Nahverkehr Donauwörth-Augsburg 1935-2013 – Teil 2: Der Späte Morgen

Von Markus Egger

Link zu Teil 1 mit den Zügen die vor ca. 7 Uhr in Augsburg Hbf ankommen. 

Link zum Überblicksartikel

Mitte der 1950er-Jahre verdichtete die Bundesbahn den morgendlichen Pendlerverkehr nach Augsburg. Bis 1953 bestanden Ankunftsmöglichkeiten um 6:53 Uhr mit P 1104 und 7:16 Uhr mit P 1106. Dazwischen wurde nun werktags  ein neuer P 3816 Meitingen-Augsburg Hbf eingelgt, der somit nur den näheren Vorortbereich bediente. Die Halte Gablingen und Gersthofen ließ dieser Zug jedoch aus, Gersthofen hatte aber sogar auch schon der vorherige P 1104 ausgelassen. Für nicht ortskundige sei erwähnt, dass Gersthofen zwar damals noch nicht eine Stadt mit 20.000 Einwohner wie heute war, aber dennoch ein aufstrebender Industrieort mit etwa 9.000 Einwohnern, der 1950 zum Markt erhoben worden war. Bereits 1902 hatten die Farbwerke Hoechst in Gersthofen – jedoch bahnfern am Lech – ein Werk in Betrieb genommen, das später auch ein wichtiger Rüstungsbetrieb war und von 1945-1952 unter US-Verwaltung stand. Das alles sprach ja eigentlich für ein umfangreiches Verkehrsaufkommen – das Gegenteil war jedoch der Fall. Schon früh richteten die Stadtwerke Gersthofen Buslinien nach Augsburg und im Norden auf der B2 bahnparallel bis Langweid ein. Außerdem lag der Bahnhof Gersthofen nicht zentral im Ort. Deshalb wurde der Bahnhof Gersthofen bis etwa um 1990 von vielen Nahverkehrszügen ausgelassen.

Alle Tabellen: Datengrundlage verschiedene Kursbücher. Durch Klicken öffnet sich jeweils eine größere Version.

Zurück zu P 3816! Dieser verkehrte 1962 bereits nur noch an W(Sa), hielt aber nun zusätzlich auch in Gablingen, Zuglok war im Winter 1962/63 eine Augsburger E94. Ab Winter 1969/70 hatte er keine Gepäckbeförderung mehr. Die Zugnummer änderte sich über N 3813 und N 36263 zu N 5083 (nicht zu verwechseln mit dem N 5083 aus dem 1. Teil, der von 1982 bis 1993 verkehrte. Von 1973 an hält er schließlich auch in Gersthofen. In all den Jahren rutschte unser Zug auch immer etwas früher, so dass ab Winter 1977/78 die Ankunft in Augsburg bereits um 6:58 Uhr ist. Ab dem Winter 1978/79 wird der Zug dann sogar ab Mertingen Bahnhof rückverlängert, 1980 wird er gar als N 3105 nach München durchgebunden. Zum Sommer 1982 wird er dann nach Treuchtlingen rückverlängert und verkehrt als „echter“ Eilzug mit weniger Zwischenhalten – und wird ein ander mal separat vorgestellt werden. Ersatz für die Zwischenorte bietet der schon oben und im 1.Teil erwähnte „neue“ N 5083 Mertingen-Bahnhof-Augsburg mit Ankunft in der Fuggerstadt um 6:52 Uhr.

Bespannt wurde dieser Zug 1972, 1974 und 1975 von Augsburger E17, 1969 und 1970 waren es noch E44 gewesen.

1974 besteht der N 5083 aus 5 Silberlingen. Der Silberling mit Gepäckabteil läuft nicht an der Spitze sondern an Position, ist aber sowieso sicherlich noch ein „Hasenkasten“-Steuerwagen. Die Garnitur kommt leer aus Augsburg, Folgeleistung ist der nicht im Kursbuch veröffentlichte E 3051 Augsburg Hbf-München-Pasing, wer weiß was es mit dieser Leistung auf sich hat? Quelle Zp CR BD München, Winter 1974/75.

1977 ist dann eine Standardgarnitur aus BDyg und drei Silberlingen eingeplant, die Monatsg leer aus Augsburg, Di-Fr leer aus Donauwörth kommt. Die Garnitur verbleibt dann einige Stunden in Augsburg bis zur Rückleistung nach Nördlingen mit N 5018 im nachmittäglichen Berufsverkehr. Quelle: Zp CR BD München Winter 1977/78.

Während vor dem 2. Weltkrieg die letzte Ankunftszeit des morgendlichen Berufs- und Schülerverkehrs in Augsburg bereits um etwa 7:25 Uhr lag, etablierte sich nach dem Krieg bald auch nochmals eine Ankunft nach 7:30 Uhr. Bereits im Winter 1948/49 lässt sich ein neuer P 3814 Mertingen Bahnhof – Augsburg Hbf nachweisen. Bereits spätestens 1951 wurde dieser Zug unter der neuen Zugnummer P 1106 nach Donauwörth rückverlängert. Zunächst schwankte die Fahrzeit noch etwas – später war dann eine Ankunft in Augsburg wenige Minuten nach 7:30 Uhr wie in Stein gemeißelt – vermutlich war dies auch die ideale Zeit für den Schulbeginn an den Augsburger Schulen um 8 Uhr.

In all den vielen Jahren der 1970er und 1980er änderte sich an diesem Zug so gut wie gar nichts, ab 1974 hieß er lange Jahre N 5007. Ab und zu gab es Änderungen bei der Gepäck- und/oder Fahrradbeförderung ab 1987 führt er Samstags, ab 1990 immer nur noch die 2. Klasse.

1969 und 1970 war auch für diesen Zug eine E44 zuständig, später dann (z.B. 1974) eine E 17 – 1972 war noch keine E 17 zuständig.

N 5007 besteht Mo-Fr aus 9 Wagen (in den Schulferien sind es nur 8), Samstags sind es immerhin auch 8 Wagen. Der weitaus überwiegende Teil sind zumindest unter der Woche Umbauwagen. Mo-Fr in der Schulzeit sieht der Zug so aus: BDyg,AByg,2 Byg, Bn, BDyg, AByg, 2 Bn; Samstags sieht er so aus: BDyg, AByg, 2 Byg, ABn, 3 Bn.Die Garnitur wird in Donauwörth aus mehreren zusammengesetzt. Die ersten vier Wagen kamen am Vortag aus Günzburg bzw Sonntag Abend aus Nördlingen. Der Bn an Schultagen hatte in Wertingen an der Nebenbahn übernachtet und war mit N 6061 und N 5080 nach Donauwörth gekommen. Der zweite BDyg und sein Gefolge kamen mit Lr 34126 leer aus Augsburg.Quelle: Zp CR BD München 1974.

1977 besteht der N 5007 W(Sa) nur noch aus 7 Wagen, Samstags sind es zwar 8 Wagen, von denen aber 4 verschlossen leer mitgeführt werden. Quelle: Zp CR BD München Winter 1977/78.

Auch in den 1990ern war dieser Zug eine Konstante des Fahrplan, er rutschte nur ein paar Minuten früher. 1991 hat Klaus Ratzinger diesen Zug nach der Ankunft in Augsburg Hbf fotografiert und in diesem DSO-Artikel veröffentlicht (ziemlich nach unten scrollen): Zuglok war damals die Baureihe 150, auch die Wagengarnitur ist mit u.a. einem Drehfalttür-Bm-Abteilwagen für einen Schülerzug durchaus bemerkenswert. Ab 2005 wurde er dann als RB 21677 nach München durchgebunden und verkehrte Samstags nicht mehr.

Ab 2008 taucht dann in der Fahrlage der früheren RB 21677 wieder eine RB Donauwörth-Augsburg auf. Seit 2012 wird dieser Zug sogar durchgebunden aus Nördlingen angeboten. Er ist damit eine der wenigen Fugger-Express-Leistungen die von Nördlingen nach Augsburg durchgebunden sind. Ursprünglich waren ja vertaktete Durchbindungen geplant, die sich auf Grund eines fehlenden Zugdeckungssignales in Donauwörth bisher nicht realisieren ließen.

Weiter in der zeitlichen Abfolge des Fahrplans: 1957 taucht eine neue kurze Zugleistung im Fahrplan auf. P 3821 bedient morgens den kurzen Abschnitt Donauwörth – Mertingen Bahnhof. Er dient nicht – wie man zuerst meinen könnte – dem Fahrzeugtausch auf der Nebenbahn Mertingen-Wertingen – sondern ist eine Zuführung für einen in der Gegenrichtung notwendigen Schülerzug. Ab spätestens Winter 1969/70 wird dieser Zug auch durchgebunden als N aus Nördlingen ausgewiesen, vermutlich liefen auch vorher schon Lok und Zug durchgehend auf dieser Relation, allerdings mit Zugnummernwechsel. 1957 verkehrte der Zug zunächst werktäglich, 1962 bis 1974 nur noch W(Sa), dann wieder werktäglich. Für 1967 und 1970 ist die Bespannung mit Nördlinger 212 überliefert, ab 1972 war dann die Riesbahn elektrisch in Betrieb so dass wohl eine E-Lok für diese Leistung zum Einsatz kam.

N 5141 besteht 1974 wieder aus einer Standardgarnitur (BDyg, ABn, 2 Bn). Quelle: Zp CR BD München Winter 1974/75.

Von 1977 an gab es diesen Zug nur noch samstags in dieser Form, an Mo-Fr gab es dafür den neuen unten vorgestellten N 5061 Treuchtlingen – Mertingen Bahnhof. Im Winter 1980/81 verkehrte er letztmals und entfiel dann ersatzlos. Das war problemlos möglich, da 9 Minuten vor N 5141 noch N 5007 verkehrte.

Der samstägliche N 5141 Nördlingen-Mertingen besteht 1977 aus drei Silberlingen. Quelle: Zp CR BD München Winter 1977/78.

Als Ergänzung zum nur noch samstäglich verkehrenden N 5141 wurde ab Sommer 1977 N 5061 Treuchtlingen-Donauwörth an W(Sa) bis Mertingen Bahnhof durchgebunden. Gegenüber N 5141 verkehrte N 5061 einige Minuten früher. Diese Regelung gab es bis einschließlich Winterfahrplan 1979/80, danach gab es zwei Jahre lang keine enstsprechende Nahverkehrsleistung mehr.

Aus einzelnen Wagen zweier Nahverkehrszüge Ingolstadt-Treuchtlingen wird N 5061 in Treuchtlingen zusammengebastelt, so dass sich die Wagenfolge Bn, AByg, BDyg ergibt. Quelle: Zp CR BD München Winter 1977/78.

Von 1982 bis 1991 gab es wieder eine ähnliche Leistung morgens als Zubringer zum Schülerzug nach Donauwörth. Da dieser nun aber bereits ab Meitingen verkehrte fuhr auch der Zubringer dort hin. Um weiterhin die gleiche Rückkehr in Donauwörth bei diesem Zugpaar zu ermöglichen musste die Zuführungsfahrt Donauwörth-Meitingen etwas früher erfolgen und lag nun vor N 5007. Zwischen N 5007 und dem neuen N 5081 verkehrte sogar noch E 3107 Nördlingen-Augsburg; somit verließen Donauwörth hier innerhalb weniger Minuten um 6:43, 6:46 und 6:51 Uhr drei Züge Richtung Süden. Da E 3107 bis Meitingen nur in Mertingen Bf hielt wurde N 5081 die Aufgabe zu Teil ihm aus den anderen Zwischenhalten Fahrgäste zuzuliefern, Mertingen aber auszulassen, um die Zugfolge nicht zu gefährden. In Westendorf hielt weder E 3107 noch N 5081.

1984 tauschten E 3107 und N 5081 Halte: E 3107 hielt nun in Bäumenheim statt Mertingen, N 5081 umgekehrt. Ab 1987 führte N 5081 nur noch die 2.Wagenklasse, außerdem gab es nochmals Änderungen in der Haltepolitik: Da E 3107 nun in Bäumenheim, Mertingen und Nordendorf hielt, ließ N 5081 diese Orte aus und hielt dafür neu in Westendorf.

Ausriss aus der Tabelle 910 Nürnberg-Augsburg des Sommerfahrplans 1987. Gut zu sehen die interessante Aufgabenaufteilung zwischen E 3105, N 5081, E 3107 und N 5007. Quelle: Amtlicher Taschenfahrplan Schwaben/Allgäu Sommer 1987.

Da von 1991 an der morgendliche Schülerverkehr Richtung Donauwörth etwas anders organisiert wurde war die Zuführung einer Garnitur nach Meitingen hierfür nicht mehr notwendig und N 5081 entfiel zum Jahresfahrplan 1991/92. Einen Ersatz gab es nicht, bei dem dichten Fahrplanangebot aber auch kein Wunder.

Nur eine kurze Episode in der langen Geschichte der Nahverkehrszüge Donauwörth-Augsburg ist die als letztes in diesem Artikel vorzustellende RB 11857 (später: RB 37107). Ab 2005 verkehrte die schon oben vorgestellte RB 21677 nur noch W(Sa) statt Werktags. Als Ersatz an Samstagen sowie zusätzlich nun auch an Sonn- und Feiertagen gab es eine neue RB 11857 mit einer gegenüber RB 21677 etwa 20 Minuten früheren Lage. Diese RB verkehrte bis einschließlich 2008 und wurde dann in einen nach München durchlaufenden Fugger-Express umgewandelt.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

– Wer hat Fotos von Nahverkehrszügen auf der Strecke

– Unterlagen zur Zugbildung aller Epochen

– Bespannungen (zu den 1970ern liegt bereits vieles vor)

– Geschichten, Diskussionen, Berichte etc.

Stand: 19.2.2013

Dieser Beitrag wurde unter Fahrplan abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s