Die München-Augsburger-Eisenbahn und ihre Fahrpläne 1838-1844

Von Markus Egger

Noch 1835 bildeten sich unter dem Eindruck der ersten deutschen Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth auch in Augsburg und München Komitees, um den Bau einer Eisenbahn zwischen diesen beiden Städten voranzutreiben. Bei der bayerischen Regierung stieß dieses Projekt durchaus nicht auf Ablehnung, da im Gegensatz zu anderen Projekten dem Lieblingskind des Königs, dem gerade in Bau befindlichen Ludwig-Main-Donau-Kanal durch diese Strecke keine Konkurrenz drohte. Dennoch war an eine Staatsbahn noch nicht zu denken, so dass diese Strecke als privat finanzierte Aktiengesellschaft geplant und gebaut wurde. Anfang 1838 begannen die Bauarbeiten, ein erstes kurzes Stück war bereits im September 1838 zwischen Augsburg und der zukünftigen Lechbrüke fertig und wurde für Pferedebahnausflugsfahrten zur Brückenbaustelle genutzt. Ein Jahr später ab 1.9.1839 konnte von München bis ins Dorf Lochhausen gefahren werden, auch diese Fahrten hatten noch mehr Vergnügungs- als wirkliche Transportaspekte, in Lochhausen hatte man sogar Tribünen aufgebaut, von denen aus das Spektakel bewundert werden konnte! Am 27.10.1839 wurde der Abschnitt bis Olching eröffnet, am 7.12.1839 ging es bis Maisach. Wiederum ein Jahr später am 4.10.1840  – pünktlich zum Eröffnungstag des Oktoberfestes – wurde endlich die Gesamtstrecke eröffnet – zu diesem Zeitpunkt plante die Regierung dann doch schon selber an Eisenbahnen herum: die Ludwigs-Süd-Nord-Bahn sollte entstehen.

Eröffnungsfahrplan der München-Augsburger-Eisenbahn vom 4.Oktober 1840. Quelle: Baierischer Eilbote, No 120 vom 4.10.1840. Digitalized by Google.

Folgende Stationen wurden in Betrieb genommen: München, Pasing, Lochhausen, Olching, Maisach, Nannhofen, Haspelmoor, Althegnenberg, Mering, Kissing, Hochzoll und Augsburg.

Der regelmäßige Betrieb der Eisenbahn führte zu nächst noch häufig zu Verspätungen und obwohl das Angebot nicht schlecht angenommen wurde, war kaum Platz für Angebotserweiterungen, im Sommer 1841 verkehrten dann immerhin drei Zugpaare mit Dampfwagen, zusätzlich wurde nachts auf der Strecke ein Zugpaar mit Pferdekraft befördert.

Fahrordnung von August 1841. Quelle: Bayerische Landbötin No 91 vom 31.7.1841. Digitalized by Google.

Im Winter wurde wiederum auf zwei Fahrtenpaare tagsüber reduziert, ergänzend dazu verkehrte wieder wie früher ein nächtlicher „Eilwagen“ (Postkutsche) der Königlich Bayerischen Posten von München nach Augsburg über die Landstraße via Eurasburg, Schwabhausen, Dachau, jedoch wurde diese Verbindung erneut zum 1.5.1842 zu Gunsten eines dritten Zugpaares eingestellt.

Quelle: Das Verordnungs- und Anzeige-Blatt für die königlich bayerischen Posten, 6.Mai 1842. Digitalized by Google.

Öfters wird in den nächsten Jahren der Eisenbahn-Fahrplan geändert, es bleibt jedoch meist bei 2-3 Zugpaaren, wenn Abends kein Zugpaar verkehrt wird durch die Postverwaltung wiederholt ein Eilwagen über Dachau eingesetzt. Die Passagierzahlen auf der Eisenbahn schwankten in jenen Jahren sehr stark zwischen den Sommer- und Wintermonaten (im Sommer doppelt so hoch wie im Winter!).

1844 wird die München-Augsburger-Eisenbahn bereits verstaatlicht – die Renditeerwartungen waren nie erfüllt worden, nur mit großen Anstrengungen waren überhaupt Gewinne erwirtschaftet worden. Zudem hatte der Staat ein Interesse daran seine in Bau befindliche Ludwigs-Süd-Nord-Bahn auch an die Landeshauptstadt München mittels Staatsbahnzügen anzubinden. Zur Behebung der immer noch vorhandenen Unpünktlichkeiten und Unzuverlässigkeiten wurde eine Kommission eingesetzt, hier findet sich eine interessante Internetseite hierzu. Ab 28.Mai 1846 konnte in Augsburg der bereits seit 1844 bestehende Streckenabschnitt Oberhausen-Nordheim der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn mit der München-Augsburg-Eisenbahn provisorisch verbunden und der durchgehende Zugbetrieb aufgenommen werden, ab diesem Zeitpunkt verkehrten durchgehende Züge München-Nordheim, die bereits hier vorgesetllt wurde.

Literatur:

Klee, Wolfgang: Bayern-Report Band No 1 – Bayerische Eisenbahngeschichte Teil 1: 1835-1875; Hermann Merker Verlag, Fürstenfeldbruck 1993.

Bundesbahndirektion München: 150 Jahre Eisenbahn München-Augsburg; Carl Gerber Verlag, München 1990.

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