Reisebericht: Öffentlicher Verkehr im Departement Manche und drum herum

Von Markus Egger

Selbst wenn man in noch so wenig ÖPNV-affinen Regionen Urlaub macht – ganz ÖPNV-frei gelingt ein Urlaub selbst dann kaum…

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Lage des Departments Manche in Frankreich. Quelle: Wikimedia Commons. (Creative Commons CC-BY-SA-2.5) Autor: Marmelad.

Dieses Jahr stand das Departement Manche in der Normandie auf dem Urlaubsplan. Während die An- und Abreise aus Süddeutschland kein größeres Problem darstellt (mit dem TGV nach Paris, ab dort gibt es regelmäßig Intercites nach Cherbourg), ist der ÖPNV vor Ort außerhalb von Cherbourg nicht für Urlaubszwecke ausreichend, so dass ein Aufenthalt ohne PKW nicht empfohlen werden kann. Das Eisenbahnnetz besteht praktisch nur aus der aus Paris über Carentan laufenden Hauptlinie nach Cherbourg und der im Süden des Departements verlaufenden Nebenstrecke Lison-Coutances-Granville.

Karte mit den wichtigsten Orten im Departement. Quelle: Wikimedia Commons; Das Original wurde von Laurent in der Wikipedia auf Französisch hochgeladen – Übertragen aus fr.wikipedia nach Commons durch Crochet.david mithilfe des CommonsHelper.. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Manche.jpg#mediaviewer/File:Manche.jpg

Insbesondere der Küstenbereich ist bahnmäßig gar nicht erschlossen. Der Regionalverkehr im Department wird unter der Marke Maneo Express vom Conseil Generale bestellt und von mehreren Betreibern, aber mit einheitlichem Design und Einheitstarif, durchgeführt. Das Kernnetz besteht aus 13 Regionalbuslinien (Link zum Netzplan), auf denen aber meist nur zwei bis drei Fahrtenpaare im Berufsverkehr und ein bis zwei Fahrtenpaare Mittags angeboten werden. Gerade Vormittags ruht häufig der Verkehr für bis zu 5 Stunden. Ganze Landstriche sind ohne festes regelmäßiges Busangebot, lediglich Sammmeltaxenverkehre innerhalb der Gemeindegebiete gibt es teilweise. An Sonntagen ruht der Verkehr auf vielen Linien, oder es verkehrt ein einziges Fahrtenpaar. In den Ferienmonaten Juli und August verkehren zusätzlich 5 Sommerlinien, die Ausflugsziele – häufig auf Rundkursen von den größeren Orten aus – erschließen.

Dennoch kam ich nicht umhin im Urlaub auch hier einige Entdeckungen zu machen. Im Sommer verkehrt zwischen den Küstenorten Barneville-Carteret und Portbail der „Train Touristique du Cotentin„. Gefahren wird mit einer recht netten Garnitur aus einer Diesellok der Reihe BB 63000 sowie drei Personenwagen der Serie „Bruhat 1930 S“. Dem Fahrradtransport und als Generatorwagen dient ein G-Wagen. Bedingt durch zahlreiche Wegübergänge, die alle mit einem mitfahrenden Posten gesichert werden und einer sehr niedrigen Höchstgeschwindigkeit dauert die Fahrt auf der 9 km langen Strecke sage und schreibe 45 Minuten! Die Strecke ist Teilstück eines früher nach Paris durchgehenden Verbindung (weiter über La Haye-du-Puits Richtung Carentan), die in den 1970ern Stück für Stück den Personenverkehr verlor. Die Nachfrage am Nutzungstag war gut, der Zug verkehrte an diesem als Zu- und Abbringer zum Wochenmarkt in Portbail.

Train Touristique du Cotentin vor der Abfahrt in Carteret. Alle nicht gekennzeichneten Aufnahmen vom Autor.

Innenleben eines Sitzwagens der Serie Bruhat 1930 S. Die Tische sind für den Touristikbetrieb nachgerüstet. Im Zug werden kleine Speisen und Getränke angeboten.

Der Bahnhof von Barneville.

 

Doch nun zum Regionalbusverkehr. Auf der Linie 10 von Portbail über Barneville-Carteret nach Cherbourg war dieser Irisbus Recreo (eine für den französischen Markt mit seinen besonderen Anforderungen im Schulverkehr adaptierter Crossway) des Unternehmens Normandie Voyages (Veolia-Gruppe) eingesetzt.

Bei Maneo Express gilt ein Einheitstarif – die Fahrt im Regionalbus kostet 2,30 € – egal wie weit. Es sind auch Zwölferkarten für 23,- €, Wochenkarten für 17,- € oder Monatskarten für 52 € erhältlich, was auf längeren Strecken sehr günstig ist – allerdings ist dies nur eingeschränkt nutzbar, da auf den Linien nur wneige Kurse verkehren und sinnvolle Anschlüsse zwischen den Linien so gut wie nicht bestehen.

Die meisten Fahrzeuge stammen vom Hersteller Irisbus/Iveco, zweit wichtigster Hersteller im Regionalbusverkehr ist Temsa aus der Türkei. Hier sonnt sich ein auf der Linie 12 nach Barfleur eingesetzter Temsa Tourmalin in Cherbourg am Busbahnhof.

Collas Voyages stellte einen Temsa Safari für die Sommerferienlinie auf die Halbinsel La Hague (ja, genau, da steht die Wiederaufbereitungsanlage).

Der Busbahnhof von Cherbourg hat übrigens eine interessante Vergangenheit, es war früher der Kleinbahnhof einiger ab hier zu Küstenorten verkehrender Kleinbahnen. Näheres zu deren Geschichte und zur Geschichte des Regionalbusverkehrs in der Normandie auf der interessanten englischsprachigen Seite eines Hobbykollegen:

http://www.countrybus.co.uk/stn.htm

Sogar eine Doppelabfahrt gab es am Nachmittag beim Warten auf die Heimfahrt: Linie 1 nach St-Lo und Linie 51 nach St-Vaast-la-Hougue – wiederum mit Irisbus und Temsa. Interessanterweise war kein einziger auf Maneo Express gebrandeter Bus, den ich gesehen habe, im heimischen Departement zugelassen – schöne neue Ausschreibungswelt!

Der Stadtverkehr in Cherbourg wird von Keolis (SNCF) unter der Marke Zephir betrieben. Zum Einsatz kommen Heuliez-Solobusse verschiedener Baujahre.

Ein Blick in den Bahnhof Cherbourg zeigt einen hier auf seine Rückfahrt wartenden Intercites.

Neben Bus und Bahn gibt es jedoch noch eine weitere interessante Variante des öffentlichen Verkehrs im Departement. Ab Barneville-Carteret und Dielette verkehren die Schiffe des Manche-Iles-Express vom Festland auf die Kanalinseln Jersey bzw. Guernsey. Da die Häfen in Barneville-Carteret und Dielette nicht tideunabhängig sind (Tidenhub in dieser Region bis zu 11m!!!). Der Fahrplan ist stark Tideabhängig. An Tagen an denen in Barneville-Carteret morgens und abends Flut ist fährt man ab dort nach St. Helier auf Jersey, an den anderen Tagen ab Dielette nach St. Peter Port auf Guernsey.

Genutzt habe ich das Schiff „Marine Marie“, das früher wohl auf norwegischen Fjorden im Einsatz war.

Da die Kanalinseln nicht zum Vereinigten Königreich gehören sind sie auch nicht Teil der EU (Staatsoberhaupt ist dennoch die Queen – allerdings in Ihrer Funktion als Herzogin der Normandie, näheres hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Jersey).

Abgelegt wird am „Gare Maritime“ in Barneville-Carteret, wo extra der Zoll für bis zu eine Abfahrt täglich eine Ausreisekontrolle öffnet.

Unterwegs kommt man in den inzwischen außerhalb von Flughäfen selten  gewordenen Genuss von Duty-Free-Shopping.

Auf Jersey gibt es – ganz im Gegensatz zur Manche – ein dichtes und überwiegend mit engen Fahrtenfolgen vertaktetes Busnetz, das unter der Marke „Liberty Bus“ vermarktet wird. Zum Einsatz kommen überwiegend Optare Solo – größere Fahrzeuge wären auf den engen Inselsträßchen kaum möglich. Hier wendet Wagen 317 an der Endhaltestelle der Linie 12A „L’Etacq“:

Auf der Linie von St. Helier zum internationalen Flughafen werden Alexander Dennis Doppelstockbusse eingesetzt.

Auf Schulbuslinien sind auch noch ältere Fahrzeuge im Einsatz.

Hauptgrund um ins Departement Manche zu fahren sind aber Eindrücke wie diese, und nicht ein paar Busse oder Züge;)

Stand: 31.7.2014

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