1905: Magerer Nord-Süd-Fernverkehr in Augsburg

Von Markus Egger

Um die Jahrhundertwende gab es schon mal eine längere Zeit in der sich Augsburg – was den Nord-Süd-Fernverkehr betraf – in einer ziemlichen ungünstigen Lage befunden hatte. Obwohl Augsburg sehr früh bereits ab 1847 mit der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn von einer großen Nord-Süd-Achse erschlossen worden war geriet es später ins Verkehrsabseits. Die Ludwigs-Süd-Nord-Bahn führte ja ab Donauwörth einen großen Umweg über Nördlingen und Gunzenhausen nach Nürnberg. Als 1870 schließlich der Lückenschluss im Altmühltal zwischen Ingolstadt und Treuchtlingen gelang gab es zwei Möglichkeiten um von München nach Nürnberg zu gelangen: Einmal über Ingolstadt und Treuchtlingen den 198km langen direkten Weg, oder den 231km langen Umweg über Augsburg-Nördlingen. In der Folge wurden praktisch alle Fernverbindungen von München in den Norden über Ingolstadt gelegt. Erst der Neubau der Direktverbindung Donauwörth-Treuchtlingen 1906 machte den Weg über Augsburg wieder attraktiv, so dass es ab 1906 auch wieder Interantionalen und Bedeutenden Nationalen Fernverkehr in Nord-Süd-Richtung in Augsburg gab.

Link zu einer Animation die die Entwicklung des Bahnnetzes in dieser Region von 1835 bis 1870 zeigt.

1905 war der Fernverkehr der Augsburg auf der Strecke von Norden aus Richtung Donauwörth erreichte auf magere drei Zugpaare zusammengeschrumpft, eines davon sogar nur ein Eilzugpaar, das abschnittsweise auf allen Unterwegsstationen hielt. Diese Zugpaare dienten in erster Linie als Kurswagenträger für die wenigen verbliebenen Fernverbindungen und als regionaler beschleunigter Verkehr zur Anbindung von Nördlingen und Donauwörth. Alle drei Zugpaare waren im Norden in Pleinfeld und im Süden in Buchloe an das überregionale Fernverkehrsnetz angebunden, nur mit Kurswagen konnte man über diese Orte hinaus umsteigefrei reisen.

Der erste Fernverkehrszug des Tages ab Pleinfeld war der Schnellzug 179, da der Zug wie auch die anderen auf dieser Strecke nicht als D-Zug klassifiziert war führte er also noch nicht die damals hochmodernen Durchgangswagen. S 179 verließ Pleinfeld um 5:08 Uhr morgens und übernahm Kurswagen vom E 266 Nürnberg-München, der über Ingolstadt verkehrte. Es verkehrten Kurswagen 1., 2. und 3. Klasse Dresden-Lindau, die eine Reisemöglichkeit über Nacht aus dem sächischen Raum ins Schwäbische und ins Allgäu boten sowie Kurswagen Nürnberg-Stuttgart, die eine Tagesrandverbindung auf dieser Strecke boten und in Nördlingen auf einen Zug nach Stuttgart umgestellt wurden. S 179 verkehrte relativ flott auf der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn und hielt außer in den großen Knotenbahnhöfen nur in Oettingen, Bobingen und Schwabmünchen. In Buchloe, das um 8:28 Uhr erreicht wurde, bestand Anschluss an S 30 München-Zürich-Mailand und Kurswagenübergang auf S 82 München-Lindau. Beide Züge verkehrten über Kempten, S 30 hielt jedoch zwischen Buchloe und Lindau nur in Kempten, S 82 auch in Kaufbeuren, Günzach, Immenstadt, Oberstaufen, Röthenbach und Hergatz.

Danach verkehrte 12 Stunden lang kein beschleunigter Zug ab Pleinfeld. Erst Nachmittags gegen 17 Uhr verließ mit E 181 nach Augsburg wieder ein höherwertiger Zug Pleinfeld Richtung Nördlingen-Augsburg. E 181 hielt jedoch bis Nördlingen auf allen Unterwegsstationen, ab dort hielt er aber nur noch in Donauwörth und endete bereits in Augsburg Hbf. Der Zug führte Tageskurswagen Dresden-Augsburg, die mit S 112 Bamberg-Nürnberg-Ingolstadt-München dorthin gelang waren. Von Dresden aus waren somit sogar Orte wie Dürrenzimmern oder Unterschwaningen umsteigefrei erreichbar!

Gut zwei Stunden nach E 181 verließ S 183 Pleinfeld. Dieser diente vor allem der Überführung der Kurswagen Nürnberg-Zürich von Pleinfeld bis Buchloe. Bis Pleinfeld waren diese im S 104 aus Richtung Berlin gelaufen, in Buchloe wurden sie an S 126 München-Zürich übergeben. Da in Tagesrandlage verkehrend bediente S 183 neben den großen Knoten auch einige kleinere Halte wie Ramsberg, Langlau, Wassertrüdingen, Oettingen, Bobingen und Schwabmünchen.

In der Gegenrichtung begann das Betriebsprogramm morgens gegen 6 Uhr in Buchloe mit S 180. Dieser übernahm die Nachtkurswagen Zürich-Nürnberg aus S 125 Zürich-München. Außerdem waren Tageskurswagen Buchloe-Dresden mit im Zug, das ist der Gegenlauf zu Dresden-Augsburg, für den Rückweg war dieser Wagen wohl mit einem Personenzug oder leer von Augsburg nach Buchloe überführt worden. S 180 bediente neben den Knoten nur Oettingen und Wassertrüdingen, hatte also nur wenige Zwischenhalte. In Pleinfeld gingen die Kurswagen auf E 219 München-Bamberg über.

Auch in diese Richtung folgte nach dem Morgenzug eine große Lücke – hier bis etwa 16 Uhr. Um 16:15 Uhr verließ S 182 Buchloe Richtung Pleinfeld – er war der einzige der 6 Züge auf dieser Relation der keine Kurswagen führte. Immerhin hatte er aber in Buchloe Anschluss von S 83 Genf – München und in Pleinfeld Anschluss an S 105 München-Bamberg. S 182 hielt neben den Knotenbahnhöfen auch in Schwabmünchen, Bobingen, Oettingen, Wassertrüdingen, Langlau und Ramsberg.

Letzter Zug des Tages in diese Richtung war E 184, der Augsburg Hbf um 20:00 verließ. Er hatte in Augsburg Anschluss von P 724 Buchloe-Augsburg, der ihm auch die Nachtkurswagen Lindau-Dresden mitbrachte. In Nördlingen stießen noch die Tagesrandkurswagen Stuttgart-Nürnberg hinzu. E 184 hielt bis Nördlingen nur in Mertingen Bahnhof und Donauwörth, ab Nördlingen hielt er überall. In Pleinfeld gingen die Kurswagen auf S 25 München-Berlin (über Reichenbach) über.

1905 dürften die 14 Lokomotiven der Baureihe B X der Betriebswerkstätte Augsburg den Schnellzugdienst auf dieser Strecke geleistet haben, das sind 90 km/h schnelle 1’B n2v Schnellzuglokmotiven der Baujahre 1889-1891, die 1902 nach Augsburg gekommen waren, um auf dieser Strecke die schwäscheren B IX abzulösen. Nach Erhart „Eisenbahnknoten Augsburg“, München 2000, waren folgende B X 1904 in Augsburg stationiert: „Metz“, „Breslau“, „Hamburg“, „Bremen“, „Stralsund“, „Königsberg“, „Spandau“, „Posen“, „Danzig“, „Stettin“, „Hannover“, „Braunschweig“, „Düsseldorf“ und „Heidelberg“. Einige Geschichten zu den oben vorgestellten Zügen aus ganz alten Eisenbahnzeiten mit Erlebnissen der Lokführer sind im lesenswerten Artikel zur Baureihe B X im „Bayern-Report“ Band 6, der 1996 im Verlag des Eisenbahn-Journals erschienen war, heute aber nur noch antiquarisch oder als CD-ROM Version bei der Verlagsgruppe Bahn erhältlich ist.

Ein Jahr später wurde wie bereits erwähnt die Neubaustrecke Donauwörth-Treuchtlingen eröffnet, die die Strecke Augsburg-Nürnberg erheblich abkürzte und zu einer deutlichen Belebung des Fernverkehrs in Richtung Norden in Augsburg führte. Jetzt waren die leidtragenden die Riesbewohner, denen jetzt nur noch einige becshleunigte Personenzüge Nördlingen-Pleinfeld blieben, die in Pleinfeld an den Fernverkehr anschlossen.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Kursbücher der betrofennen Strecke zwischen 1870 und 1905

Stand: 24.3.2013

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