D 402/401: Der Lückenschließer für einen Kurswagen Kobenhavn-Wien 1960-1973

Von Markus Egger

Nach dem 2.Weltkrieg war eine Kurswagenverbindung Kobenhavn-Wien (lange Jahre bestehend aus Schlafwagen und Sitzwagen) entstanden, die ab Kobenhavn im F 211/212 „Skandinavien-Italien-Expreß“ lief und zunächst ab Bebra  mit D 385/386 weiter Richtung Passau und ab dort mit D 374/375 nach Wien lief. In den späten 1950ern lief extra ab Würzburg ein D 288, der in der „Hauptstadt“ Mainfrankens verschieden Kurswagen aus Kobenhavn, Hamburg und Münster nach Wien einsammelte und in die österreichische Bundeshauptstadt brachte, die Kobenhavener Kurswagen kamen mit dem hier schon vorgestellten D 188/187 Hamburg-Salzburg.

1960 wurde diese Kurswagenverbindung so optimiert, dass die Wagen von Kobenhavn bis Fulda im jetzt „Italia-Express“ genannten F 212/211 Kobenhavn-Roma und ab Würzburg bis Wien im D 302/301 „Holland-Wien-Express“ liefen. Um die Lücke zwischen diesen beiden Zügen zu schließen, wurde der kurze D 402/401 Fulda-Würzburg aus der Taufe gehoben, der diese beiden Bischofsstädte schnell am Tagesrand verband. Der abendliche D 402 legte die 112km lange Strecke ohne Halt zurück, Gegenzug D 401 hielt morgens auch in Gemünden und Jossa. Bespannt wurde D 402 1960 mit Hamburger V200, D 401 mit Treuchtlinger 01, 1962 wurden beide Züge mit Hamburger V200 bespannt. Die Kurswagengruppe bestand 1960 aus einem AB der ÖBB Kobenhavn-Wien und im Sommer einem zusätzlichen B der ÖBB Großenbrode-Wien.

Der übersichtliche Fahrplan des D 402/401 anno 1962. Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1962.

Auszug aus dem Kurswagenverzeichnis Winter 1966/67. Zur Verfügung gestellt von DSO-User OZL-Lokd.

Zumindest im Sommer 1962 und 1966 bestanden die Kurswagen Kobenhavn-Wien nur aus Sitzwagen, im Winter 1964/65, 1965/66 und 1966/67 lässt sich auch ein ISG-Schlafwagen nachweisen, 1964/65 lief er Kobenhavn-Wien, danach nur noch Puttgarden-Wien.

D 402 ist 1964/65 ein fast reiner Kurswagenzug: Im Sommer laufen an der Spitze zwei ÖBB-Sitzwagen als Kurswagen Kobenhavn-Wien und Puttgarden-Wien, im Winter ist es ein ABüm der ÖBB Puttgarden-Wien und ein WLAB der CIWL Kobenhavn-Wien, „Stammteil“ des D 402 ist nur ein BDüm der DB. Gegenzug D 401 ist ebenso gebildet, auch bei diesem läuft der BDüm am Zugschluss, um die Kurswagenumstellung zu erleichtern. Scan aus dem Zugbildungsplan 1964/65: Ulrich Brandl.

1963 und in den Folgejahren sind als Zuglok für das Zugpaar Nürnberger E10 vorgesehen, in einzelnen späteren Jahren gab es auch Hamburger E10, insbesondere vor D 402 planmäßig zu sehen.

Außer einer leichten Beschleunigung des Zugpaares durch die abgeschlossene Streckenelektrifizierung sind bis Sommer 1966 keine nennenswerten Änderungen zu verzeichnen. Die Kurswagengruppe bestand im Sommer 1966 aus einem ABm der ÖBB Kobenhavn-Wien und einem Bm der ÖBB Puttgarden-Wien, im Winter verkehrte neben dem ABm der ÖBB Kobenhavn-Wien ein WLAB der CIWL Puttgarden-Wien und Ende April/Anfang Mai zusätzlich ein weiterer ABm der ÖBB Puttgarden-Wien.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1966.

Auszug aus dem Beförderungsbuch 5a „Ladex“ Sommer 1966.

Aus dem „Ladex“ 1966 ergibt sich, dass unser D 402/401 auch 1966 einen Halbgepäckwagen BDm führte, der auch Aufgaben im Gepäck- und Expressgutverkehr hatte.: D 401 führte nordwärts Gut Richtung Fulda, Bebra, Kassel, Altenbeken und Soest sowie Reisegepäck für Norddeutschland und Auslandssendungen für die Nordischen Länder zum Umladen in den F 211. Gegenzug D 402 durfte Gut für Gemünden (?!, das Kursbuch nennt keinen Verkehrshalt?!) und Würzburg, in Würzburg war auch zu übergeben Reisegepäck Richtung Nürnberg und Auslandssendungen Übergang Passau zum umladen in D 302, Gut Richtung Schweinfurt, Bamberg, Lichtenfels und Hof für E 716 sowie Gut für zahlreiche andere süddeutsche Bahnhöfe von Ansbach bis Friedrichshafen.

Im Winter 1969/70 verkehrten nur noch Sitzwagen als Kurswagen Kobenhavn-Wien: jetzt ein ABm der DSB, die ÖBB stellte einen ABm Puttgarden-Wien. Der Halt in Jossa war entfallen, die Fahrplanlage hatte sich leicht verschoben.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Winter 1969/70.

Im Sommer 1971 verkehrte unser Zugpaar zwar fast unverändert, führte aber keine Kurswagen mehr und nannte sich nun D 871/870.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1971.

Spannend wird es nochmal zum Winterfahrplan 1972/73. D 871 ist nun ab Würzburg als E 871 bis Bamberg durchgebunden, der Gegenzug verkehrt nun durchgehend als E 870 Kulmbach-Fulda! Im Winter 1973/74 lässt sich nochmals ein Kurswagen Wien-Kopenhagen nachweisen, daneben gibt es nun einen Kurswagen Kulmbach-Puttgarden bzw. Puttgarden-Bamberg!

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1973.

Die Angaben in den Zugbildungsplänen zu den Wagen widersprechen sich jedoch teilweise, vermutlich weil der ZpAR für den D 871 einen früheren Redaktionsschluss hatte als der ZpBR für den E 870. Der ZpAR nennt für den D 871 im Winter einen ABm der DSB Kobenhavn-Wien, einen ABm der ÖBB Puttgarden-Wien und einen Bm der DB Puttgarden-Bamberg.

Zugbildungsplan ZpAR der DB für D 871 Jahresfahrplan 1973/74. Kurswagen aus Kobenhavn und Puttgarden gibt es nur im Winterabschnitt. Scan zur Verfügung gestellt von Oliver Ertl.

Der ZpBR nennt als Kurswagen einen ABm der ÖBB Wien-Kobenhavn und einen Bm der DB Kulmbach-Puttgarden, der ABm der DSB ist nicht mit dabei, vermutlich war er kurzfristig wegen zurückgehender Nachfrage eingespart worden. Auch beim Stammzug widersprcehen sich die beiden Pläne: Der ZpAR nennt ABm+Bm+BDm, teilweise ergänzt durch einen Bm bzw. Bn, der ZpBR kennt als Stammzug ABm+D+Bm, teilweise ergänzt durch zwei Bm. Da die in Bamberg ankommenden Wagen aus D/E 871 geschlossen am nächsten morgen mit einem Leerreisezug 51853 weitergehen, der wiederum der vorhergehende Zug für E 870 ab Kulmbach ist, muss es sich hierbei eigentlich um verschiedene Planungsstände handeln. Gezogen wird das Zugpaar im Abschnitt Bamberg-Fulda und zurück 1973 von Nürnberger 110ern, der morgendliche E 870 von Kulmbach bis Bamberg ist eine Leistung von Hofer 01ern, die dafür extra den Leerzug frühmorgens ab Bamberg Tender voraus nach Kulmbach überführen müssen. E 870 ist mit einer Reisegeschwindigkeit von über 90 km/h im Abschnitt Kulmbach-Bamberg der schnellste Zug, den Hofer 01 führen dürfen! Im Sommer 1973 geht diese Leistung dann jedoch auf die nagelneuen Regensburger 218 über.

Auszug aus dem ZpBR der DB 1973/74.

Damit war jedoch die internationale Karriere dieser Verbindung beendet – die bisherigen Züge 871/870 entwickeln sich nun sehr unterschiedlich in den folgenden Jahren weiter – doch dazu mehr nächstes mal.

Offene Fragen:

  • Weitere Informationen zu dem mytseriösen Schlafwagen Kopenhagen/Puttgarden-Wien
  • Wann entfielen die Sommerkurswagen endgültig?
  • Zugbildungspläne insbesondere zwischen 1964 und 1973
  • Erinnerungen, ….

 Link zur Diskussion auf DSO

Vielen Dank an Oliver Ertl, OZL-Lokd., Hans-Jörg Schwabel, Frankenland, Ronald Krug, Michael Sieß, Lothar Behlau und Ulrich Brandl für die Mithilfe!

Stand: 12.12.2013

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