D 48/47: Einer der ersten Züge mit Schlafwagen nach München (Teil 3: 1946-1957)

Von Markus Egger

Link zu Teil 2

D 48/47 war wohl einer der wichtigsten nationalen Schnellzüge in Süddeutschland, weshalb er so lange wie möglich im 2. Weltkrieg im Fahrplan blieb, aber auch schnellstmöglich nach dem Krieg zumindest auf Teilstrecken wieder eingeführt wurde. So ist es nicht erstaunlich, dass sich D 48/47 bereits in einem ab 4. Februar 1946 gültigen Fahrplan der Rbd Nürnberg wieder findet.

Zwar beschränkt sich sein Lauf noch wie in ganz alten Zeiten auf den Nachtabschnitt, an Schlafwagen oder 2. Klasse ist noch nicht zu denken, aber immerhin stellt der Zug mit seinen 3. Klass-Wagen wieder eine Nachtverbindung zwischen der aufstrebeneden Handelsmetropole am Main und der bayerischen Landeshauptstadt sicher. Da insgesamt nur ein D-Zugpaar tagsüber und eines nachts auf diesem Weg verkehrten, war die Bevölkerung, die – hauptsächlich dienstlich – reisen musste, sicherlich dankbar für diese Verbindung. Mit fast 11 Stunden Fahrtdauer war die Reisezeit natürlich weit entfernt von dem in den 1930ern schon erreichten Niveau. Im Gegensatz zur Vorkriegs- und Kriegszeit wurde nun ab Nürnberg bis München der durchgehend elektrisch betriebene Weg über Augsburg gewählt. Bereits in einem ab August 1946 gültigen Fahrplan ist der Zug wieder bis Osnabrück veröffentlicht – er trägt aber zwischen Frankfurt und dort noch den Vermerk „Verkehrt nur auf besondere Anordnung“.

Auf der Homepage von Walter Kuhl lässt sich auf der Fahrplantabelle 11a die Lage des D 48/47 nachvollziehen. Für Sommer 1946 ist für den südwärts fahrenden D 48 ab Nürnberg die Bespannung mit Münchener E18 überliefert, D 47 war jedoch nicht im Laufplan dieser Loks enthalten.

Scan aus einem Fahrplanheft der Rbd Nürnberg – gültig ab 4.2.1946. Zur Verfügung gestellt von Helmut Philipp.

Schon bald scheint der Zug wieder bis ins Ruhrgebiet rückverlängert worden zu sein. Für den Winter 1948/49 ist zumindest überliefert, dass er ab/bis Dortmund verkehrte, auch die 2.Wagenklasse ist nun wieder im Angebot. Leider liegen mir nur rudimentäre Fahrplanangaben vor, so dass auch die Route unsicher bleibt.

Quelle: Amtlicher Taschenfahrplan Südbayern Winter 1948/49.

In diesem Fahrplanabschnitt bespannten Münchner E18 das Zugpaar D 48/47 im Abschnitt München-Nürnberg.

Für den Winter 1949/50 liegt mir dann schon wieder ein Fahrplan für den gesamten Zuglauf vor. D 48/47 verkehrt sogar wieder bereits ab Münster (Westf) und bietet zumindest wieder die „Verabreichung von Speisen und Getränken im Zug“. Zwischen Münster und Wanne-Eickel wird nun statt dem Weg über Dortmund der direkte Weg über Haltern (Westf) – Recklinghausen gewählt, wo jeweils gehalten wird. Ansonsten verkehrt D 48/47 weitgehend auf der Vorkriegsroute, einzig zwischen Neuwied und Niederlahnstein entfällt die zweimalige Rheinüberquerung zur Anbindung von Koblenz Hbf (Die Urmitzer Rheinbrücke war noch nicht wieder aufgebaut). Der Halt in St. Goarshausen ist entfallen, in Lohr Bahnhof, Kitzingen und Treuchtlingen wird nur noch südwärts gehalten, neu ist dafür der Halt in Beuel. Die Fahrzeit für die Gesamtstrecke ist zumindest wieder auf dem Niveau von 1941.

Datengrundlage: Amtilches Kursbuch Westliches Deutschland Winter 1949/50.

Die Bespannungen im Winter 1950/51 sind bis auf die gute alte P8 für die paar Kilometer von Frankfurt nach Wiesbaden eigentlich nur vom nobelsten, was man zu bieten hat:

D 47:

  • München-Nürnberg: E18 Bw München Hbf
  • Nürnberg-Frankfurt: 01 Bw Frankfurt
  • Frankfurt-Wiesbaden: 38.10 Bw Frankfurt
  • Wiesbaden-Köln: 03 Bw Köln Bbf
  • Köln-Münster 01 oder 03 Bw Osnabrück (Lok geht mit Kw auf D 93 über)

D 48:

  • Münster-Wiesbaden: 01 Bw Köln Bbf
  • Wiesbaden-Frankfurt: 01 Bw Wiesbaden
  • Frankfurt-Nürnberg: 01 Bw Würzburg
  • Nürnberg-München: E18 Bw München Hbf

Spätestens im Sommer 1951 wurde dann auch die hochsommerliche Verlängerung bis Norddeich Mole wieder hergestellt und im Abschnitt Frankfurt-München war zumindest wieder ein Schlafwagen 3.Klasse im Zugverband, zwischen Norddeich und Frankfurt lief wieder ein Speisewagen mit. Südlich Würzburg wurde der Zug nun nicht mehr über Nürnberg sondern direkt (ohne Halt über Ansbach) nach Treuchtlingen und von dort wieder wie vor dem Krieg über Ingolstadt nach München geleitet. Der Zwischenhalt in Haltern (Westf) und Lohr entfiel. Auch eine ganze Reihe Kurswagen war wieder im Angebot: Wie vor dem Krieg gab es Krefeld-München und Norddeich-Hagen-Frankfurt, neu war Osnabrück-München, etwas abgewandelt gab es nun Emden Außenhafen – M.Gladbach.

Datengrundlage. Amtliches Kursbuch Sommer 1951.

Für den Sommer 1953 liegen mir wieder nur fragmentarische Informationen vor: Neu sind auf jeden Fall Kurswagen Dortmund-Wien, die in Würzburg vom D 48/47 abgehen und damit auch Nürnberg wieder an den Zug anbinden. Die Kurswagen Krefeld-München gibt es nicht mehr, statt Emden Außenhafen-M.Gladbach gibt es nur noch Emden Außenhafen-Münster, Schlafwagen gibt es nicht mehr, dafür läuft der Speisewagen nun Würzburg-Norddeich. Durch die Umlegung auf die Strecken über Ansbach und Ingolstadt muss D 48/47 nun wieder mit Dampf bis München gefahren werden, südlich Würzburg sind hierfür Treuchtlinger 01 zuständig, zwischen Frankfurt und Würzburg sind es nun Würzburger 01.

Auch die Zugbildung des D 47 im Sommer 1953 ist überliefert:

Der Stammzug München-Norddeich besteht nur aus einem C und einem BC, die Kurswagengruppe Osnabrück besteht ebenfalls aus einem C und einem BC sowie zusätzlichem einem Behelfspackwagen MPw, außer Sonntags läut ab München im Zug außerdem ein Packwagen bis Münster mit, an der Spitze des Zugues läuft ab München der Postwagen nach Frankfurt. In Würzburg werden am Zugschluss eine Gruppe Würzburg-Norddeich (bestehend aus einem C und einem Halbspeisewagen CR) sowie die beiden Kurswagen Wien-Dortmund beigestellt. Von den bis zu 8 in Münster ankommenden Wagen laufen 4 weiter in der Saison Richtung Norddeich, weitere 4 Wagen werden in Münster wieder beigestellt, an der Spitze ein Packwagen Hagen-Norddeich sowie die beiden Kurswagen Frankfurt-Hagen-Norddeich, am Zugschluss wird der C Münster-Emden Außenhafen beigestellt.

Quelle: ZpAR 1953. Zur Verfügung gestellt von DSO-User OZL-Lokd.

Fast zwei Stunden Fahrzeitersparnis waren dann bis 1957 zu verzeichnen, damit war wieder das Vorkriegsniveau erreicht. Die Halte Königswinter und Frankfurt-Höchst sind nun entfallen, auch die Kurswagen wurden deutlich weniger: Neben Norddeich-Frankfurt gibt es nur noch die Kurswagen aus Wien, die jetzt aber in der Hochsaison bis Norddeich durchgebunden sind. Es gibt wieder Schlafwagen 2. Klasse Frankfurt-München, dafür läuft der Speisewagen nur noch Münster-Frankfurt.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1957.

Für den Sommer 1958 liegen wiederum die Bespannungen vollständig vor:

D 47:

  • München-Würzburg: 01 Bw Treuchtlingen
  • Würzburg-Frankfurt: E10.0 Bw Nürnberg
  • Frankfurt-Wiesbaden: 01 Bw Wiesbaden
  • Wiesbaden-Köln: 01 Bw Wiesbaden
  • Köln-Münster: 03 Bw Köln-Deutzerfeld
  • Münster-Emden West: 03 Bw Rheine
  • Emden West-Norddeich: 38.10 Bw Emden

D 48:

  • Norddeich-Emden West: 38.10 Bw Emden
  • Emden West-Münster: 03 Bw Rheine
  • Münster-Wiesbaden: 03 Bw Köln-Deutzerfeld
  • Wiesbaden-Frankfurt: 38.10 Bw Darmstadt
  • Frankfurt-Würzburg: E18 Bw Nürnberg
  • Würzburg-München: 01 Bw Treuchtlingen bzw. Würzburg

Das Jahr 1958 dieses Zugpaares haben die Kollegen von http://www.db58.de herrlich „seziert, ich kann nur empfehlen dort vorbeizuklicken:

http://www.db58.de/2015/07/18/d-47-d-48-muenchen-muenster/

In Teil 4 geht es dann um die 1960er Jahre.

Vielen Dank an DSO-User OZL-Lokd. für die vielen Laufplanangaben und den Zugbildungsplan, an Helmut Philipp für den Fahrplanauszug sowie an „Eurocity341“ für ergänzende Angaben! Link zur Diskussion auf DSO.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Ergänzende Fahrplanangaben, insbesondere zwischen 1946 und 1948 sowie 1951 und 1957
  • Bespannungen und Zugbildungen
  • Fotos, Erinnerungen

Stand: 26.10.2013

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