Nahverkehr Donauwörth-Augsburg 1935-2013 – Teil 5: Nachmittag

Von Markus Egger

Link zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4 sowie zum Überblicksartikel

Die nächste hier vorzustellende Leistung ist wieder eine fest etablierte Größe über mehrere Jahrzehnte. Sie geht beim großen Fahrplanwechsel im Zuge der Elektrifizierung 1935 aus dem ehemaligen P 717 Nördlingen – Augsburg – Memmingen hervor. In der selben Fahrlage verkehrt im Abschnitt Donauwörth-Augsburg nun der P 510. Er wird aus einem ET85 gebildet und hält nicht in Westendorf und Herbertshofen. Dieser Fahrplan gilt praktisch unverändert bis zum Kriegsausbruch 1939. In den Kriegsjahren fährt der Zug immer noch, ist nun aber lokbespannt mit 2. und 3. Klasse und hält zusätzlich in Westendorf. Die Fahrzeit verlängert sich aber um etwa 15 Minuten bis 1941 und nochmals um weitere 10 Minuten bis 1944. Im Letzten Kriegsfahrplan 1944/45 wird dann auch in Herbertshofen gehalten. Im ersten Nachkriegsfahrplan 1946 fehlt der Zug zunächst noch, spätestens im Winter 1948/49 ist er aber wieder unterwegs, jetzt als P 1110 und etwa 20 Minuten später.  Die Zugnummer ändert sich in den nächsten Jahren auch noch mehrmals, ab 1951 heißt er P 1112, ab 1957 P 1114, ab diesem Zeitpunkt ist er auch wieder etwas beschleunigt und wieder fast so schnell wie vor dem Krieg. Ab Sommer 1966 verkehrt er nur noch Werktags, an Sonntagen verkehrt nun ein Bahnbus der neuen Linie Donauwörth-Augsburg.

Durch Klicken auf die Tabellen öffnet sich jeweils eine größere Version. Datengrundlage: Kursbücher verschiedener Fahrplanperioden.

In den 1970er-Jahren rutschte der Zug wieder etwas früher und verkehrte wieder in der Vorkriegsfahrlage. Zuglok ist bereits 1962 aber auch noch 1970 eine Augsburger E17, 1974 ist der Zug dann eine der ganz wenigen auf dieser Strecke bereits mit 141 – damals des Bw München – bespannten Leistungen. Im Winter 1975/76 ist wieder eine E17 zuständig. Ab Sommer 1973 hält er nicht mehr in Gersthofen. Zum Sommer 1974 erhält er die ihn nun langjährig verfolgende Zugnummer 5019 und die Gepäckbeförderung entfällt. Ab Winter 1977/78 wird diese wieder aufgenommen. Gebildet wird N 5019 im Winter 1974/75 aus einer vierteiligen Silberling-Wendezuggarnitur, im Winter 1977/78 ist W(Sa) nun statt dem BDnf mit Führerstand ein BDn mit ausgebautem Führerstand im Zug, Samstags sind es sogar 5 Wagen: ABn+ 3 Bn+ Dy.

Ein klassischer Silberlingwendezug mit einer E41 ist unser Zug 1974. Quelle: ZpCR BD München Winter 1974/75.

Im Sommer 1979 entfallen für eine Fahrplanperiode die Verkehrshalte in Nordendorf und Westendorf. Zum Winter 1979/80 wird unser Zug dann mit einem Eilzug Stuttgart-Donauwörth zum neuen E/N 3195 Stuttgart-Nördlingen-Augsburg durchgebunden. Auch dieser hält im Abschnitt Donauwörth-Augsburg überall außer in Gersthofen, die Halte Nordendorf und Westendorf werden also wieder aufgenommen. Im Sommer 1984 wird der Zug sogar eine Periode lang nach München durchgebunden. Ab Winter 1985/86 trägt er je nach Wochentag einige Zeit lang die Doppelzugnummer N 3195/N 3295, im Abschnitt Donauwörth-Augsburg gibt es jedoch keine Unterschiede zwischen diesen beiden Zügen.

Für den Sommer 1990 kann ich die Bespannung mit Stuttgarter 110 nachweisen, die aber sicherlich bereits früher auf diesem Zug liefen. Ab Sommer 1989 beginnt der Zuglauf erst in Aalen, und ist dafür auf der ganzen Strecke nun formell ein Eilzug, obwohl sich an der Haltepolitik nichts ändert. Nach Ankunft in Augsburg stellt die Lok die Zuggarnitur im Bahnhofsteil Augsburg-Süd ab (Reisezugwagenanlage), später fährt die Lok mit E 3108 nach Nördlingen. Ab 1991 heißt der Zug N 3179 und verkehrt nur noch Werktags; Grund dürfte sein, dass es nun eine Stunde später ab Donauwörth den täglichen E 3143 Donauwörth-Augsburg mit Halt an allen Unterwegsstationen gibt. 1992/93 ist er nun der E 3179 und hält dafür aber nun auch in Gersthofen;). Ab Winter 1994/95 verkehrt er wieder täglich, da der folgende N 5021 jetzt nur noch Werktags verkehrt. Zum Jahresfahrplan 1995/96 wird der Zug in einen „echten“ Eilzug umgewandelt, der nicht mehr abschnittsweise überall hält und fällt damit aus dem Betrachtungsbereich dieses Artikels.

Zum Jahresfahrplan 1991/92 verdichtete die Bundesbahn den Nahverkehr auf der Strecke. Neu war nun ein zumindest W(Sa) fast lupenreiner Stundentakt mit Nahverkehrszügen Donauwörth-Augsburg. Hierfür wurde neu der tägliche E 3143 Donauwörth-Augsburg eingeführt, der die „Metropole Nordschwabens“ um 14:46 verließ. Interessanterweise hielt E 3143 an allen Unterwegsstationen und war auch nicht auf eine andere Strecke durchgebunden, die Einstufung als Eilzug ist daher ziemlich kurios. Vielleicht war im Fahrplanentwurf zunächst eine beschleunigte Führung dieses Zuges vorgesehen? Bereits im Folgejahr nannte sich der Zug nämlich N 5021. Ab dem Jahresfahrplan 1993/94 verkehrte N 5021 nur noch Werktags, nochmals zwei Jahre später ab 1995/96 gar nur noch Werktag außer Samstags, vom Sommer 1996 an dann sogar aber wieder täglich. Mittlerweile war die Fahrlage auch um 30 Minuten vorverlegt worden und der Zug nannte sich RB 5023. Dann kehrten bis 2008 beständige Jahre ohne große Änderungen ein. 2009 wurde der Zug in einen Fugger-Express Donauwörth-München umgewandelt.

Eine eher kuriose Zugleistung für diese Hauptstrecke gab es im Winter 1972/73 und im Sommer 1973. Damals verkehrte Nachmittags ein N 36267 mit dem immerhin 2 km langen Zuglauf Augsburg-Oberhausen – Augsburg Hbf. Gebildet wurde der Zug von einem vierteiligen Gespann aus 795, 995, 995 und 795! Die Garnitur kam leer nach Augsburg-Oberhausen, nachdem sie seit dem Morgen im Bw gestanden hatte. Nach Ankunft in Augsburg Hbf ging es nach kurzem Aufenthalt weiterhin vierteilig weiter mit N 36060 nach Welden. Tatsächlich gab es in dieser Zeit von Augsburg-Oberhausen nach Augsburg Hbf eine Fahrplanlücke, die aber wohl eher nicht Grund für den Zug war, denn auf dieser Strecke verkehrt immerhin auch die Augsburger Straßenbahn. Ich vermute, dass es sich bei dem Zug um eine veröffentlichten Dienstpendel für die Mitarbeiter des Gleisbauhofes Augsburg-Oberhausen handelte.

Vom Sommer 1980 an gab es in der nachmittäglichen Bedienungslücke ein neues Angebot mit N 5423 Nördlingen-Augsburg. Dieser W(Sa) verkehrende Zug ließ die Halte Bäumenheim, Westendorf, Herbertshofen, Langweid und Gersthofen aus, war also eigentlich viel mehr ein Eilzug als manch anderer Zug, verkehrte aber dennoch als Nahverkehrszug. Ab 1981 hieß der Zug – bis er 1984 wieder aus dem Fahrplan verschwand –  N 5153. Vermutlich diente dieser Zug in erster Linie dem Tausch des auf der Strecke Nördlingen-Donauwörth eingesetzten Materials.

Der Entfall von N 5153 hinterließ am Nachmittag eine größere Lücke, von 14:21 Uhr bis 17:06 Uhr gab es nun keine Ankunft eines Nahverkehrszuges in Augsburg Hbf mehr. Nach einem Jahr wurde deshalb diese Lücke wieder durch den neuen N 5021 geschlossen. Dieser ebenfalls W(Sa) verkehrende Zug hielt überall außer in Gersthofen. Fahrplanänderungen gab es in den 1980ern praktisch keine. Ab 1991 hielt der Zug auch in Gersthofen, von 1992 an verkehrte er nun Werktags und war an W(Sa) ab Treuchtlingen aus Umlaufgründen rückverlängert. Formell war er nun E 4175, hielt aber weiterhin an allen Stationen. Im Jahresfahrplan 1995/96 entfiel die Samstagsbedienung zugunsten der 30 Minuten später verkehrenden  RB 5027, die statt W(Sa) nun täglich verkehrte. Im Sommer 1996 wurde dieser Zug in einen SE Donauwörth-München umgewandelt.

Mit Einführung des Fugger-Express 2009 entstand in etwa dieser Fahrlage wieder ein neuer Zug des nur in der W(Sa) in der HVZ ergänzend angebotenen Stundentaktes mit Regionalbahnen Donauwörth-Augsburg. RB 37071 (heute RB 57071) ist die erste dieser Leistungen Nachmittags und wird aus einem ET 440 gebildet. Auch 2013 ist dieser Zug im Angebot.

Ab 1935 wurde erstmals auch im nachmittäglichen Berufsverkehr Donauwörth-Augsburg ein durchgehender Personenzug angeboten, bisher war in dieser Lage nur ein Vorortzug Meitingen-Augsburg gefahren. Der neue P 514 wurde aus einem ET85 gebildet und hielt nicht in Westendorf und Herbertshofen. Im Winter 1937/38 verkehrte er etwa 30 Minuten früher. Der Zug wurde auch in den Kriegsjahren durchgehend angeboten, allerdings wurde er in dieser Zeit erheblich langsamer. Ab spätestens dem Jahresfahrplan 1943/44 scheint er auf eine lokbespannte Garnitur umgestellt worden zu sein. Auch im ersten Nachkriegsfahrplan 1946 war er im Angebot, hieß nun aber P 1112. In den 1950er-Jahren verließ er Donauwörth stets bereits gegen 16 Uhr. Ab ca. dem Winter 1969/70 verkehrte er nur noch W(Sa) statt täglich.

Zum Winterfahrplan 1970/71 wurde er etwa 20 Minuten später gelegt und hatte nun seine Fahrplanlage für die ganzen 1970er-Jahre gefunden. Vom Winter 1973/74 an entfiel dann bis 1979 die Gepäckbeförderung. Zuglok war 1962, 1970 und 1972 eine Augsburger E17.

Im Winter 1974/75 kamen vier Silberlinge ohne Steuerwagen zum Einsatz.

1977/78 waren es sogar 5 Silberlinge, davon nun ein Steuerwagen mit Karlsruher Kopf. Quelle: ZpCR BD München Winter 1977/78.

Von 1983 an verkehrte der Zug etwa 10 Minuten später und ließ nun den Bahnhof Gersthofen aus, sonst waren auch die 1980er-Jahre sehr konstant.

Ab 1991 hielt auch N 5023 wieder in Gersthofen, vom Jahresfahrplan 1995/96 an verkehrte der nun RB 5027 genannte Zug täglich.

Mit Ausnahme der Jahresfahrplanes 2007 führte der Zug seit 1987 nur die 2. Wagenklasse. 2009 wurde auch er in einen Fugger-Express Donauwörth-München umgewandelt.

Eine interessante Zugleistung ist wieder der in den 1960ern angebotene P 12245 Donauwörth-Mertingen. Mit diesem Zug wurde wiederum eine Garnitur der Nebenbahn Mertingen-Wertingen zugeführt, diesmal aber nicht die Stammtriebwagengarnitur sondern die Lok für den Güterzug die außerdem ein Zugpaar zur Verdichtung im Berufsverkehr im Personenverkehr aushalf. Eine V100.20 des Bw Nördlingen traf Nachmittags in Donauwörth aus Nördlingen kommend mit einem Personenzug ein, anschließend bespannte sie den P 12245, den seine Zugnummer eigentlich als Leerzug zum P 2245 Mertingen-Wertingen ausweist. In den 1970ern bestand dieser lokbespannte Leistung auf der Nebenbahn aus einem einzelnen 2.Klasse-Silberling, was kam wohl in den 1960ern zum Einsatz? Nach Ankunft in Mertingen gab es eine Stunde lang wohl Rangiergeschäft, bevor es als P 2245 nach Wertingen ging. Später am Abend ging es dann mit den Güterwagen der Strecke als GmP nach Donauwörth zurück (Personenbeförderung diesmal nur bis Mertingen).

Ebenfalls eher kurios ist aus heutiger Sicht der von 1970-1980 angebotene Nahverkehrszug gegen 17 Uhr von Meitingen nach Augsburg. Hierbei handelt es sich um die Rückführung eines Berufsverkehrszuges Augsburg-Meitingen. Interessanterweise wurde dieses Zugpaar die ganze Zeit von einer 6-teiligen Schienenbuseinheit 798+998+998+998+998+798 gebildet. Das ist auf einer Schnellfahrstrecke, auf der Ende der 1970er schon mehrere Züge 200km/h fuhren doch bemerkenswert. Um nicht ein gar zu großes Betriebshindernis zu sein wurden auf der Rückfahrt in Gegenlastrichtung viele Halte (Herbertshofen, Langweid, Gersthofen) ausgelassen, im Winter 1974/75 fand die Fahrt als Leerfahrt statt. Von 1973 bis 1976 und wieder ab 1979 entfiel sogar der Halt in Gablingen, der Zug hatte auf seinem Laufweg von Meitingen bis Augsburg Hbf also nur noch den Zwischenhalt Augsburg-Oberhausen. Nach ihrem Ausflug auf die Hauptstrecke dieselte die 6-teilige Garnitur übrigens nach Markt Wald, wo eine Garnitur sofort in die Übernachtung ging, die andere vorher noch einmal nach Gessertshausen und zurück pendelte.

Der nächste Zug ist wieder neueren Ursprungs. Im Zuge der Taktverdichtung bei Einführung des Fugger-Express entstand 2009 die RB 37073, die zum HVZ-Verstärkertakt Donauwörth-Augsburg gehört.

P.S.: Von einigen der vorgestellten Züge zeigt Klaus Ratzinger in diesem DSO-Artikel schöne Fotos mit E17.

Vielen Dank an DSO-User OZL-Lokd. für die zahlreichen Umlaufpläne, ohne die der Artikel recht trocken wäre!

Stand: 10.3.2013

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