Ein schneller Tageseilzug von Würzburg nach München: E 2989/2988 und E 3243/3246 1979-1991

Von Markus Egger

Einer der einschneidendsten Fahrplanwechsel in der Geschichte der Bundesbahn fand im Sommer 1979 statt. Die wohl wesentlichste Neuerungen war das System „IC79“ mit zweiklassigen Intercities im Stundentakt quer durch die Republik, aber auch in dessen Windschatten gab es viele Verbindungen, bei denen in diesem Jahr alte Zöpfe abgeschnitten wurden.

Eine dieser dem Fortschritt „geopferten“ Verbindungen war der seit etwa drei Jahrzehnten im Angebot befindliche Tagesrandschnellzug Kassel-München, der auf einen LS-Schnellzug der 1950er-Jahre zurückging und zuletzt unter der Zugnummer D 689/688 verkehrte (6:20 Uhr ab Kassel, 16:56 Uhr ab München). Als neue schnelle Tagesrandverbindung Kassel-München diente der neue IC 551/550 „Veit Stoß“ Kassel-München, der zwar Kassel eine Stunde später verließ, aber nur 30 Minuten später als bisher D 689 in München war. Da der „Veit Stoß“ über Nürnberg-Augsburg nach München verkehrte entstand auf der Strecke Würzburg – Ansbach – Ingolstadt – München eine Fahrplanlücke durch den Entfall des D 689/688, die durch den neuen E 2989/2988 geschlossen wurde.

E 2989 schloss morgens dabei außerdem eine Lücke im Intercity-Takt. Normalerweise trafen sich zur ganzen Stunde in Würzburg die Intercity-Züge der Linien 2 und 4 aus Richtung Frankfurt und Norddeutschland zum Knoten – einer fuhr direkt nach Augsburg weiter, der andere Richtung Nürnberg. Morgens gab es in diesem System jedoch eine Lücke um 9 Uhr, hier kam noch kein IC aus Hamburg an, IC 563 „Präsident“ aus Frankfurt fuhr über Nürnberg-Augsburg nach München.

Unser Zug verließ Würzburg bereits um 8:37 Uhr nach Anschlussaufnahme  von D 229 „Johann Strauss“ Frankfurt-Wien. Mit fast den gleichen Zwischenhalten wie früher D 689 (nur Ochsenfurt kam hinzu) verkehrte E 2989 recht flott nach München und war somit 20 Minuten schneller als andere Eilzugverbindungen auf der Strecke. Auch die im Zug befindliche Minibar erinnerte an die Schnellzugvergangenheit. Gegenzug E 2988 diente nicht als Taktauffüller im IC-Takt sondern als Berufsverkehrsverstärker. Zwischen den den Stundentakt bildenden IC 622 „Gürzenich“ München-Frankfurt-Dortmund (16:31 ab München) und IC  550 „Veit Stoß“ München-Kassel (17:31 ab München, beide ohne Halt bis Würzburg) übernahm E 2988 die Erschließung der Zwischenorte.

Mit einer Reisegeschwindigkeit von 90km/h war E 2989 für einen Eilzug recht flott unterwegs. Auch 1979 waren durchgehende Eilzüge Würzburg-München selten, es gab nur zwei weitere. Quelle: DB-Kursbuch Sommer 1979.

Ein Jahr später zum Sommer 1980 ergaben sich erste kleine Anpassungen, die Minibar bei E 2989 entfiel (um jedoch 1981 wieder zurückzukehren), neu hinzu kam der Zwischenhalt in Uffenheim in beide Richtungen. Ab 1981 heißt unser Zugpaar E 3243/3242, außerdem erhielt E 3243 eine etwa 30 Minuten spätere Fahrlage. Grund war der mittlerweile zum IC aufgewertete „Johann Strauss“ von Frankfurt nach Wien, der jetzt im IC-Takt zur vollen Stunde in Würzburg eintraf. Weiterer Vorteil der neuen Lage: in Treuchtlingen traf unser Zug nun auf E 2563 Bad Kissingen – Bamberg – Nürnberg – Augsburg – München, was gute Anschlüsse für Verbindungen wie Ansbach-Augsburg oder Nürnberg-Ingolstadt ermöglichte.

Wie ein stolzer Schnellzug kommt im Sommer 1981 der E 3242 zwischen Uffenheim und Herrnberchtheim um die Ecke. Zuglok ist die Frankfurter 110 339. Foto: http://www.hklnet.de

Stilrein aus Abteilwagen wird der E 3242 gebildet. Mit 8 Wagen als Stammgarnitur unter der Woche und bis zu 2 Verstärkungswagen ist er auch ein ordentlich langer Zug. Scan aus dem ZpAR 1982: Oliver Ertl.

Im Zugpaar E 3243/3242 kamen auch die Probewagen mit Vakuumtoilette zum Einsatz, denen wir schon beim Kärnten-Express begegnet sind, da einer der Bm morgens mit dem D 299 nach München und abends mit dem E 3243 nach Würzburg zurückkehrte. Zu diesen Versuchswagen gibt es hier eine kurze Diskussion auf DSO. Ein Teil der Garnitur scheint am frühen Morgen an W(Sa) noch eine Zwischenverwendung als N 6273/6274 Würzburg-Kitzingen und zurück geleistet zu haben – ein seltener Fall für einen reinen Erstklasswagen im Nahverkehr!

Die Fahrzeit Würzburg-München hatte sich durch den Aufenthalt in Treuchtlingen etwas verlängert. Quelle: Postkursbuch I Winter 1982/83.

Aus dieser Zeit gibt es Bildbelege die die Bespannung von E 3243 mit Würzburger 118 überliefern.

Zum Sommer 1983 gab es neben einer Fahrzeitverkürzung (Umstellung auf schnellere Lok wie Baureihe 111?) an Sonn- und Feiertagen einen zusätzlichen Halt bei E 3243 in Oberdachstetten, bisher hatte dort Sonntags erstmals Mittags um 12 Uhr ein Zug Richtung Süden gehalten, jetzt konnte man den Ort immerhin schon um kurz vor 10 Uhr verlassen.

Trotz gleicher Zwischenhalte war E 3243 ab 1983 8 Minuten schneller von Treuchtlingen nach München unterwegs. Quelle: DB-Kursbuch Sommer 1983.

Ab 1984 entfiel die Minibar bei E 3243 endgültig, außerdem hielt der Zug nun täglich in Oberdachstetten und schloß Werktags dort eine Bedienungslücke von 8:38 Uhr (Bahnbus nach Ansbach) bis 12:04 Uhr (E 3313 Würzburg-Ansbach).

Ab 1985 oder 1986 erfuhr unser Zug nochmals eine Aufwertung, von Montag bis Samstag startete er nun bereits in Bad Kissingen. Er war in Bad Kissingen damit quasi Nachfolger des E 3010, der lange Jahre täglich Bad Kissingen mit München über Bamberg-Nürnberg-Augsburg verbunden hatte und dies auch Sonntags (nun unter einer anderen Nummer) weiterhin tat. Interessanterweise unterscheiden sich diese beiden so grundverschiedenen Wege von Bad Kissingen nach München in der Fahrzeit nur um 5 Minuten und beide Züge haben in Treuchtlingen ein Rendezvous.

In der Gegenrichtung endete E 3242 weiterhin abends in Würzburg, die Garnitur wurde jedoch etwa 30 Minuten später täglich außer Samstag als N 6847 von Würzburg nach Schweinfurt geführt, von wo aus sie am nächsten Morgen leer nach Bad Kissingen gelangte.

Zwischen ochsenfurt und Marktbreit kam ab 1986 noch der Zwischenhalt in Marktbreit hinzu. Quelle: DB-Kursbuch Sommer 1986.

Bis 1988 änderte sich bei E 3243 wenig: die einzige Neuigkeit ist eher kurios als sensationell: an bestimmten Sonn- und Feiertagen im Sommer legt E 3243 einen Zwischenhalt in Dollnstein im Altmühltal ein. Der Grund dafür: An diesen Tagen verkehrte die damalige Museumsbahn Dollnstein – Rennertshofen und es war eine Anreise mit der Bahn möglich. Heute nicht mehr vorstellbar: 1988 hielt sonst in Dollnstein Sonn- und Feiertags von 8:26 Uhr bis 17:52 Uhr kein Zug Richtung Süden! E 3242 hieß nun E 3246, die Durchbindung als Nahverkehrszug nach Schweinfurt gab es nicht mehr.

Quelle: DB-Kursbuch Sommer 1988.

Im Sommer 1989 wurde E 3243 an Wochenenden von Stuttgarter 110ern gezogen, unter der Woche waren Münchener 111er am Zug. Die 110er kam mit D 2652 Bamberg-Würzburg morgens um 8:10 in Würzburg an um den E 3243 zu bespannen. In München bespannte sie anschließend E 3196 München-Nördlingen, wo sie dann ihr Tagwerk vollendet hatte und sich in Nachtruhe begeben durfte. Am 10.6.1989 ist hier die Stuttgarter 110 234 in Ansbach eingelaufen und wartet auf Abfahrt: Foto: DSO-User „pilzleuchte“.

Der abendliche E 3246 hatte in Ansbach Korrespondenz mit E 3079 Nürnberg-Stuttgart. Die Münchner 111 094 steht im Sommer 1989 in Ansbach neben der 218 404, die über die damals noch nicht elektrifizierte Murrbahn weiterfahren wird. Foto: DSO-User „pilzleuchte“.

Diese Fahrplanlage blieb dann noch in den Jahresfahrplänen 1989/90 und 1990/91 unverändert bestehen, inklusive der Halte in Dollnstein an einzelnen Tagen im Sommer! Für 1990 zeigt Dirk Maraschek auf DSO ein Foto des E 3243 nach Ankunft in München Hbf mit der Frankfurter 110 215, 1989 hatte er vor diesem Zug noch die Münchner 111 066 angetroffen. Zum Sommer 1991 fiel der Zug einer großen Umorganisation der Eilzüge mit einhergehender weitgehender Vertaktung zum Opfer. Die Durchbindung von Bad Kissingen entfiel ganz, auch einen durchgehenden Eilzug Würzburg-München gab es ab 1991 nicht mehr.

Vielen Dank an Oliver Ertl für den Scan aus dem ZpAR, DSO-User „pilzleuchte“ und „hkl“ für die Fotos!

Link zur Diskussion auf DSO

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • weitere Bespannungsangaben
  • Zugbildungspläne
  • Fotos, Reiseberichte, Erinnerungen
  • Wann genau wurde E 3243 ab Bad Kissingen rückverlängert: 1985 oder 1986?
  • usw usw usw

Stand: 14.5.2013

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