Mit dem Bahnbus von Coburg nach Würzburg (Teil 1: 1949-1956)

Von Markus Egger

Der Bahnbus (und teilweise auch die Post) betrieb lange Jahre mehrere Linien in einer interessanten Mischform von Fernbus und Regionalbus (um mit den heutigen Begrifflichkeiten zu arbeiten), die es so heute eigentlich gar nicht mehr gibt: Über Mittellange Distanzen laufende Buslinien, die jedoch mehr oder weniger alle Unterwegshalte bedienen.

Eine dieser Linien lief von Coburg nach Würzburg und soll Thema dieser Fahrplangeschichte sein. Blickt man auf eine Eisenbahnkarte der durchfahrenen Regio, fällt sofort auf, das eine Eisenbahnreise von Coburg nach Würzburg einen erheblichen Umweg und oft auch mehrere Umsteige bedeutet: Erst muss man südöstlich nach Lichtenfels, dann südwestlich nach Bamberg um dann endlich westlich nach Würzburg fahren zu können. Zumindest bis Schweinfurt ist die Straßenstrecke nur etwa halb so lang wie die Schienenstrecke. Bedenkt man noch dazu, dass Coburg durch die innerdeutsche Grenzziehung seine schnellsten Reisewege nach Norden und Westen (über die Werrabahn) verloren hat, ist es recht naheliegend, dass man schon bald nach Kriegsende versuchte diese Nachteil aufzuwiegen.

Karte der von der Buslinie Coburg-Schweinfurt-Würzburg durchfahrenen Region. Quelle: Amtliches Kursbuch Sommer 1951.

Bisher lässt sich diese Linie mindestens bis zum Winterfahrplan 1949/50 zurückverfolgen, damals jedoch vorläufig nur von Coburg nach Schweinfurt verlaufend. Sie war damit eine von nur 7 damals in ganz Franken existierenden Bahnbuslinien! (3 davon waren Reste der Reichsbahnautobahnbuslinien).

Neben dem Direktverkehr Coburg-Schweinfurt verband die Linie außerdem noch wichtige Bahnhöfe der in diesem Gebiet bestehenden Nebenbahnen quer an: Rossach erhielt eine Süd- und Westanbindung, Kaltenbrunn an der Nebenbahn Bamberg-Dietersdorf erhielt ebenfalls Direktverbindungen nach Coburg und Schweinfurt, ebenso wie Ebern an der Bahnstrecke Bamberg-Maroldsweisach. Hofheim – Endpunkt einer Nebenbahn aus Haßfurt erhielt ebenfalls Direktverbindungen nach Schweinfurt und Coburg. Grundangebot war ein werktägliches Kurspaar Coburg-Schweinfurt, das morgens ab Coburg und am frühen Abend ab Schweinfurt lief. Auffällig ist, dass Richtung Schweinfurt von Ebern bis Hofheim nur zum Aussteigen gehalten wurde, in der Gegenrichtung nur zum Einsteigen – hier gab es vermutlich ein Bedienungsverbot zu Gunsten einer privaten Buslinie. Zusätzlich gab es an Mittwoch, Samstag, Sonn- und Feiertag ein spätabendliches „Theaterkurspaar“ als „Schienenersatz“ für die Nebenbahn Coburg-Rossach, das im Gegensatz zum Langläufer in diesem Abschnitt auch alle Zwischenhalte bediente. Während morgens der Zug sogar trotz des großen Umwegs über Bamberg ein zeitlich fast genau so schnelles Angebot hatte (7:49 ab Coburg  mit Personenzug nach Bamberg, dort weiter mit Personenzug nach Schweinfurt, Ankunft dort 10:28 Uhr), war man abends mit dem Bus wesentlich schneller (fast eine Stunde, und sparte sich zwei Umstiege in Bamberg und Lichtenfels.

Quelle: Amtliches Kursbuch Winter 1949/50.

Im Winterfahrplan 1951/52 besteht der Fahrplan noch fast unverändert, interessant ist jedoch, dass die Ein- und Ausstiegsbeschränkungen zweischen Ebern und Hofheim entfallen sind, dafür nun bei den Langläufern im täglichen Wechsel die Betriebsführung zwischen der Bundesbahn und der Firma Karl Dürrnagel aus Pfarrweisach wechselt – offensichtlich „hatte man sich geeinigt“. Der Spätabendliche Theaterkurs nach Rossach verkehrt nun nur noch am Wochenende. Neu in den Fahrplan aufgenommen wurden mehrere Unterwegshaltestellen: Eyrichshof, Fischbach, Leuzendorf, Ibind, Abzw Hohenhausen, Abzw Fitzendorf, Abzw Ueschersdorf, Goßmannsdorf, Lendershausen und Kreuzthal.

Quelle: Amtliches Bahnbuskursbuch Winter 1951/52.

Bis zum Sommerfahrplan 1956 expandierte der langflaufende Verkehr dann sogar – es gibt nun Dienstags ein neues Kurspaar Ebern-Schweinfurt-Würzburg, das eine frühere Ankunft am Main und eine spätere Abfahrt wieder dort ermöglichte. Interessanterweise hat dieses Kurspaar im Gegensatz zum anderen umfangreiche Beidenungsverbote im Abschnitt Humprechtshausen-Schweinfurt. Neue Haltestellen gibt es auch wieder: Gleußen, Abzw Pfarrweisach, Marktsteinach, Mainberg, Schweinfurt Marienbachbrücke. Zwischen Creidlitz und Rossach werden nun die Dörfer mitbedient und Dürrnagel fungiert nicht mehr teilweise als Betriebsführer. Das bisherige abendliche Theaterkurspaar nach Rossach wird nun in der Fahrplantabelle 1419h Coburg-Rossach-Kaltenbrunn-Bamberg veröffentlicht, da inzwischen auf dieser mehrere Verkraftungsbusse Coburg-Rossach verkehren. Inzwischen ist übrigens die Reisezeit Coburg-Schweinfurt über Bamberg mit dem Zug immer mindestens 20 Minuten schneller als mit dem direkten Bus, auch ist beim Zug nur noch maximal ein Umsteig nötig.

Quelle: Amtliches Bahnbuskursbuch 1956.

 Leider liegt mir für die folgenden Jahre bis 1968 kein Fahrplan der Linie vor, im demnächst erscheinenden Teil 2 wird es aber dann um die Jahre 1968 folgende gehen.

 

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