Auchsesheim und Heißesheim: 2 Orte im Verkehrsabseits und ihre Erschließung mit dem Bus 1961-heute

von Markus Egger

Zwischen Donauwörth und Mertingen liegen die zwei Dörfer Auchsesheim und Heißesheim, die geradezu ein Paradebeispiel dafür sind, wie die Lage sich auf die Anbindungsqualität im ÖPNV auswirken kann.

Blickt man auf die historische topographische Karte um 1870 herum, erkennt man, dass Auchsesheim ein recht stattliches Dorf an der wichtigen Straße Donauwörth-Augsburg ist, Heißesheim dagegen liegt etwas abseits davon und hat nur wenige Häuser. Auchsesheim dürfte damals größer gewesen sein als das direkt an der Bahn liegende Bäumenheim, das nicht mal selbständig war und von Asbach aus mitverwaltet wurde(Fahrplangeschichte Bäumenheims hier bereits vorgestellt). Ebenso gut zu sehen, dass der Bahnhof Mertingen noch fernab seines Ortes auf freiem Feld liegt. Die Gründe, die Bahn an Mertingen und Auchsesheim vorbei zu legen, dürften in der sonst mehrfach notwendigen Querung der (hochwassergefärdeten) Schmutter und der leichteren Donauquerung bei Donauwörth durch die westlichere Lage gelegen haben.

http://v.bayern.de/vGchQ

Der nahe gelegene, 1875 eröffnete,  Bahnhof Bäumenheim ermöglichte den Auchsesheimern und Heißesheimer nun in den folgenden Jahrezehnten bei Bedarf den Zugang zum Verkehrsnetz. Von Auchsesheim war dieser nach etwa 3 km Fußmarsch zu erreichen, von Heißesheim aus waren es über 4km. Alternativ waren es gut 5 km von Auchsesheim zum Donauwörther Bahnhof.

Diese relativ gut erreichbaren Zugangsstellen zur Bahn verhinderten, dass Auchsesheim und Heißesheim früh in den Genuss eines Landpostverbindung oder eines Omnibusverkehrs kamen.

Springen wir in das Jahr 1959. Wirft man dann einen Blick auf die topographische Karte merkt man schnell wie unterschiedlich die Entwicklung der Orte in diesem Gebiet in den letzten knapp 100 Jahren auf Grund der unterschiedlichen Lage lief:

http://www.geodaten.bayern.de/histTopoKarten/02_TK25/02_7330_N_1959.pdf

Mertingen ist deutlich gewachsen, reicht zwar noch nicht durchgehend bis zu seinem Bahnhof, doch auch um den Bahnhof herum hat sich bereits eine kleine Siedlung entwickelt. Am auffälligsten ist aber der Boom in Bäumenheim, der auch durch Industrieansiedlung dort ausgelöst wurde, Asbach und Bäumenheim sind 1959 bereits baulich zusammengewachsen, seit einem Jahr ist man auch formell eine Doppelgemeinde unter dem Namen Asbach-Bäumenheim. Auchsesheim und Heißesheim dagegen haben sich kaum entwickelt. Noch führt die Bundesstraße 2 von Mertingen über Auchsesheim nach Donauwörth. Busverkehr gibt es weiterhin noch nicht – wohl immer noch wegen der relativen Nähe zum Bahnhof Bäumenheim.

So ist es auch kein Wunder, dass der Grund für den ersten Bahnbus in Bäumenheim in der Eisenbahn zu suchen ist: Im Sommerfahrplan 1961 kann ich erstmals ein Fahrtenpaar Donauwörth-Mertingen-Wertingen auf der Kursbuchtabelle 2411/7 nachweisen, das mutmaßlich an einer Haltestelle „Abzw Auchsesheim“ hielt, die bei den „Weiteren Haltestellen“ aufgeführt ist. Es verkehrte Freitags am Abend von Wertingen nach Donauwörth und wieder zurück. Der zweite nach Donauwörth führende Kurs verkehrt über eine andere Strecke und ohne Halt zwischen Mertingen und Nordheim bzw. Donauwörth, hier wird vermutlich die inzwischen eröffnete, östlich der Bahn gelegene neue Streckenführung der B2 genutzt.

Quelle: Amtliches Omnibus-Kursbuch Sommer 1961.

Link zu einer KML-Datei, mit der man sich den mutmaßlichen Fahrweg und die mutmaßliche Lage der Haltestelle „Abzw Auchsesheim“ anzeigen lassen kann.

Eigene Zusammenstellung

Auf der Topographischen Karte aus 1964 ist auch die neue Lage der B2 östlich der Bahnlinie zu erkennen: Auchsesheim ist damit auch von der durchgehenden überregionalen Straße abgeschnitten. Die gewählte Führung des Kurses ermöglicht alle Orte (außer Heißesheim) zwischen Mertingen und Donauwörth halbwegs zu bedienen, für Auchsesheim bedeutet dies jedoch etwa 1 km Fußmarsch zur Haltestelle am Abzweig Richtung Bäumenheim.

Bis 1966 hat sich dieser Verkehr dann doch etwas ausgeweitet: Es gibt nun Mo-Fr zwei Fahrtenpaare, je eines Morgens und Nachmittags, zusätzlich ein Fahrtenpaar Sonn- und Feiertags Abends über Auchsesheim, außerdem wird nun offensichtlich neben der Haltestelle „Abzw Auchsesheim“ auch eine Haltestelle „Auchsesheim Gh Linder“ im Ort bedient (als Stichfahrt).

Eigene Zusammenstellung

1970 bestand dieses Angebot in seiner Grundstruktur weiter, Mo-Fr war Nachmittags eine weitere Abfahrt Richtung Wertingen hinzugekommen.

Eigene Zusammenstellung

1975 war dann bereits wieder ein Rückgang zu erkennen, Mo-Fr sind es wiederum nur noch zwei Fahrtenpaare, Sonntags gibt es nur noch eine unpaarige Abfahrt Richtung Donauwörth. Die Linien nennt sich nach der Nummernreform nun 9104.

Dieses Angebot hält sich noch bis 1978, dann verkehrt die Linie 9104 ausweislich des Kursbuches nicht mehr über Auchsesheim (auch die Haltestelle Abzw Auchsesheim taucht nicht mehr im Fahrplan auf, obowhl die verbliebenen Busse der 9104 diese Kreuzung wohl noch befuhren).

Ab Sommerfahrplan 1981 taucht Auchsesheim dann wieder im Kursbuch der DB auf, nun wurde auf der Linie 9113, die Donauwörth mit den südöstlich gelegenen Orten verbindet, ein Fahrtenpaar im Schulverkehr angeboten. Morgens können damit theoretisch Auchsesheimer ein mal am Tag nach Donauwörth kommen, Mittags wieder zurück. Für ein Dorf mit immerhin etwa 700 Einwohnern ein mehr als dürftiges Angebot. In Heißesheim besteht weiterhin kein öffentlicher Linienverkehr. Zwischenzeitlich hatte auch die Gebitesreform in Bayern stattgefunden, bei der Auchsesheim nach Donauwörth eingemeindet worden war, Heißesheim dagegen nach Mertingen.

Dieses Angebot bestand über die 1980er Jahre praktisch unverändert und stellte sich 1990 wie folgt dar:

Im November 1995 tat sich im Rahmen einer unterjährigen Fahrplanänderung jedoch sensationelles. Im Rahmen des Stadtverkehr Donauwörth (DB-Linie 9107), der jahrelang nur aus einer zwischen Bahnhof und Parkstadt verkehrenden Linie bestand, wurde eine zusätzliche „Linie 2“ Donauwörth-Auchsesheim eingerichtet, die mehrmals am Tag im Stundentakt (mit Lücken) nach Auchsesheim fuhr und dort wendete. Die Linie verkehrte jedoch nur im Besorgungsverkehr zwischen 9 und 16 Uhr mit Mittagslücke, für den Berufsverkehr bestand wieterhin kein Angebot. Zu den Schulzeiten verkehrte darüber hinaus weiter die Linie 9113. Zum Jahresende 1995 hatte Auchsesheim damit das bisher beste Verkehrsangebot seiner Gecshichte, Heißesheim war weiter außen vor.

Dieses Angebot bestand bis 1998, fiel dann jedoch wiederum Kürzungen zum Opfer. Ein einziges Fahrtenpaar verblieb auf der Linie 9107 nach Auchsesheim, morgens gegen 9 von Auchsesheim nach Donauwörth, Mittags gegen 12 wieder zurück. Die Betriebsführung der  Linie 9113 war zwischenzeitlich von der RBA auf die Fa. Egenberger übergegangen, der Fahrplan wurde deshalb nicht mehr im Omnibuskursbuch veröffentlicht und liegt mir nicht vor. Die Linie verkehrte wohl ähnlich wie bisher weiter.

Danach kann ich erst wieder für das Jahr 2006 ein Bild zeichnen. In Auchsesheim verkehrte weiter die eine Abfahrt der Stadtverkehrslinie 107 (früher 9107), zusätzlich das Kurspaar der nun 311 genannten früheren Linie 9113. Erstmals lässt sich nun auch für Heißesheim öffentlicher Linienverkehr nachweisen. Hier verkehrt die aus einem Schulverkehr entstandene Linie 110, es bestehen zwei Abfahrten auscshließlich Richtung Mertingen, zusätzlich verkehrt am Nachmittag die Linie 315 einmal über Heißesheim um Aufgaben der dann nicht mehr verkehrenden Linie 110 zu übernehmen.

Bis 2011 ist wieder ein leichter Aufschwung zu erkennen. Die Linie 107 hat nun wieder mehrere Abfahrten in Auchsesheim, sogar auch an Ferientagen und erstmals in der Geschichte Auchsesheims ein ÖPNV-Angebot Samstags. In Heißesheim gibt es nur noch die zwei Anfahrten der Linie 110, da die Linie 315 nur noch zum Ausstieg über Heißesheim verkehrt.

Wenn man nun aber in die aktuelle Zeit (Jahresfahrplan 2015) schaut, ist Auchsesheim plötzlich fast im ÖPNV-Schlaraffenland gelandet. Seit Ende 2011 wurde der Stadtbus Donauwörth unter der Regie der Stadt Donauwörth erheblich erweitert, in diesem Rahmen verkehrt nun die (überwiegend mit Kleinbussen bediente) Linie 3 regelmäßig nach Auchsesheim, häufig durch Donauwörth hindurch durchgebunden bis Zirgesheim. 16 Abfahrten an Schultagen, 15 an Ferientagen sowie 8 an Samstagen sind absoluter Rekord. Einzig Sonn- und Feiertags gibt es wieterhin kein Angebot (letztmals 1978). Auch nach Heißesheim kommt die Linie 3 nun zumindest mit einzelnen Fahrten im Schulverkehr, somit ist Heißesheim im öffentlichen Schulverkehr nicht mehr nur Richtung Mertingen sondern auch Richtung Donauwörth angebunden.

Spannend wird zu beobachten sein, ob sich dieser Verkehrsaufschwung auf Dauer halten kann!

Abschließend möchte ich die Verkehrsentiwicklung von Auchsesheim und Heißesheim noch in ein paar Grafiken vergleichend darstellen:

Anzahl der Abfahrten an Schultagen:

Anzahl der Abfahrten an Ferientagen:

Anzahl der Abfahrten an Samstagen:

Anzahl der Abfahrten an Sonn- und Feiertagen:

Stand: 26.4.2015

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