Von D 92 Berlin-Lindau (1935) zu D 392 Krakau-Lindau (1944)

Von Markus Egger

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1935 wurde unser D 92/91 erstmals abschnittsweise elektrisch befördert, als zum Sommerfahrplan die Elektrifizierung Nürnberg-Augsburg in Betrieb ging. Zuständig für die Zugförderung in diesem Abschnitt waren – vermutlich eben wegen jenem Zug – in Augsburg stationierte E04. Die zunächst 3 in Augsburg stationierten Maschinen hatten zwei Plantage zu erbringen, dabei aber nur ein einziges Schnellzugpaar, nämlich unseren D 92/91 im Abschnitt Nürnberg-Augsburg, sonst standen nur ein beschleunigtes Personenzugpaar München-Saarbrücken im Abschnitt München-Stuttgart und ein Personenzugpaar Augsburg-München auf dem Programm – ein eher untypisches Programm für Schnellzugloks. Große Auswirkungen auf den Fahrplan hatte der Einsatz der E-Traktion zunächst nicht.

Eigene Zusammenstellung nach: Amtliches Kursbuch für das Reich Sommer 1935.

Auch der Kurswagenzubringer D 392/391 Hof-Nürnberg verkehrte 1935 gegenüber 1934 fast unverändert.

Eigene Zusammenstellung nach: Amtliches Kursbuch für das Reich Sommer 1935.

Erstmals liegt für 1935 auch ein Zugbildungsplan vor. Der Sommer-Nebensaisonzug Nürnberg-Lindau besteht im Stamm aus einem Post- einem Packwagen, einem BC4ü, einem C4ü und dem WR, zwischen den Packwagen und den BC4ü wird der Kurswagen Berlin-Lindau – ein ABC4ü – in Nürnberg einsortiert, am Zugschluss läuft noch ein ABC4ü Dresden-Zürich, in Buchloe wird am Zugschluss ein BC4ü München-Lindau beigestellt.

Der Hochsaisonzug Berlin-Lindau hat ab Berlin an der Spitze die Gruppe Garmisch-Partenkirchen mit BC4ü sowie je Saison WL bzw. WLC und C4ü bzw. BC4ü. Die darauf folgende Gruppe Oberstdorf hat nur im Sommer den WLC, der im Winter durch einen C4ü ersetzt ist sowie als zweiten Wagen ganzjährig einen BC4ü. Die Gruppe Lindau besteht aus 1-2 C4ü. Den Schluss bildet die Gruppe Chur mit WL, ABC4ü und Pw4ü – insgesamt also bis zu 9 Wagen! In Nürnberg kommen dann mit Post, Pw und WR sowie dem ABC4ü Dresden-Zürich bis zu 4 Wagen hinzu! Nachdem in Augsburg die Garmischer Wagen abgegangen sind kommen dann im Winter in Buchloe wieder 2-3 Sitzwagen hinzu.

Quelle: ZpAR Rbd München 1935. Zur Verfügung gestellt von DSO-User OZL-Lokd.

Für den Winter 1936/37 sind einige Bespannungsangaben überliefert, neben der E04 werden folgende Loks eingesetzt: Südlich Augsburg kamen verschiedene 18.4 der Bw Augsburg, München und Lindau zum Einsatz. D 192/191 Augsburg-Garmisch-Partenkirchen wurde von 38.4 (bay P 3/5 H) des Bw Augsburg befördert.

Der nächste mir vorliegende Fahrplan datiert aus dem Winter 1937/38 und zeigt, dass der Zug keine großen Veränderungen zwischen Winter- und Sommersaison erfuhr. Gegenüber 1935 gibt es südwärts einige zusätzliche Halte: Donauwörth, Schwabmünchen, Oberstaufen und Röthenbach – während in letzteren beiden bisher nur nordwärts gehalten wurde wird in ersteren beiden nun nur südwärts gehalten.

Eigene Zusammenstellung nach Reichs-Kursbuch Winter 1937/38.

Weiter nur kosmetische Änderungen sind bei D 392/391 zu verzeichnen.

Eigene Zusammenstellung nach Reichs-Kursbuch Winter 1937/38.

Für das Fahrplanjahr 1938/39 liegt erneut ein Zugbildungsplan vor. Ab Berlin an der Spitze läuft jetzt die Gruppe Chur (ABC4ü und WLAB), gefolgt von der Gruppe Lindau die im Winter nur aus einem C4ü besteht, im Sommer zusätzlich aus einem ABC4ü. Die Gruppe Oberstdorf besteht aus bis zu 3 Sitzwagen und dem WLC. Dahinter folgt der WLAB und BC4ü nach Garmisch-Partenkirchen, ein BC4ü plus im Sommer ein C4ü nach Innsbruck, am Zugschluss läuft nun ein Packwagen Berlin-Garmisch-Partenkirchen, damit läuft der Packwagen nun südlich Augsburg nicht mehr nach Chur. Carl Bellingrodt fotografierte D 92 am 8.6.1939 bei Hergatz. Es führte 18 506, der Zug bestand aus einem Packwagen hinter der Lok sowie 7 Personenwagen.

Quelle: Zugbildungsplan 1938/39 der DR. Zur Verfügung gestellt von DSO-User OZL-Lokd.

Inzwischen ist aus den ursprünglich zaghaften Anfängen der Direktverbindung Berlin/Dresden-Bodensee eine ganze Zuggruppe geworden. Ausdruck davon ist nun auch der in der Hochsaison an bestimmten Tagen zusätzlich verkehrende D 592/591 Berlin-Oberstdorf, der D 92/91 entlasten soll und die Oberstdorfer Kurswagen aufnimmt, während die Wagen nach Lindau und in die Schweiz im D 92/91 bleiben. Erstmals nachweisen kann ich D 592/591 durch einen Zugbildungsplan aus dem Jahr 1938/39.

Quelle: Zugbildungsplan der DR 1938/39. Zur Verfügung gestellt von DSO-User OZL-Lokd.

D 592 besteht aus der sonst im D 92 geführten Kurswagengruppe Berlin-Oberstdorf sowie einem zusätzlichen Pw4ü Berlin-Oberstdorf.

Im Sommer 1939 ergibt sich bezüglich der Fahrpläne folgendes Bild:

D 92 hat einen zusätzlichen Halt in beide Richtungen in Naumburg(Saale) Hbf, in Donauwörth wird nun in beide Richtung gehalten, in Schwabmünchen dafür gar nicht mehr. Vin Süden her reicht der Fahrdraht nun bis Saalfeld, demenstprechend ziehen nun Saalfelder E 18 den D 91 von Nürnberg bis in ihre Heimatstadt, wo um 2:33 wieder auf Dampftraktion umgespannt werden muss.

Eigene Zusammenstellung nach Reichskursbuch Sommer 1939.

Eine ganz andere Gestalt hat nun D 392/391: Er verkehrt nun täglich bereits ab Dresden, vor Sonn- und Feiertags sogar bereits ab Breslau, womit die Direktverbindung aus Schlesien nach Lindau mal wieder hergestellt wäre! D 392/391 verkehrt östlich Hof jedoch nicht als Ersatz, sondern als Verstärker für D 126/125. Gehalten wird auf den üblichen D-Zug-Stationen, einzig in Flöha hält man nur ostwärts, der Halt in Schnabelwaid entfällt dafür.

Eigene Zusammenstellung nach Reichs-Kursbuch Sommer 1939.

Für D 592/591 liegt mir für Sommer 1939 auch ein Fahrplan vor. D 592 verlässt Berlin im Blockabstand nach D 92 und folgt diesem mit den gleichen Halten (außer Naumburg) bis Nürnberg. Dort überholt er D 92 und verkehrt vor diesem bis Augsburg, wo er dann wiederum durch D 92 überholt wird und diesem bis Immenstadt hinterher fährt. Ab Immenstadt verkehrt er als P 592 und bedient auf der Nebenbahn nach Oberstdorf alle Halte außer Thalhofen. In der Gegenrichtung verkehr D 591 konsequent vor D 91. Zwischen Berlin und Nürnberg sowie Augsburg und Immenstadt verkehrt D 592/591 nur Samstags südwärts und sonntags nordwärts. Zwischen Nürnberg und Augsburg verkehrt er als Verstärker für D 92/91 täglich in der Hochsaison. im Abschnitt Immenstadt-Oberstdorf verkehrt P 592/591 täglich, wenn er in Immenstadt beginnt befördert er die zuvor im D 92 angekommenen Kurswagen aus Berlin Anhalter Bahnhof. Im Sommer 1939 befördert D 592/591 neben der Wagengruppe Berlin-Oberstdorf zusätzlich noch die Wagen Berlin-Garmisch/Innsbruck bis Augsburg.

Eigene Zusammenstellung nach Reichs-Kursbuch Sommer 1939.

Damit war jedoch der Zenit der Entwicklung dieser Zuggruppe erreicht, der Kriegsausbruch verhinderte die Weiterentwicklung. Der erste mir vorliegende Fahrplan aus Kriegstagen datiert vom Sommer 1941. Es verkehrt immerhin noch D 92/91 Berlin-Lindau, nördlich Nürnberg in der Hochsaison, südlich Nürnberg zumindest während der ganzen Sommersaison. Statt in Naumburg wird nun in Weißenfels gehalten, denn der Fahrdraht reicht von Süden her nun bis hierher. Kurswagen gibt es nur noch als Schlaf- und Sitzwagen nach Garmisch-Partenkirchen. Der Drittklassschlafwagen läuft nun Berlin-Lindau statt Berlin-Oberstdorf.

Eigene Zusammenstellung nach Reichs-Kursbuch Sommer 1941.

D 392/391 verkehrt nun als DmW (D-Zug mit Wagenteil für die Wehrmacht) 392/391 täglich zwischen Breslau und Nürnberg, hat jedoch keine Kurswagen mehr Richtung Bodensee. D 592/591 gibt es konsequenterweise nicht mehr.

Eigene Zusammenstellung nach Reichs-Kursbuch Sommer 1941.

Doch der nächste Einschnitt erfolgt bereits zum Winterfahrplan 1941/42. D 92/91 verkehrt jetzt als DmW 92/91 und nur noch im Abschnitt Nürnberg-Lindau, er führt jedoch wieder Kurswagen Breslau-Lindau, die mit D 392/391 nach Nürnberg gelangen. Eine Direktverbindung von Berlin an den Bodensee gibt es zunächst nicht mehr.

Eigene Zusammenstellung nach Reichs-Kursbuch Winter 1941/42.

Eigene Zusammenstellung nach Reichs-Kursbuch Winter 1941/42.

Im Jahresfahrplan 1942/43 gibt es nun einen D 92/91 Berlin-Nürnberg, der jedoch nur noch auf besondere Anordnung verkehrt, jedoch bei Bedarf Schlaf- und Sitzwagen Berlin-Garmisch-Partenkirchen und Berlin-Lindau führt. Südlich Nürnberg laufen diese Wagen nun im DmW 392/391 der jetzt durchgehend Breslau-Lindau verkehrt, jedoch ebenfalls nur noch auf besondere Anordnung.

Eigene Zusammenstellung nach Reichs-Kursbuch Jahresfahrplan 1942/43.

Eigene Zusammenstellung nach Reichs-Kursbuch Jahresfahrplan 1942/43.

Im Jahresfahrplan 1943/44 gibt es DmW 92/91 gar nicht mehr. DmW 392/391 verkehrt jedoch östlich Nürnberg wieder fest, südlich Nürnberg weiterhin nur auf besondere Anordnung.

Eigene Zusammenstellung nach Reichs-Kursbuch Jahresfahrplan 1943/44.

Erstaunlich ist, dass der Jahresfahrplan 1944/45 nochmals eine Ausweitung dieses Zugpaares vorsieht. D 392/391 verkehrt nun täglich zwischen Krakau und Augsburg! Südlich Augsburg bis Lindau verkehrt das Zugpaar weiterhin nur auf besondere Anordnung. Bereits nach gut 30km Fahrt ab Krakau wurde in Trzebinia an der Grenze zwischen dem Generalgouvernement und dem Reichsgebiet ein 30-minütiger Grenzaufenthalt eingelegt. Zwischen Kattowitz und Gleiwitz nahm das Zugpaar westwärts den Weg über Hindenburg Hbf, ostwärts über Beuthen-Königshütte. Im bereits bisher befahrenen Abschnitt Breslau-Lindau blieb das Zugpaar weitgehend unverändert. Da Krakau bereits im Januar 1945 von der Roten Armee eingenommen wurde dürfte das Zugpaar nicht mehr allzu lange so verkehrt sein.

Eigene Zusammenstellung nach Reichs-Kursbuch Jahresfahrplan 1944/45.

Vielen Dank an DSO-User OZL-Lokd. für die vielfältige Unterstützung bei Zugbildung und Bespannung!

Offene Fragen und Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Wie verkehrten D 92/91 und D 392/391 ab Kriegsausbruch bis 1941?
  • Ergänzungen zu den Unklarheiten in den vorliegenden Fahrplänen
  • Weitere Angaben zu Bespannungen und Zugbildungen
  • Fotos

Stand: 29.12.2014

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