Reisebericht: Öffentlicher Verkehr im Berchtesgadener Land (und drum herum)

Von Markus Egger

Eine wirklich schöne Ecke Deutschlands ist das Berchtesgadener Land – heute möchte ich Euch einige Eindrücke eines mehrtägigen Aufenthalts dort präsentieren, die vielleicht auch ein paar Touranregungen sein können!

Zur gepflegten Anreise empfiehlt sich natürlich der IC 2083 „Königssee“, hier umfährt schon die Zuglok in Freilassing ihre 6 Wagen um sie dann bald auf den Berg zu schleppen.

Der Hauptbahnhof von Berchtesgaden liegt schön im Tal am Zusammenfluss von Ramsauer und Königsseer Ache zur Berchtesgadener Ache.

Betrieblich genutzt werden die Gleise 1 bis 3, Gleis 4 ist noch für Umsetzfahrten von Gleis 3 aus vorhanden. Die Ausstattung ist eigentlich fast einer kleineren Großstadt würdig, wirkt aber natürlich etwas überdimensioniert. Außer dem IC Königssee verkehrt hier nur je Stunde ein 3-teiliger Flirt der BLB (Berchtesgadener Land Bahn).

Der Bahnhof wurde in den späten 1930er Jahren zu unsäglichen Zeiten neu errichtet, da die bisher bestehenden Anlagen aus der Zeit der Errichtung der Königlich Bayerischen Lokalbahn Reichenhall-Berchtesgaden den Ansprüchen nicht mehr genügte. Über den Bahnhof führt seit 1937 ein Fußgängersteg, der einen guten Überblicjk ermöglicht und einen schönen Fußweg Richtung Ortszentrum anbindet.

Der Aufstieg zum Steg ist im Bahnhofsgebäude integriert, die Treppe selber aber in wenig ansprechendem Zustand.

Die wandgemälde in der Schalterhalle entstanden zum Glück erst in den 1950ern und sind somit plitisch unbedenklich

Berchtesgaden ist heute ein Kopfbahnhof, geplant war jedoch in den 1930ern eine zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn Berchetsgaden-Salzburg im Tal der Berchtesgadener Ache. Als Vorleistung hierzu wurde in Berchtesgaden ein Tunnel errichtet.

Bis in die 1980er-Jahre lagen die Gleise sogar bis etwas in den Tunnel hinein, um ein Umsetzen zwischen allen Gleisen zu ermöglichen, heute ist der Tunnelmund gleisfrei.

Dieser Panoramablick auf den Watzmann hätte sich bei der Einfahrt aus Salzburg in den Berchtesgadener Hbf geboten:

Auf dem Bahnhofsvorplatz befindet sich der Busbahnhof, von dem aus sternförmig RVO-Linien die Ausflugsziele in der Umgebung ansteuern. Hier steht ein Setra 415UL des örtlichen Unternehmens Schwaiger im DB Oberbayernbus-Design zur Abfahrt auf der Linie 841 Richtung Königssee und Jennerbahn bereit.

Für mich ging es aber mit der Linie 848 und einem Setra 415 NF der RVO zur „Mautstelle Nord“

Diese Mautstelle (bereits auf 1.100 m ü. N.N.) befindet sich auf der Roßfeldpanoramastraße, ebenfalls einem Relikt der 30er-Jahre und ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen, z.B. auf den Zinkenkopf. Für Fahrten über Mautstelle Nord hinaus wird im Bus Maut erhoben (2,50 € je Erwachsenen). Die Fahrt zur Mautstelle Nord ist schon allein ein erlebnis durch die steile Straße.

Hier wendet der Wagen an der Mautstelle Nord:

Nach kurzer Wanderung erreicht man den Zinkenkopf, auf dem die Staatsgrenze zur Republik Österreich verläuft und von dem aus man einen herrlichen Blick ins Tal der Salzach und Hallein sowie im Hintergrund bis Salzburg hat.

Auf Österreichischer Seite kann man den Zinkenkopf mit einer Sesselbahn oder einer Sommerrodelbahn hinabfahren, ich habe mich für ersteres entschieden:

Am Fuß der Sesselbahn liegt die Haltestelle Bad Dürrnberg Zinkenlifte des Stadtbus Hallein, mit dem man stündlich nach Hallein fahren kann.

Hallein selber ist ebenfalls rceht schmuck:

Von Hallein aus führt u.a. der Linie 170 des ÖBB-Postbus nach Salzburg. Nimmt man diese bis Anif Schlosswirt, kann man dort i.d.R. mit 15 Minuten Übergang in die Linie 840 Salzburg-Berchtesgaden umsteigen. Zum Einsatz kamen bei meinem Besuch auf der Linie 170 überwiegend dreiachsige Integro, hier ein Wagen der Gegenrichtung nach Golling.

Nach Salzburg gelangte ich dann wieder in einem MAN Gelenkbus der RVO.

Salzburg selber ist natürlich auch eine Reise wert, deshalb ging es am nächsten Morgen mit der Linie 840 duirekt dorthin, diesmal stellte die RVO einen Setra 315NF.

In Salzburg muss man natürlich den O-Bus besuchen, hier die neueste Generation von Solaris:

Das mittlere Alter präsentiert hier ein Van Hool:

Aber auch Gräf&Stift/MAN aus den 1990ern sind noch im Einsatz, Wagen 240 war sogar früher einmal in Kapfenberg im Einsatz:

Die bekannteste Buslinie Berchtesgadens ist natürlich eigentlich die Kehlsteinlinie, die ich aber nicht bereist habe. Hier steht aber einer der neuesten Kehlsteinwagen am ZOB Berchtesgaden zur Abfahrt auf den Obersalzberg bereit:

Ebenfalls mit einem C2, diesmal aber wieder von Schwaiger ging es mit einem Eilwagen der Linie 841 an den Königssee:

Dort steht natürlich eine Schifffahrt auf dem Pflichtprogramm. Die Bayerische Seenschifffahrt fährt hier übrigens bereits seit 1909 ausschließlich mit elektrischen Booten – gelebte Elektromobilität!

Idylle pur in St. Bartolomä:

Ab der Anlegestelle Saletalm bietet sich die Wanderung zur Fischunkelalm am Obersee an, einfach nur herrliche Landschaft:

Noch ein paar Tipps für Ausflüge mit dem ÖPNV vor Ort:

  • Übernachtungsgäste in Berchtesgaden und Umgebung erhalten in ihrer Herberge eine Gästekarte, die Freifahrt in Bus und Bahn im näheren Umfeld (Ausnahme Kehlstein und Mautstrecken) gewährt. Nach Salzburg und Bad Reichenhall gibt es pauschale Aufpreise für Gästekartenbesitzer.
  • Ansonsten gilt der Wabentarif der RVO, es gibt auch eine RVO-Tageskarte für 9,90 €.
  • Im Grenzüberschreitenden Verkehr in den Salzburger Verkehrsverbund kann durchgehend nach diesem tarifiert werden, das ist so auch in den österreichischen und deutschen Bussen erhältlich (von mir getestet bei Postbus für Hallein-Marktschellenberg).
  • Die BLB bietet ein güstiges Tagesticket für ihr „Schienennetz“ an.
  • Das Fahrplanangebot ist relativ dicht, beim Bus zumindest in der Hochsaison. Die BLB fährt stündlich Freilassing-Berchtesgaden, zusätzlich fahren ÖBB-S-Bahnen stündlich ab Salzburg bis Bad Reichenhall. Dort besteht Anschluss an die RVO Linie 841 Richtung Berchtesgaden, so dass sich auch für den Abschnitt Bad Reichenhall-Berchtesgaden ein angenäherter Stundentakt aus Bahn udn Bus ergibt.
  • In Berchtesgaden ist Busknoten i.d.R. zur Minute 15 mit sternförmigen Abfahrten in fast alle Richtungen, einzig die 841 auf dem Rückweg Richtung Berchtesgaden fährt zur Minute 45. Da die Züge etwa zur Minute 30 in Berchtesgaden ankommen ergeben sich dort leider nur wenige sinnvolle Anschlüsse vom Zug auf den Bus. Bus/Bus-Anschlüsse sind jedoch zahlreich und gut!
  • Die Linie 840 Berchtesgaden-Salzburg ist der schnellste Weg um von Berchtesgaden in die Innenstadt von salzburg zu kommen, sie wird gemeinsam von RVO und Albus betrieben. Abfahrt in Berchtesgaden und Salzburg jeweils i.d.R. zur Minute 15, deswegen leider in Salzburg auch eher schlechte Anschlüsse zum Zug, vom Zug sind die Anschlüsse dagegen ganz gut.

Stand: 9.6.2015

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