D-Zug Berlin-Lindau in den 20ern und frühen 30ern

Von Markus Egger

Nachdem mit Ausbruch des 1.Weltkrieges die erste Blütephase des durchgehenden Schnellzuges Berlin-Lindau abrupt zu Ende gegangen war, war auch in den ersten Nachkriegsjahren zunächst kein Platz für die Wiederauferstehung. Noch im Sommer 1921 verkehrten erst wieder zwei Nachtschnellzüge Berlin-München, Stammzug war D 50/49, ergänzend dazu der reine Schlafwagenzug D 70/71, der teilweise die Zugnummer des Vorkriegs-Schlafwagenzuges erbte und wie dieser nur im Juli und August verkehrte, zudem versprach das Kursbuch außerhalb dieser Zeit ein verkehren „bei Bedarf“. Immerhin bestand mit D 70/71 eine halbwegs akzeptable Umsteigeverbindung von Berlin an den Bodensee, die in manchem Detail an Lösungen aus den 1890er-Jahren erinnert, denn bei der Rückreise in die Hauptstadt ist im Abschnitt Buchloe-Augsburg mal wieder ein Personenzug zu nutzen und der Fernreisende lernt Dörfer wie Lamerdingen oder Großaitingen kennen. Auch bei den Reisezeiten ist trotz kaum zusätzlicher Halte im Abschnitt Berlin-Augsburg eine Zunahme von über 2 1/2 Stunden gegenüber 1914 zu verzeichnen.

Eigene Zusammenstellung nach: Eisenbahn-Kursbuch Bayern rechts des Rheins Sommer 1921.

Im Winter 1921/22 ist D 70/71 ebenfalls im Kursbuch zu finden, verkehrt jedoch grundsätzlich nur bei Bedarf. In den Folgejahren nahm die Reisetätigkeit durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage wieder zu und ein direkter Schnellzug Berlin-Lindau wurde wieder alljährlich im Sommer eingelegt – erstmals nachwiesen kann ich ihn in dieser Form im Sommer 1927. Die Reisezeit ist jedoch immer noch 2 Stunden länger als 1914! Der Zug nennt sich nun D 92/91 – eine Zugnummer die ihn noch lange begleiten wird. Im Abschnitt Berlin-Augsburg sind die Halte weiterhin auf das allernotwendigste reduziert: Halle(Saale) erschließt den Mitteldeutschen Raum, südwärts wird in Göschwitz, nordwärts in Jena Saalbf der Großraum Jena (tief in der Nacht) erschlossen, einheitlich wiederum ist der Halt in Saalfeld, die Halte südwärts in Probstzella und nordwärts in Rothenkirchen (Ofr) waren wohl eher eine Folge des jeweiligen ansetzens der Schiebelok über den Frankenwald, neu gegenüber früher ist der Halt in Bamberg in beide Richtungen, danach folgt bis Augsburg nur noch Nürnberg, wo auch Kopf gemacht werden muss. Im Allgäu wird 1927 der wichtige Knotenbahnhof Buchloe ohne Halt durchfahren, gehalten wird nur in Kaufbeuren, Kempten-Hegge und Immenstadt. Der Zug führt nun einen Speisewagen im Abschnitt Nürnberg-Lindau und zurück, die Angaben bezüglich eines Kurswagens Berlin-Oberstdorf sind im Kursbuch widersprüchlich.

Eigene Zusammenstellung nach: Reichs-Kursbuch Sommer 1927.

Doch bereits im darauffolgenden Sommer waren weitere Verbesserungen umgesetzt: Der Zug wurde um etwa eine Stunde beschleunigt und fährt südwärts in einer etwas späteren Fahrlage. Im Abschnitt Nürnberg-Lindau fährt er jetzt nicht mehr nur im Juli und August sondern täglich, außerhalb Juli und August hat er dann Kurswagen aus Berlin, die bis Nürnberg in einem anderen Zug laufen. Es gibt nun Schlaf- und Sitzwagen nach Chur, Sitzwagen Berlin-Oberstdorf, zumindest südwärts einen Sitzwagen Augsburg-Füssen und wieder wie vor dem Krieg Kurswagen aus Sachsen und Schlesien: Südwärts verkehren diese Breslau-Zürich, Nordwärts Zürich-Dresden! Der Halt südwärts in Göschwitz scheint wieder entfallen zu sein, im Allgäu wird nun doch in Buchloe gehalten.

Eigene Zusammenstellung nach: Amtliches Kursbuch Bayern, rechts des Rheins, Sommer 1928.

Erneut nur einen Sommer später (1929) – die Nachfrage nach direkten Verbindungen aus Berlin die Urlaubsgebiete in Bayern scheint geradezu zu explodieren – wird nun ab Augsburg extra ein Flügelzug D 192/191 nach Garmisch-Partenkirchen über die Ammerseebahn eingerichtet.

Quelle: „Die Reichsbahn“ – Nr. 8/1929. Zur Verfügung gestellt von DSO-User Plumps.

Für 1931 liegt mir nur ein Fahrplan vor, der keine Kurswagen ausweist und im nicht-bayerischen Abschnitt nur wenige Zwischenhalte aufführt. Dennoch ist zu erkennen, dass erneut eine Beschleunigung um nochmals etwa 30 Minuten möglich wurde. Nordwärts wird nun auch in Röthenbach und Oberstaufen gehalten – auch diese Situation hatte es schon einmal so ähnlich gegeben – z.B. 1905.

Dafür liegen für dieses Jahr Informationen aus der Schweiz vor:

Die Kurswagen aus Berlin und Breslau wurden ab St. Margrethen im Zug 18 befördert, der damals nach Genf lief.

Quelle: SBB-Kursbuch 1931

In der Gegenrichtung ist es jedoch Zug 7:

Quelle: SBB-Kursbuch 1931

Eigene Darstellung nach: Taschenfahrplan der Süddeutschen Sonntagspost, Sommer 1931.

Für Sommer 1934 liegen dann wieder detaillierte Informationen vor, gravierende Änderungen gibt es jedoch kaum, jedoch wurde schon wieder eine Beschleunigung um etwa 30 Minuten erzielt, die Fahrzeit von 1914 ist jedoch immer noch unerreicht – allerdings gab es 1914 auch nochmals deutlich weniger Zwischenhalte. In Jena Saalbf wird nun in beide Richtungen gehalten, den Kurswagen Augsburg-Füssen gibt es nicht mehr, dafür neue Kurswagen München-Lindau, aus Schlesien kommt man nicht mehr umsteigefrei an den Bodensee, die Kurswagen laufen nun paarig Dresden-Zürich-Dresden.

Eigene Zusammenstellung nach: Amtliches Kursbuch Bayern rechts des Rheins Sommer 1934.

Fürs weitere Verständnis ist außerdem noch wichtig, den D 392/391 des Jahres 1934 gleich mit hier vorzustellen:

Zunächst liefen die Kurswagen aus Dresden nach Lindau mit einem direkten Schnellzug Dresden-Nürnberg um dort auf D 92 überzugehen. 1934 kann ich dann erstmals einen D 392/391 Hof-Nürnberg nachweisen, der im Prinzip ein Kurswagenträger ist. Neben den Wagen Dresden-Zürich führt er außerdem noch Dresden-Stuttgart und Wagen mit dem eher ungewöhnlichen Laufweg Berlin-Hof-Nürnberg.

D 392/391 nimmt den Weg über Neuenmarkt-Wirsberg (Kopf machen) – Bayreuth und bindet damit – allerdings zu nächtlicher Zeit – die Festspielstadt Bayreuth direkt an.

Eigene Zusammenstellung nach: Amtliches Kursbuch Bayern rechts des Rheins Sommer 1934.

Offene Fragen und Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Wann zwischen 1922 und 1927 verkehrte D 92/91 erstmals?
  • Ergänzungen zu den Unklarheiten in den vorliegenden Fahrplänen
  • Informationen  und Vermutungen zur Betriebsabwicklung (Bespannungen, Zugbildungen, etc.)

Stand: 14.12.2014

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