Eine schnelle Tagesverbindung von Dortmund über den Brenner: EC „Paganini“ 1991-1995

Von Markus Egger

Von den vielen grundlegenden Veränderungen, die im Fernverkehr zum Jahresfahrplan 1991/92 eingeführt wurden (Aufnahme ICE-Verkehr in Deutschland, Integration der Neubaustrecken Mannheim-Stuttgart und Würzburg-Hannover in das IC-Netz, Umgestaltung des IC-Netzes unter Einbeziehung der neuen Bundesländer um nur einige zu nennen) ist es schwer auszuwählen, welche die nächsten Jahre am meisten geprägt hat. Ein Kind der Eröffnung der Neubaustrecke Mannheim-Stuttgart und der damit entstehenden Möglichkeit ist in gewisser Hinsicht der 1991 neu eingeführte EC 13/12 „Paganini“ Dortmund-München-Bologna. Er spiegelt gleichzeitig die aufkommende Blütezeit des EC-Netzes wieder, das seit seiner Gründung 1987 immer noch am Wachsen war und nun immer mehr langlaufende, Metropolen verbindende Wagenzugläufe durch halb Europa enthielt und noch nicht von den nationalen Hochgeschwindigkeitsverkehren auf langsame Verbindungen abgedrängt worden war.

EC 13/12 „Paganini“ – benannt nach dem Geigenvirtuosen Niccolo Paganini – ist aus verschiedenen Fahrplanbruchstücken des Vorjahres zusammengefügt worden:

Zwischen seinem Startbahnhof und dem Rhein/Main-Gebiet war der Paganini quasi eine Neuleistung, mit dem Jahresfahrplan 1991/92 wurde auf der Linken Rheinstrecke die Frequenz von 2 IC/EC-Zügen je Stunde und Richtung auf 3 Züge je Stunde und Richtung erhöht. Wie bisher gab es ein Bündel aus zwei Zügen, die Köln gegen die volle Stunde südwärts verließen, zusätzlich gab es nun zur halben Stunde einen weiteren EC/IC. Unser Paganini belegte hier die Fahrlage um 7:30 Uhr ab Köln Hbf. Vorher war die Fahrlage zur halben Stunde ab Köln teilweise für D-Züge genutzt worden, insofern übernahm „Paganini“ hier die Fahrlage des bisher 7:37 Uhr ab Köln verkehrenden FD 1917 „Tegernsee“, der zum Jahresfahrplan 1991/92 gestrichen wurde. Im Gegensatz zum „Tegernsee“ (der ab Mainz über Darmstadt-Heidelberg nach Stuttgart gefahren war – nahm „Paganini“ den schnellen IC-Weg über Worms (ohne Halt) nach Mannheim Hbf, wo er um 9:52 Uhr außerhalb des IC-Systemanschlusses eintraf. Weiter ging es über Heidelberg beim Abzw. Rollenberg auf die Schnellfahrstrecke wechselte. Hier spielt „Paganini“ nun mit 200 km/h den Vorteil der neuen Strecke aus und ist bereits um 10:51 Uhr in Stuttgart Hbf, Fahrgäste aus Köln sparten bis hier etwa 30 Minuten Fahrzeit, denn im Jahresfahrplan 1990/91 hatte man Stuttgart Hbf um 10:51 Uhr erreicht, wenn man Köln um 7:01 Uhr mit EC „Carlo Magno“ nach Sestri Levante verlassen hatte und in Mannheim zur Korrespondenz um 9:30 Uhr in den IC 691 „Herkules“ aus Kassel-Frankfurt kommend gewechselt war.

Von Stuttgart bis München erbte „Paganini“ die Fahrlage des früheren IC 691 „Herkules“, der jedoch in einer früheren Fahrlage als ICE 897 Kassel-Stuttgart-München fortlebte. Dennoch gab es auch auf der Strecke Stuttgart-München eine Ausweitung der Verkehrsleistung, nun verkehrten hier je Stunde und Richtung 2 ICE/EC/IC statt bisher 1 EC/IC, denn unserem Paganini folgt mit etwa 15 Minuten Abstand ICE 593 „Münchner Kindl“ Hamburg-Stuttgart-München. Jedoch auch auf der Strecke Stuttgart-München hatte die zweite Schnellverkehrsfahrlage häufig Vorgänger in Form von D-Zügen gehabt, 1990 war um 10:26 ab Stuttgart D 285 Frankfurt-München-Bologna gefahren, der über Darmstadt-Heidelberg-Mühlacker nach Stuttgart gekommen war und ab Stuttgart auch in Plochingen, Göppingen, Geislingen, Ulm, Günzburg und Augsburg gehalten hatte und auf diesem Abschnitt deswegen gut 20 Minuten langsamer als „Paganini“ in 1991 war, dennoch ist „Paganini“ natürlich auch ein Nachfolger dieser langjährigen Schnellzugverbindung.

Ab München ersetzte „Paganini“ dann den D 285 und fährt fast auf die Minute gleich ab. „Paganini“ hat nun jedoch einem EC würdig beschleunigte Fahrzeiten und vor allem verkürzte Aufenthalte, zudem entfallen die Zwischenhalte in Matrei, Steinach in Tirol, Colle Isarco/Gossensass, Vipiteno/Sterzing, Ora/Auer, Mezzocorona, Nogara und Ostiglia. Bologna wird um 21:30 Uhr erreicht, hier wird nun mit guten Anschluss der Nachtzug „Espresso del Levante“ nach Lecce sowie mit gut 60 Minuten Übergang ein Nachtzug nach Reggio di Calabria erreicht. Mit D 285 hatte man Bologna erst um 23:42 Uhr erreicht!

Und noch was: Irgendwie ist unser EC 13/12 „Paganini“ übrigens auch ein Erbe des „Leonardo da Vinci“, den 1990/91 war unter diesem Namen als EC 11/10 Dortmund-München-Milano unterwegs gewesen, der wiederum ein Nachfolger des Mediolanum ist, der bereits Anfang der 1980er als IC Dortmund-Mailand über München verkehrte, aber auf Grund der fehlenden SFS deutlich langsamer unterwegs war. „Leonardo da Vinci“ wurde durch die Einführung des „Paganini“ auf den Laufweg München-Milano eingekürzt. Seine Zugnummer hatte „Paganini“ übrigens auch von edlen Vorfahren übernommen, vorher hatte die der EC „Blaue Enzian“ Dortmund-Klagenfurt belegt.

Fahrplan des „Paganini“ 1991/92 in der „Datenbank Fernverkehr“ von Marcus Grahnert

Zugbildungsplan des EC 13 1991/92. Zur Verfügung gestellt von Olaf Ott.

Bespannt wurde der „Paganini“ zwischen Dortmund und Stuttgart von den noch recht neuen Nürnberger 120.1, von Stuttgart bis München kamen Frankfurter 103 zum Einsatz, südlich München offensichtlich gemäß diesem Foto von J. Mauerer Münchner 111. DSO-User „pilzleuchte“ hat den Paganini Anfang 1992 in Bozen (Bild 8) mit einer E652 der FS fotografiert.

Im Folgejahr 1992/93 lief „Paganini“ fast unverändert weiter, aus diesem Fahrplanjahr ist dann auch die Zugbildung überliefert. An der Spitze laufen ab Dortmund bis zu 6 Bpm(b), es folgen zwei Bvm und der WRm (hier kamen die nur drei mehrspannungsfähigen WRmz 137 zum Einsatz); den 1.Klasse-Block bildete ein Avm, ein Apm und noch ein Avm, am Zugschluss ab Dortmund lief an einzelnen Wochentagen im Winter ein weiterer Avm, der nur bis München verkehrte. In der gegenrichtung lief hinter der Lok ab München bis Köln übrigens ein Postwagen im Zugverband (außer Wochenende).

Im Sommer 1993 wurde der „Paganini“ südlich von München nach Venezia statt nach Bologna geleitet, weshalb der „Espresso del Levante“ nach Lecce nicht mehr erreicht wurde, der Anschluss bis Sizilien mittels des Nachtzuges 1771 bestand weiter, da dieser nun bereits ab Bozen verkehrte, wo man mit 45 Minuten Aufenthalte bequem umsteigen konnte. Der neue Endbahnhof Venezia S.L. wurde um 20:42 Uhr erreicht. Diese Fahrplangestaltung hatte dann bis zum Frühsommer 1995 bestand.

DSO-User „103 215-0“ hat den Paganini 1994 in Innsbruck und München fotografiert, in Innsbruck war eine 1044 der ÖBB die Zuglok, in München setzte sich eine 120.1 vor den immer noch im Zug befindlichen Postwagen. Auch 1992/93 sind südlich München offensichtlich bereits 1044 der ÖBB zuständig gewesen. Am Brenner sind Schubeinsätze durch 140er der DB nachgewiesen.

Stand: 10.6.2015

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