Mit dem Postbus von Arnsberg zum Möhnesee und weiter nach Soest – keine Erfolgsgeschichte – Teil 2 1993 bis 2006

Ein Gastbeitrag von Thorsten Hallmann

1993 bis 2006: Die fetten Jahre – im Takt, aber gemächlich!

In den frühen 1990er Jahren ereilte die Vertaktung auch den Westfalenbus (Im Stadtverkehr Arnsberg und Soest sowie bei den wichtigsten RLG-Regionallinien geschah dies schon um 1984). Im Sommerkursbuch 1992/93 weist die Linie 550 einen annähernden Zweistundentakt in den geraden Stunden auf. Den übrigen Verkehr zwischen Soest und Möhnesee nahm die neue Linie 549 auf, die auch den Anschluss an die stark beschleunigte Linie 551 nach Warstein herstellte, welche nun werktags Körbecke aussparte. Aber auch darüber hinaus gab es weitreichende Neuerungen: Fast alle Fahrten verkehrten nun über Körbecke – noch zeitraubender war allerdings die weite Schleife durch die Arnsberger Ortsteile Niedereimer und Obereimer (nordwestlich der Kernstadt) und über den Lüsenberg (östlich derselben). Die Fahrtzeiten von Bahnhof zu Bahnhof verlängerten sich dadurch um bis zu 25 Minuten. Zwar blieben die Frühfahrten unangetastet – gegenüber den vormals schnellen Fahrten nachmittags und abends musste man mit Start oder Ziel in der Innenstadt von Arnsberg rund 15 Minuten und damit ein Drittel mehr Zeit einkalkulieren. Die langjährige schnelle Verbindung um kurz nach 17.00 Uhr entfiel ersatzlos, auch die Zeitlage ab ca. 13.20 Uhr wurde nicht mehr auf der Gesamtstrecke bedient.

Im Fahrplan 1994 ist die Linie von Lüsenberg, Niedereimer und Obereimer wieder befreit. Die Fahrtzeit betrug 57 bis 60 Minuten – recht großzügig kalkuliert. Die Taktabfahrten zur Minute 25 ab Arnsberg und 35 ab Soest lagen zudem weit weg von (Arnsberg) oder arg knapp an den Taktzeiten der Züge (Soest).

Kann man die Entwicklung noch in den 1980er Jahren so interpretieren, dass man mit begrenzten Mitteln zeitsensiblen Zielgruppen möglichst optimale Fahrtzeiten bieten wollte, liegen die planerischen Prioritäten nun ganz augenscheinlich auf räumlich und zeitlich möglichst flächendeckenden Angeboten. Damit fügt sich die Entwicklung dieser Linie nahtlos in das zu dieser Zeit vorherrschende Muster, wie der buchstäblich naheliegende Vergleich mit den RLG-Verkehren zwischen Arnsberg und Neheim sowie Neheim und Sundern illustriert: Diese wesentlich dichter bedienten Linien wurden in den frühen 1980er Jahren erstmals vertaktet. Dabei wurden die „Eilbusse“ aufgegeben, die zu Stoßzeiten in knapp 30 Minuten Arnsberger und Neheimer Innenstadt verbanden – nach neuerlicher Überplanung Anfang der 1990er war man hier stets über 40 Minuten unterwegs. Erst 2002 brachte eine Differenzierung der Linienwege um einige Minuten kürzere Fahrtzeiten mit sich, wenn auch nicht in allen für Pendler relevanten Zeitlagen. 2014 wurden schließlich mit Förderung des Landkreises zwischen Arnsberg und Neheim wieder stark beschleunigte Expressbusse (rund 20 Minuten) morgens und nachmittags eingerichtet. Nach knapp einem Jahr wird über eine noch nicht ausreichende Auslastung dieser Fahrten berichtet.

(http://www.derwesten.de/wp/staedte/arnsberg/express-bus-faehrt-oft-zu-leer-id10312878.html )

Zurück zu unsere Linie 550: Sie wurde bis 2006 nach und nach mit einzelnen Fahrten verstärkt, und die Fahrtzeiten wieder um einige Minuten gestrafft. Sollte etwa auf leisen Füßen ein Stundentakt eingeführt werden, statt wie anderswo mit viel Tamtam? Der Fahrplan 2004 brachte jedoch eine andere wesentliche Veränderung: Die beiden Linienäste wurden „betrieblich getrennt“. Die beiden Busse aus Arnsberg und Soest fuhren nun eine Runde durch Körbecke und dann zurück. Mit Umstieg und um einige Minuten nach hinten verschobener Taktlage wurden die nächstliegenden Bahnanschlüsse in Soest zur Glückssache. Zwischen Körbecke und Soest wurde immerhin auf einen Stundentakt verdichtet. Und da man nun de facto zwei Linien hatte, gab es für den Arnsberger Ast eine neue Liniennummer: 548.

548? Nun ja, naheliegender wäre 55x oder 31x gewesen, aber die Systematik ist ohnehin schon in den frühen 1990ern etwas abhandengekommen. Seit 1998 führte die RLG Buchstaben-Zahlen-Kombinationen für die differenzierten Bedienungskonzepte ein: Alles was im Stundentakt, beschleunigt, auf Anruf, nachts oder ehrenamtlich fährt, bekommt einen Buchstaben vorneweg. Fast alles jedenfalls.

Zum Abschluss dieses Teils wieder eine zusammenfassende Statistik:

1990 1992/1993 1994 2002/2003 2004 2006
Fahrten AR-SO 7 8 8 9 9 10
Fahrten

SO-AR

7 7 7 10 10 11
erster Bus ab AR 6.40 6.40 6.40 6.25 6.26 6.26
letzter Bus ab AR 18.30 18.33 18.25 18.29 18.33 19.00
erster Bus ab SO 6.35 6.35 6.35 6.30 6.30 6.20
letzter Bus ab SO 18.35 18.35 18.35 18.35 18.35 18.02
übliche Fahrtzeit AR-SO ca. 55 Min 72 Min 60 Min 56 Min 57 Min 57 Min
übliche Fahrtzeit SO-AR 47/51 Min 70 Min 57 Min 53 Min 55 Min 55 Min
Fahrtenpaare Sa/So 6/3 7/4 bzw. 5 7/4 7/4 4/2 4/2
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