Wiederauferstehung im Westen 1946-1959: Mit Schnell- oder Eilzug von Nürnberg an den Bodensee

Von Markus Egger

Link zur Vorgeschichte:

Erstaunlich schnell nach dem Krieg und vollkommenen Zusammenbruch 1945 erscheinen zumindest im westlichen Deutschland wieder die ersten Nachfolger der langjährigen Verbindungen Berlin-Lindau bzw. Breslau-Dresden-Lindau im Fahrplan. 1946 findet sich bereits wieder der D 392/391 im Fahrplan – allerdings reduziert auf den Laufweg Hof-Lindau. Der südwärts laufende D 392 läuft allerdings in einer um fast 12 Stunden gedrehten Fahrlage nun erst Mittags ab Hof, D 391 kommt jedoch wie in den Jahrzehnten zuvor weiterhin mitten in der Nacht um 3:21 in Hof an – mit dem Unterschied dass es nun hier jedoch nicht mehr Richtung Norden und Osten weitergeht. D 392/391 verkehrt zunächst jedoch nur auf besondere Anordnung hin. Im Nordteil wird der Laufweg auf die Strecke über Marktredwitz statt Neuenmarkt-Wirsberg umgelegt.

Eigene Zusammenstellung nach Angaben von DSO-User Eurocity341.

Gleichzeitig gab es noch ein zweites Zugpaar, das das Erbe von D 92/91 und D 392/391 fortführte. Auf dem Abschnitt Augsburg-Buchloe wurde – ebenfalls nur auf besondere Anordnung hin – in etwa in der Fahrlage, in der 1944/45 D 392/391 verkehrt war – das Zugpaar D 292/291 eingeführt, das als Zubringer aus Augsburg zum Schnellzug München-Lindau diente (dieser Schnellzug war vor und während dem Krieg meiste mehr oder weniger parallel zum D 92/91 im Abschnitt Buchloe-Lindau verkehrt.

Ein Blick in einen Fahrplan aus dem Sommer 1947 offenbart, dass es dort bis dahin offensichtlich keinen Nachfolger in der Fahrlage des früheren D 392/391 im Abschnitt Plauen-Dresden-Görlitz gab.

Eigene Zusammenstellung nach Angaben der Homepage von Walter Kuhl

Bis zum Winter 1948/49 war aus diesen beiden Grundelementen immerhin wieder ein täglich verkehrender D 292/291 Augsburg-Oberstdorf mit Kurswagen Augsburg-Lindau geworden. Dieser Zug führte vorerst zwar nur die 3. Wagenklasse bot jedoch den Augsburgern und den anderen Reisenden, die morgens in Augsburg mit Nachtzügen aus anderen Teilen der Westlichen Besatzungszonen (explizit D 88 aus Hamburg, D 48 aus Dortmund ankamen eine schnelle Tagesrandverbindung ins Allgäu und an den Bodensee. Zwischen Immenstadt und Oberstdorf verkehrte der Zug als P 292/291 mit Halt an allen Unterwegsstationen, auf Bedarf hin sogar in Thalhofen, das nicht einmal P 592/591 1939 mit bedient hatte. Der Kurswagen nach Lindau läuft ab Immenstadt im D 72 München-Zürich

Datengrundlage: Amtlicher Taschenfahrplan Südbayern Winter 1948/49.

Im Abschnitt Nürnberg-Augsburg gab es nun keinen eigenständigen Nachfolger mehr, die Lücke schloss als Anschlussverbindung der D 48/47. Wie es zwischen Hof und Nürnberg aussah, kann ich leider derzeit nicht nachvollziehen, mit Blick auf die Folgejahre, kann man jedoch davon ausgehen, dass es dort weiterhin ein Zugpaar Hof-Nürnberg in der Lage des früheren D 392/391 gab.

Im Winter 1949/50 verkehrt D 292/291 noch weitgehend unverändert, allerdings konnte der Zug etwas beschleunigt werden, hält südwärts nicht mehr in Thalhofen, dafür neu in Schwabmünchen.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Westliches Deutschland Winter 1949/50.

Für dieses Fahrplanjahr liegt mir auch wieder ein Fahrplan für Hof-Nürnberg vor. Hier verkehrt nun ein Et 577/572 Hof-Nürnberg – fast genau in der Fahrlage die jahrelang D 392/391 vor und während dem Krieg gehabt hatte. Dies ist umso bemerkenswerter, da es ja weiterhin in Hof keinerlei Anschlüsse gab, wenn man dort um 1:30 nachts ankam oder dann wieder um 2:40 abfuhr. Ebenfalls etwas mysteriös ist, dass bei Et 577 Nürnberg-Hof die 2.Wagenklasse zwischen Neuenmarkt-Wirsberg und Hof nicht benutzbar war – ist dies ein Hinweis auf eine Aufgabe im verkehr für die Besatzungsmächte in diesem Abschnitt? Et 577/572 nahm wieder wie vor und während dem Krieg die Route über Neuenmarkt-Wirsberg-Bayreuth, bediente nun jedoch mit deutlich mehr Zwischenhalte. Eine durchgehende Reise Hof-Lindau war jedoch nicht möglich, da sich Et 577/572und D 48/47 in Nürnberg verpassten. Die weitere Geschichte dieses Zugpaares soll jedoch nicht im Rahmen der Fahrplangeschichte erzählt werden, da das Zugpaar eine komplett andere Entwicklung nahm und mit dem Verkehr ins Allgäu nichts mehr zu tun hatte, nur so viel vorab: Es wurde später als lokbespannter Eilzug nach Stuttgart durchgebunden, doch dazu ein andermal mehr in einer anderen Fahrplangeschichte.

Datengrundlage: Amtiches Kursbuch Westliches Deutschland Winter 1949/50.

Bis zum Sommer 1951 ist aus D 292/291 dann der E 560/561 geworden, der nun sogar bereits wieder ab Nürnberg verkehrt. Die Ankunfts- und Abfahrtszeit in Nürnberg ist jedoch in äußerster Tagesrandlage – sie ist definiert durch einen nun vorhandenen Kurswagenübergang von D 88/87 für einen Wagen Hamburg-Oberstdorf. Kurswagen aus Augsburg oder Nürnberg nach Lindau gibt es im Sommer 1951, einzig ein Postwagen geht in Immenstadt auf D 72 Richtung Lindau über, dafür führt E 560/561 nun auch wieder die 2.Klasse. Neu ist die erstmalige Führung über den Kopfbahnhof Kempten (Allgäu) Hbf.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1951.

Im Sommer 1952 findet sich im Amtlichen Kursbuch der DDR die Schnellzugverbindung D 105 Plauen (ab 5:16) – Dresden – Görlitz/Zittau und D 108 Görlitz/Zittau – Dresden – Plauen (an 22:01), die in etwa die Aufgaben von D 392/391 in diesem Abschnitt übernimmt, jedoch für die westsächsischen Orte etwas freundlichere Tagesrandzeiten erhalten hat. Doch auch diese Verbindung soll hier nicht weiter verfolgt werden, da sie eine komplett eigenständige Entwicklung nahm.

Im Westen ist bis zum Sommer 1953 aus E 560/561 der E 872/873 geworden, der nun etwas für einen tagesausflug freundlichere Zeiten in Nürnberg erhalten hat, da die Kurswagen Hamburg-Oberstdorf mit einem anderen Zug befördert werden können. Der Stammzug E 872/873 verkehrt nun wieder Nürnberg-Lindau, es gibt nun Kurswagen Nürnberg-Oberstdorf und neu auch München-Lindau. Aus dem Fahrplan 1953 ist die Bespannung des E 873 zwischen Kempten und Augsburg durch Augsburger 18.4-5 (bay S 3/6).

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1953.

Aus dem Jahr 1955 liegen interessante Informationen aus der Schweiz vor:

Die Wagen Nürnberg-Zürich und München-Milano liefen ab St. Margrethen im Zug 18.

Dieser Zug hatte den interessanten Laufweg Chur-Zürich, im Abschnitt bis St. Margrethen als Eilzug („18E“), danach nach Aufnahme der Kurswagen aus Deutschland als Schnellzug.

Quelle: SBB-Kursbuch 1955.

Das Kurswagenverzeichnis zeigt neben den aus Deutschland angelieferten Kurswagen noch durcvhlaufende Wagen mit dem interessanten innerschweizerischen Laufweg Chur – Arth-Goldau, sowie ab Winterthur Wagen aus Romanshorn.

In der Gegenrichtung laufen die Kurswagen nach Deutschland ab Zürich jedoch in einem separaten Zug 491 Zürich-St. Margrethen.

Noch das Kurswagenverzeichnis für Zug 491 – dieser führt neben den Wagen nach Deutschland noch wagen Zürich-Heerbrugg (!) und wiederum Zürich-Romanshorn.

Bis 1957 ist daraus wieder eine internationale Schnellzugverbindung geworden: D 182/181 verkehrt nun in dieser Fahrlage als Schnellzug Nürnberg-Zürich (andere Zugnummern in Österreich und der Schweiz). Als Kurswagen werden nun Nürnberg-Oberstdorf, München-Oberstdorf und München-Zürich-Mailand angeboten! Mit der Umwandlung zum Schnellzug einher geht eine Beschleunigung unter Auslassung der meisten Zwischenhalte im Abschnitt Nürnberg-Augsburg, ebenso wird der halt in Schwabmünchen aufgegeben und der Zug wieder über Kempten-Hegge statt den alten Kopfbahnhof Kempten (Allgäu) Hbf geführt.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch Sommer 1957.

Bis spätestens 1959 hat sich die Situation dahingehend geändert, dass der Zug jeweils im Sommer als D 95/94, im Winter als E 95/94 verkehrte (in Österreich und der Schweiz jedoch teilweise unter anderer Zugnummer und auch im Winter als Schnellzug). Aufgegeben wird der Halt in Hergatz, erstmals nachweisen kann ich, dass der Abschnitt Nürnberg-Augsburg im Winter nur am Wochenende bedient wurde, was auch in den nächsten Jahren so bleiben sollte, es könnte durchaus sein, dass dies auch während der 1950er schon so war.

Datengrundlage: Kursbuch Süddeutschland Winter 1959/60.

Der Zugbildungsplan 1959 zeigt, dass die Gruppe Nürnberg-Zürich (außer ggf. einem Bedrafswagen) von den SBB gestellt wird, München-Mailand laufen zwei Schnellzugwagen der FS, der Altbau-Halbspeisewagen ist ein norddeutscher Gast im Allgäu, der seine Heimreise später am Tag wieder mit dem D 75 Lindau-Kiel antreten wird. Einziger Neubauwagen ist der Post4m München-Lindau. Den Nürnberg-St. Margrethen laufenden Packwagen stellt die DB.

Quelle: ZpAR der DB 1959. Zur Verfügung gestellt von Hubert G. Königer.

Die Winter-Zugbildung ist sehr ähnlich, der Oberstdorfer Zugteil ist jedoch Wintersportbedingt dort stärker ausgeprägt.

Quelle: ZpAR II Süd 1959/60. Zur Verfügung gestellt von Hubert G. Königer.

Hubert G. Königer erinnert sich an diesen Zug wie folgt:

„Ich fuhr einige Male in meiner Jugend mit diesem Zug und erinnere mich mit Schrecken dran, dass der 94/95 statt der modernen schweizer Leichtstahlwagen, wie sie die übrigen Schweiz-München-Züge hatten, nur das älteste SBB-Material mitführte. Vermutlich vertrugen die Leichtstahlwagen, von denen eine Serie speziell für den Schweiz-München-Verkehr mit Dampfheizung ausgerüstet waren, die elektrische Heizspannung der DB nicht, denn zwischen Nürnberg und Augsburg wurde die Garnitur mit Ellok (E 17?) gefahren.

Der Speisewagen mit Laufweg München-Lindau war eine umgebaute DB-Uralt-Kiste (Halbspeisewagen aus Vorkriegswagen). In der Relation München-Zürich (-Milano) waren Sommer wie Winter zwei FS-Wagen eingesetzt. Ich erinnere mich noch, dass im Abschnitt Lindau-Zürich und umgekehrt Zusatzwagen der SBB beigestellt wurden.“

Vielen Dank an DSO-User OZL-Lokd. für die Bespannungsangabe, Eurocity341 für den Fahrplan 1946, Hubert G. Königser für die Erinnerungen und den Zugbildungsplan

Offene Fragen und Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Wer kann mit weiteren Fahrplänen helfen, die Veränderungen am Zuglauf näher zeitlich einzugrenzen?
  • Sind D 16/D 491 bzw D 18/D491 tatsächlich eigenständige Zugnummern in der Schweiz für unseren Zug oder werden vielleicht die durchlaufenden wagen nach Zürich in St. Margrethen doch nur einem Rheintalschnellzug beigestellt?
  • Weitere Angaben zu Bespannungen und Zugbildungen
  • Fotos

Stand: 22.2.2015

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