Reisebericht: Öffentlicher Verkehr rund um den Lago di Como

Von Markus Egger

Heute möchte Ich Euch einige Eindrücke des öffentlichen Verkehrs rund um den Lago di Como präsentieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Südwestlichen Seeende zwischen Bellagio und Como.

Link zu einer Übersichtskarte

Der Comer See hat ja im Prinzip die Form eines auf dem Kopf stehenden Y. Die Verkehrserschließung des Sees war sehr aufwändig, da sich fast überall steile Berghänge geradezu direkt in den See stürzen. Am Südwestende in Como berührt mit der verlängerten Gotthardstrecke Zürich – Mailand der interantionale Fernverkehr den Comer See im Bahnhof Como S. Giovanni, Como wird hier seit 1875 von der Eisenbahn erreicht. Für den Verkehr von Como nach Mailand mindestens so bedeutsam ist jedoch die „Vorortstrecke“ der ehemaligen Ferrovie Nord Milano, die Mailand mit dem Bahnhof Como Nord Lago verbindet, letzterer liegt im Gegensatz zum Staatsbahnhof direkt am Rand der Altstadt und nur wenige Meter von den Schiffsanlegestellen am Ufer des Commer Sees entfernt, der 1885 eröffnet wurde. Früher wurde von diesem Bahnhof aus sogar über den See trajektiert.

Blick auf die Bahnsteighalle des Bahnhofs Como Nord Lago. Direkt im Rücken des Fotografen befindet sich der Comer See. Von hier starten halbstündliche bis stündliche Regionalzüge der TreNORD nach Mailand. Alle Fotos wenn nicht anders angegeben: Markus Egger, Juli 2013

Häufig sind bereits moderne Doppelstocktriebzüge auf der Strecke Como-Mailand im Einsatz, hier zeigt sich jedoch die Garnitur EA870-06, bestehend aus einem Zweitklasssteuerwagen, zwei Doppelstockmittelwagen und einem Erstklasstriebwagen.

Charme der 1980er versprühen die Doppelstockmittelwagen von innen.

Bereits im neuen Lack von TreNORD präsentiert sich der Doppelstocktriebwagen EA761-022 hier in Como Nord Lago.

Als weitere Erschließung des Comer Sees führt am Ostufer des Sees die Bahnstrecke Mailand-Colico, deren Abschnitt entlang des See in zwei Abschnitten 1892 und 1894 eröffnet wurde. Sie diente dem Anschluss derbereits bestehenden Bahn im Veltlin von Colico nach Tirano an das Eisenbahnnetz, vorher war die Veltlinbahn nur per Eisenbahntrajekt über den Comer See erreichbar. Bereits 1902 war der Abschnitt Bellano-Colico als erste Strecke weltweit mit einem Hochspannungsstromsystem elektrifiziert worden. Zahlreiche Tunnel prägen diese relativ hoch am Hang liegende Strecke, vom See sieht man teilweise wenig, man kommt sich mehr vor wie in der Mailänder U-Bahn.

Ein nordwärts fahrender Wendezug fährt im Mai 2011 in den Bahnhof Varenna-Esino-Perledo ein, der gleich nach den drei umliegenden Orten Varenna, Esino und Perledo benannt ist.

Ergänzend zu diesem Eisenbahnnetz bietet das Busunternehmen ASF Autolinee ein umfangreiches Regioanlbusnetz rund um den See. ASF Autolinee befindet sich zu 51% im Besitz der Stadt Como und der angrenzenden Provinzen, Die restlichen 49% gehören einem Gemeinschaftsunternehmen von Ferrovie Nord Milano und Arriva – also auch hier hat unsere DB die Finger drin. Hauptlinie dieses Netzes ist die C10, die die beiden Bahnhöfe Comos mit den Orten entlang des Ostufers des Lago di Como und dem Bahnhof Colico am Nordende des Sees verbindet. Das Südufer im Abschnitt Como-Bellagio befährt die Linie C30 Como-Bellagio. Ab Bellagio gibt es wiederum eine Linie (C36) nach Süden bis Asso, wo Anschluss an die Mailänder S-Bahn-Linien 2 und 4 besteht. Mehrere kleine Linien erschließen die Seitentäler. Von Menaggio, etwa in der Mitte des Sees am Ostufer gelegen, gibt es verbindungen bis nach Lugano.

Zum Einsatz kommen in der Regel „kurze“ Busse, der Kategorien von etwa 8 bis 10,50m – mit anderen Fahrzeugen wären die häufig sehr engen Ortsdurchfahrten in den Dörfern entlang des Sees nicht zu befahren.

Wagen 1151 ist hier gerade am Busbahnhof Como (beim Bahnhof Como Nord Lago) als Linie C30 aus Bellagio angekommen und wird noch zum Bahnhof Como S. Giovanni weiter fahren. Es handelt sich um einen Cacciamali TCi 8.40 (Baujahr 2006).

Relativ neu ist Wagen 2207, ein Bredamenarinibus M240 Avancity. Er wartet hier auf seinen nächsten Einsatz in Como.

Wagen 1357 ist ein Scania/De Simon IN.3 aus 2006.

Auf der Linie C36 ist Wagen 1283, ein 10,50m langer Irisbus Crossway bei der Abfahrt in Bellagio zu sehen.

Vom Typ Irisbus Axer ist der 1362, der sich hier unter dem Dach des Busbahnhofs in Como ausruht.

Ebenfalls von ASF Autolinee betrieben wird der Stadtbusverkehr in Como. Auch hier kommen viele verschiedene Typen zum Einsatz, wieder oft kurze Fahrzeuge, hier aber auch 12m-Busse und sogar Gelenkbusse.

Auf der Linie 4 war mit Wagen 3150 ein Iveco/Cacciamali 200E 9.15 Europolis unterwegs. (Baujahr 2000/2001)

Zur Abwechslung mal ein bekanntes Gesicht: Im Stadtbusverkehr gibt es auch einige Citaro der ersten Generation: Wagen 2327 ist ebenfalls aus dem Baujahr 2000/2001.

Ebenfalls ein wichtiges Verkehrsmittel am See ist die Schiffahrt, die durch die Navigazione di Laghi betrieben wird. Auch hier ist das Angebot vielfältig. Es gibt ein Kurspaar das vom Como am Südwestende des Sees bis nach Colico am Nordende und wieder zurück fährt. Im „Vorortverkehr“ von Como bis etwa Cernobbio herrscht ebenso dichter Fahrplan wie in der Mitte des Sees im Bereich Menaggio/Bellagio/Varenna. Weitere Schiffe ergänzen den Fahrplan auf den jeweiligen Seeästen. Zusätzlich gibt es in der Mitte des Sees Autofähren. Zuschlagpflichtige Tragflügelboote stellen in den meisten Relationen die schnellsten Fahrtmöglichkeiten entlang des Sees dar: Como-Bellagio ist mit dem Tragflügelboot 20 Minuten schneller als mit dem Bus.

Das Boot „A. Volta“ bedient meist den Vormittagskurs Como-Colico, hier bei der Anfahrt auf Nesso.

Hier ist „A. Volta“ auf der einzigen Insel im Comer See, der Isola Comacina angekommen.

Das kleine Boot „Ninfea“ von 1953 läuft nachmittags die Anlegestelle auf der Isola Comacina an.

Die „Grifone“ läuft im „Vorortverkehr“ von Como und legt soeben in Cernobbio an.

Ein unbekannt gebliebenes Tragflügelboot passiert hier den Ort Brienno.

Die Autofähre „Stelvio“ ist hier im Juli 2011 im Hafen von Varenna zu sehen.

Auf Grund der steilen Berghänge gibt es auch mehrere Bergbahnen am Comer See. In Como selber führt die Standseilbahn Funicolare Como-Brunate in den über Como gelegenen Ortsteil Brunate. In Argegno gibt es eine Seilbahn hinauf in den Ort Pigra: Funivia Argegno-Pigra, auf letzterer gibt es morgens sogar Seilbahnfahrten, die nur an Schultagen verkehren (6:40, 7:00 und 7:15).

Die Standseilbahn Como-Brunate nach der Ankunft in Brunate.

Hier ist die Seilbahn Argegno-Pigra unterwegs.

Für Tagesausflüge vom Comer See aus bietet sich u.a. Mailand an. Dort verkehren immer noch die legendären Straßenbahnwagen der Serie 1500 im Plandienst unterwegs, deren Konstruktion aus dem Ende der 1920er-Jahre stammt.

Wagen 1636 läuft hier auf der Linie 19 den Bahnhof Milano Cadorna an.

Sieht aus wie eine Museumsfahrt – ist aber Planbetrieb 2013!

Wagen 1756 trägt sogar eine moderne Ganzreklame.

4963 stammt aus einer Serie von Wagen der späten 1970er-Jahre gebaut von Stanga – hier unterwegs auf der Linie 24.

Das Fahrtenangebot rund um den See ist tagsüber prinzipiell gut, wenn es auch kein durchgehend vertakteter Verkehr ist und es schon gar keine Taktknoten mit Rundumanschlüssen gibt. Prinzipiell sind Anschlüsse eher Zufallsprodukte, so sind z.B. die Umsteigezeiten zwischen der Linie C30 und den TreNORD-Zügen Richtung Mailand in die eine Richtung in der HVZ üppige 25 Minuten, in die andere Richtung dagegen sportliche 2 Minuten. Anschlüsse Schiff/Bus sind wenn dann Zufallsprodukt. Abends endet der Verkehr häufig relativ früh. Dennoch kann man sich gut um den See bewegen.

Als Ticket bietet sich ein inzwischen erhältliches Tages-/Mehrtagesticket für die ganze Lombardei („Io Viaggio Ovunque In Lombardia“) an. 7 Tage kosten hier beispielsweise nur 40 €, ein Tag 15 €. Damit kann man in der ganzen Lombardei Bus und Bahn fahren, in Mailand sind U-Bahn und Straßenbahn integriert, sogar einige Bergbahnen wie bspw. Como-Brunate sind dabei. Erhältlich ist das Ticket aber nur bei den Bahnen oder in den größeren Städten, nicht bei den Busfahrern. Prinzipiell findet für die Regioanlbuslinien Vorverkauf in Tabakläden in de Orten statt, die Busfahrer verkaufen normalerweise keine Tickets. In den Tabakläden sind aber meist nur Einzelfahrscheine u.ä. erhältlich.

Fahrkartenpotpurri. Von Links nach Rechts: 7-tage Region Lombardei, Regionalbuseinzelticket, Schiffticket.

Stand: 28.7.2013

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