Der Vorarlberg-Express – Teil 3: 1974-1982

Von Markus Egger

Link zu Teil 2 mit den Jahren 1969-1973

1973 hatte der Vorarlberg-Express eine Fahrplankostellation gefunden, die den Aufgaben wohl am besten entsprach und nun über viele Jahre fast unverändert weiter bestand. 1974 erhielt der Zug wieder eine dreistellige Zugnummer, die ihn als einen Stammschnellzug auswies – er hieß nun für etwa ein Jahrzehnt D 419/418.

Am Fahrplan änderte sich 1974 gegenüber 1973 fast nichts, in Mülheim (Ruhr) Stadt wurde nun wieder in beide Richtungen angehalten. Kurswagen aus Hoek van Holland gab es vorübergehend mal wieder nicht mehr, sie kamen 1974 nur aus Amsterdam.

Durch die vielen Verkehrshalte, teilweise aufwändige Gebirgsstrecken und Umwegführungen erreichte der Vorarlberg-Express 1974 nur eine Reisegecshwindigkeit von etwa 65 km/h. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1974.

Der Zugbildungsplan 1974 weist keine allzu großen Veränderungen gegenüber 1971 aus. Den Reisebüro-Liegewagen Innsbruck-Den Haag im Sommer stellt nun die DB statt der NS, überhaupt sind im Sommer nur noch DB-Wagen im Zug, denn die DB stellt nun statt der ÖBB auch den Wagen Innsbruck-Amsterdam. Im Winter stellt die DB dagegen die Gruppe Innsbruck-Amsterdam nicht, hier ist 1974 ein ABm der ÖBB und ein Schlafwagen der NS im Einsatz.

Selbst in der Nebensaison besteht der D 418 im Abschnitt Lindau-Ulm mindestens aus 8 Wagen. Quelle: ZpAR Sommer 1974. Zur Verfügung gestellt von Oliver Ertl.

Der Fahrplan des Vorarlberg-Express aus dem Winter 1974/75, wie er im DSG-Schlafwagenfahrplan abgedruckt war. Quelle: DSG-Schlafwagenfahrplan Winter 1974/75. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Auch bis 1977 gab es keine grundlegenden Änderungen am Fahrplan, der tiefnächtliche Halt in Bruchsal südwärts war nun wieder entfallen. Im Abschnitt Innsbruck-Stuttgart wurde der Zug etwas beschleunigt, insbesondere der überlange Aufenthalt in Lindau gekürzt,in Stuttgart Hbf stand der Zug dann jedoch planmäßig 52 Minuten, um nicht zu früh morgens im Rihrgebiet anzukommen. Im Winter 1975/76 gab es nur die Kurswagengruppen Amsterdam-Innsbruck und Dortmund-Oberstdorf.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1977.

1978 gab es beim Vorarlberg-Expreß erstmals eine kleinere Rationalisierungsmaßnahme: Die ÖBB beförderte den Zug an Tagen mit nur kurzer Zugbildung nicht mehr separat über den Arlberg sondern hängte ihn zwischen Bludenz und Innsbruck an den D 469/468 „Arlberg-Express“ Paris-Basel-Innsbruck-Wien an – somit verkehrten der Vorarlberg- und der Arlberg-Express vereinigt über den Arlberg. Für die Fahrgäste des Vorarlberg-Express bedeutete dies jedoch eine Fahrzeitverlängerung von etwa 30 Minuten. Am Wochenende und in der Hochsaison verkehrte der D 419/418 – wohl aus Lastgründen – eigenständig über den Pass. Die Kurswagen aus den Niederlanden kamen nun wieder aus Hoek van Holland. Der Wagen nach Schruns im Montafon verkehrte nur noch südwärts über Nacht, in der Gegenrichtung zurück nach Dortmund war er nun tagsüber im D 616 unterwegs, hierdurch war für diese Verbindung rechnerisch nur noch ein statt zwei Wagen umlaufbedingt notwendig. Eine Minibar hat der D 419/418 im Abschnitt Feldkirch-Dortmund an Bord, auch im Abschnitt Ulm-Stuttgart verkehrt der Zug nun als E 418 statt als D 418.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1978.

Ein schönes Foto vom Neujahrstag 1978 zeigt den Vorarlberg-Express auf seiner Fahrt nach Innsbruck in St. Anton am Arlberg mit Zuglok und Vorspannlok 1110 – jeweils noch in grün.

1979 wird dann die Vereinigung mit dem „Arlberg-Express“ auch auf Sonntage in der Nebensaison ausgedehnt, der „Vorarlberg-Express“ verkehrt also zwischen Bludenz und Innsbruck in der Nebensaison nur noch Samstags selbständig. Außerdem entfallen die Nebensaison-Liegewagen Köln-Innsbruck.

Auszug aus dem DSG-Schlafwagenfahrplan 1979/80. Die Bettkarte im t3 von Dortmund nach München kostet nun bereits 40,- DM. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Den Schlafwagen Hoek van Holland-Innsbruck stellte die NS, den Liegewagen die DB, beide Wagen wurden jedoch von der ISTG bewirtschaftet. Quelle: DB-Schlafwagenfahrplan Winter 1979/80. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Für den Winterfahrplan 1981/82 möchte ich nochmals ausführlich die Winterregelung des „Vorarlberg-Express“ in dieser Zeit vorstellen. Am ganzjährigen Grundkonstrukt hatte sich bis zu dieser Zeit weiter nichts wesentliches geändert – südwärts macht der D 419 auch weiterhin die bereits in der letzten Folge vorgestellten 6 Rheinüberquerungen.

Die Verkehrstageregelung in den Winterperioden war noch deutlich komplizierter als im Sommer. Der Zug verkehrte zusammengefasst in der Woche vor Weihnachten und an den Weihnachtstagen täglich, nicht aber am 24.XII., danach wieder täglich von Neujahr bis Dreikönig, anschließend verkehrte er einmal wöchentlich zum Bettenwechsel im restlichen Winterfahrplanabschnitt. Auch im Winter gab es die Vereinigung mit dem Arlberg-Express täglich außer Samstag und nur vom 7.I. bis Mitte April. Aus Hoek van Holland kamen im Winter 1981/82 keine Sitzwagen mehr, dafür nun Liegewagen und sogar ein Schlafwagen der CIWL. Kurswagen Schruns gab es im Winter ebensowenig wie die Nebensaisonsitzwagen aus Köln. Außerdem lief im Winter der Schlafwagen aus Dortmund an allen Verkehrstagen nach Innsbruck durch und endete nicht an schwächeren Tagen bereits in Lindau.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Winter 1981/82.

1982 ist der Zugbildungsplan schon etwas kürzer geworden. Minimal besteht der D 418 im Abschnitt Lindau-Ulm nun aus 6 Wagen: Bm+ABm+Bm+Bcm+ABm+BDms. Samstag auf Sonntag sind jedoch inzwischen alleine drei Liegewagen für einen Reiseveranstalter auf der Strecke Innsbruck-Den Haag mit im Zug, die in Ulm auf den Turnuszug D 13216 übergehen.

Quelle: ZpAR Sommer 1982. Zur Verfügung gestellt von Oliver Ertl.

Der Zenit des Vorarlberg-Express war zu dieser Zeit bereits überschritten, die ersten größeren Einschnitte absehbar. Doch dies soll das Thema für die nächste Folge sein.

Noch ein paar Angaben zur Bespannung: Im Dieselabschnitt dürften zunächst noch hauptsächlich die Kemptener 221er am Zug gewesen sein, später dann natürlich die 218er. Im elektrischen Abschnitt dürfte wohl meist eine 110 Zuglok gewesen sein.

Vielen Dank an Oliver Ertl für die Zugbildungspläne sowie an “OZL-Lokd.” für die Bespannungangaben, Eurocity341 für die ergänzenden Angaben.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Fahrpläne aus Zwischenjahren, gerade bei den Kurswagen sind noch einige Fragen offen (Wann Hoek van Holland, wann Amsterdam z.B.).
  • Weitere Angaben zu Zugbildung und Bespannung
  • Fotos, Berichte, Erinnerungen

Stand: 17.6.2013

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2 Antworten zu Der Vorarlberg-Express – Teil 3: 1974-1982

  1. Andreas Kleber schreibt:

    Durch Zufall kam ich auf die Seite des VORARLBERG-EXPRESS. Er war 1964-1967 während meiner Lehre auf dem Petersberg mein „Stammzug“ zwischen Köln oder Bonn nach Aulendorf und ebenso während meiner Tätigkeit in Bonn 1973-75. Kannte ihn noch aus der Zeit, als er (bis Sommerfahrplan 1965) einen Halbspeisewagen Lindau-Ulm mit sich führte, und kann mich an die Kurswagen Nijmwegen(in der Hochsaison Amsterdam)-Innsbruck, und Hoek van Holland-Innsbruck noch gut erinnern. Ebenso an den SNCB-Liegewagen nach Ostende.Und wie das damalige Niederländische Königspaar in den 70er Jahren noch im Schlafwagen zum Urlaubsziel Lech gefahren sind. Viele Geschichten könnte ich über diesen Zug erzählen und freue mich, das Sie sich die Mühe machten, seine Geschichte, zumindest ab den 70er Jahren genau zu schildern. Als einer, der diesen Zug noch erlebt hat, als er von der Ulmer 03, ab So 1965 dann von der V 200.1 (spätere 221) und ab 1973/4 von der 210 zwischen Lindau und Ulm bespannt war, grüße ich in Erinnerung an einen (nicht nur) für mich unvergessenen Zug
    Andreas Kleber

  2. Stefan B. aus Iserlohn schreibt:

    Wir sind im Februar 1976 und 1977 als Klassenfahrt von Dortmund Hbf nach Oberstdorf (und zurück) mit dem Vorarlberg-Express unterwegs gewesen, Kurswagen Bm 234 ozeanblau/beige. Mit 3 Personen / Abteil und verschiebbaren Sitze (= Liegefläche, Kunstleder, rot) fast Liegewagenkomfort.
    Bespannung: D 419 Dortmund – Ulm: 110.1; E 2419 Ulm – Oberstdorf: 210 004 altrot (1976+77!);
    E 2418 Oberstdorf – Ulm: 218.4 ozeanblau/beige; D 418 Ulm – Dortmund: 103.

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