Nahverkehr Donauwörth-Augsburg 1935-2013 – Teil 3: Der Frühe Vormittag

Von Markus Egger

Link zu Teil 1 und Teil 2 sowie zum Überblicksartikel

Eine sehr kurze Episode im Fahrplan war ein Vorortzug Meitingen-Augsburg mit Ankunft in Augsburg gegen 8:30 Uhr. Er taucht nur im Winterfahrplan 1948/49 auf (49/50 gibt es ihn schon nicht mehr). Außerdem trägt er noch die Fußnote „verkehrt nur auf besondere Anordnung“, so dass noch nicht einmal klar ist, ob er überhaupt verkehrte. Aufgabe war vermutlich eine Art Vorzug zum nachfolgenden P 1106 zu sein, der etwa 20 Minuten später in Augsburg eintrifft.

Durch Klicken auf die Tabellen öffnet sich jeweils eine größere Version. Datengrundlage: Kursbücher verschiedener Fahrplanperioden.

Zeitlich gesehen nächster Zug ist der P 504, bei dem es sich wieder um eine sehr langlebige Fahrplanlage handelt. Er belegt in etwa die Fahrlage des vor der Elektrifizierung angebotenen P 713 Pleinfeld-Buchloe. 1935 führt der Zug nur die 3.Klasse, spätestens ab Winter 1937/38 dann 2. und 3. Klasse. Dieser Zug ist für viele Jahrzehnte das Einzige Vormittagsangebot für die Zwischenorte Richtung Augsburg. Während des 2. Weltkriegs rutscht der Zug etwas später und wird deutlich langsamer. Westendorf und Herbertshofen werden von ihm immer ausgelassen.

Auch im 1946er Nachkriegsfahrplan ist dieser Zug schon enthalten, er liegt sogar wieder etwas früher etwa in der Lage von vor dem Krieg, nennt sich nun aber P 1106, ab 1951 P 1108. Die Abfahrtszeit wird in den 1950ern wiederholt etwas früher gelegt, so dass der Zug schließlich dann bereits um kurz nach 8 Uhr in Augsburg Hbf ankommt. Im Sommer 1962 verkehrt er nur an W(Sa), jedoch gibt es am Wochenende einen Ersatz in einer etwas anderen Lage, 1966 verkehrt er wieder täglich. Im Winter 1969/70 ist er unter Zugnummerntausch sogar von Treuchtlingen durchgebunden. Ab 1970 verkehrt er nur noch Werktags, aber auch hier gibt es Sonn- und Feiertags Ersatz in einer etwas anderen Fahrlage. 1974 nennt er sich dann N 5013.

Auch N 5013 besteht aus der Standardgarnitur Mitte der 70er: BDyg, ABn, Bn, Bn. Quelle: ZpCR BD München Winter 1974/75.

1977 ist die Zugbildung nur wenig verändert, statt dem BDyg ist ein BDn im Zug, der Samstags allerdings fehlt. Für den Winter 75/76 ist als Zuglok die E17 überliefert, im Sommer 1970 waren es E44 gewesen, 1962/63 waren es noch E94 gewesen.

Vom Sommer 1975 bis zum Herbst 1980 hält N 5013 nicht in Gersthofen.

Nach einer Zugneunummerierung heißt der Zug ab 1985 N 5009, ab 1987 gibt es nur noch die 2. Klasse.

Mehr Veränderungen gibt es in den 1990ern zu vermelden. Ab 1995 verkehrt er Samstags nicht mehr, im Sommer 1996 wird er nach Treuchtlingen rückverlängert, ab Winterfahrplan 1996/97 verkehrt er dann sogar wieder täglich. Zum Jahresfahrplan 2005 wird er wieder auf W(Sa) reduziert, am Wochenende gibt es in seiner Fahrlage aber eine durchgehende RB nach München. Im Jahresfahrplan 2008 verkehrt er letztmals in der bisherigen Form um dann im das Fahrplankonzept des Fugger-Express integriert zu werden.

Der nächste hier vorzustellende Zug ist die Wochenendleistung, die ggf. den P 1108/N 5013 ergänzte, wenn dieser nicht täglich verkehrte. Erstmals war dies um 1962 notwendig. P 1130 wurde separat veröffentlicht, da am Wochenende in Mertingen Bf eine Überholung durch E 539 Nürnberg-Innsbruck notwendig war. 1966 verkehrte P 1108 wieder täglich so dass P 1130 entfallen konnte. Ab Sommer 1970 gab es wieder eine ähnliche Leistung: N 4110 ersetzte an Sonn- und Feiertagen N 4108. Der neue N 4110 verkehrte zeitlich gesehen zwischen den beiden werktäglichen N 4106 und N 4110 – dadurch ergab sich eine gleichmäßigere Verteilung der Abfahrten. Ab 1972 nannte sich dieser Zug N 36211, außerdem entfiel die Gepäckbeförderung.

Von 1974 an hieß der Zug N 5011 – er hatte immerhin 4 Wagen.

N 5011 führt 1974 noch einen Altbaupackwagen aus Umlaufgründen mit, eine Gepäckbeförderung gibt es laut Kursbuch dennoch nicht. Für die Fahrgäste stehen drei Silberlinge zur Verfügung. Die Garnitur übernachtete in Donauwörth und lief später als Nahverkehrszug nach Günzburg. Quelle: Zp CR BD München Winter 1974/75.

Nennenswerte Fahrplanänderungen gab es in den 1970ern nicht, letztmals verkehrte der Zug im Winterfahrplan 1979/80, zum Sommer 1980 entfiel er ersatzlos. 1977 wurde der Zug von einer dreiteiligen Silberlingwendezuggarnitur mit dem damals modernen Karlsruher Kopf gebildet.

Zum Jahresfahrplan 1995/96 wurde der bisherige E 4173 Donauwörth-Augsburg in einen Nahverkehrszug unter der Nummer RB 5011 umgewandelt. E 4173 hatte zwar für einen Eilzug auf dieser Strecke schon viele Nahverkehrshalte bedient, jedoch Bäumenheim, Westendorf und Gersthofen ausgelassen. Für diese Orte gab es damit ab 1995 eine Verdichtung im späten Berufsverkehr zum Arbeitsbeginn vor 9 Uhr in Augsburg. Bereits zum nächsten Fahrplan im Sommer 1996 wurde dieser Zug nach Treuchtlingen rückverlängert und nannte sich nun RB 4161. Der Zug führte jeweils nur 2.Klasse, vermutlich kam eine Silberlinggarnitur zum Einsatz. Ab 2005 verkehrte der Zug Samstags nicht mehr. Als 2009 der Fugger-Express eingeführt wurde begann der Zug wieder erst in Donauwörth um ins System zu passen. Der Zug ist nun Teil des in der HVZ angebotenen Verstärkerstundentaktes mit RB-Zügen Donauwörth-Augsburg. In dieser Form besteht der Zug noch 2013 als RB 57015.

In den 1930er-Jahren gab es zweitweise einen sonntäglichen Ausflugsverkehr mit einzelnen Zugpaaren Augsburg-Meitingen und zurück. Der jetzt hier vorzustellende sonntägliche P 3871 war auch zu Dampfzeiten schon gefahren worden, nach der Elektrifizierung 1935 lag er jedoch zeitlich etwas später mit einer Ankunft in Augsburg Hbf um 9:40 Uhr. Nachweisen kann ich den Zug derzeit nur im Sommer 1935 und im Sommer 1939, im Winter 1937/38 verkehrte er nicht. Entweder wurde der Zug nur im Sommer angeboten oder er war zwischenzeitlich entfallen. Endgültig entfallen sein dürfte er mit Kriegsbeginn, nach dem Krieg gab es ein ähnliches Angebot nie wieder.

Eine weitere Episode im Vormittagsfahrplan war ein nur im Winter 1976/77 angebotener frühvormittäglicher Durchläufer Donauwörth-Wertingen. Dieser N 6064 – vermutlich aus einem ETA 515 gebildet – diente wohl dem Fahrzeugtausch auf der Nebenbahn, der bisher etwa um diese Uhrzeit mittels Leerfahrten geschehen war Diese Angebotsverbesserung kam jedoch zur falschen Zeit. Zum Sommerfahrplan wurde der Fahrplan auf der Nebenbahn bis auf eineinhalb Alibizugpaare eingestellt, Betriebsschluss war um 8:27 Uhr morgens, unser N 6064 war damit nicht mehr nötig und entfiel wieder.

Der letzte Zug für diese Folge der Fahrplangeschichte(n) schließt quasi die Vormittagslücke mehr dürftig als recht. In den 1950er und 1960er-Jahren bestand im Nahverkehr von Donauwörth nach Augsburg Vormittags ein großes Fahrplanloch: Zwischen etwa 8:30 Uhr und kurz vor 12 Uhr konnte man nicht in Augsburg Hbf ankommen – heute absolut unvorstellbar, heute gibt es in dieser Zeit etwa 8 Abfahrten an den Regionalbahnstationen! Zum Winterfahrplan 1969/70 wurde dieses Loch halbwegs gestopft. Es wurde ein neues Zugpaar Augsburg-Meitingen-Augsburg eingerichtet, so dass zumindest für den Vorortbereich ein Angebot entstand.

N 3818 hielt überall außer in Gersthofen und erfuhr gerade in den ersten Jahren zahlreiche zeitliche Verschiebungen bis offensichtlich die richtige Fahrlage gefunden war. Dabei geriet er auch immer etwas früher bis er in die „Verkäuferinnenfahrlage“ mit einer Ankunft vor 9 Uhr in Augsburg gekommen war. Zuglok war im Sommer 1970 eine Augsburger E44, bei Augsburger E17-Laufplänen konnte ich den Zug bisher nicht entdecken. Auch der Wagensatz war 1974 interessant: Es ist eines von nur noch zwei Nahverkehrszugpaaren auf dieser Strecke, bei dem noch Altbauwagen zum Einsatz kommen, neben zwei By (die Samstags fehlen) sind noch drei Umbauwagen im Zug. 1977 sind es 4 Silberlinge, Montags sogar 5.

Die Garnitur von N 5085 kommt aus dem Gegenzug N 5082 Augsburg-Meitingen. Mo-Fr geht sie danach in N 4064 Augsburg-Ulm, Samstags wird sie abgestellt und kommt erst am Sonntag mit N 5623 Augsburg-Weilheim wieder zum Einsatz. Quelle: ZpCR BD München Winter 1974/1975.

In den wenigen Jahren von 1974 bis 1977 ist die Garnitur grundlegend erneuert worden und besteht nun vollständig aus Silberlingen. Quelle: Zp CR BD München Winter 1977/78.

Die weiteren Jahre sind sehr von Kontinuität geprägt. 1981 kehrt die Fahrradbeförderung, später sogar die Gepäckbeförderung im Zug ein.

Ab Sommer 1987 gibt es nur noch die 2.Klasse im Zug. Irgendwo aus dieser Zeit gibt es eine Erinnerung aus meiner Kindheit an einen in Augsburg Hbf vormittags ankommenden Nahverkehrszug aus Meitingen der nur aus einer 111 und einem 2.-Klass-Silberling bestand – zeitlich kommt eigentlich nur dieser Zug in Frage. Spielt mir hier meine Erinnerung einen Streich, oder kann jemand die Zugbildung bestätigen?

Zum Jahresfahrplan 1991/92 wurde unser Zug dann nach Donauwörth rückverlängert und etwa 90 Minuten später gelegt, entfiel dafür aber Samstags. Neu war auch der Halt in Gersthofen. Doch bereits ein Jahr später verkehrte er wieder fast 40 Minuten früher, zum Sommer 1996 war die Ankunft in Augsburg wieder gegen 9 Uhr fast wie früher.

Ab Winter 1996/97 verkehrt RB 5013 dann sogar täglich. Mehr oder weniger unverändert fährt der Zug bis 2008 bis auch er ab 2009 in einen nach München durchgebundenen Fugger-Express umgewandelt wird.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

– Wer hat Fotos von Nahverkehrszügen auf der Strecke

– Unterlagen zur Zugbildung aller Epochen

– Bespannungen (zu den 1970ern liegt bereits vieles vor)

– Geschichten, Diskussionen, Berichte etc.

Stand: 26.2.2013

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