Mit dem Postbus von Arnsberg zum Möhnesee und weiter nach Soest – keine Erfolgsgeschichte – Teil 1 bis 1990

Ein Gastbeitrag von Thorsten Hallmann

Die alte Stadt Arnsberg liegt im Ruhrtal und hat ca. 20.000 Einwohner. Soest liegt in der gleichnamigen Börde und hat mit den Dörfern drum herum über 40.000. Dazwischen liegen der Möhnesee, die gleichnamige Gemeinde mit dem Hauptort Körbecke und 25 Kilometer.

Link zur Karte bei OpenStreetMap

Beide Städte sind nur in Ost-West-Richtung mit Bahnverkehr versorgt: Arnsberg liegt an der Strecke Hagen-Warburg, in Soest treffen sich die Strecken von Dortmund, Hamm und Paderborn. Zwischen Körbecke und Soest liegen zahlreiche kleine Ortschaften, zu deren Anbindung schon in den 1950er Jahren ein dichtes Busangebot zwischen Körbecke und Soest bestand. Um 1990 waren montags bis freitags sogar rund 30 Fahrtenpaare auf drei Linienwegen im Angebot, heute noch etwa 20.

Zwischen Arnsberg und dem Möhnesee liegt hingegen nur das kleine Dorf Breitenbruch am Wege ­– und jede Menge Wald. Mit dem touristisch bedeutsamen Möhnesee, Stadt und Fernverkehrsbahnhof Soest sowie Körbecke als Verknüpfungspunkt ins obere Möhnetal dürfte aber auch eine Linie von Arnsberg aus ein gewisses Fahrgastpotential haben – sollte man meinen. Dennoch müssen wir heute ein im Vergleich zu den Vorjahrzehnten deutlich ausgedünntes Fahrplanangebot und ein äußerst geringes Fahrgastaufkommen beobachten.

In meinem Beitrag wird die Entwicklung der Linie zwischen 1939 und 2013 nachvollzogen, wobei drei Phasen unterschieden werden: eine Phase der Kontinuität bis 1990, eine der Expansion bis etwa 2006 und eine der Experimente und Sparmaßnahmen. Die spannende Frage „Was wäre wenn…?“ kann freilich nicht beantwortet werden – allerdings erlaube ich mir einige Vergleiche und Seitenblicke /-hiebe zur Einordnung der Entwicklungen, die der Übersichtlichkeit in kursiver Schrift gesetzt sind.

1939 bis 1990: Ein Fahrplan mit Kontinuität

Der älteste mir vorliegende Fahrplan ist aus dem Jahr 1939: Zu dieser Zeit beachtliche fünf tägliche Fahrtenpaare verbanden Arnsberg mit Soest und brauchten für 25,6 Fahrplankilometer rund 70 Minuten. Sonntags gab es sogar um 22 Uhr noch eine sechste Fahrtmöglichkeit – kein Wunder angesichts der Kasernen am Weg. Vormittags konnte ein Bus alle Fahren bewältigen: Es ging in Arnsberg um 6.20 Uhr los, die erste Fahrt von Soest folgte um 7.55 Uhr – wer früh in Arnsberg sein musste, hatte Pech. Nach einer Stunde Pause ging es um 10.15 Uhr wieder nach Soest und um 11.35 Uhr zurück nach Arnsberg. Die drei weiteren Fahrtenpaare deckten in beiden Richtungen die gleichen Zeitlagen ab und starteten um 13.20 bzw. 13.40, kurz nach 18 Uhr sowie um 20.25 Uhr. Eine Liniennummer findet sich im Kursbucheintrag nicht. Der Fahrpreis betrug 5 Pfennig pro Kilometer.

Quelle: Kraftpost-Kursbuch Sommer 1939.

Mangels anderer Quellen nun ein größerer Sprung in den Winter 1956/57: Die Kraftpostlinie 603a weist an Werktagen für die Gesamtstrecke nach wie vor fünf Fahrtenpaare auf, sonntags aber nur noch drei. Neu war eine Frühfahrt von Soest, dafür entfiel die am späten Vormittag. Die letzten Fahrten finden nun deutlich früher statt, der Nachmittag ist dafür besser abgedeckt. Es ging um 6.00, 8.15, 13.25, 16.35 und 18.35 Uhr ab Soest und nach ganz ähnlichem Muster ab Arnsberg: um 6.20, 10.35, 13.25, 16.25 und 18.30 Uhr. So sind in etwa Schul- und Arbeitsbeginn, Schulschluss der weiterführenden Schulen, Büroschluss der Behörden sowie Ladenschluss abgedeckt – und dazu besteht wie schon 1939 eine Fahrtmöglichkeit, mit der Arnsberg vormittags für eine gute Stunde für Besorgungen zu erreichen war. Das sollte erst einmal Bestand haben: Die Abfahrten um halb fünf und halb sieben fielen erst 2006 der Taktverschiebung zum Opfer, die Fahrten gegen halb zwei und das Vormittagspärchen bestanden bis etwa 1990 fast unverrückt.

Für eine Postbuslinie im Sauerland war dieses Angebot weder sonderlich gut noch sonderlich schlecht – zum Vergleich: Die südlich anschließend Linie von Arnsberg nach Sundern wies sieben Fahrtenpaare auf. Etwas weiter westlich, auf der auch nicht gerade urbanen Strecke zwischen Wickede und Menden, erblickt der erstaunte Fahrplanleser schon 1956 einen reinen Stundentakt, nachmittags sogar einen Halbstundentakt! Im oberen Sauerland waren die Verbindungen abseits der Bahnstrecken und Flusstäler jedoch oft schlechter.

Springen wir wieder ein gutes Jahrzehnt vorwärts: Im Sommerkursbuch 1971 ist die Linie Arnsberg – Soest mit der südlichen Fortsetzung nach Sundern, Finnentrop und Balve in einer Tabelle verschmolzen – ein Bandwurm von über 62km mit der nicht viel kürzeren Kursbuchnummer 2232/23. Die 1956 schon vorhandenen Fahrten wurden zumeist um fünf bis zehn Minuten beschleunigt. Ansonsten setzte man auf Verdichtung zu günstigen Zeiten für Berufspendler: Neu waren in beiden Richtungen eine zweite Fahrt am frühen Morgen, eine Umsteigeverbindung zwischen 17 und 18 Uhr sowie freitags eine zusätzliche Abendverbindung.

Quelle: Amtliches Omnibus-Kursbuch Sommer 1971.

Im Winter 1980/81 bestand dieses Angebot noch fast unverändert, nur die Freitagabendfahrt war entfallen. Arnsberg – Soest hatte nun wieder eine eigene Tabelle mit der Kursbuchnummer 3412. Der Trend zur Beschleunigung setzte sich fort: Von Soest aus wurden viele Fahrten an Körbecke vorbeigeführt und schafften die Gesamtstrecke in einer sportlichen Zeit von (planmäßig) rund 45 Minuten. In Gegenrichtung ging es durchgehende einige Minuten langsamer voran und häufiger über Körbecke.

Auch die nächsten zehn Jahre waren von Kontinuität geprägt. Im Fahrplan 1986 sind jedoch die beiden frühesten Fahrten verschwunden, neu ist eine Umsteigeverbindung am Vormittag: Die Fahrtmöglichkeiten montags bis freitags: Von Soest um 6.35, 8.10, 9.45, 13.40, 16.30, 17.10 und 18.35, von Arnsberg nach wie vor sehr ähnlich um 6.50, 9.45, 10.50, 13.15, 16.25, 17.15 und 18.30 Uhr. Aus dem üblichen Rahmen fallen in diesem Jahr die sehr unterschiedlich kalkulierten Fahrtzeiten – teils deutlich schneller, teils aber auch langsamer als wenige Jahre zuvor und danach. Die neue Liniennummer 550 wurde streng nach Schema zugeteilt: Regionallinien, die überwiegend im Kreis Soest verliefen, bekamen in den 1980er Jahren eine fünf vorneweg, Ortsbusse im Kreis Soest eine sechs. Die fünf in der Mitte bekamen die Ortslinien in Warstein ab, dazu die Regionallinien von Soest nach Warstein sowie alle Linien von Soest, Möhnesee und Warstein in den Arnsberger Raum.

Im Fahrplan 1990 sind aus den Umsteigeverbindungen am Vormittag Direktverbindungen geworden. Körbecke erhielt daneben erstmals eine vertaktete, stündliche Anbindung mit der RLG-Linie 551 nach Soest und Warstein.

Vergleichen wir wieder mit der südlichen Fortsetzung: Zwischen Arnsberg und Sundern waren 1971 montags bis freitags schon 13 Fahrtenpaare unterwegs, 1980 sogar 15 bzw. 16 Fahrten und 1990 wiederum 13 bzw. 15 Fahrten. Deren neue Nummer war 333: Die drei vorn stand für Regionallinien im Hochsauerlandkreis, die drei in der Mitte erhielten der Ortsverkehr Sundern und alle Regionallinien dorthin. Gleiche Endziffern wurden meist an Linien vergeben, die ineinander übergingen und/oder in Teilen parallel verkehrten. War das alles schön ordentlich damals.

Als Zwischenfazit eine kleine Statistik:

1939 1956/57 1971 1980/81 1986 1990
Fahrten AR-SO 5 5 7 7 7 7
Fahrten SO-AR 5 5 7 7 7 7
erster Bus ab AR 6.20 6.20 6.11 6.11 6.50 6.40
letzter Bus ab AR 20.25 18.30 18.30 18.33 18.30 18.30
erster Bus ab SO 7.55 6.00 5.25 5.25 6.35 6.35
letzter Bus ab SO 20.25 18.35 18.35 18.35 18.37 18.35
übliche Fahrtzeit AR-SO 70/75 Min 60/70 Min ca. 55 Min ca. 55 Min 45-60 Min ca. 55 Min
übliche Fahrtzeit SO-AR 65/75 Min 55/65 Min 47/52 Min 45/50 Min 43-60 Min 47/51 Min
Fahrtenpaare Sa/So 5/6 5/3 5/3 7/3 6/3 6/3

 

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