Wurzeln des Vorarlberg-Express: Zwischen den Kriegen als Kurswagen aus den Niederlanden

Von Markus Egger

Bereits vor einiger Zeit wurden hier die ganz frühen Wurzeln des späteren „Vorarlberg-Express“ als Direktverbindung aus Westdeutschland und den Niederlanden an den Bodensee und nach Vorarlberg vorgestellt. Vor dem 1. Weltkrieg waren dies Kurswagen die wechselnden Zügen Karlsruhe/Stuttgart – Friedrichshafen Hafen mitgegeben wurden.

Im 1. Weltkrieg kam dieser Verkehr zum Erliegen, ich kann aber zumindest bereits wieder für 1921 und 1922 aus Anschlussspalten und Kurswagenhinweisen rekonstruieren, dass es Anfang der 1920er-Jahre wieder ein ähnliches Konstrukt wie vor dem 1. Weltkrieg gegeben haben muss – jetzt sogar mit Kurswagen Amsterdam bzw. Rotterdam – Innsbruck und Stuttgart – Innsbruck, vorher hatte es nur Amsterdam – Friedrichshafen und Stuttgart – Innsbruck gegeben. Die Kurswagen passierten gegen 13 Uhr (also wie vor dem Krieg) südwärts und gegen 17 Uhr nordwärts Friedrichshafen. Näheres lässt sich nicht ermitteln, da ich bisher für diese Zeit nur Bayerische Kursbücher einsehen konnte.

Zu 1925 liegen dann wieder genauere Angaben vor. Auf der Südbahn gab es damals das D-Zug-Paar 108/107 Ulm – Friedrichshafen Hafen, das insbesondere dem Transport von Kurswagen diente.

Datengrundlage: Reichs-Kursbuch. Ausgabe Nr. 3, Juli 1925. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Die Kurswagen 1. 2. und 3. Klasse aus den Niederlanden kamen nun gar aus Vlissingen um dort Schiffsanschluss aus England herzustellen und verkehrten weiterhin bis Innsbruck. Kurswagen 3. Klasse verkehrten Stuttgart – Innsbruck, diese wurden gemeinsam in Friedrichshafen Stadt umgestellt. Der Stammzug verkehrte (in der Vor- und Nachsaison) zusammen mit Kurswagen 1.2.3. Klasse aus Berlin weiter zum Hafenbahnhof und hatte dort Schiffsanschluss in die Schweiz. Neu ist 1925 auch nordwärts der Halt in Meckenbeuren. Ungewöhnlich ist, dass dieser D 108/107 die gleiche Zugnummer trägt wie sein Stammzug D 108/107 Vlissingen – München, beide trennen sich in Ulm Hbf.

1927 waren die Kurswagen aus den Niederlanden exklusiv der 1. und 2. Wagenklasse vorbehalten. In der Hauptsaison liefen die Berliner Kurswagen 1927 wohl aus Lastgründen in einem separaten Zug bereits früher zum Bodensee.

Auf der Südbahn nimmt D 108/107 alle wichtigen Zwischenhalte mit, sogar den damals hochtrabend „Laupheim Hbf“ genannten heutigen Westbahnhof von Laupheim. Quelle: Reichs-Kursbuch Sommer 1927.

Bis zum Winter 1929/30 hatte sich einiges verändert. Das Zugpaar nannte sich nun D 208/207 und war damit eindeutig vom immer noch D 108/107 genannten Stammzug zu unterscheiden, die Fahrlage war aber bis auf minimale Minutenabweichungen identisch. Die Kurswagen aus Vlissingen führen nun wieder alle 3 Klassen, der Berliner Kurswagen ist nun ein Schlafwagen. Neu sind auch Kurswagen Mannheim-Innsbruck 3.Klasse. Zwischen Lindau und Ulm bzw. in der Gegenrichtung gar Innsbruck und Ulm gab es nun einen Speisewagen auf dieser Verbindung.

Datengrundlage: Hendschels Telegraph, Große Ausgabe, Winter 1929/30. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

1934 nannte sich das Zugpaar nun D 408/407. Außerdem konnten deutliche Beschleunigungen erzielt werden, in Ulm fuhr man schon zweieinhalb Stunden früher ab, und auch im Abschnitt bis zum Bodensee konnte noch eine halbe Stunde eingespart werden. Die Halte Laupheim Hbf und Aulendorf waren inzwischen entfallen. Leider liegen mir für 1934 keine Informationen zu den Kurswagen vor, es gibt aber keine Hinweise, dass die Direktverbindung aus den Niederlanden nach Vorarlberg nicht mehr angeboten würde.

Im Sommer 1935 war es wieder etwas komplizierter. Zwar gab es im Fahrplan weiterhin den D 408/407 – der nordwärts fahrende D 407 verkehrte jedoch nur noch in der Hochsaison, in der Nebensaison wurden die sonst im D 407 beförderten Kurswagen dem etwa 2 Stunden früher verkehrenden D 137 mitgegeben, der sonst der Beförderung der Stuttgarter und Berliner Kurswagen diente. Unsere Kurswagen aus den Niederlanden kamen nun aus Rotterdam statt Vlissingen und verkehrten nur in der Hochsaison weiter nach Innsbruck, sonst nur bis Friedrichshafen.

Die Rotterdamer Kurswagen verkehrten übrigens stets über Kleve in die Niederlande – auch das ein heute nicht mehr vorstellbarer Weg… Quelle: Amtliches Kursbuch für das Reich, Sommer 1935.

Auch in der jewieligen Wintersaison verkehrte das Zugpaar und die Kurswagen aus den Niederlanden. Beispielhaft sei hier der Winterafhrplan 1937/38 vorgestellt. An der prinzipiellen Fahrplanregelung hatte sich bis dahin nichts geändert.

Auch im Winter verkehrte D 407 nur in der Hochsaison. Quelle: Deutsches Kursbuch Winter 1937/38.

Nach dem Anschluss Österreichs war D 408/407 bis spätestens zum Sommer 1939 bis nach Innsbruck durchgebunden worden, die Kurswagen aus den Niederlanden verkehrten auf dem Rückweg sogar ab Salzburg. Im Abschnitt Ulm – Lindau verkehrte D 408/407 nun ganzjährig, dafür verkehrte D 408 im Abschnitt Lindau – Innsbruck nur in der Hochsaison.

Etwas verwirrend in den Kursbuchangaben ist, dass sowhl D 208 als auch D 408 in der Hochsaison Kurswagen Rotterdam – Innsbruck führen sollen, die jewiles mit dem D 108 nach Ulm kommen, vermutlich ein Druckfehler. D 407 und D 208 führen außerdem noch Kurswagen Salzburg – Basel und einen Speisewagen Stuttgart – Salzburg, D 208 hat außerdem in der Hochsaison abschnittsweise noch so illustre Kurswagen wie Stuttgart – Bad Wörishofen und Meran – Prag im Zugverband.

Zwischen Lindau und Innsbruck wurde an zahlreichen wichtigen Bahnhöfen entlang der Arlbergbahn gehalten. Das vierminütige Kopf machen in Friedrichshafen Stadt bei D 407 ist auch bemerkenswert und könnte eine „Benchmark“ für die heutige DB AG sein, die das beim IC 118 heutzutage nur in 14 Minuten schafft (fairerweise mit umfahren). Quelle: Deutsches Kursbuch Sommer 1939.

Was aus dieser Verbindung während dem 2. Weltkrieg wurde gibt es in der nächsten Folge zu lesen.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Welche Lokomotivbaureihen koemmen zur Bespannung in Frage
  • Fahrpläne aus anderen Jahren, insbesondere erste Hälfte der 1920er

Stand: 27.4.2013

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