Bäumenheim und seine Anbindung an den öffentlichen Verkehr: Teil 1 bis 1957

Von Markus Egger

Die heutige Gemeinde Asbach-Bäumenheim geht auf zwei ursprünglich etwa einen Kilometer voneinander entfernt liegende, heute aber vollständig zusammengewachsene Orte namens Asbach und Bäumenheim zurück, zwischen denen hindurch am Ortsrand von Bäumenheim seit 1844 der Abschnitt Augsburg-Donauwörth der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn führt. Bereits 1818 war Asbach erstmals als Gemeinde selbständig geworden und durfte bereits damals den Weiler Bäumenheim mit verwalten.

Link zu einer historischen Karte aus den 1870er Jahren

1865 eröffnete Max Droßbach in Bäumenheim eine Leinenspinnerei und Weberei, die der Ausgangspunkt für die Entwicklung von Bäumenheim zu einem Industriedorf war. Erst im Jahre 1875 und nur weil der Industrielle Droßbach 90% der Baukosten übernahm erhielt Bäumenheim seinen eigenen Bahnhof. Später bestand wohl sogar eine kleine schmalspurige Werksbahn, die die an der Laderampe angelieferten Rohstoffe in die verschiedenen Werke der Betriebe transportierte. Ein schönes Foto des Bahnhofs Bäumenheim aus dem Jahr 1943 zeigt eine heimatgeschichtliche Homepage zu Asbach-Bäumenheim.

1922 eröffnete Josef Dechentreiter eine schnell expandierende Landmaschinenfabrik in Bäumenheim, auf die das heutige Werk der Fa. Fendt in Bäumenheim zurückgeht. 1939 zählte der Doppelort deshalb bereits über 2.000 Einwohner. Im gleichen Jahr entgleiste im Bahnhof Bäumenheim der D 149 München-Berlin und stürzte vollständig um, es gab 28 Verletzte. 1944 wurde auf dem Gelände der Landmaschinenfabrik ein ausgelagertes Werk der Fa. Messerschmitt mit zugehörigem KZ-Außenlager angesiedelt, wo etwa 500 KZ-Häftlinge arbeiteten. Als Industrieort blieb Bäumenheim nicht von Bombenangriffen verschont, der schwerste vom 19.3.1945 forderte 145 Tote (darunter etwa ebenso viele Ortsbewohner wie KZ-Häftlinge) und verwüstete weite Teile des Ortes.

Einen guten Überblick über den Industrieort zeigt ein Luftbild aus 1953, im Vordergrund der Bahnhof. Um diese Zeit herum wurde auch ein neues, nur noch einstöckiges Bahnhofsgebäude mit angebauten Dienstwohngebäude errichtet, als Ersatz für den kriegszerstörten Vorgängerbau.

1958 wurde schließlich dem Umstand Rechnung getragen, dass Asbach und Bäumenheim zusammengewachsen waren und faktisch eine Einheit bildeten, als die Gemeinde Asbach in Asbach-Bäumenheim umbenannt wurde. Der Bahnhof heißt bis heute jedoch unverändert nur Bäumenheim.

1977 wurde der Bahnübergang aufgegeben und durch eine Brücke ersetzt, nach dem Streckenausbau auf eine Schnellfahrstrecke und der Umstellung auf neue Signaltechnik konnte die Besetzung des Bahnhofs 1981 aufgegeben werden. Das Gebäude wurde bereits 1984 an einen dort ansässigen Gewerbebetrieb verkauft und besteht heute nicht mehr, einzig das ehemalige Dienstwohngebäude ist von den Hochbauten noch erhalten geblieben. Zudem wurde Bäumenheim zu dieser Zeit als Bahnhof aufgelassen und ist nur noch ein Haltepunkt.

Bis heute hat sich der Ort auf etwa 4.200 Einwohner vergrößert und bietet allein etwa 3.000 gewerbliche Arbeitsplätze.

Der Bäumenheimer Bahnhof im Jahre 2013: Das Gebäude in der Bildmitte ist das ehemalige Dienstwohngebäude aus den Jahren 1953/54. Im Rücken des Fotografen befindet sich heute die Bahnunterführung – früher der Bahnübergang. Foto: Markus Egger

Quellen für die Ortsgeschichte:

Der älteste mir derzeit vorliegende Fahrplan für Bäumenheim stammt aus dem Jahre 1905 und sieht 11 Abfahrten an Werktagen, 10 Abfahrten Sonn- und Feiertags vor. Es halten alle Personenzüge der Linie Buchloe-Augsburg-Donauwörth-Nördlingen-Pleinfeld, zusätzlich gibt es einen Arbeiterzug werktags abends um 18:30 Uhr, der in Bäumenheim beginnt und wohl die Arbeiter nach Schichtende in den Bäumenheimer Betrieben nach Donauwörth bringt.

Datengrundlage: Reichs-Kursbuch Juli 1905.

Bis 1917 gegen Ende des 2. Weltkriegs hatte sich das Fahrplanangebot nur geringfügig reduziert, es gab nun täglich 9 Abfahrten, der unpaarige 9.Zug ist vormittägliche der GmP 2116 Augsburg-Oberhausen – Donauwörth. Mit Kurswagen in P 714 konnte sogar Nürnberg umsteigefrei erreicht werden, das wird danach erstmals wieder um 2000 umsteigefrei möglich sein.

Datengrundlage: Reichs-Kursbuch Juni 1917.

Eine leichte Verkehrsausweitung gab es bis 1921, ein zusätzliches Personenzugpaar gab es nun, außerdem verkehrte der Güterzug nun in beide Richtungen als GmP.

Datengrundlage: Eisenbahn-Kursbuch Bayern rechts des Rheins Winter 1921/22.

Dieser Fahrplan hatte praktisch unverändert auch noch 1927 Bestand.

Datengrundlage: Reichs-Kursbuch vom 1.Juli 1927.

Nach der Elektrifizierung der Bahnstrecke 1935 wurde das Zugangebot im Nahverkehr nenneswert ausgeweitet, so dass sich für Bäumenheim nun 14 Abfahrten, am Wochenende sogar 15 Abfahrten ergaben. Diese waren relativ gleichmäßig über 19 Stunden des Tages verteilt, die längste Zugpause tagsüber betrug vormittags gut 2 Stunden. Die meisten Züge waren aus Triebwagen der Baureihe ET85 gebildet. Allerdings konnte man nun über Augsburg und Donauwörth hinaus nicht mehr umsteigefrei reisen.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1935.

Bis 1939 kamen dann sogar nochmals einige Abfahrten hinzu, die das Angebot weiter verbesserten.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1939.

Dieses Fahrplanangebot wurde auch im 2.Weltkrieg kaum eingeschränkt noch im Jahresfahrplan 1944/45 verkehrte Montags-Freitags 16, Samstags 17, Sonn- und Feiertags 15 Züge in Bäumenheim. Dies spiegelt die wichtige Bedeutung der Strecke und des Bahnhofs für den Berufsverkehr wieder.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch 1944/45.

In den Nachkriegsjahren gewann der Verkehr auf der Strecke sogar noch an Bedeutung – nicht zuletzt durch die durch Flüchtlinge und ausgebombte stark gewachsene ländliche Bevölkerung. Dementsprechend gab es im Winter 1948/49 bereits 19 Abfahrten an Werktagen und nur eine weniger an Sonn- und Feiertagen.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Südbayern Winter 1948/49.

In die 50er-Jahre hinein hielt der Verkehrszuwachs weiter an. Montags-Freitags sind es jetzt bereits 24 Zugabfahrten in Bäumenheim. Sonn- und Feiertags sind es immerhin 18, darunter der hier schon vorgestellte kuriose Pto 1141, der jedoch nur bei Bedarf hielt. Alle Züge außer dem letzten abendlichen Personenzugpaar führen nur die 3. Klasse.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1953.

Bis 1957 verbesserte sich sowohl die Qualitzät der eingesetzten Züge als auch die Menge nochmals. Die allermeisten Personenzüge führen nun nach der Klassenreform die (neue) 1. und 2. Wagenklasse. 29 mal fährt nun wochentags ein Zug in Bäumenheim ab, werktags ist um 5:20 morgens erstmals seit 1934 wieder ein durchgehender Zug nach Nördlingen im Angebot.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1957.

Teil 2 behandelt dann die Jahre von 1962 bis heute.

Stand: 8.8.2013

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