Wochenende gab es dagegen ab 1957 fast kontinuierlich leichte Verluste. Nach der Bahnreform Anfang der 90er-Jahre gab es leichte Steigerungen unter der Woche (hauptsächlich am Tagesrand und Vormittag), aber wieder starke Ausweitungen am Wochenende bis zum bereits 1957 erreichten Stand. Ab Ende der 90er-Jahre gab es dann etwa zweistündig eine durchgehende Linie Donauwörth-München (zunächst als Stadtexpress mit Doppelstockwagen, heute im Fuggerexpress aufgegangen) sowie Verdichtung zum Stundentakt bei Einführung des Fugger-Express. Zahlreiche Nahverkehrszüge gingen in dieser Linie auf, so dass sich zwar das Angebot für die Zwischenorte eher verbesserte, die Anzahl der reinen Nahverkehrszüge Donauwörth-Augsburg jedoch deutlich zurückging. Heute gibt es diese fast nur noch in der HVZ sowie am Tagesrand. Eigene Zusammenstellung aus Daten verschiedenener Kursbücher.

In der Kriegszeit gab es auf dieser Strecke nur verhältnismäßig wenige Ausdünnungen – das Fahrgastaufkommen bestand offensichtlich überwiegend aus „kriegswichtigen“ Arbeiterverkehren etc. In der Nachkriegszeit gab es fast sofort die Einführung von mehreren neuen Zügen, so dass bereits im Winter 1948/49 der Stand von 13 Zügen erreicht wurde, um diesen Wert schwankte die Zahl dann die nächsten Jahrzehnte.

In der Fahrplantabelle 411 des Sommerkursbuches 1951 sind die Nahverkehrszüge und ihre Lage gegenüber dem Fernverkehr auf der Strecke gut ersichtlich. Quelle: Amtliches Kursbuch Sommer 1951.

Allerdings führten jetzt und in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre fast alle Personenzüge nur noch die 3. Wagenklasse. Eine Bemerkenswerte Episode war in den 1950er-Jahren einigen Zeit ein Sonntägliches mit Nördlinger VT95 bespanntes Zugpaar, das hier schon ausführlich vorgestellt wurde. Immer wieder gab es in den 1960er- und 1970er-Jahren im Abschnitt Mertingen-Donauwörth einige Durchläufer von der Nebenbahn aus Wertingen bzw. Kurzleistungen zum Tausch der auf dieser Nebenbahn – die auch schon hier vorgestellt wurde – eingesetzten Fahrzeuge. Ab und zu gab es in den 1970er und 1980er-Jahren auch an einzelnen Wochentagen Durchläufe Donauwörth-Augsburg mit Schienenbussen und Akkutriebwagen  – vermutlich ebenfalls zur Anbindung der Fahrzeuge an die Heimatbetriebswerke. Noch 1970 waren die „normalen“ Nahverkehrszüge Donauwörth – Augsburg übrigens vollständig in der Hand von Altbauelloks – zum Einsatz kamen E17, E44 und E94! Erst Ende der 70er machten sich dann insbesondere Nürnberger E41 in diesen Diensten breit. Nach deren Abzug aus Nürnberg um 2000 kamen verstärkt Münchner 111er sowie vereinzelt 110er zum Einsatz. Ab Mitte der 2000er gab es auch zahlreiche Leistungen, die mit Münchner 425er gefahren wurden, weiterhin waren aber auch Silberlinggarnituren mit 111ern im Einsatz. Im Ersatzverkehr für die nicht rechtzeitig ausgelieferten Lirexe für den Fugger-Express gab es eine kurze Zeit umfangreiche Einsätze von Bügelfalten-110ern vor Silberlingwendezügen, die es sonst in dieser Region nicht so umfangreich gegeben hatte. Inzwischen regieren vollständig die 440er des Fugger-Express.

Um 1990 steht die Nürnberger 141 008 mit einem Nahverkehrszug nach Donauwörth Abfahrbereit auf Gleis 8 Nord des Augsburger Hbf. Foto: Markus Egger.

Ab etwa 1970 gab es einzelne Durchbindungen nach Nördlingen (diese dienten wohl überwiegend dem Wagentausch auf der Riesbahn) sowie im Schulverkehr nach Treuchtlingen und einzelner Züge nach München. In den 1980er-Jahren waren Nahverkehrsleistungen Donauwörth-Augsburg sogar in Langläufe wie Stuttgart-Nördlingen-Augsburg oder Aalen-Nördlingen-Augsburg-München eingebunden. Von etwa Mitte der 1960er-Jahre bis 1979 gab es auch die Omnibuslinie 9102 Augsburg-Donauwörth, auf der einige ehemalige Wochenend- und Tagesrandleistungen des Zugverkehrs angeboten wurde, recht etablieren konnte sich die ebenfalls hier bereits vorgestellte Linie nicht – zu viel war sie langsamer als der Zug.

Anfang der 90er-Jahre wurde der Nahverkehr weitgehend vertaktet, es verkehrte nun stündlich ein Zug Donauwörth-Augsburg, in der HVZ gab es sowohl Verdichtungen als auch zeitlich abweichende Lagen. 1995 und 1996 wurde dann ein erster Schwung von Nahverkehrszügen in die neue Stadtexpress-Linie Donauwörth-München integriert, die mit 111ern und nagelneuen Doppelstockwagen bedient wurde. Heute gibt es als Nahverkehrszüge Donauwörth-Augsburg nur noch W(Sa) in der HVZ eine stündliche Linie sowie einige Tagesrandleistungen – alle anderen Züge wurden in Durchläufer nach München integriert.

Am 14.2.2009 muss 110 322 einen nicht rechtzeitig abgelieferten Fugger-Express vertreten und trudelt hier mit RB 37032 Augsburg-Donauwörth und fast 10 Minuten Verspätung aus Augsburg kommend in Augsburg-Oberhausen ein. Foto: Markus Egger

Interessanterweise gab es auf der Strecke Donauwörth-Augsburg keine einzige Auflassung eines Reisezughaltes. Letzter hinzugekommener Personenzughalt war die Eröffnung des Haltepunktes Westendorf in den späten 1930er-Jahren!

In den nächsten Tagen möchte ich Euch dann nach und nach in jeweils einem Artikel mehrere Nahverkehrszüge im Detail vorstellen.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

– Wer hat Fotos von Nahverkehrszügen auf der Strecke

– Unterlagen zur Zugbildung aller Epochen

– Bespannungen (1970 liegt vor)

– Geschichten, Diskussionen, Berichte etc.

Stand: 8.2.2013

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